Eugenie Grandet

 

Claude Jade als Madame des Grassins – „Sie war wie die letzten Rosenblüten im Nachsommer, deren Anblick große Freude machen, deren Blätter aber etwas Kaltes haben.“

EUGÉNIE GRANDET    (Eugénie Grandet)
Frankreich TV-Spielfilm 1993 Regie: Jean-Daniel Verhaeghe Buch: Pierre Moustiers, nach dem Roman von Honoré de Balzac  Kamera: Marc Quilici, Gérard Vigneron  Musik: Michel Portal  Schnitt: Bernard Morillon  Produktionsleitung: Maurice Gilli Produktion: France3, I.N.A., Technisonor, C.N.C   EA: 12.02.1994  DA: 24.11.2002
Darsteller:
Alexandra London (Eugénie), Jean Carmet (Grandet), Dominique Labourier (Mme Grandet), Jean-Claude Adelin (Charles Grandet), Claude Jade (Lucienne des Grassins), Pierre Vernier (M. des Grassins), Rose Thiéry (Nanon), Pascal Elso (Cruchot de Bonfons), Bernard Haller (Abbé Cruchot), Sacha Briquet (Notar Cruchot), Olivier Delor (Adolphe des Grassins), Jean-Marie Bernicat (Bergerin), Anne-Marie Franqués (Mlle Gribeaucourt), Anne Guinou (Mme d’Orsonval), Céline Caussimon (Cécile d’Aubrion), Marc Fayolle (Cornoiller), Jean-Claude Carrière (Erzähler) u.a.

Mitte des 19. Jahrhunderts in der Provinz. Eugénie Grandet, heiratsfähige Tochter eines geizigen Böttchers, wird von zwei rivalisierenden Familien umworben, die es auf das Erbe abgesehen haben. „Erneute Verfilmung eines der berühmtesten Romane der Weltliteratur, der am Einzelschicksal den sozialen Wandel einer Gesellschaft und dessen Folgen beschreibt. Der Film zeichnet den Egoismus der Personen ebenso wie das schwer einzuordnende Wesen der vermögenden Braut, die zwischen Opferbereitschaft, Leidenschaft und Herablassung schwankt. “ (Filmdienst)

1993 adaptiert Jean-Daniel Verhaeghe mit „Eugénie Grandet“ den berühmten Roman Honoré de Balzacs. Nach den gemeinsamen Filmen „La controverse de Valladolid“ und „Bouvard et Pécuchet“ besetzt Verhaeghe erneut Jean Carmet für eine Hauptrolle, die das Testament des 73jährigen Schauspielers wird. Und Verhaghe vertraut Claude Jade eine Rolle an, die lustig, exaltiert und – wie von ihr schon lange gewünscht – gehässig ist.  Claude Jade spielt die amüsante Figur der Lucienne des Grassins, weltgewandte Provinzlerin und Bankiersgattin, die in der Stadt mit ihren Abendgesellschaften den Ton angibt und ihren Sohn Adolphe profitabel verheiraten will.

Jean Carmet, Alexandra London, Olivier Delor, Pierre Vernier, Claude Jade

Im Mittelpunkt steht die ebenso unscheinbare wie aufrechte Tochter des reichen und menschlich geradezu deformiert geizigen Böttchers Grandet, um deren Mitgift sich zwei Familien in der Provinzstadt Saumur – die des Grassins und die Cruchots  – über die Jahre und schließlich auch über den Tod von Eugénies Eltern hinweg streiten.  

Claude Jade (Lucienne des Grassins), Jean Carmet (Grandet), Alexandra London (Eugénie Grandet)

Claude Jade erinnert sich in ihren Mémoiren: „Ich habe eine schöne Lektion gelernt, als ich Jean Carmet bei der Arbeit zusah.
Er bereitete jede Szene sorgfältig vor, wie ein guter Handwerker, und trug in seinen Anzugtaschen immer kleine karierte Karteikarten, auf denen er seine Textstellen abgeschrieben hatte. Er liebte es, sich vor dem Spielen auf seinen Text konzentrieren zu können, und er tat dies mit so viel Wahrheit und Natürlichkeit, dass man meinen könnte, er hätte es nicht nötig;  ganz im Gegenteil, er war ein „Büffler“.
Ich habe es genossen, mit diesem humorvollen, liebenswerten und warmherzigen Mann zu drehen, und dank ihm war der Film ein voller Erfolg.“

Alexandra London, Jean Carmet, Dominique Labourier, J.C. Adelin, Claude Jade, Pierre Vernier, Rose Thiery, Pascal Elso, Sacha Briquet, Bernard Haller, Olivier Delor

Neben Claude Jade und Jean Carmet engagiert Verhaeghe eine auserlesene Besetzung: Alexandra London, kurz zuvor für ihre Marguerite in Maurice Pialats „Van Gogh“ gefeiert, spielt die Titelrolle.
Dominique Labourier, die in ihren Anfängen Claude Jades Schwester in „Les oiseaux rares“ war, hatte sich mit Hauptrollen in Bernard Pauls „Beau Masque“ und Rivettes „Céline et Julie vont en bateau“  etabliert. Pierre Vernier, als Held der Serie „Rocambole“ populär und im Kino unter anderem mit „Le jardinier d’Argenteuil“ bekannt, unterstützt als Monsieur des Grassins die Manöver seiner Frau. Neben dem Cruchotiner-Trio Pascal Elso, Bernard Haller und Sacha Briquet ist Rose Thiéry das Hausmädchen Nanon.

An einem Abend im November 1819 küsst ihre Lucienne die Heldin überschwenglich herzlich und überlässt es ihrem Sohn Adolphe, Eugénie das Geburtstagsgeschenk zu überreichen. Claude Jade spielt diese Figur prahlerisch, doch sich auch sicher, in dem Provinznest an der Loire die einzige Person mit einem Flair von Welt zu sein. Feierlich erklärt sie den Anwesenden, dass das Nähkästchen aus Paris sei. Sie mustert die blauen, dickbäuchigen Gefäße, in denen die Blumen der rivalisierenden Cruchots stecken und sucht mit der Naivität einer spottsüchtigen Frau nach deren „eigentlichen“ Geschenken. Dabei wirft Claude Jade lächelnd und herausfordernd einen Blick in Richtung der Konkurrenz.

Alexandra London, Jean Carmet, Olivier Delor, Pierre Vernier und Claude Jade in der Balzac-Verfilmung „Eugénie Grandet“ (1994)


Madame des Grassins bei Balzac und in den Adaptionen

Balzac beschreibt die Figur der Madame des Grassins als „eine jener lebhaften rosahäutigen Frauen, die dank der klösterlichen Lebensweise in der Provinz und der Gewohnheiten eines tugendhaften Lebens sich noch mit vierzig Jahren jung erhalten haben. Sie war wie die letzten Rosenblüten im Nachsommer, deren Anblick große Freude machen, deren Blätter aber etwas Kaltes haben.“  Eine Vorlage, der Claude Jade in ihrer feinen Interpretation trefflich gerecht wird. In der deutschen Fassung wird sie durch Charlotte-Rampling-Stammsprecherin Krista Posch etwas herber. In den meisten Verfilmungen wird dieses Herbe durch Maria Bodi (1946), Hélène Duc (1956), France Delahalle (1968) und Anne-Marie Philipe (2021) bedient. In einer deutschen Fernsehaufzeichnung der Bühnenversion „Unser liebes Fräulein Grandet“ spielte der einstige UFA-Star Carola Höhn 1965 die Madame des Grassins.

Balzacs Madame des Grassins in Verfilmungen zwischen 1921 und 2021

Neben den genannten gibt es einen zehnminütigen Kurzfilm von 1910, einen 55minütigen spanischen Fernsehfilm (1977) mit Carmen Maura und Eusebio Poncela sowie Lola Cordón als Madame des Grassins und eine nicht verfügbare BBC-Miniserie von 1965 in drei Teilen, in der Mary Kerridge, die Queen Elizabeth aus Laurence Oliviers „Richard III“ (1955) die Madame des Grassins spielte.  Im Stummfilm „The Conquering Power“ (1921) von Rex Ingram ist Bridgetta Clarke neben den von Rudolph Valentino und Alice Terry gespielten Liebenden mit aufgesetztem Happy End mondän, in Mario Soldatis Version mit Alida Valli ist Maria Bodis Bankiersfrau eine kleine Karrikatur. Autorität zeichnet die Darstellung von Hélène Duc aus und kalter Charme die von France Delahalle. In der jüngsten Verfilmung durch Marc Dugain ist Gérard Philipes Tochter Anne-Marie Philipe als Madame des Grassins allenfalls anwesend und darf zweidrei kurze Sätze von sich geben. Am Nähesten an Balzacs Figur – auch im Rollenumfang am großzügigsten – ist neben Claude Jade die bravourös spielende Irina Lisko in Sergej Alexejews „Eugénie Grandet“ (1960). An der Seite von Ariadna Schengelaja (Eugénie) und Michail Kosakow (Charles) hat sie eine an Freundlichkeit und Gier reiche Rolle, die auch gemäß der Romanvorlage am Ende die Banquière von Saumur wird.

Amüsante Intrigantin

Olivier Delor (Adolphe des Grassins) und Claude Jade (Lucienne des Grassins) in „Eugénie Grandet“

Claude Jade amüsiert als durchtriebene Bankiersfrau. Ein Vergnügen ist das Zusammenspiel Mutter und Sohn: Adolphe, den Olivier Delor, wenngleich nicht hoch aufgeschossen und blond wie bei Balzac, gemäß der Vorlage als Muttersöhnchen darstellt, wird angestubst, um von ihr eingetrichterte Sätze abzuliefern oder die Klappe zu halten, wenn er von einem Besuch in Paris beim Ball des Baron de Nucingen berichtet. Balzac erlaubt sich dieses Clin d’œil auf eine Figur aus einem anderen Werk aus seinem Zyklus der „Menschlichen Komödie“, den Bankspekulanten in „Das Haus Nucingen“. Claude Jade bewahrt dabei den erfrischenden kühlen Charme, den Balzac beschreibt.

Pierre Vernier, Alexandra London, Olivier Delor, Claude Jade

Sacha Briquet, Alexandra London, Olivier Delor, Dominique Labourier, Claude Jade, Pascal Elso, Bernard Haller

Charles Grandet (Jean-Claude Adelin) kommt in Saumur an.

Pascal Elso, Bernard Haller, Dominique Labourier, Sacha Briquet, Pierre Vernier, Alexandra London, Olivier Delor, Claude Jade

Lucienne, die ihre Garderobe extra aus Paris kommen lässt, deren Mann ihre Manöver unterstützt und die in Saumur Gesellschaftsspiele und Lotto veranstaltet, muss in dieser Nacht mit gesenktem Blick einen auftauchenden Rivalen umgarnen: Eugénies Cousin Charles  (Jean-Claude Adelin), der plötzlich nach dem Selbstmord seines verschuldeten Vaters auftaucht. Ihre Reize setzt sie vorgeblich nur ein, um die Trümpfe ihres Sohnes zu sichern. Und Claude Jade reizt diese „rôle de composition“ genüsslich aus. Auch die Dialoge zwischen Lucienne des Grassins und ihrem Widersacher, dem Abbé Cruchot (Bernard Haller), sind ein elegantes Vergnügen und entsprechen dem Rollenbild, nach dem Claude Jade sich sehnt.

Sobald sie ein Crescendo des Staunens in Eugénies Blick auf Charles entdeckt, wirft Claude Jade ihm einen Blick zu, den „Blick aus der Provinz, wo die Frauen es gewohnt sind, soviel Zurückhaltung und Vorsicht in ihre Augen zu legen, dass sie den Ausdruck lüsterner Gier annehmen, wie sie den Augen der frommen Priester eigen sind, denen immerfort  jegliche Vergnügungen als Verbrechen oder Sünde gelten“.
Sie lädt ihn zu sich ein: „Unser Salon ist das einzige in Saumur, wo Sie sowohl die Spitzen der Kaufmannschaft als auch den Adel antreffen werden. Wir gehören beiden Gesellschaftskreisen an, und weil man sich gut unterhält bei uns, so gibt man sich da gern ein Stelldichein.“

Jean-Claude Adelin (Charles Grandet), Claude Jade (Lucienne des Grassins)

Claude Jade senkt die Stimme, um sie mit der Vertraulichkeit ihrer Mitteilung in Einklang zu bringen: „Ihr Onkel ist ein alter Geizhals, der nichts als seine Weinstöcke im Kopf hat, ihre Tante eine devote Betschwester, die keine zwei Gedanken zusammenreimen kann und ihre Cousine ist eine dumme Gans.“

Claude Jade (links) und Dominique Labourier (rechts) spielten 1967 in der Serie „Les oiseaux rares“ die Schwestern Sylvie und Martine Massonneau

Bernard Haller (Abbé Cruchot), Rose Thiery (Nanon), Claude Jade (Lucienne des Grassins)

Bernard Haller, der sich selbst als Melanchomiker („mélanchomique“) bezeichnete, ist als Abbé Cruchot ein Rivale um die Gunst Eugénies. Haller („Ich hatte schon früh eine Glatze und das hat mich daran gehindert, ein jeune premier zu werden. Ich flüchtete mich in das Kabarett“) hatte kurz zuvor am Théâtre national de Chaillot erfolgreiche Premiere seines Stücks „Fregoli“ als Co-Autor und Hauptdarsteller gefeiert. Der Schweizer Bernard Haller war ein Meister der Wortspiele, der mit eigenen Shows begeisterte und zu dem das „Dictionnaire du cinéma“ anmerkte, dass er über  Präsenz und Talent verfüge, die im Kino in mittelmäßigen Filmen ungenutzt blieben. Verhaeghe nutzt dieses Talent.

Haller liefert sich mit Claude Jade eine kleines Gefecht.
Während Madame des Grassins bei Balzac triumphiert, wie reizlos Eugénie heute gewesen sei, lästert Claude Jade in Verhaeghes Verdichtung, dass Charles schnell genug herausfinden werden, dass Eugénie geistlos und ohne Verstand sei.
Für  Madame des Grassins war der Flirt mit Charles nur Kalkül: „Ich glaube, dass sich eine unbescholtene Dame in allen Ehren ein paar kleine Koketterien erlauben darf, die doch Bestandteil ihrer gesellschaftlichen Pflichten sind.“ Den verruchten Hinweis des Abbé, sie solle sich in Charles Gegenwart aufhalten, weiß sie in der Vorlage mit einem Hinweis auf das elendige Ende der Marquise de Merteuil in Choderlos de Laclos‘ Briefroman galant zu kontern: „Ich habe das Alter von neununddreißig Jahren nicht mit einem tadellosen Ruf erreicht, um ihn zu kompromittieren, selbst wenn es um das Reich eines Großmoguls ginge.“
Ungesagten Subtext spielt Claude Jade mit stolzer Koketterie. Wenn der Abbé sie ärgert, dass es inzwischen schlecht um Adolphes Chancen stehen, lacht sie: „Es sind Ihre eigenen, die Sie verärgern, oder vielmehr die Ambitionen Ihres Neffen. Ich an seiner Stelle würde nicht zögern, den Kampf aufzugeben. Mit einem Blumenstrauß kann man das Spiel nicht gewinnen.“

Gedreht wurde in der Umgebung von Saumur und in der Altstadt von Le Mans

Claude Jade und Pierre Vernier in der Altstadt von Le Mans

Hernach konzentriert sich die Geschichte auf die Entscheidung Eugénies, ihrem verarmten Cousin Charles, in den sie sich verliebt hat, ihre Goldstücke zu geben. Als Grandet davon erfährt, belegt er sie mit Hausarrest. Eugénie hält an ihrer Liebe zu Charles fest, der mit dem geliehenen Vermögen in der Ferne einen Neuanfang. 

Neuigkeiten von Mlle Gribeaucourt (Anne-Marie Franqués) für die Des Grassins (Claude Jade, Pierre Vernier)

Adolphe (Olivier Delor) und Lucienne des Grassins (Claude Jade)

Die des Grassins, die von den Hintergründen des Bankrotts von Charles Grandets Vater erfahren, suchen Grandet auf, um ihm ihre Hilfe bei Bankgeschäften in Paris anzubieten „Es ist doch ein Vergnügen, in Paris zu sein. Ich meinerseits würde gern etwas bezahlen, um nur hingehen zu dürfen“, insistiert Lucienne des Grassins, mit einem Blick ihren Mann ermunternd, den Cruchots, den Auftrag wegzuschnappen; Claude Jade blickt dabei höhnisch auf die Cruchots und bestätigend zu ihrem Sohn.

Olivier Delor, Claude Jade und Pierre Vernier in der Altstadt von Le Mans

Madame des Grassins belauscht Dr. Bergerin bei dessen Neuigkeiten aus dem Hause Grandet für Mademoiselle Gribeaucourt und Madame d’Orsonval



Lucienne des Grassins (Claude Jade), Adolphe des Grassins (Olivier Delor)

Auch nach dem Tod der Eltern bleibt Eugénie allein. Charles erweist sich letzendlich als undankbar, wie Lucienne des Grassins später von ihrem Sohn erfährt, als dieser aus Paris zurückkehrt: Charles hat sich mit einer anderen verlobt.
So werben die des Grassins und Cruchots weiter um Eugénie. Sie nimmt den ungeliebten Neffen der Cruchots, der bald stirbt.
Eugénie ist mit 33 Jahren Witwe, die mitten in der Welt nichts wusste von der Welt und ihre Verderbtheit zu begreifen, wie Balzac schreibt: „Dies edle Herz, das nur den zärtlichsten Gefühlen schlug, ging also zugrunde am berechnenden Geschäftsgeist, am menschlichen Strebertum.“

Claude Jade gehört die einzige lustige Rolle im Drama der „Menschlichen Komödie“ um ein Mädchen, das ihrem treulosen Vetter ihre Goldstücke schenkt und mit Arrest bestraft wird. Während Eugénie zur verhärmten alten Jungfer wird, Dominique Labouriers Madame Grandet an gebrochenem Herzen stirbt und Jean Carmet beim Wühlen in seinen Goldstücken dahingerafft wird, intrigiert sich ihre Madame des Grassins unbeschadet und fröhlich durch Saumur.

Pierre Vernier und Claude Jade

Verhaeghe verzichtet in seiner Straffung des Romans auf das Dilemma der Madame des Grassins, die bei Balzac vom Gatten für eine Pariser Schauspielerin verlassen wird und nun als Banquière de Saumur fortfährt, ihre Mitmenschen zu gängeln.  Bei Balzac lästert sie in der Kirche, um sich über die Böttcher-Familie Grandet auszulassen: „Ein verstorbener Bürger unserer Stadt hat seinen armen Bruder aus purem Geiz sterben lassen.“ Verhaeghe lässt das Paar Claude Jade und Pierre Vernier beieinander. Wenn sie durch die Stadt streifen, wirken sie in den Kostümen wie die menschlichen Interpreten von Fuchs und Kater in „Pinocchio“.

In ihren Auftritten in dem mit zwei „7 d’or“ ausgezeichneten Film, der von der Kritik als „ein Festmahl“ (Telerama) und „ein Ereignis“ (Le Figaro) bezeichnet wird, spielt sie eine Mutter, die ihren Sohn zum Verstummen bringt, indem sie ihm auf den Fuß tritt und ihm zuzischt: „Willst du wohl den Mund halten, du Vollidiot!“ Claude Jade tobt sich elegant und sichtlich vergnügt aus in den Kabalen, die sie hier schmieden darf.

Für Jean Carmet wurde der Film sein letzter großer Erfolg: Er erhielt den „7 d’or“ als Bester Schauspieler 1995 posthum.

Jean Carmet, Alexandra London und Claude Jade präsentieren den Film beim Monaco festival international de télévison am 9. Februar 1994

Epilog

Jean-Daniel Verhaeghe engagierte Claude Jade ein zweites Mal 2000 für eine Rolle in „Sans famille“ an der Seite von Pierre Richard.
Verhaeghe wollte sie 2003 für die Rolle der Thérèse de Fontanin in seiner Miniserie „Les Thibault“ besetzen. Claude Jade hätte nach „Le radeau de la Méduse“ erneut an der Seite von Jean Yanne gespielt. Die Rolle der Thérèse wurde 1972 von ihrer Filmmutter aus „La passion de Camille et Lucile Desmoulins“, Françoise Christophe, neben Charles Vanel verkörpert. Vom Alter zwar passend, entschieden sich die Produzenten, die Rolle zu verjüngen und besetzten die 14 Jahre jüngere Florence Pernel.

Zehn Jahre nach „Eugénie Grandet“ trafen Claude Jade und Alexandra London erneut zusammen und wieder spielt Claude Jade eine Mutterrolle. Während sie 1994 noch ihren Filmsohn Adolphe mit der von London gespielten Eugénie verheiraten wollte, wird ihr Filmsohn Arnaud de Montcourtet (Tristan Calvez) 2004 im TV-Krimi „La crim: Le secret“ von Alexandra London als Capitaine Florence Bailly  verhaftet, da er den Liebhaber seiner Mutter Armande getötet hat ohne zu wissen, dass dieser sein heimlicher Vater war.
Die Armande de Montcourtet war eine ihrer letzten Rollen vor dem Krimi „Groupe flag: Vrai ou faux“ und „Célimène et le cardinal“.

                                                                                                                                          Ausschnitt

Jean-Claude Adelin und Claude Jade in „Eugénie Grandet“ (1994)