Sous le signe de Monte Cristo – 1968

Publicity-Fotos von Claude Jade für "Sous le signe de Monte-Cristo"

Publicity-Fotos von Claude Jade für „Sous le signe de Monte-Cristo“

sous-le-signe-de-monte-cristo-a01aSOUS LE SIGNE DE MONTE-CRISTO
(Der Rächer aus dem Sarg / Gejagt wie Monte Christo)

Frankreich/Italien 1968 Regie: André Hunebelle Buch : André Hunebelle, Jean Halain, Michel Lebrun, nach Motiven des Romans ”Le comte de Monte-Cristo” von Alexandre Dumas Kamera: Raymond Lemoigne Musik : Michel Magne Schnitt : Colette Lambert Produzent : Cyril Grize Produktion: Pathé Cinéma, UGC, Sirius Films, Da Ma Produzione EA: 11.12.1968 DA : 15.05.1969

Darsteller: Paul Barge (Edmond Dantès), Claude Jade (Linda), Anny Duperey (Maria – Françoise), Pierre Brasseur (Faria), Paul le Person (Bertuccio), Michel Auclair (Gérard de Villefort), Raymond Pellegrin (Fernand Morcerf), Jean Saudray (Carderousse), Gabriel Gascon (Louis), Jacques Seiler (Wirt, ein Entführer Lindas), César Torres (Manolo, ein Entführer Lindas), Michel Thomass (der Chirurg), Daniel Verité (Jacques Lambert), Bernard Musson (Totengräber), Pierre Collet (Freund vom Areoclub), Iska Khan (ein Entführer Lindas), Jacques van Dooren (ein Entführer Lindas), Silvain Levignac (ein Entführer Lindas), Guy Delorme (ein Entführer Lindas) u.a.

Der französische Widerstandskämpfer Edmond Dantès wird nach einer Intrige falscher Freunde als Verräter und Nazi-Kollaborateur verurteilt. Ihm gelingt die Flucht nach Südamerika, wo er mit dem Mädchen Linda und zwei Freunden einen Schatz findet. Nach zwanzig Jahren kehrt er zurück, um sich an den Schuldigen zu rächen.

Sous le signe de Monte Cristo Pierre Brasseur Claude Jade

Claude Jade in einem explosiven Abenteurfilm

Als die 13jährige Claude 1962 am Pariser Théâtre du Chatelet den Schauspieler Pierre Vaneck in Edmond Rostands „L’Aiglon“ sieht, klopft ihr das Herz, als sie von der Loge aus die gleiche Luft atmet wie der umschwärmte Schauspieler. Die verliebte Begeisterung für Vaneck hält ganze drei Tage an, denn vor allen anderen liebt sie als Kind den edlen Helden Jean Marais in André Hunebelles Abenteuerfilmen „Le Capitan“ und „Le Bossu“. Claude wünscht sich an die Stelle Sabina Sesselmanns als jene Aurore, die in Hunebelles „Le Bossu“ (Der Gejagte) in den kräftigen Armen den geliebten Helden Henri de Lagardère liegt.

Anfang Juli 1968 kommt Claudes Agentin Jo Boudine mit einer Anfrage für den Film „Sous le signe de Monte Cristo“ (Der Rächer aus dem Sarg – Gejagt wie Monte Christo). Regie: André Hunebelle.

Claude Jade, Paul Barge "Sous le signe de Monte Cristo"

Claude Jade, Paul Barge „Sous le signe de Monte Cristo“

Hunebelle hatte dem Mädchen Claude Jorré mit seinem bevorzugten Star Jean Marais einen veritablen Jugendschwarm beschert. Nun will der gerade mit dem Erfolg der „Fantomas“-Trilogie angesagte 73jährige Regisseur einen modernen „Monte-Christo“, sehr frei nach Alexandre Dumas, drehen. Claude Jade reizt die hochrangige Besetzung. Pierre Brasseur wird den alten Faria spielen, die schurkischen Widersacher sind Michel Auclair und Raymond Pellegrin, die Heldenrolle übernimmt ein Unbekannter: Paul Barge. Die weiblichen Hauptrollen teilt sie sich mit Anny Duperey, die zwei Jahre zuvor in einer Nebenrolle in Godards „Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß“ debütiert und danach eine Hauptrolle neben Frederick Stafford im Agentenfilm „Der goldene Schlüssel“ gespielt hatte. Dupereys Maria entspricht der tragischen Dumas-Heldin Mercédès. Mehr Raum bietet diese Version erst- und letztmalig der Romanfigur Haydée, die in Hunebelles Adaptation von der osmanischen Prinzessin zur in Brasilien lebenden Französin Linda wird, der „Adoptivtochter“ Edmonds, die ihn bei seiner Rache unterstützt. Am 16. Juli beginnen die Dreharbeiten, die die Crew nach Fontainebleau, an die Côte d’Azur und nach Almería in Andalusien führt.

gestohlene Küsse: Claude Jade und Pierre Brasseur Sous le signe de monte cristo

gestohlene Küsse: Claude Jade und Pierre Brasseur Sous le signe de monte cristo

Hatte Claude Jade es erfolgreich verhindern können, bei der Ankündigung zu ihrem ersten Film als 18jährige ausgegeben zu werden, so ist sie nun doch um ein Jahr verjüngt. Cine Revue: „Zwischen zwei Aufnahmen rezitiert Pierre Brasseur Erinnerungen. Claude Jade, achtzehn Jahre und die Entdeckung Truffauts aus ‚Geraubte Küsse‘, lauscht ihm – bewundernd und verzaubert.“

Hunebelle verlegt die Handlung ins Jahr 1947: Statt der Pferde und Kutschen gibt es nun Citroën und Rolls Royce, statt eleganter Degenduelle Faustkämpfe nach dem Kinogeschmack der ausgehenden 60er Jahre.

Autos statt Pferdekutschen: Claude Jade und Paul Barge in “Sous le signe de Monte-Cristo”

Autos statt Pferdekutschen: Claude Jade und Paul Barge in “Sous le signe de Monte-Cristo”

Paul Le Person, Claude Jade, Paul Barge Sous le signe de Monte CristoEdmond Dantès (Paul Barge) wird als Nazi-Kollaborateur denunziert. Dem unschuldig Verurteilten gelingt mit einem Sprung aus seinem Sarg die Flucht vom Gefängnisfriedhof und von dort mit Kumpel Bertuccio (Paul le Person) weiter nach Südamerika, wo das von falschen Freunden manipulierte Flugzeug vor der brasilianischen Küste abstürzt. Dort rettet er das Mädchen Linda (Claude Jade) und dessen Vater Louis (Gabriel Gascon) inmitten von Felsen vor dem Verdursten. Der Säufer Faria (Pierre Brasseur) stößt zu dem Quartett. Als Linda entführt wird und ihr Vater bei der Befreiungsaktion ums Leben kommt, wird sie von den drei Männern adoptiert. Faria führt sie zu einem Schatz, mit dem man „das Glück dieses Mädchens machen“ könne.

Morcerf (Raymond Pellegrin) kondoliert Linda (Claude Jade). Im Hintergrund: Anny Duperey

Morcerf (Raymond Pellegrin) kondoliert Linda (Claude Jade). Im Hintergrund: Anny Duperey

Am Ort des Schatzfundes, einer Höhle in den Bergen, stirbt Faria und Claude Jade muss zum zweiten Mal den „Tod eines Vaters“ beklagen. Es wird einen weiteren Sarg geben, an dem sie schwarz trägt, doch die Beerdigung Edmonds, bei der Linda ein drittes Mal trauert, ist von ihr und Dantès inszeniert. An der Côte d’Azur gibt sich Edmond als „Christian Montez“ aus und überführt die wahren Nazihelfer. Auf seinem Rachefeldzug begegnet er seiner einstigen Verlobten Maria (Anny Duperey) wieder, die seinen Widersacher Morcerf (Raymond Pellegrin) geheiratet hat im Glauben, Edmond sei bei dem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Linda stellt dem Denunzianten Villefort (Auclair) eine Falle, denn dieser will Dantès erneut zum Schweigen bringen. Am Ende sind die Schurken, die Linda bei der Trauerfeier heuchlerisch kondolieren, überführt und Maria wird von einer verirrten Kugel getroffen; wie bei Dumas das Liebespaar Dantès und Haydée reisen nun Edmond und Linda davon auf einer Yacht mit den Initialen „M.C.“.

Paul le Person und Claude Jade, hier als Bertuccio und Linda, spielen erneut 1991 zusammen: am Theater in "Un chateau au Portugal"

Paul le Person und Claude Jade, hier als Bertuccio und Linda, spielen erneut 1991 zusammen: am Theater in „Un chateau au Portugal“

Als "Der Rächer aus dem Sarg" aufersteht: Paul le Person und Claude Jade

Als „Der Rächer aus dem Sarg“ aufersteht: Paul le Person und Claude Jade

claude jade paul barge sous le signe de monte cristo

Paul Barge, Claude Jade „Sous le signe de Monte Cristo“

Claude Jade erscheint erst nach fast einer halben Stunde Laufzeit – ohnmächtig neben einem Maultier auf weißem Sand liegend, wird sie in karger Felslandschaft vom tapferen Helden entdeckt. Als ihre Lippen vom Wasser aus einer Feldflasche benetzt werden, öffnet sie die Augen, wird von Paul Barge hochgehoben und in Sicherheit getragen, eben so wie ein gerettetes Mädchen im klassischen Abenteuerfilm vom Helden auf dessen Heldenarmen getragen wird.

Belmondo, Dorléac "L'homme de Rio"

Belmondo, Dorléac „L’homme de Rio“

Linda_desert_Claude_Jade_Paul_Barge_Sous_le_signe_de_Monte-CristoDem Filmhochschuldozenten Thomas Knauf gelingt in seinem Buch „Erinnerungen unter Vorbehalt“ eine bezaubernde Verwechslung mit einer Schauspielerin in einem anderen Abenteuerfilm jener Kinoepoche, deren Rolle er Claude Jade zuschreibt: „Fünfmal sah ich Abenteuer in Rio im Kino […] Eines Tages könnte es hier aussehen wie der überwucherte Tempel in Abenteuer in Rio, aus dem Belmondo die zarte Claude Jade befreit…“ Knauf meinte Françoise Dorléac, Truffauts 1967 tödlich verunglückte Liebe vor seiner Verlobung mit Claude Jade. Und die Verwechslung ist nicht nur der Rettungspose und des Schauplatzes Brasilien wegen naheliegend: 1969 vergleichen die amerikanischen Filmkritiker Pauline Kael und Vincent Canby wiederum Claude Jade mit Dorléacs blondierter Schwester, ebenfalls eine Geliebte François Truffauts: „Claude Jade, who looks like a less ethereal, more practical Catherine Deneuve, is lovely.“ (Kael), „Claude Jade, who looks like a dark-haired Catherine Deneuve, [is so lovely]“ (Canby).

omelette_Claude_Jade_Pierre_Brasseur_Gabriel_GasconUnd um die Verwechslung der beiden Abenteuerfilm-Heldinnen wieder aufzugreifen: Lindas rasche Genesung gleicht der von Dorléacs Agnès in „Abenteuer in Rio„; das gerade noch entkräftete Mädchen ist im Schnitt zur nächsten Szene putzmunter. Claude Jade erweist sich als Neuling in der kleinen Bande von Abenteurern als praktisch veranlagt und bereitet den Männern – gekonnt mit einer Pfanne jonglierend – einen Stapel Omelettes, dabei fröhlich giggelnd.

enlevement_de_Claude_Jade_Sous_le_signe_de_Monte_Cristo_Pierre_Brasseur_Iska_Khan_Cesar_TorresDoch Obacht: Böse Schurken – hier Exilfranzosen in Brasilien – bereiten dem Idyll ein Ende und entführen das Mädchen. Sie gerät in eine klassische Western-Saloon-Schlägerei, an deren Ende sie einen Sterbenden in den Armen hält.
Kay Weniger bemerkt in seinem „Personenlexikon des Films“, dass Claude Jade meist die liebevoll-sanftmütige moderne Frau in Gegenwartsstoffen und seltener in Abenteuergeschichten wie „Der Rächer aus dem Sarg“ zu sehen war. Im Fernsehen hat sie zwar ihre populärste Rolle als Abenteuerin Véronique in „Die Insel der 30 Tode“, doch im Kino ist dies tatsächlich ihr einziger klassischer Abenteuerfilm, entstanden zu einer Zeit, als das Genre sich bereits in der Auflösung befand und sich vollends zur Prügelklamotte wandelte.

Claude Jade umkämpft von Jacques van Dooren, Cesar Torres, Iska Khan, Silvain Levignac und Guy Delorme gegen Paul Barge und Paul le Person

Claude Jade umkämpft von Jacques van Dooren, Cesar Torres, Iska Khan, Silvain Levignac und Guy Delorme gegen Paul Barge und Paul le Person

mort_de_Gabriel_Gascon_dans_Sous_le_signe_de_Monte_Cristo_Claude_Jade_Tepedelenli Ali PaschaDie Verweise auf die Vorlage „Der Graf von Monte Christo“, an die sich André Hunebelle und sein Sohn bei der Bearbeitung des Dumas-Stoffes mit gewisser Ironie halten, finden hier bei aller Tragik ihr frechstes Element. Wie wird Claude Jade zu Edmonds Adoptivtochter und Geliebten?
Lindas Vorbild Haydée war die bereits von Alexandre Dumas erfundene Tochter einer historischen Figur, des 1822 ermordeten Osmanen Ali Pascha von Janina, bekannt als der Löwe von Ioannina. Für den kanadischen Schauspieler Gabriel Gascon, dessem Louis im Vergleich zu Ali Pascha ein friedliebender Zeitgenosse ist, bedeutet dieser Aspekt das Ende seiner kurzen Mitwirkung in „Sous le signe de Monte Cristo“.

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Der_Raecher_aus_dem_Sarg_Paul_Barge_Pierre_Brasseur_Claude_Jade_Paul_Le_PersonWenn Claude Jade in trostloser Steppe und zu an Morricone angelehnten Klängen an einem notdürftig errichteten Grab den Toten betrauert – in Schwarz mit einem Kopftuch im heißen Steppenwind, gleicht sie einer typischen Eurowesternheldin wie Marianne Koch in „Für eine Handvoll Dollar“. Und ist dabei doch eine Kindfrau, denn nun hat sie drei Beschützer, die sich um ihr Wohl sorgen – allen voran Pierre Brasseur als zerlumpter Bonvivant Faria, der ihretwegen sogar mit dem Trinken aufhört. Brasseur selbst denkt nicht daran – in den Pausen zwischen den Aufnahmen füllt er seinem zuvor mit Wasser gestreckten Bordeaux immer wieder ein wenig Wein hinzu.

"la môme" und "le monstre sacré" - Claude Jade mit Pierre Brasseur in "Sous le signe de Monte-Cristo"

„la môme“ und „le monstre sacré“ – Claude Jade mit Pierre Brasseur in „Sous le signe de Monte-Cristo“

main_baiser_Pierre_Brasseur_Claude_JadePierre Brasseur nennt die 19jährige Claude Jade „la môme“, die Göre, und gibt ihr voller Zuneigung Ratschläge. Paul Barge erinnert sich später, dass Brasseur seine Aufmerksamkeit vor allem seiner jungen Kollegin widmete. Mit Pierre Brasseur, dem Star der 30er und 40er Jahre in Marcel Carnés Meisterwerken „Hafen im Nebel“ und „Kinder des Olymp“, begegnet sie einem „monstre sacré“. Tatsächlich lohnen sich in dem recht banalen Abenteuerfilm jene Szenen, in denen Claude Jade mit Brasseur auftritt. Bis zu seinem Filmtod übernimmt dieser die Rolle eines Ersatzvaters, der Linda in die Geheimnisse alter indianischer Riten einweist und sie einführt „in die Reize des Vergangenen“, als spräche ein Meister mit seiner Schülerin.

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grotte_Claude_Jade_Pierre_BrasseurInfo: Pierre Brasseur  Bereits sein Vater und sein Großvater hatten als Schauspieler den Künstlernamen Brasseur gewählt. Den übernahm auch der 1905 geborene – und der Legende nach in einer Theaterloge gezeugte – Pierre-Albert Espinasse. Bereits mit 15, eine Gemeinsamkeit mit Claude Jade, spielte er Theaterrollen. Er schrieb Theaterstücke sowie einige Chansons für Édith Piaf. Mit der Rolle des dreisten Lucien in Marcel Carnés „Hafen im Nebel“ wurde er 1938 berühmt. Sein größter Erfolg ist der Schauspieler Fréderick Lemaître in Carnés „Kinder des Olymp“ (1945). In späteren Jahren als durchtriebener Schurke („Augen ohne Gesicht“), abartiger Despot („Karthago in Flammen“) oder skurriler Kauz („Leben im Schloss“) besetzt, hatte Pierre Brasseur seine letzte Rolle 1972 in „Die schönste Soirée meines Lebens“.
Sein Sohn Claude Espinasse arbeitet seit den 50er Jahren ebenfalls erfolgreich als Schauspieler. Er nennt sich Claude Brasseur.

affiche_belge_extrait_Claude_Jade_Pierre_BrasseurAndré Hunebelle, ein zuvorkommender und charmanter Herr, muss Claude in ihren Szenen mit Pierre Brasseur immer wieder ermahnen: „Claude, Sie sind nicht an Ihrem Platz!“ Tatsächlich steht sie brav auf der ihr zugewiesenen Markierung. Doch Pierre Brasseur hat sich in der Pause zwischen der ersten Stellprobe am Vormittag etwas Neues einfallen lassen und nimmt immer wieder andere Positionen ein.
Claude Jade, in ihrem zweiten Kinofilm noch etwas unerfahren, wagt es nicht, die Markierung zu verlassen und verfolgt von dort die sehr persönliche Improvisation ihres legendären Partners. Logisch, dass sie plötzlich zu weit entfernt von Brasseur steht. Und wenn der große Brasseur ihre Hand greift und ihre Fingerspitzen leckt, wagt sie ebenfalls nicht, etwas zu sagen.

Claude Jade stellt Michel Auclair eine raffinierte Falle: "Sous le signe de Monte-Cristo"

Claude Jade stellt Michel Auclair eine raffinierte Falle: „Sous le signe de Monte-Cristo“

belle_Claude_Jade_Sous_le_signe_de_Monte-CristoEn revanche flirtet sie als Linda im zweiten Teil des Films mit Anwalt Villefort (Michel Auclair) und irritiert diesen mit offensivem Einsatz von Charme und Koketterie. Sie bittet anscheinend unbedarft, er möge doch Christian Montez rehablitieren, da dieser sich seit dem Tod ihres Vaters so vorbildlich um sie gekümmert habe, dass sie ihm gern ihre Dankbarkeit erweisen möchte. Verschwörerisch senkt sie nun ihre Stimme, denn jener Graf Christian Montez sei in Wirklichkeit Edmond Dantès.
In dieser Szene empfiehlt sich Claude Jade als Hitchcock-Heldin – wäre sie nicht bereits zu Beginn des Drehs zu „Sous le signe de Monte-Cristo“ für „Topas“ besetzt worden. Die feine Intrige ist von Claude Jade sophisticated interpretiert; ihre Blicke sind ein Versprechen, über das Michel Auclair ins Schwitzen gerät: Der so verführte Anwalt wird sogar darauf verzichten, von Linda ein Honorar zu fordern.

voiture_Rolls_Royce_1968_Claude_Jade_Paul_Barge_film_Sous_le_signe_de_Monte-CristoAuf die Szene, in der Claude Jade den sinistren Michel Auclair in die Falle tappen lässt, folgt eine Sequenz, in der Edmond Linda ein Kompliment macht: „Bravo, Linda. Perfekter hätte man diese Rolle nicht spielen können.“ Und Claude Jade flaniert nach dieser Feststellung weiterhin erfrischend durch die ausgelassene Abenteuergaudi. Tatsächlich kämpfen die erstklassigen Schauspieler gegen einen uneinheitlichen Stil an, eine klamaukige Atmosphäre mit Action-Einlagen, eine Mischung aus Melodram, Nazijagd und Klamotte. Jegliches Drama verliert sich rasch in erneuten Humoreinfällen des vergnügten Vater-Sohn-Autorengespanns.

villa_1_Dantes_Paul_Barge_Claude_JadeHunebelle, der Apollinaires elegisches Gedicht vom Verschwinden der Liebe – „Le Pont Mirabeau“ – für sentimentale Aspekte einsetzt, verlässt sich offensichtlich zu sehr auf die Launigkeit seiner vier „OSS 117“-Agentenabenteuer und seiner drei „Fantomas“-Filme. Doch während der Film sein Publikum absichtlich und mit Erfolg zum Lachen bringt, ist an einer Rachegeschichte wie der des tragischen Dumas-Helden Edmond Dantès nichts Lustiges – und schon gar nicht, wenn dessen einstige Geliebte wie hier am Ende durch eine Kugel, die Edmond treffen sollte, stirbt. Die inflationäre Verwendung von Gags verrät Hunebelles Intention, weiter im Fahrwasser seiner Erfolgstrilogie treiben zu wollen. Als „kitschig und sehr ausgelassen“, wird Claude Jade den Film 2001 in Frank Kellers „Allôciné“ bezeichnen.

la_gueule_de_Mao_image_Claude_Jade_Paul_Barge_Paul_Le_Person_Sous_le_signe_de_Monte-CristoEinige freche Dialoge aus dem Original werden in der deutschen Fassung eliminiert und eingedummt. Wenn Edmond vom asiatisch aussehenden Chirurgen ein neues Gesicht verpasst bekommt und sich Linda und Bertuccio präsentiert, lacht Paul le Person in der Originalfassung: „Ich hatte schon befürchtet, du bekommst die Fresse von Mao“. Im Deutschen wird aus dem Vergleich mit Mao „das Gesicht von Frankenstein.“
Die Annahme der Mehrheit der Deutschen, bei Frankenstein handele es sich weniger um einen Studenten als um ein Monster, findet in der dummen Übersetzung seine Entsprechung zum großen Publikum.

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Claude Jade und Anny Duperey in ihrem ersten gemeinsamen Film. 1975 folgt "Le malin plaisir".

Claude Jade und Anny Duperey in ihrem ersten gemeinsamen Film. 1975 folgt „Le malin plaisir“.

Die jugendliche Frische Claude Jades und die dunkle Aura Anny Dupereys sind es, die dem Film neben den Kinolegenden Brasseur, Auclair und Pellegrin Klasse verleihen. Hunebelle bleibt vage, welcher der jungen Frauen Paul Barges Liebe gilt. Aus Claude Jades niedlichem Mädchen in Südamerika wird im zweiten Teil eine aparte junge Dame, doch zu mehr als sehr liebevollen Blicken und einem Kuss auf die Stirn lässt sich der sieben Jahre ältere Barge nicht hinreißen. Es vergehen vier Jahre, bis das zurückhaltende Paar aus „Sous le signe de Monte Cristo“ im Bett landet – in der Machiavelli-Verfilmung „La Mandragore“. Und 30 Jahre später – von 1998 bis 2000 – sind Claude Jade und Paul Barge das Ehepaar Anna und Gérard Chantreuil in den 281 Episoden der Serie „Cap des Pins“.

Vier Jahre später: Claude Jade und Paul Barge als Liebespaar in der Machiavelli-Verfilmung "La Mandragore"

Vier Jahre später: Claude Jade und Paul Barge als Liebespaar in der Machiavelli-Verfilmung „La Mandragore“

Jean Marais Pose des Helden aus Kindertagen übernimmt ein Jahr nach „Sous le signe de Monte Cristo“ der große Jacques Brel in der Historienkomödie „Mon oncle Benjamin“. Und war das Brasilien in Hunebelles Film nur 1400 Kilometer von Paris entfernt, so findet Claude Jade im echten, 9000 Kilometer entfernten Rio de Janeiro zwei Jahre später ihren wahren Ehemann: Bernard Coste.

Ein Kommentar zu “Sous le signe de Monte Cristo – 1968

  1. Pingback: Im Zeichen von Monte Christo | Claude Jade

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