Au bout du chemin

AU BOUT DU CHEMIN
Fernsehfilm, Frankreich 1981. Regie: Daniel Martineau  Buch: Daniel Martineau, Robert Benoît, Luce Gaudeau, Henri Marteau  Kamera: Roger Dormoy  Musik: Gilles Tonayre  Produzent: Pierre Luzeux  Erstausstrahlung: 07. 01. 1981 FR3
Darsteller:
Robert Benoît (Julien Dormoy), Madeleine Cheminat (Mme Robert), Marie Marczak (Martine), Claude Jade (Claude Jade), Roland Lesaffre (der Briefträger), Serge Moati (der Regisseur), Gérard Darrieu (der Künstler), Louis Lyonnet (der Holzfäller), Daniel Russo (der Regieassistent), Lucie Cristol (das Scriptgirl), Roland Bernard (der Chefkameramann), Nadine Pouilly (die Darstellerin von Madame Robert jung), Serge Martel (der Arzt), Robert Deraedt (der Tontechniker), Christian Levier (der Boom-Operator), Jacques Audran (ein Kameramann), Pascal Ridao (ein Kameramann), Elvire Derozières (die Maskenbildnerin), Roland Pequignot (der Mechaniker), Jean-Michel Amouy (der Requisiteur), Serge Vincnet (Dominique), Gisèle Grimm (die Bistrochefin), Jacques Giraud (der Wirt), Rebecca Potock (die Frau des Wirts), Tania Busselier,  Jo Rouleau u.a.

Bei Dreharbeiten hält eine alte Dame den Schauspieler Julien Dormoy, der die Rolle eines Résistance-Kämpfers spielt, für dessen Vorbild aus der Wirklichkeit, ihren einstigen Freund.
Claude Jade spielt in dem Film sich selbst als Kollegin der Hauptfigur.

Claude Jade als Claude Jade und Robert Benoît als Julien Dormoy vor dem „Hamlet“-Plakat am Théâtre de l’Atelier. Szene aus „Au bout du chemin“

Schauspieler Julien Dormoy (Robert Benoît) ist glücklich: Parallel zu seiner Arbeit am Theater – er probt am Théâtre de l’Atelier mit Claude Jade für „Hamlet“ – spielt er die Hauptrolle in einem Fernsehfilm. Seine Rolle ist die eines ehemaligen Widerstandskämpfers aus Lille, der im Zweiten Weltkrieg bei der Sprengung eines deutschen Stützpunkts stirbt. Julien begegnet der einstigen Frau dieses Widerstandskämpfers. Bald trägt Julien auch dessen Kleidung und die alte Dame (Madeleine Cheminat) hält ihn für ihren damaligen Mann. In Daniel Martineaus Film verschmelzen Realität und Fiktion, Vergangenheit und Gegenwart. Im Kino scheint eine Truffaut-Retrospektive zu laufen, denn Julien läuft vorbei an Plakaten von „Die amerikanische Nacht“ (1973) und „Das grüne Zimmer“ (1978). Und schließlich ist es Julien Bühnen-Partnerin Claude Jade, die ihn später auf Truffaut anspricht.
Den Regisseur spielt der Regisseur Serge Moati, der seit seinem Kinoerfolg „Nuit d’or“ mit Klaus Kinski, Bernard Blier, Marie Dubois und Anny Duperey ausschließlich TV-Filme und vor allem Dokumentationen drehte. Auch der Schauspieler Gérard Darrieu taucht als er selbst auf, ist am Ende aber ebenfalls ein Bewohner, ebenso Louis Lyonnet, der zudem auf dem „Hamlet“-Plakat als Regisseur genannt wird und in „Au bout du chemin“ einmal er selbst und dann der Holzfäller ist. Und so ist auch das Ende überraschend, wenn jemand – anscheinend in der Gegenwart – den mit einem Fahrrad am Steinbruch ankommenden Julien warnend ruft und der Held nach einer Sprengung in der Realität abstürzt und bewegungslos im Schutt liegt, bis Moati „Coupez“ ruft und Julien sich aufrichtet. Das Bild arretiert und der Abspann läuft.
Claude Jade spielt sich selbst. In der Tradition von Schauspielern, die sich selbst in großen – John Malkovich in „Being John Malvich“, Peter Falk in „Der Himmel über Berlin“ – oder kleineren Auftritten – Brigitte Bardot in „Dear Brigitte“ – spielen, ist Claude Jade eine überzeugende Wahl.
Sie changiert zwischen Film, Fernsehen und Theater wie Julien Dormoy, ist erfolgreich in allen drei Formen. 1980 gedreht, fällt „Au bout du chemin“ in eine kreative Zeit. Claude Jade ist im Frühjahr 1979 nach Moskau übergesiedelt, ihre Populariät dank ihrer Heldin im Sechsteiler „Die Insel der dreißig Tode“ („L’île aux trente cercueils) auf einem neuen Höhepunkt.
Sie dreht 1980 viel: in Moskauer Ateliers entstehen „Teheran 43“ und „Lenin in Paris“, der deutsche Film „Rendezvous in Paris“ vorwiegend in der Tschechoslowakei.
Sie spielt die einzige Rolle in „Quelqu’un manque“, einem zehnminütigen Kurzfilm eines Absolventen der Ècole Louis Lumière, Jean-Claude Messager, und hat Hauptrollen in „Treize“, „La grotte aux loups“ und „Nous ne l’avons pas assez aimée“, die Titelrolle im Krimi „Die Freundin aus der Kindheit“ mit Yves Rénier in der Reihe „Kommissar Moulin“ und spielt zudem am Theater als Junia mit Maria Casarès in Jean-Meyers Inszenierung von Racines „Britannicus“.
Claude Jade als sie selbst und Robert Benoît kommen gerade aus dem Théâtre de l’Atelier. Sie werden von jungen Frauen erkannt: „Ah, schau, das ist doch Claude Jade !“ und die beiden Schauspieler geben Autogramme.
Während eines Spaziergangs berichtet Claude Julien, dass sie mit François Truffaut über ihn gesprochen habe und dieser daran denkt, Julien zu besetzen. Dann rennen die beiden lachend rasch nebeneinander Treppen hinauf und in einer weiteren Szene sehen wir Claude und Robert / Julien plaudernd in einem Restaurant. „devenir une vedette“ überlagert diese letzte Szene zwischen Claude Jade und Robert Benoît und es ist die alte Dame, deren Stimme wir hören. Ja, Claude Jade gilt als Star, aber gleichzeitig wegen ihrer Freundlichkeit, Bescheidenheit und Natürlichkeit als dessen Anti-These und ist deshalb mehr Schauspielerin als Star. Bereits Pauline Kael schrieb nach „Geraubte Küsse“, dass Claude Jade wie Catherine Deneuve sei, aber eben „less ethereal and more practical“.

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