L’homme qui n’était pas là

L’HOMME QUI N’ÉTAIT PAS LA

F 1985/87 Regie: René Féret  Buch: René Féret, Rémi Waterhouse, nach dem Roman von Roderick McLeish  Kamera: Alain Levent, Joel David (für die Macbeth-Szenen) Musik: René Urtreger  Schnitt: Catherine Zins  Kostüme: Thierry Mugler Ausstattung: André Putnam  Regieassistenz: Marc Le Bihan Elektriker: Eric Baraillon  Sound: Paul Lainé, Jonathan Liebling Prod.: Les Cinéastes Associés  EA : 06.05.1987

Darsteller: René Féret (Charles Elaine), Claude Jade (Alice), Valérie Stroh (Rella Della Noce), Georges Descrières (Alexandre Hoffmann), Jacques Dufilho (Maître Pierre Strosser), Sabine Haudepin (Isabelle Strosser), Mikhael d’Abbadie (Théodore, Charles’ Sohn), Philippe Vuillemin, Frederic Venant u.a.

Charles Elaine ist ein erfolgreicher Schauspieler, doch es gibt jemanden im Dunkeln, der ihn zerstören will nach der Methode eines Psychiaters: „Wie wir jemanden verrückt machen können, wenn wir ihn geschickt manipulieren.“ Doch wer ist es: Alice, seine Schwester, Alexandre, der Stiefvater von Charles und Alice? Die Italienerin Rella?
Ein Kameraoperateur des Films beginnt kurz nach den Dreharbeiten, Claude Jade zu stalken. Der Psychoterror dauert drei Jahre an.

Nach sechs Jahren in Moskau und auf Zypern kehrt Claude Jade 1985 nach Frankreich zurück. In den Jahren auf Zypern in einer Art Clochemerle (siehe „L’honneur d’un capitaine“) hatte sie in Lyon bei ihrem Stammregisseur Jean Meyer Theater gespielt, Bernard Fériés Film „Une petite fille dans les tournesols“ gedreht und die weibliche Hauptrolle neben Gianni Morandi im Vierteiler „Voglia di volare“ (Wie im Flug) übernommen.
René Féret („La communion solenelle“) bietet ihr sogleich eine Rolle im Thriller „L’homme qui n’était pas là“ an. Der Regisseur selbst gibt in der Verfilmung eines Romans von Roderick MacLeish den erfolgreichen Schauspieler Charles Elaine, der in den Wahnsinn getrieben werden soll, Claude Jade ist dessen ambivalente Schwester Alice.

Charles, der als Kind in Cassis seinen Vater durch einen Sturz von den Klippen verlor, wuchs nach dem Tod der Mutter mit deren zweiten Mann Alexandre und seiner Schwester Alice auf.
Die Rolle der Alice ist die der engsten Vertrauten Charles’. Die beiden haben eine zweideutige Beziehung, sie lieben sich, verstehen sich aber nicht immer sehr gut. Die Rolle der Alice sei a priori nicht sehr sympathisch, erklärt Claude Jade in einem Interview mit Pierre Tchernia. So gehört auch sie zum Kreis der Verdächtigen, die Charles‘ Karriere und sein Leben zerstören wollen.

Die Bedrohung eskaliert, als Charles mit seinem eigenen Sohn nach Cassis reist und sich das Unglück von einst zu wiederholen scheint. Doch am Ende wird Alexandre entlarvt, der ruiniert ist und von der Mafia abhängig. Um an Charles‘ Vermögen zu kommen, hatte er die Italienerin Rella benutzt, Charles‘ Vertrauen zu erschleichen und ihn zu manipulieren..
Den kaltherzigen Alexandre Hoffman spielt Georges Descrières, der 1975 im Film „Maitre Pygmalion“ Claude Jades Lehrmeister und Liebhaber war. Das nebenstehende Foto entstammt der einzigen zur Zeit zu sehenden Szene des Films.

René Féret war vom Misserfolg seines Films enttäuscht. Er lief nur kurze Zeit in Paris und nicht in der Provinz. Er hatte vor, den Film 2009 auf DVD zu veröffentlichen, entschied sich dann jedoch vor seinem Tod dagegen.
Als Claude Jade den Film Ende April 1987 in Pierre Tchernias „Mardi cinéma“ (Fotos rechts) vorstellte, lief obiger Ausschnitt. Claude berichtete von ihrer Freude, in einem barocken, eleganten Thriller zu spielen.

                                                                                                    Der Stalker

René Féret (im Bild links) hatte zuerst vor, für die Rolle eines berühmten Schauspielers einen großen Star zu engagieren. Doch dann sollte es ein Unbekannter sein und er selbst übernahm den Part des Charles.
Claude Jade begegnet bei der Arbeit zu Féréts Film ihrem alten Bekannten Jacques Dufilho wieder und Alain Levent, dem Kameramann von „Mein Onkel Benjamin“. Levents Kamera-Schwenker lässt Claude Jade während der gesamten Dreharbeiten nicht aus den Augen. Das Team macht sich bereits über ihn lustig, doch Claude Jade schenkt dem seltsamen Verehrer wenig Aufmerksamkeit. Der verhaltensgestörte Erotomane sendet ihr in den folgenden Monaten anonyme Briefe, er beschimpft sie und terrorisiert sie mit Anrufen, egal zu welcher Stunde – auch mitten in der Nacht, schweigend am anderen Ende der Leitung.

Immer wieder hofft sie, die Belästigungen würden nach ersten Verweisen eingestellt. Er verfolgt sie auch auf der Straße, doch es gibt zu dieser Zeit noch kein Gesetz, das diesen Terror effektiv unterbinden kann.
Der Stalker setzt seine Belästigungen bis in den Herbst 1988 fort. Zu jener Zeit spielt Claude Jade mit ihrem engen Freund Bruno Pradal, Michel Le Royer und Geneviève Fontanel am Espace 44 in Nantes in der Uraufführung des Stückes „Regulus 93 ou la véritable Histoire du Citoyen Haudaudine“. An einem Abend zu einer der letzen Vorstellungen, an dem ein Fernsehteam eine Reportage über das Stück dreht, erfolgt eine Bombendrohung. Der Saal wird geräumt und die Sekretärin Jean-Luc Tardieus erklärt, der Anruf sei anonym erfolgt. Claude Jade ist sich sicher, dass der Cadreur hinter dem Schreiben steckt – doch einen Beweis kann die Polizei nicht erbringen.
Der Graphologe kann nicht mit Sicherheit sagen, dass die Schrift mit denen der Briefe, die in Boulogne eingingen und in Nantes eingehen, identisch ist. Schließlich gibt der Stalker eine anonyme Meldung an einen Journalisten von Europe 1, dass Claude Jade und Bruno Pradal leblos in einem Hotelzimmer aufgefunden worden seien.
Als der Stalker mit einer Presseagentur die makabre Neuigkeit bespricht, kann er in einer Telefonzelle verhaftet werden. Er wird für drei Wochen eingesperrt und verurteilt, Claude Jade in Ruhe zu lassen.
Als Claude Jade während der Arbeit zu Jean-Pierre Mockys „Bonsoir“ dem einstigen Stalker wiederbegegnet, der nun als Cadreur Edmond Richards arbeitet, ignoriert sie ihn und die alten Verletzungen. Sie konzentriert sich allein auf ihren beeindruckenden Partner Michel Serrault.

Der über drei Jahre andauernde Terror lässt sich mit der Verurteilung nicht einfach auslöschen. Claude Jade schreibt 2004 in ihren Erinnerungen, in denen sie den Stalker „le corbeau“ nennt:  „Diese Geschichte war für alle meine Angehörigen schrecklich und grausam. Sie hat mein Leben vergiftet.“

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