François Truffaut erinnerte sich an ihren Geburtstagen daran, dass der Oktober sein Herz erwärmt. Sie war 19, als sie mit ihrem ihren ersten gemeinsamen Film drehte. Seit 19 Jahren beginnt der Dezember mit der Erinnerung an den Abschied von Claude Jade im Alter von 58 Jahren.
„Sie war die Inkarnation der Eleganz, der Einfachheit und des Charmes Frankreichs“ beschrieb Frankreichs Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres die Schauspielerin Claude Jade, als er von ihrem Tod am 1. Dezember 2006 erfuhr: „Sie bleibt ein Vorbild für Generationen von Schauspielern, die an dieses ‚fichu métier‘, diesen verdammten Job, wie sie ihn gerne nannte, glauben.“
Renaud Donnedieu de Vabres, ministre de la Culture, salue « l’incarnation de l’élégance, de la simplicité et du charme à la française ». Selon ses propos, « elle reste en cela un exemple pour des générations de comédiens qui gardent l’envie de croire en ce fichu métier comme elle aimait l’appeler. »
„Mit großer Trauer erfuhr ich vom Verschwinden Claude Jades.Sie war eine große und schöne Schauspielerin, insbesondere in den Filmen von François Truffaut, der sie entdeckt hatte, die diskrete Anmut der jungen Französin.Heute würdige ich eine Schauspielerin von sanftem Strahlen, eine Frau, die ihre Klarheit in ihrem Beruf immer intakt gehalten hat, und ich möchte ihrer Familie und ihren Lieben mein tiefstes Beileid aussprechen.» (Véronique Cayla, Generaldirektorin des Centre National de la Cinématographie, heute Präsidentin Arte)
In Truffauts Filmen ist Claude Jade als Christine „keineswegs eine Unschuld vom Lande: Sie kann schroff und ironisch sein, sie weiß, was sie will, sich begehrenswert machen und lügen.“ (Jean-Baptiste Morain, Les Inrockuptibles)
„Sie hat ihr Leben auf der Bühne beendet … sie war wunderschön und hat eine bemerkenswerte Leistung gezeigt. Es war der 8. August, es war gestern.Claude Jade war weder eifersüchtig noch verbittert. Sie dachte immer an die anderen „.(Jacques Rampal, Autor und Regisseur ihres letzten Stücks „Célimène et le cardinal“)
Claude Jade in „Home sweet Home“ (Trautes Heim) von Benoît Lamy
2025 wurde Benoît Lamys „Home sweet Home“ restauriert. Am 25. Oktober wird der Film in Berlin im Rahmen des Filmerbe-Festivals FILM RESTORED aufgeführt. Veranstaltungsort der Berliner Kinemathek ist das Sinema Transtopia. In Berlin wird der Film auf Französisch mit englischen Untertiteln gezeigt, die Einführung übernimmt Bruno Mestdagh, seit 1987 bei der Cinémathèque royale de Belgique – Cinematek und derzeit als Koordinator der digitalen Filmsammlung.
„Home sweet Home“ schildert die Revolte in einem Brüsseler Altersheim. Vier Jahre nach dem Pariser Mai schickt der 27jährige Lamy die Alten auf die Barrikaden. Das Erstlingswerk zeigt in Verbindung von Sozialkritik und Komödie den Kampf für die Freiheit und das Recht auf Würde. Nach der Revolte wird die Despotin (Ann Petersen) fortgeschickt und das alte System wird durch ein demokratisches ersetzt. Michel Baudours Kamera bleibt immer nah an den Figuren, an jedem einzelnen Detail der Gesichter, jeder Falte, an jedem Lächeln.
Jacques Perrin und Claude Jade in „Home sweet Home“
Koproduzent Jacques Perrin, der neben Claude Jade als Pflegerin Claire den Sozialhelfer Jacques spielt: „Es gibt keine schwierigen Themen. Wenn wir es schaffen, für sie die richtige Form zu finden, werden alle Filme für die allgemeine Öffentlichkeit bestimmt sein“. „Home sweet Home“ erhielt insgesamt 14 internationale Auszeichnungen.
Bereits am 10. Juni zeigte die Cinematek in Bruxelles den von A Season of Classic Films (ACE) mit Unterstützung von Creative Europe MEDIA, NextGenerationEU und der Fédération Wallonie-Bruxelles restaurierten Klassiker. Zuletzt war der Film, der in Deutschland als „Trautes Heim“ auch im Fernsehen lief, auf dem Hamburger Filmfest 2007 zu sehen. Bereits am 10. Juni zeigte die Cinematek in Bruxelles den restaurierterten Klassiker. Auszug aus dem Katalog Celebrating film heritage across Europe 2025
„Casă, dulce casă“ (Home Sweet Home)
Mehr zu „Home Sweet Home“, einem der bekanntesten belgischen Filme, der damals 14 internationale Auszeichnungen erhielt: HOME SWEET HOME – Trautes Heim
Vier Schauspieler, die in ihren reichen Karrieren auch Filmpartner von Claude Jade waren, verließen uns an einem 9. Oktober – jeder der vier einen Tag nach Claude Jades Geburtstag.
Claude Jade mit Pierre Vernier († 9.10.2024), Jean Rochefort († 9.10.2017), Daniel Duval († 9.10. 2013) und Jacques Brel († 9.10.1978)
Am 8. Oktober 1978 hat Claude Jade ein Essen für die gesamte Crew von L’île aux 30 cercueils (Die Insel der 30 Tode) organisiert und feiert ausgelassen in der Bretagne ihren 30. Geburtstag. Am Morgen nach der Feier kommt die schmerzhafte Nachricht vom Tod Jacques Brels, ihrem Partner aus „Mon oncle Benjamin“. Der Film von Édouard Molinaro, dessen Frau während der Dreharbeiten bei einem Flugzeugabsturz stirbt, ist eine Ode an das Leben, gerade auch im Bewusstsein, dass das Leben zu kurz ist.
Quatre acteurs, qui ont également été les partenaires de Claude Jade au cours de leur riche carrière cinématographique, nous ont quittés un 9 octobre, chacun d’entre eux un jour après l’anniversaire de Claude Jade. Pierre Vernier († 9 octobre 2024), Jean Rochefort († 9 octobre 2017), Daniel Duval († 9 octobre 2013) et Jacques Brel († 9 octobre 1978). Le 8 octobre 1978, Claude Jade organise un repas pour toute l’équipe de L’île aux 30 cercueils et célèbre son 30e anniversaire dans la joie en Bretagne. Le lendemain matin, elle apprend la triste nouvelle du décès de Jacques Brel, son partenaire dans Mon oncle Benjamin. Le film d’Édouard Molinaro, dont la femme meurt dans un accident d’avion pendant le tournage, est une ode à la vie, notamment parce qu’il nous rappelle que la vie est trop courte.
Claude Jade, Jacques Brel, „Mon oncle Benjamin“
Am 9. Oktober 2013 stirbt Daniel Duval. In Julien Donadas Kurzfilm „A San Remo“ war Claude Jade 2004 als Michèle die Ehefrau von Daniel Duval, der als Schauspieler durch „Va voir Maman, Papa travaille“ (Sei still Jérôme, Mama arbeitet) 1979 bekannt wurde. Als Regisseur hatte Duval bereits 1976 den Regiepreis in Moskau für „L’Ombre des châteaux“ erhalten. Zu seinen bekanntesten Regiearbeiten zählt „La Dérobade“ (Die Aussteigerin) mit Miou-Miou und Duval selbst als deren Zuhälter. Nach „A San Remo“ besetzte Julien Donada, der eine Dokumentation über Claude Jade plante, Duval erneut für „Beau Rivage“.
Jean Rochefort, Claude Jade. Les feux de la chandeleur (1972)
Am 9. Oktober 2024 verschwindet Pierre Vernier. In „Eugénie Grandet“ unterstützt er als Bankier des Grassins die Manöver seiner Frau Lucienne (Claude Jade), den gemeinsamen Sohn mit der Tochter des reichen Geizhalses Grandet (Jean Carmet) zu verheiraten. Pierre Vernier und Claude Jade geben eine köstliche Interpretation des Paares aus Balzacs berühmtem Roman. Pierre Vernier, der im Kino nur selten Hauptrollen hatte, so neben Jean Gabin und Lieselotte Pulver in „Le jardinier d’Argenteuil“ wurde vor allem durch die Fernsehserie „Rocambole“ berühmt. Das Fernsehen bot ihm auch 2009 einen seiner besten Erfolge: für die Darstellung des Charles de Gaulle in „Adieu de Gaulle, adieu“ erhält Vernier auf dem Festival von Luchon den Preis als bester Schauspieler.
Pierre Vernier, Alexandra London, Olivier Delor, Claude Jade
Aujourd’hui, Claude Jade aurait eu 77 ans. Encore un jour d’octobre dont Truffaut disait : « haque année, lorsque revient le mois d’octobre, un petit réchauffement se produit en moi dans la région du cœur: Ah, octobre, cela va être le birthday de Claude. »
Il y a un an, à l’occasion de son anniversaire, Arte en France et en Allemagne a diffusé les films de Truffaut avec Doinel dans sa médiathèque.
Outre les trois films de Truffaut, la FILMOGRAPHIE de Claude Jade compte 77 autres titres, dont on se souvient à l’occasion de son 77e anniversaire.
Heute wäre Claude Jade 77 geworden. Wieder ein Oktobertag, über den Truffaut sagte: „Jedes Jahr, wenn der Oktober wiederkehrt, entsteht in mir in der Herzgegend eine kleine Erwärmung: Ah, Oktober, das wird Claudes Geburtstag sein.“
Vor einem Jahr hatte Arte in Frankreich und Deutschland an ihrem Geburtstag Truffauts Doinel-Filme in der Mediathek.
Neben den drei Truffaut-Filmen hat die FILMOGRAPHIE von Claude Jade 77 weitere Titel, an die an ihrem 77. Geburtstag erinnert wird.
Dans ses trois films de François Truffaut, Claude Jade « n’a rien d’une oie blanche : elle peut se montrer cassante et ironique, elle sait ce qu’elle veut, se faire désirer et mentir. » (Jean-Baptiste Morain, Les Inrockuptibles)
In ihren drei Filmen von François Truffaut ist Claude Jade „keineswegs eine Unschuld vom Lande: Sie kann schroff und ironisch sein, sie weiß, was sie will, sich begehrenswert machen und lügen.“ (Jean-Baptiste Morain, Les Inrockuptibles)
Neben Filmen spielte Claude Jade auch in Serien („L’île aux trente cercueils“, 1979; „Cap des Pins“, 1998-2000)
Enzyklopädien und Filmlexika bewahren ihre Leistung, konzentrieren sich als Filmführer allerdings nur auf die Kinofilme und nicht auf die ambitionierten Fernsehklassiker wie Avertys „Ein Sommernachtstraum“ (1969) oder Serien wie „Die Insel der dreißig Tode“ (1979) und „Cap des Pins“ (1998-2000).
Les encyclopédies et les lexiques cinématographiques conservent leur utilité, mais en tant que guides cinématographiques, ils se concentrent uniquement sur les films de cinéma et non sur les classiques ambitieux de la télévision tels que Le songe d’une nuit d’été (1969) d’Avertys ou des séries telles que L’île aux trente cercueils (1979) et «Cap des Pins» (1998-2000).
Das 1983 von Joachim Reichow im Henschelverlag herausgegebene Buch „Film in Frankreich“ porträtiert in 190 kurzen Bio-Filmografien französischer Filmkünstler neben Regisseuren, Kameramännern, Komponisten, Autoren und Schauspielern 27 bedeutende Schauspielerinnen des Französischen Kinos, Claude Jade ist eine von ihnen.
Publié en 1983 par Joachim Reichow aux éditions Henschel, le livre « Film in Frankreich »présente 190 courtes biographies et filmographies d’artistes français du cinéma, parmi lesquels des réalisateurs, des cameramen, des compositeurs, des auteurs et des acteurs, ainsi que 27 actrices importantes du cinéma français, dont Claude Jade.
Claude Jade 1981, fotografiert von Günter Linke
Film in Frankreich, Henschelverlag 1982
Das große Personenlexikon des Films, Kay Weniger
Cinema-Starlikon von Hans-Werner Asmus und das Dictionnaire du cinéma mondial von Jean Tulard
Doch wenn in den Filmlexika immer wieder darauf verwiesen wird, dass die anderen Rollen etwas hinter der Wichtigkeit ihrer Filme mit François Truffaut verblassen, möchten wir heute daran erinnern, dass Claude Jade auch eine Karriere neben ihrer Christine Darbon Doinel hatte.
Mais si les encyclopédies cinématographiques soulignent régulièrement que ses autres rôles sont quelque peu éclipsés par l’importance de ses films avec François Truffaut, nous tenons aujourd’hui à rappeler que Claude Jade a également eu une carrière au-delà de son personnage de Christine Darbon Doinel.
80 Titel zählt die Filmographie für Kino und Fernsehen.
Denn auch das Fernsehen machte Claude Jade berühmt:
Dabei vergessen wir auch nicht, dass auch die Serie „L’île aux trente cercueils“ (Die Insel der 30 Tode) ihr Image als sanfte Heldin, die über sich hinauswächst, prägte. Die Reinheit des Gesichts und die Unschuld des Blicks der Muse von François Truffaut werden eine scheinbar rein sanftmütige Figur entstehen lassen, die sich im Laufe der Wendungen als besonders hartnäckig erweisen wird. Sie will das Geheimnis der Insel kennenlernen, selbst wenn sie dabei ihr Leben verlieren sollte.
Ab heute ist die Miniserie „L’île aux trente cercueils / Die Insel der 30 Tode“ in der Filmographie.
Claude Jade in „Die Insel der 30 Tode“ (L’île aux trente cercueils / Die Insel der dreißig Särge)
hier küsst sich Claude Jade auch über Truffauts filmisches Universum hinaus.
„Ich wünsche, dass Les Feux de la Chandeleur erfolgreich sein wird, besonders für dich, um endlich das Bild aus Le bateau sur l’herbe zu löschen und dich als sehr angenehm in die Köpfe der Leute zurückzurufen“, schreibt François Truffaut im Februar 1972 Claude Jade.
Claude Jade spielt in Serge Korbers „Les feux de la Chandeleur“ (Kerzenlicht) die Tochter von Annie Girardot und Jean Rochefort. Die wegen zu starken politischen Engagements vom Gatten verlassene Marie-Louise rät ihrer Tochter Laura zehn Jahre später, nicht die gleichen Fehler zu machen. Sie will Laura mit ihrem besten Freund Marc (Bernard Fresson) verkuppeln und hofft selbst auf die Rückkehr Alexandres. Laura und ihr Bruder Jean-Paul (Bernard Le Coq) halten das für ausgeschlossen…
Neben den beiden Bernards bei den von Januar bis März laufenden Dreharbeiten gibt es in Claudes Leben ihren späteren Mann Bernard Coste, den sie im Sommer in Brasilien kennengelernt hat.
Der Film behandelt das Thema Ehe für Mutter und Tochter, was zu Konflikten zwischen beiden führt. Denn Laura denkt nicht daran, Ehefrau zu werden und will beruflich ihren Weg gehen.
Bernard Le Coq, Claude Jade, Annie Girardot
Während Annie Girardot sich in Schauspieler Bernard Fresson, den Verlobten ihrer Film-Tochter verliebt, verloben sich Claude Jade und Bernard Coste im Februar 72. Truffaut, Claudes Ex-Verlobter, schreibt: „Deine Nachricht von deiner Verlobung begeisterte mich nicht, du solltest dieses Vorhaben in Zweifel ziehen. Du bist ungeduldig in deiner Absicht, zu heiraten, um eine Frau zu werden; meine Idee ist, dass du dich bemühen solltest, erst eine Frau zu werden und danach zu heiraten, voilà.“
Claude Jade, Bernard Fresson, Annie Girardot
Nun wurde „Les feux de la chandeleur“, Frankreichs offizieller Beitrag in Cannes 1972, erneut auf DVD und erstmals als Blu-Ray veröffentlicht.
Nach den Veröffentlichungen bei M6 Vidéo ist der Film jetzt bei Coin de mire erschienen.
Heute vor zehn Jahren verschwand Corinne Le Poulain (1948-2015). Ihre siebente und zugleich letzte Filmrolle hatte sie 1994 als lesbische Gloria an der Seite von Claude Jade und Michel Serrault in „Bonsoir“.
Corinne Le Poulain, Claude Jade und Michel Serrault in „Bonsoir“
Die Nichte des Schauspielers Jean Le Poulain hatte 1966 am Theater debütiert, spielte 1967 die Nebenrolle der Jacqueline neben Louis de Funès in „Oscar“ am Théâtre du Palais-Royal, 1972 unter der Regie ihres Onkels in „Dédé“ und in den 1980er Jahren auch bei Claude Jades Stammregisseur Jean Meyer am Théâtre des Célestins in Lyon. Dank der Reihe „Au théâtre ce soir“, für die Claude Jade mit Corinnes Onkel Jean Le Poulain in „Volpone“ gespielt hatte, ist auch Corinne Le Poulain als Theaterschauspielerin für die Nachwelt filmisch bewahrt: in Robert Thomas‘ Kriminalkomödie „Acht Frauen“ war sie 1971 unter der Regie ihres Onkels die Suzon.
Corinne Le Poulain „La Provocation“, „Sam et Sally“, „Splendeurs et misères des courtisanes“, „Bonsoir“
Im Kino erhielt sie nur wenige Aufgaben: Sie hatte 1969 in einer Hauptrolle an der Seite von Jean Marais in „La Provocation“ im Film debütiert. Es folgten Nebenrollen wie Francis Blanches Tochter in der Les Charlots-Komödie „La Grande Java“ (1973) und neben Sim, Alice Sapritch, Patrick Préjean und Jean-Paul Tribout in „Drôles des zèbres“ (1977). Es war das Fernsehen, das ihr Erfolg brachte: 1975 war sie die Balzac-Heldin Esther in der Miniserie „Glanz und Elend der Kurtisanen“ und 1978 neben Georges Descrières die Sally in der ersten Staffel von „Sam und Sally“. Wegen ihrer Schwangerschaft wurde die Sally danach mit Nicole Calfan umbesetzt. Corinnes Kind, Julia Duchaussoy, wurde später ebenfalls Schauspielerin. Der Vater: Der Schauspieler Michel Duchaussoy, Claude Jades früherer Liebhaber. 1994 war Corinne Le Poulain im Kino dann Claude Jades Liebhaberin in ihrer letzten und vielleicht schönsten Filmrolle zu sehen: In „Bonsoir“ gibt ihr Jean-Pierre Mocky die Rolle des Callgirls Gloria, heimliche Freundin der Beamtin Caroline (Claude Jade).
Corinne Le Poulain (Gloria) und Claude Jade (Caroline) in „Bonsoir“ von Jean-Pierre Mocky
Caroline gibt Gloria als ihre Sekretärin aus, doch ihre gehässige Schwester und die Erbtante wollen sie wegen ihrer Homosexualität enterben.
Corinne Le Poulain, Claude Jade, Laurence Vincendon, Monique Darpy in „Bonsoir“
Claude Jade, Michel Serrault und Corinne Le Poulain in „Bonsoir“
Glücklicherweise ist da noch der obdachlose Alex (Michel Serrault), der Carolines Erbschaft retten kann. Auf der Filmographie-Seite zu „Bonsoir“ein Videoausschnitt.
Nach „Bonsoir“ war sie bis zuletzt am Theater zu erleben. Als sie vor zehn Jahren an Krebs starb, nannte Jean-Pierre Mocky sie „eine Schauspielerin von großem Talent, die nicht die Chance hatte, im Vordergrund zu stehen, aber viel im Theater und Fernsehen gemacht hat.“
Corinne Le Poulain (1948-2015) und Claude Jade (1948-2006) in „Bonsoir“
ab heute in der Filmographie: LE SONGE D’UNE NUIT D’ÉTÉ (EIN SOMMERNACHTSTRAUM)
Am Weihnachtsabend 1969 hatte „Le songe d’une nuit d’été“ seine Premiere. Le Monde erklärt den TV-Film zum „chef-d’œuvre“ und France Soir spricht von einem epochalen Datum und einer Revolution in der Geschichte der Regie. Jean-Christophe Averty hatte den „Sommernachtstraum“, der zwei Jahre später auch in Deutschland ausgestrahlt wurde, mit neuer Videotechnik inszeniert. Dass der zumeist charmante und höfliche Perfektionist bei diesem aufwendigen Dreh bei einem seiner Wutausbrüche eine Kamera zerbrach, amüsierte die Beteiligten eher. Claude Jade, gerade ein Kinostar, möchte dem Theater treu bleiben, denn sie wollte Schauspielerin werden, weil sie Worte liebte. So ist Avertys Film für sie in der Hauptrolle der Helena und ihre Partner wie Jean-Claude Drouot und „Nscho-tschi“ Marie Versini ein willkommenes Experiment, das gelingt.
Shakespeare für Claude Jade, Marie Versini, Jean-Claude Drouot, Christiane Minazzoli, Christine Delaroche, Michel Tureau, Michel Ruhl und Dominique Serina
Maurice Clavel nennt den Film in der Neujahrsausgabe des Nouvel Observateur eine vollkommen harmonische und ästhetische Wissenschaft und vergleicht den Bilderrausch auf dem Fernsehschirm mit einer Galaxie. Clavel spricht auch Hauptdarstellerin Claude Jade einen gewissen Anteil am Erfolg zu: „Man ist sich rasch sicher, dass Mademoiselle Claude Jade zum Sprechen keine Atempause braucht; sie agiert so schnell, dass man zu der Überzeugung gelangt, sie habe das Atmen über ihr Spiel vergessen. Und gerade das trägt erheblich bei zum Wunder dieses Films.“
Zur deutschen Erstausstrahlung heißt es beim WDR: „Averty, dem eher ein Zuviel als ein Zuwenig an Einfällen vorzuwerfen wäre, hat eine bunte Phantasmagorie geschaffen, vor der Kategorien wie Kunst, Kunstgewerbe oder Kitsch versagen.“
Ab heute ist „Ein Sommernachtstraum“ zum 55. Jahrestag neu in der FILMOGRAPHIE
Während arte die Truffaut-Filme mit Claude Jade gratis in der Mediathek präsentiert, ist „Le collectionneur de cerveaux“ in Frankreich bei madelen des INA und in Deutschland als „Schach dem Roboter“ bei amazon Prime und Chili im Streaming zu sehen.
1975 dreht Claude Jade diesen Film in der zweimonatigen Drehpause des großen japanischen Films „Kita no misaki“. Der Film, der anfangs „Robots pensants“ hieß, basiert auf einer Erzählung von George Langelaan. Die Pianistin Penny Vanderwood (Claude Jade) folgt der Einladung ihres Bewunderers Comte de Saint-Germain (André Reybaz) zum Turnier mit einem Schachroboter. Sie erkennt in dessen Zügen jene ihres verstorbenen Verlobten. Wenig später entdecken Penny und ihr Freund Lewis (François Dunoyer), dass dessen Sarg leer ist. Und der Comte will einen Klavierroboter erschaffen …
Dank der Adaptation durch den Science-Fiction-Spezialisten Michel Subiela wird der Film zu einem TV-Klassiker.
Noch ahnt Penny nichts von den Plänen des Comte de Saint-Germain
„Als Star des Films sind Sie die Pianistin“, wird sie in der Sendung „Normandie Actualités“ Ende November 1975 befragt. „Ich hoffe es hilft, dass ich in meiner Kindheit Klavierunterricht hatte, doch neben der Pianistin gibt es einen anderen Aspekt an der Rolle, der mich noch mehr reizt. Ich habe schon immer davon geträumt, mal in einem Science-Fiction-Horror-Film zu spielen.“
Hier mehr zu „LE COLLECTIONNEUR DE CERVEAUX“, der im Kino zuletzt 2022 in Paris auf dem L’Étrange Festival und 2017 in Ungarn als „Gondolkodó robotok“ zur Hauptsendezeit lief und in Frankreich und Deutschland auf DVD erhältlich ist.
In „Domicile conjugal“ (Tisch und Bett) verdient Claude Jade als Christine Doinel das Geld mit Geigenunterricht. Doch die Mutter einer begabten Schülerin vergisst immer, die Stunden zu bezahlen. Der Familienrat bei Christines Eltern hatte beschlossen, dass, wenn die Mutter wieder die Stunden nicht zahlen sollte, Christine eine mit Antoine vereinbarte Melodie – die Marseillaise – spielen soll und er die Mutter im Hof abfängt. Die Schülerin Marianne spielte die siebenjährige Marianne Piketty.
Claude Jade, Marianne Piketty und Annick Asty in François Truffauts „Domicile conjugal“ (Tisch und Bett)
Lucien Darbon (Daniel Ceccaldi) hatte Marianne „die kleine Virtuosin, die besser spielt als du“ bezeichnet. Claude Jade erinnert sich 2001 bei den Audiokommentaren an Marianne Piketty: „Das kleine Mädchen wurde wirklich Geigerin. Sie war sehr talentiert.“ Als sie Marianne im Film spielen sieht, sagt sie „Die Kleine war schon sehr erstaunlich. Von einer unglaublichen Ernsthaftigkeit.“
Marianne Piketty ist längst eine international gefeierte Violinistin. Als Antoine die Mutter abfängt, sagt er der kleinen Marianne, sie spiele bereits so gut, dass sie bald Madame Doinel Unterricht geben könne – „Du gibst ihr Stunden und sie bezahlt sich dafür“. Und Marianne Piketty ist heute nicht nur eine international gefeierte Künstlerin und zudem Professorin am Conservatoire National Supérieur de Musique in Lyon. Sie gibt regelmäßig Meisterkurse in Frankreich und im Ausland. Die Berliner Universität der Künste beschreibt sie 2024 als eine charismatische und unverzichtbare Künstlerin, die sich durch außergewöhnlichen Unternehmungsgeist, unerschöpflichen Drang nach neuen Begegnungen und Aufführungen auszeichnet – stets mit dem Wunsch, zu teilen, im Geist des Kollektivs: „Präzision und die Bereitschaft, über sich hinauszuwachsen, sind die Grundsätze einer Geigerin, die ihr Instrument im Laufschritt spielt – im Rhythmus einer Athletin.“
Marianne Piketty 1970 in „Domicile conjugal“, aktuelles Foto der Violinistin von Bernard Martinez.
Marianne Piketty : „Ich habe das Glück, schon in jungen Jahren prägende Erfahrungen gemacht zu haben, die mich für die Bühne begeisterten. Mit sieben Jahren trat ich mit Orchester in der Salle Pleyel auf und drehte mit François Truffaut den Film „Domicile conjugal“. Nach meinem Studium am CNSM in Paris ging ich zehn Jahre lang in die USA, um meine Ausbildung an der Juilliard School und bei Itzhak Perlman fortzusetzen.“ Sie gab ihr viel beachtetes Debüt in der Carnegie Recital Hall, folgte der Einladung Yehudi Menuhins, das Brahms Violinkonzert unter seiner Leitung zu spielen und wurde Solistin seiner Stiftung. Der Rest ist Konzertgeschichte.
Claude Jade selbst nahm auf François Truffauts Wunsch kurz Geigenunterricht: Sie selbst habe nach dem Lernen der Tonleiter in erster Linie nur Klavier gespielt und nahm Geigenunterricht, um die Finger zu setzen und den Bogen halten zu können. Claudes Vater kontaktiert eine Dame, Professorin am Konservatorium in Dijon. „Zunächst musste ich wissen, wie ich mein Instrument und meinen Bogen richtig halten sollte. Dann lernte ich, wie man eine Tonleiter aufstellt und wie man seine Finger auf die Saiten legt. Es war schrecklich, dass ich der armen Geige nur ein herzzerreißendes Miauen entlockte. Meine Lehrerin hielt mich für „begabt“. Sie war nicht wählerisch. “
Neun Jahre später, in „L’amour en fuite“, muss Antoine den Sohn Alphonse zum Bahnhof bringen, weil Christine als Geigenlehrerin Prüfungen am Konservatorium, am Conservatoire national supérieur de musique et de Danse de Paris (CNSMDP) hat, wo die echte Marianne Piketty studiert hatte. Bei der Entstehung des letzten Doinel-Films dürfte sie erst 15 gewesen sein, so alt wie Claude, als sie am Conservatoire de Dijon begann.
Mariannes Mutter wird von Anik Asty gespielt, die in „Geraubte Küsse“ die Bordellkassiererin war und in „Auf Liebe und Tod“ die Kinokassiererin sein wird.
Anik Asty-Belaubre bei François Truffaut: als Bordellkassiererin in „Baisers volés“, als Mariannes Mutter in „Domicile conjugal“ und als Kinokassiererin mit Fanny Ardant in „Vivement Dimanche !“
Anik Asty, die sich ab Mitte der 1970er Jahre Anik Belaubre nennt, hat im François-Truffaut-Universum in ihren drei Rollen mit Geld zu tun, zweimal als professionelle Kassiererin: In „Baisers volés“ kassiert sie Zimmergeld und Spenden für eine erkrankte Kollegin. In „Vivement Dimanche !“ kassiert sie im Kino, das einem Puffbesitzer gehört. An ihrem Ende taumelt sie wie Daniel Gélin in Hitchcocks „Der Mann der zuviel wusste“ mit Messer im Rücken zurück an ihr Kassenhäuschen, ermordet von Philippe Laudenbach als Maître Clément. Dazwischen spielte sie in einem weiteren Film mit Claude Jade, „Fou comme François“. Sie wird im Abspann bereits Anik Belaubre genannt. Der Film entsteht 1976 in Marseille, wo sie ein Jahr zuvor auch am Theater gespielt hat: noch als Anik Asty in „Elle est pas belle la vie ?“ von Richard Martin.
Anik Asty Belaubre in den Truffaut-Filmen „Geraubte Küsse“, „Tisch und Bett“ und „Auf Liebe und Tod“
Marianne Piketty hatte 1970 einen ausgezeichneten Start parallel zur Salle Pleyel, die Truffaut in „L’amour à vingt ans“ filmte. Sie spielte ihr „kleines Konzert“, wie Christine es im Film nennt, bei einem Mann, der ein Vorbild in der Verbindung von Kunst und Unterhaltung ist, mit seiner Mischung aus Emotion und Reflexion sowohl Cineasten als auch das breite Publikum zu erreichen, ohne dabei den ästhetischen Anspruch zu opfern. Eben dies will Marianne Piketty, wenn sie Klassische Musik allen zugänglich machen will wie bei ihrem 2013 versammelten Ensemble Le Concert Idéal.
Bis zum 2. Februar 2025 können wir die Anfänge der Violinistin und Professorin Marianne Piketty auf Arte sehen. Der deutsch-französische Kultursender ARTE schrieb 2006 über ihre erste Zusammenarbeit mit dem Akkordeonisten Pascal Content für eine CD: “Zusammen sind sie bahnbrechend, transkribieren und geben neue Werke in Auftrag, bauen ein Repertoire auf. Marianne Piketty und Pascal Contet schicken uns auf eine Reise und erlauben uns vor allem zu träumen. Dies ist so rar heutzutage, sodass wir ihnen nicht genug dafür danken können.“
Mehr zu Marianne Piketty auf ihrer Homepage.
Am 1. Dezember 2006 starb Claude Jade. In Trauer neben Familie und Freunden auch die Filmwelt. Kulturminister Donnedieu de Vabres nahm Abschied von der „Inkarnation des Charmes und der Eleganz Frankreichs“. Heute würde sie die „délicieuse vieille dame“ spielen, „indigne de préférence“. 18 Jahre nach ihrem Verschwinden hält Arte in Frankreich und Deutschland die Erinnerung an die Schauspielerin in der Mediathek mit zwei Filmen wach, die bis zum 1. Februar 2025 dort frei verfügbar sind.
Am heutigen Todestag die Worte von Véronique Cayla, damals Vorsitzende des Centre national de la cinématographie und Ex- Präsidentin von Arte.
Mit großer Trauer habe ich vom Verschwinden von Claude Jade erfahren. Sie war eine große und schöne Schauspielerin, die vor allem in den Filmen von François Truffaut, der sie entdeckt hatte, die diskrete Anmut der jungen französischen Frau repräsentierte. Heute zolle ich einer Schauspielerin von zärtlicher Leuchtkraft Tribut, einer Frau, die sich stets einen klaren Blick auf ihren Beruf bewahrt hat, und ich spreche ihrer Familie und ihren Angehörigen mein aufrichtiges Beileid aus.
Arte, der Sender, der zuletzt auch Hitchcocks „Topas“ ausstrahlte und die Dokumentationen „François Truffaut, l’insoumis“ von Alexandre Moix und „Jean-Pierre Léaud, Truffauts Alter ego“ von Cyril Leuthy, in denen Claude Jade zu sehen war, machte die Kultserie „L’île aux trente cercueils“ (Die Insel der dreißig Särge) als „Die Insel der dreißig Tode“ mit Claude Jade als couragierter Heldin Véronique d’Hergemont 1996 auch in Deutschland bekannt.
Arte machte „L’île aux trente cercueils“ auch in Deutschland bekannt.
weiterhin der der Arte Mediathek: Domicile conjugal (Tisch und Bett)
Für „Domicile conjugal“ erhielt Claude Jade im Dezember 1970 den Prix Révélation du cinéma, dem Vorgänger des Meilleur Espoir von Georges Cravennes César, jenem Filmpreis, dem die bisherige Arte-Präsidentin Véronique Cayla heute vorsteht.