Jean-Pierre Léaud 75

Jean-Pierre Léaud feiert heute seinen 75. Geburtstag. Gefeiert wurde Léaud im letzten Jahr mehrfach: Das Filmmuseum Düsseldorf widmete ihm eine umfangreiche Retrospektive und zum 50. Jahrestag von „Baisers volés“ erschien in der Reihe „Les meilleurs films de notre vie“ in Frankreich und Italien ein Buch über François Truffauts poetisches Meisterwerk.

Seit diesem Film und mit seinen beiden Fortsetzungen „Domicile conjugal“ und „L’amour en fuite“ sind Jean-Pierre Léaud und Claude Jade eines der wichtigsten Paare der Filmgeschichte. Vor kurzem erschien bei „Les Echos“ ein Artikel über das Einfärben von Fotos durch Künstliche Intelligenz. Neben Motiven vom Eiffelturm, der Landung der Allierten 1944 und der Mädchenschule in Singapur von 1890 gibt es vier Ikonen: Neben Marilyn Monroe und dem Rennfahrer Eddie Merckx das Filmpaar Jean-Pierre Léaud und Claude Jade.

Jean-Pierre Léaud ist auch bei Claude Jade François Truffauts filmischer Stellvertreter.

Jean-Pierre Léaud ist das Gesicht der Nouvelle Vague und das Gesicht des Französischen Films der 60er und 70er Jahre. Und auch wenn er oft mit Truffauts Widerpart Godard gedreht hatte, bleibt er im Gedächtnis des Kinos Antoine Doinel.
„Im zwanzigsten Jahrhundert hat es im Grunde nur einen geglückten Versuch gegeben, Marcel Prousts „Suche nach der verlorenen Zeit“ ins bildliche Medium zu übertragen, eben Truffauts Doinel-Zyklus.“, schrieb „Die Zeit“.
Er war Truffauts Double, auch bei Claude Jade. Denn mit „Baisers volés“ begann auch die Chronik eines Paares: Antoine und Christine. Die für Juni 1968 geplante Hochzeit zwischen François und Claude wurde abgesagt, doch auf der Leinwand wurde aus Antoine und Christine ein Ehepaar.

Christine (Claude Jade) und Antoine (Jean-Pierre Léaud) aus „Geraubte Küsse“ heiraten in „Tisch und Bett“

Das Trio der „Baisers volés“: François Truffaut, Claude Jade, Jean-Pierre Léaud

Ein Ehepaar, das eigentlich noch zu jung ist, so als seien Kinder durch eine Tür getreten und zu früh erwachsen. So spielen sie Erwachsene.
Claude Jade beschreibt in „Baisers envolés“ die Zeit der Arbeit zu „Domicile conjugal“: „Wir arbeiten viel und lachen auch viel. François ist für Jean-Pierre und mich sehr präsent, es wird eine engere Komplizenschaft und Jean-Pierre akzeptiert das Duzen. Er ist jovial, fröhlich und entspannt. Er wohnt die ganze Zeit bei François, der ihn ans Set mitnimmt und sich wie ein Vater um ihn kümmert. Es ist auch sehr lustig zu hören, wie die Leute aus der Nachbarschaft zu François sagen: „Oh schau, wir haben neulich deinen Sohn gesehen!“
Es stimmt, dass Jean-Pierre ihm in dieser Zeit ähnelt; er trägt die gleichen Anzüge, die gleichen Hemden, die gleiche Jacke, den gleichen Mantel. Die Ähnlichkeit ging so weit, dass auch seine Handschrift der von François nahe kam. Wenn Journalisten schrieben, dass Doinel Truffauts Doppelgänger ist, meinen sie auch Jean-Pierre, bei dem Rolle und Darsteller verschmolzen. Ihre enge Freundschaft ist ein verstörendes Spiegelspiel, das Pirandello interessiert hätte.“
Und wenn Truffaut Claude Jade und Jean-Pierre Léaud als seine „Contemporains“ bezeichnete, nannte er seine einstige Verlobte auch bis zuletzt „ma troisième fille“.

Längst sind Antoine und Christine Ikonen, ihre beiden Schauspieler Jean-Pierre Léaud und Claude Jade sind Kulturgut, dessen sich Filmemacher und Autoren bedienen. Bei Christophe Honoré werden sie in seinem Film „Les chansons d’amour“ zitiert.

Auch im Roman „Niemand“ finden sie Einzug, wenn Gwenaelle Aubry in den beiden Kindern, „dem fahrigen dunkelhaarigen jungen Mann mit seinen engen Pullis und seinen anliegenden Jacken“ und in der „sehr jungen Frau mit dem Rehgesicht“ ein Paar sieht, das aus dem Erwachsenenspielen nicht herausgefunden hat, „“ihre darunter noch so spürbare Kindheit, den Eindruck, lebhaft wie eine Reminiszenz zweier Kinder, die Mama und Papa spielen wie Claude Jade mit ihrer Pelzmütze und ihrem Einkaufsnetz als Hausfrau verkleidet, die stolz wie ein kleines Mädchen darauf besteht, mit „madame“ angesprochen zu werden ….“

Und auch in David Foenkinos Roman „Unsere schönste Trennung“ erscheinen die beiden: „Wir beschlossen, in einem Gebäude mit großem Innenhof eine Wohnung zu beziehen. Ich weiß nicht, warum ich mein Leben immer mit dem von Antoine Doinel vergleiche, auf alle Fälle kam es mir vor, als sei ich am Ende der geraubten Küsse angekommen. Als würde mein Leben in den ehelichen Hafen einfahren. Alice hatte zudem soviel von Claude Jade, vor allem wenn sie schlief. Mir gefiel, wenn sie Röcke im Retro-Look trug und wir im orangefarbenen Stil der 70er Jahre lebten. Das Leben bleibt doch immer das gleiche.“

Mit „Liebe auf der Flucht“ blieb die Chronik beendet, Claude Jade und Jean-Pierre Léaud teilten sich beim Festival von Cannes ein Jahr nach Truffauts Tod noch einmal die Bühne – zu einem Foto der Filmfamilie von François.

Jean-Pierre Léaud (erste Reihe, 2. v.r.) und Claude Jade (r.) 1985 in Cannes

Von Daniel Cohn-Bendit, der 1968 mit Truffaut, Claude Jade und Jean-Pierre Léaud vor der Cinémathèque demonstrierte, wurde 1986 der Versuch einer Fortsetzung unternommen. Er kontaktierte Claude Jade und auch Léaud, doch das Projekt kam nie zustande. Ein Drehbuchentwurf Truffauts schilderte das „Tagebuch von Alphonse“, in dem es nur noch Christine und ihren gemeinsamen Sohn mit Antoine, Alphonse Doinel, gab. Daraus wurde 2004 ein Hörspiel mit Claude Jade und Stanislas Merhar – ohne Jean-Pierre Léaud.
Den letzten gemeinsamen öffentlichen Auftritt hatten beide 2005 beim Festival von Angers. Claude Jade starb 2006, Jean-Pierre Léaud dreht noch immer Filme, in seinem jüngsten Film von 2019, „C’è tempo“, spielt er als Gast sich selbst. Eine Reminiszenz an Antoine Doinel, der er bleiben wird, ein ewig junger Träumer.

jean-pierre leaud, claude jade

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John McEnery 1943 – 2019

der Unvorhersehbare: John McENERY (1943-2019)

Claude Jade, John McEnery

Der Olivier in Gérard Brachs „Le bateau sur l’herbe“, ein reicher unglücklicher zarter verrückter Mann von unbändiger Unvorhersehbarkeit, war seine größte Filmrolle. Unvorhersehbarkeit zeichnete das Spiel John McEnerys aus. „Mitreißend, bebend, beschwingt, neurotisch und unberechenbar“, beschreibt Gilbert Salachas seine Mimik und Attitüden in „Le bateau sur l’herbe“.

„Haben Sie keine Angst! Ich bin kein Dieb.“

In seinem Pariser Appartment überrascht Olivier (John McEnery) die junge Eleonor (Claude Jade), die neue Freundin seines Freundes David (Jean-Pierre Cassel). Er nimmt sie mit auf sein Grundstück, wo er mit David ein Schiff baut – und verprügelt gleich bei der Ankunft den jungen Liebhaber (Jean de Coninck) seiner Mutter (Valentina Cortese).

John McEnery, Claude Jade und Jean de Coninck: Le bateau sur l’herbe

Eruptiv: Olivier präsentiert Eleonor den Liebhaber seiner Mutter

Jean-Pierre Cassel (David), Claude Jade (Eleonor), Olivier (John McEnery)

Eleonor will gehen, doch Olivier bittet sie, zu bleiben. Eleonor richtet sich ein, doch als David erwägt, wegen Eleonor die Reise abzusagen, meint Olivier, eine Gonzesse (Tussi) wie Eleonor fände er überall. Sie hört es, schmiert am nächsten Morgen mit Lippenstift „La gonzesse est partie“ auf ihr Laken und verlässt – vorerst – das Anwesen.

John McEnery als Olivier und Claude Jade als Eléonor in „Le bateau sur l’herbe“

Olivier will Eleonor zu seinem Freund zurückbringen und stoppt den Wagen, mit dem sie per Anhalter verschwinden wollte. „Sie entführen meine Frau.“ – „Hören Sie nicht auf ihn. Ich bin nicht seine Frau.“ – „Und Mutter einer Familie.“ – „Fahren Sie! Schnell!“ – „Wollen Sie, dass ich die Polizei rufe?“ – „Aber ich kenne Madame doch gar nicht.“ – „Ich kenne sie… Steig aus, ich verzeihe dir.“ – „Ich bleibe… Das ist doch verrückt.“ – „Hören Sie, Madame, steigen Sie aus, gehen Sie mit ihrem Mann!“ – „Siehst du, der Herr ist sehr vernünftig.“ – „Verlassen Sie jetzt bitte mein Auto!“. Eléonore zerkratzt sich beim Aussteigen die Schulter und nennt den Fahrer „Alte Walnuss“.

Jean-Pierre Cassel, Claude Jade, John McEnery

Der Olivier fügt sich ein in McEnerys weitere wichtigste Arbeiten fürs Kino: Da ist der „Bartleby“ in der Herman-Melville-Verfilmung über den Schreibgehilfen, der sich in einem Büro seinen Aufgaben und allem Konventionellem verweigert. Der Spott und das lange Sterben seines Mercutio in Franco Zeffirellis „Romeo und Julia“ brachte ihm eine Nominierung für den BAFTA: Kraftvoll und wütend bäumt er sich nach Michael Yorks unabsichtlichem Todestoß auf und hält seine Tirade wie einen Scherz, als sei er unverwundbar. McEnerys Verletzlichkeit und Zärtlichkeit werden im Film oft gesprengt von jähen Wutausbrüchen, die er sogleich wie ein Clown beeenden und darüber lachen kann.

„Er war ein Schauspieler, den man nicht anschauen konnte, ohne zu bemerken, wie gut er war – und dabei gefährlich wie eine tickende Zeitbombe“, heißt es im Nachruf im „Guardian“.

Vor einem Jahr wurde McEnery angeklagt, eine Kellnerin mit einer Waffe bedroht zu haben. Vor Gericht stellte sich heraus, dass er sie auf ihre Ähnlichkeit mit Katharine Hepburn hinwies und der Dame dieser Name nichts sagte. Daraufhin zog er eine Wasserpistole und richtete sie auf die Bedienung. In „Le bateau sur l’herbe“ ist es ein Gewehr, mit dem er an Claude Jade vorbeispaziert und es später auf sie richtet. Für McEnerys Olivier ein Spiel.

John McEnery und Claude Jade

Claude Jades Eleonor weist ihn in die Schranken. Wenn er eines Morgens unvermittelt bei ihr auftaucht und am Bett kniet, verlangt sie nach einem Croissant, wirft er sich ihr vor die Knie, soll er „aufhören, den Clown zu machen“ und befragt er sie zu ihren Wünschen, sagt sie „Es reicht mit dem Verhör.“

Eleonor: „Du kannst aufhören den Clown zu machen… Du hast Angst.“

Als Eleonor ihn fragt, ob er mit ihr schlafen würde, entgegnet er: „Absolut nicht“. Die Kränkung, dass er sie gegenüber David eine „Gonzesse“ nannte, nimmt sie ihm übel und löst damit ohne böse Absicht mit einem Scherz ein tragisches Ende aus.

Anders als Eleonor kann sich Paul Scofields Buchhalter McEnerys „Bartleby“ nicht erwehren, der das Büro in Beschlag nimmt sich allen Regeln verweigert. Als Samantha Eggars einziger Vertrauter in Anatole Litvaks französisch-englischem Komplott-Thriller „Die Dame im Auto mit Brille und Gewehr“ ist er sanft, bis auch er an die Schuld der Heldin glaubt und sie wütend an den Schultern packt: „You know what? Just for one minute in my stinking life you made me feel something for somebody.“ Dann stößt er sie von sich auf den Boden und verlässt sie. Ein Temperament, das auch seine Rolle des Philippe unberechenbar macht.

Er war anders als sein hübscher und berühmterer Bruder Peter McEnery ein intuitiver Schauspieler, der Reibung bot: groß und sehr hager, unter struppigem blonden Haar durchringend blaue Augen, er wirkte gleichgültig oder ließ eruptiv seine unterdrückten Gefühle heraus. Seine Stimme war shakespearesk und kratzig, gleichzeitig konnte er sanft sein. Brach war bei „Le bateau sur l’herbe“ klug genug, nur zwischen den beiden Männern Zärtlichkeit zu zeigen – Claude Jade kommt als Invasorin in diese Liebesbesziehung zwischen dem reichen Olivier und seinem Angestellten David. Als dieser nimmt sich der sonst temperamentvolle Jean-Pierre Cassel geschickt zurück neben dem wechselhaften McEnery. Claude Jade und John McEnery beschwören aus ihren Lebensmotiven heraus das Drama. Sie, weil sie dazugehören will, er, weil er flüchten will und das nur mit David.

Seine Karriere begann ähnlich wie die des drei Jahre älteren Bruders Peter am Theater. John nahm 1962 nach einer Arbeit in einem Schreibwarenladen Unterricht am Bristol Old Vic, als Peter gerade der große Star bei Peter Hall am New Royal Shakespeare Company (RSC) war.

„I name this ship Eleonor. May God bless her and all who sail in her.“

Johns erstes Engagegement war 1964 im neu gegründeten Everyman-Theater in Liverpool, wo er drei Jahre blieb. Danach trat er in das Nationaltheater des Old Vic ein und spielte 1967 in der Uraufführung von Tom Stoppards „Rosencrantz and Guildenstern Are Dead“ den Hamlet. Den Hamlet-Monolog gibt er auch an Bord des Schiffs auf der Wiese, Claude Jade applaudiert ihm – er hat es verdient – und singt später mit ihm „God save the Queen“. Auch das Boot muss Eleonor in englischen Worten taufen: „I name this ship Eleonor“.

John McEnery gibt für Claude Jade und Jean-Pierre Cassel den Hamlet

John McEnery gibt für Claude Jade und Jean-Pierre Cassel den Hamlet

Andere bemerkenswerte neue Stücke am National Theatre waren Peter Shaffers „The Royal Hunt of the Sun“, in dem er neben Robert Stephens und Derek Jacobi den Garcia spielte und Laurence Oliviers Produktion von „Love´s Labour’s Lost“ (Verlorene Liebesmüh), in dem er sehr witzig das kluge Landei Costard gab, einen der besten Narren Shakespeares, der Wörter erschafft, darunter das längste in dessen Werk: honorificabilitudinitatibus.

1968 macht ihn Zeffirellis Shakespeare-Verfilmung „Romeo und Julia“ zum Star. „Bartleby“ und „Le bateau sur l’herbe“ festigen den Ruhm. Seine letzte Kino-Hauptrolle hat er 1974 im Abenteuerfilm „Caprona – Das vergessene Land“ und in der BBC-Serie „Our Mutual Friend“ nach Charles Dickens letztem Roman spielt er 1976 die Hauptrolle des John Harmon-Rokesmith. In Nottingham kehrte er zu „Rosencrantz und Guildenstern“ zurück und übernahm mit seinem Bruder Peter die Titelrollen. Als er mit Stephanie Beacham in Pinters „The Homecoming“ auftrat, heiratete er sie 1973. Nach der Scheidung blieben sie befreundet.

Beacham erklärte, dass John jeden Morgen das Leben neu erfinden wollte. So wie McEnery, im Privaten ein Hellraiser, erscheint auch sein Olivier in „Le bateau sur l’herbe“. Der reiche Sohn einer Mutter, die sich mit Gigolos umgibt, die jünger als Olivier sind, will mit dem Boot fliehen.  Doch es gibt kein Entkommen. Die drei Protagonisten Olivier, David und Eleonor werden nie die Osterinseln erreichen wie Tschechows „drei Schwestern“ nie in Moskau ankommen.

Als die drei Stars in Cannes ankamen und die Fotografen riefen „Claude! Jean-Pierre ! John !“, schrieb Nice Matin, „Le bateau“ sei der beste Beitrag des Festivals. Er gewann keinen Preis. Doch Kritikerlob:
„John McEnery stößt an die äußersten Grenzen der Interpretation, was bedeutet, das sie allen Freiheiten entspricht: Um sich auszudrücken, indem man sich selbst aus dem Weg geht. Um die Angst vor den wahren Gefühlen zu spüren, wird er zu seinem eigenen Regisseur. Auf der Bühne seiner Capricen versteht er sich ein gelernter Organisator eines ewigen Wahnsinns.“
Am 12. April starb John McEnery.

 

 

„Home sweet Home“ im Kino

Am 13. April 2019 läuft Benoît Lamys „Home sweet Home“ (La fête à Jules) in Le Chambon-sur-Lignon in der Auvergne im Kino. Die Vorstellung beginnt um 14.45

„Wenn Sie Ihr Mousse nicht essen, verbiete ich Ihnen, die Plätze zu verlassen!“

„Home sweet Home“ schildert die Revolte in einem Brüsseler Altersheim. Vier Jahre nach dem Pariser Mai schickt der 27jährige Lamy die Alten auf die Barrikaden. Das Erstlingswerk zeigt in Verbindung von Sozialkritik und Komödie den Kampf für die Freiheit und das Recht auf Würde. Nach der Revolte wird die Despotin (Ann Petersen) fortgeschickt und das alte System wird durch ein demokratisches ersetzt. Michel Baudours Kamera bleibt immer nah an den Figuren, an jedem einzelnen Detail der Gesichter, jeder Falte, an jedem Lächeln.
Koproduzent Jacques Perrin, der neben Claude Jade als Pflegerin Claire den Sozialhelfer Jacques spielt:
„Es gibt keine schwierigen Themen. Wenn wir es schaffen, für sie die richtige Form zu finden, werden alle Filme für die allgemeine Öffentlichkeit bestimmt sein“.
„Home sweet Home“ erhielt insgesamt 14 internationale Auszeichnungen.

Hier der Link zum Kino:
https://www.leprogres.fr/pour-sortir/loisirs/Cinema/Diffusions-exceptionnelles/Auvergne/Haute-loire/Le-chambon-sur-lignon/2019/04/13/La-fete-a-jules

Hier der Link zum Film „Home sweet Home“ (Trautes Heim)

Doppelrolle Lise und Laura

Seit heute in der Filmographie: Claude Jade in ihrer zweiten Doppelrolle nach „Le choix“. In „Lise et Laura“ spielt sie zwei gegensätzliche Frauen zu verschiedenen Zeiten.  Als Lise lernt sie 1938 den Aristokraten Frédéric (Bernard Malaterre) kennen und ordnet ihr Leben der Familie unter, bis sie 1942 von  der Gestapo ermordet wird. 1982 begegnet die emanzipierte Lektorin Laura dem Witwer Frédéric (nun Michel Auclair) und liest Lises Tagebücher.
Hier der Link zu Henri Helmans Film „Lise et Laura“

Le Pion – eine optimistische Fabel

Als Claude Jade das Drehbuch zu „Le Pion“ (Ein Pauker zum Verlieben) erhält, findet sie es lustig und charmant. Die Geschichte um einen Aushilfslehrer (Henri Guybet), der heimlich einen Roman schreibt und von seiner angebeteten Kollegin, dem Schulzensor und dem Literaturzirkel der Stadt belächelt wird, ist sicher naiv.
Auch dass er seine wahre Liebe (Claude Jade), seine verwitwete Nachbarin und Mutter eines seiner Schüler, erst spät erkennt, gehört zum Muster des kleinen Films. Das Menuett der 7. Klaviersinfonie von Beethoven hilft den beiden schüchternen Helden ein wenig.
Seit heute in der Filmographie: „Le Pion“.

Der Stalker

René Féret und Claude in „L’homme qui n’était pas là“

1985 dreht Claude Jade mit René Féret den Thriller „L’homme qui n’était pas là“. Ein Kameraoperateur des Teams wird  zum Stalker Claude Jades. Anonyme Briefe, Verfolgungen, Beschimpfungen und nächtlicher Telefonterror folgen. Es gibt Mitte der 80er Jahre kein Gesetz gegen Stalking und der Mann setzt sein Spiel fort. Erst im Herbst 1988, als Claude Jade mit Bruno Pradal in Nantes am Theater in „Regulus 93“ spielt und der Stalker eine makabre Meldung an Europe 1 durchgibt, kann er schließlich verhafet werden.

L'homme qui n'était pas là (1985), Regulus 93 (1988)

L’homme qui n’était pas là (1985), Regulus 93 ou La véritable histoire du citoyen Haudaudine (1988)

Mehr zu René Férets Film und dem Stalker hier: „L’homme qui n’était pas là“.

 

DVD INA „Lise et Laura“, „Une petite fille dans les tournesols“ und weitere Filme

Une petite fille dans les tournesols (1984)

„Dreh dich um, Marelle !“ In einer Höhle im Gers scheint die Suche von Marelle (Claude Jade) nach ihrem verschwundenen Mann ihr Ende zu finden. Sie begibt sich hier in ein Totenreich wie dem von Orpheus und Eurydike. Auf ihrer Suche erfährt sie, dass sie nicht die einzige ist, die Trauer zu bewältigen hat.  „Une petite fille dans les tournesols“ ist seit einigen Tagen beim Institut National d’Audiovisuel (I.N.A.) als DVD erhältlich. Bernard Fériés Film um Schmerz und Hoffnung erhielt 1985 den Prix de la Société des auteurs.

Claude Jade in „Une petite fille dans les tournesols“ (1984)

Auch „Lise et Laura“ (1982) gibt es dort seit kurzem als DVD. Claude Jade spielt eine Doppelrolle auf zwei Zeitebenen: zur Zeit des Zweiten Weltkriegs die sanfte Lise und in der Gegenwart die emanzipierte Lektorin Laura, die Lises Witwer (Michel Auclair) begegnet.

Claude Jade mit Bernard Malaterre und Michel Auclair als „Lise et Laura“

Neben diesen beiden Neuerscheinungen gibt es dort auch weitere Filme mit Claude Jade :

Da wäre zum einen Claude Jade als Helena in Jean-Christophe Avertys Shakespeare-Verfilmung „Le songe d’une nuit d’été“ (1969), ein gefeiertes TV-Ereignis, das Anfang der 70er Jahre auch wiederholt als „Ein Sommernachtstraum“ im deutschen Fernsehen lief.

Claude Jade in „Une songe d’une nuit d’été“

In der Miniserie „Mauregard“ verlobt sich die mittellose Waise Françoise (Claude Jade) im Jahr 1885 heimlich mit dem adligen Maxence (Richard Leduc) . François Truffaut, der ihr damals sagte „Mit deinen großen Augen könntest du allein die ‚zwei Waisen‘ spielen“, erschien 1968 am Drehort und machte ihr wie Maxence seiner Françoise einen Heiratsantrag.

Claude Jade und Richard Leduc in „Mauregard“

Beim I.N.A. gibt es auch Claude Jade in der Titelrolle von „Sheherazade“. Claude Jade konnte den Fernsehfilm bei seiner Erstausstrahlung zum Jahresende 1971 nicht sehen, da sie gerade mit Bernard in Rio Samba tanzte.

Pierre Michaël und Claude Jade in „Sheherazade“

Weiterhin gibt es die Machiavelli-Verfilmung „La Mandragore“ (1973): Der in die verheiratete Lucrezia (Claude Jade) verliebte Callimaco (Paul Barge) kann seine Angebetete mit der List um die Liebeswurzel Mandragola gewinnen.

Angelo Bardi und Claude Jade in „La Mandragore“

Aus der Reihe „Au théâtre ce soir“ gibt es mit Claude Jade zwei Theaterverfilmungen: In Jacques Devals „Il y a longtemps que je t’aime“ in einer Inszenierung von Raymond Gérôme finden Clarisse (Claude Jade) und Seemann Sixte (Jean Barney) in einem Antiquitätenladen zueinander. Und in „Volpone“, einer Adaption des Ben-Johnson-Stücks von Stefan Zweig und Jules Romains, gerät Claude Jade als Colomba in eine Intrige von Erbschleichern. In der Inszenierung von Claude Jades Stammregisseur Jean Meyer sind Jean Le Poulain, Francis Huster, Jacques Marin und Geneviève Fontanel mit von der Partie.

Au théâtre ce soir: Il y a longtemps que je t’aime, Volpone

Eine weitere populäre Fernsehreihe war „Un comédien lit un auteur“: in „Une histoire d’amour en Provence: Claude Jade lit Madame de Sévigné“ liest sie im Château Grignan aus dem literarischen Schatz der Briefe der berühmten Marquise.

Als Heldin des Horrorfilms „Le collectionneur de cerveaux“ kommt sie den Machenschaften des Grafen Saint Germain auf die Spur. In deutscher Synchronfassung ist der Film als „Schach dem Roboter“ bereits bei Pidax erhältlich.

Claude Jade als Heldin des Horrorfilms „Le colletionneur de cerveaux“

In „Fou comme François“ wird die Ehe von François (Michel Creton) und Luce (Claude Jade) durch den Ausstieg des Mannes in die Arbeitslosigkeit belastet.

Claude Jade und Michel Creton in „Fou comme François / L’Internement“

Im Angebot der I.N.A. sind auch zwei weitere Fernsehfilme, die bereits auf DVD erschienen sind:

Pierre Vernier und Claude Jade in „Eugénie Grandet“

In Jean-Daniel Verhaeghes Balzac-Verfilmung „Eugénie Grandet“  wollen Lucienne des Grassins (Claude Jade) und ihr Bankiersgatte (Pierre Vernier) ihren Sohn mit der Tochter (Alexandra London) eines reichen Geizhalses (Jean Carmet) verheiraten.

Im Fernsehkrimi „L’amie d’enfance“ aus der Reihe „Commissaire Moulin“ ist sie als „Die Freundin aus der Kindheit“ die Titelheldin: Isabelle Mencier (Claude Jade) hat eine Romanze mit Kommissar Jean-Paul Moulin (Yves Rénier) und unterstützt ihm bei der Jagd auf einen Mörder.

Yves Rénier und Claude Jade in „L’amie d’enfance“ aus der Reihe „Commissaire Moulin“

Die Suche nach einem Mörder beschäftigt auch Briefträger René (Alain Claessens) und dessen Freundin, die Lehrerin Solange (Claude Jade), im Krimi „La grotte aux loups“: In der titelgebenden Wolfshöhle hatte René zwei Leichen entdeckt, die kurz darauf verschwunden sind. Und nur Solange glaubt ihm.

Alain Claessens und Claude Jade in „La grotte aux loups“

Diese Fernsehfilme mit Claude Jade sind auf der Seite des Institut National d’Audiovisuel erhältlich. (Stand Oktober 2018)

1: Mauregard, Le songe d'une nuit d'été, Shéhérazade, La Mandragore, Il y a longtemps que je t'aime 2: Le collectionneur de cerveaux, Volpone, Une histoire d'amour en Provence - Claude Jade lit Madame de Sévigné, Fouc omme François, Commissaire Moulin: L'amie d'enfance, La grotte aux loups, Lise et Laura, Une petite fille dans les tournesols, Eugénie Grandet

 

Venantino Venantini 1930 – 2018

Nach einem erfolgversprechenden Start mit dem Problemfilm „Die nackte Odyssee“ wurde Venantino Venantini 1961 ein hoffnungsvoller Nachwuchsschauspieler des italienischen Kinos der 1960er Jahre. Er hatte in Paris an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris Malerei studiert und finanzierte sich seine Ausbildung mit Komparserien. In Frankreich erhält er auch seine besten Rollen. Als Pascal war Venantino Venantini einer der „Tontons flingueurs“ in Georges Lautners Krimikomödie „Mein Onkel, der Gangster“ (1963) mit Lino Ventura, Bernard Blier, Claude Rich, Sabine Sinjen und Robert Dalban. Lautner engagiert den hochgewachsenen jungen Mann mit starkem Sexappeal erneut: als Greg zwischen Mireille Darc und Françoise Prévost in „Galia“ (1965).

Siebenmal wurde Venantini von Lautner besetzt. Carol Reed gab ihm die Nebenrolle des Paris de Grassis in „Michelangelo – Inferno und Ekstase“ (1965) und er etablierte sich in harten Italowestern („Bandidos“) und Komödien (als stotternder Gangster Mickey in Gérard Ourys „Scharfe Sachen für Monsieur“).
1973 entsteht, beeinflusst von einem realen Skandal, der Krimi „Number One“. Gianni Buffardi sammelt eine kleine Schar bekannter Schauspieler, darunter Venantino Venantini, Claude Jade, Paolo Malco, Renzo Montagnani und Christea Avram, für einen konfusen Film um Gemälderaub und Menschenhandel.

Claude Jade ermittelt undercover im Umfeld des titelgebenden Nachtclubs auch gegen Venantino Venantini, für dessen Rolle der Playboy Paolo Vassallo reales Vorbild war. Für Claude Jade keine erfreulichen Dreharbeiten, die ihr ein Pseudoagent vermittelt hatte. Buffardi blieb ihr ihre Gage schuldig. Ob Venantino Ventini sein Geld erhielt, ist nicht bekannt.

Venantino Venantini, Claude Jade, Chris Avram und Gianni Buffardi bei Dreharbeiten zu „Number One“

Eine seiner schönsten späteren Rollen war 2008 eine Verbeugung vor seinem Pascal in „Les Tontons flingeurs“ in Samuel Benchetrits „J’ai rêvé toujours d’être un gangster“, nun mit Jean Rochefort, Laurent Terzieff, Jean-Pierre Kalfon und Roger Dumas als „papys flingueurs“. Am 8. Oktober 2016, Claude Jade wäre 70 geworden, verstarb  Venantino Venantini im Alter von 88 Jahren.

Berlin: Alfred-Hitchcock-Reihe im Kino Babylon OV „Topaz“

Seit nunmehr 19 Jahren läuft in den Kinos der Director’s Cut von Alfred Hitchcocks „Topaz“.
Mit 19 Jahren, 1968 noch minderjährig, unterzeichnete Claude Jade ihren Vertrag mit Universal. Um weiter in Frankreich zu arbeiten, lehnte sie damals den exklusiven Sieben-Jahres-Vertrag ab und hatte ihren ersten Drehtag an ihrem zwanzigsten Geburtstag. Ein exzellentes Geschenk.

Claude Jade an ihrem 20. Geburtstag mit Alfred Hitchcock

Was in Deutschland im Fernsehen und auf deutscher DVD noch immer nicht möglich ist: Im Berliner Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz ist zur Zeit die 142minütige von Hitchcock favorisierte Version zu sehen.

Topaz Alfred Hitchcock Director's Cut Deutschland Berlin Kino Babylon Hitchcock-Retrospektive Hitchcock-Reihe Claude Jade Rosa-Luxemburg-Platz Juli 2018

Neben anderen Werken, siehe Link zum Kino, wird „Topaz“ (Topas) zu folgenden Terminen gezeigt: am Sonntag, 1. Juli 2018, um 20 Uhr,  am Sonntag, 8. Juli, um 22:45 und am Mittwoch, 11. Juli, um 17 Uhr.


Die um etwa 17 Minuten längere Version mit zusätzlichen alternativen Enden bereichert die komplexe Geschichte  um die Erpressung der Kuzenovs durch die CIA, einen Einblick in Nicoles Résistance-Vergangenheit, einen witzigen Kommentar Michèle Picards zu den Kubanern unter den UN-Delegierten, eine feixende Juanita, einen Versöhnungsversuch Michèles zwischen ihren Eltern und ein Cocktail bei Andrés Freund Jacques Granville.

Michel Piccoli, Claude Jade, Frederick Stafford und Dany Robin in Alfred Hitchcocks „Topaz“

Mehr zum Director’s Cut hier
und ein ausführlicher Artikel zum Film hier.