Michel Auclair 94

auclair-michel-auclairIn zwei Filmen spielte Claude Jade mit Michel Auclair (1922-1988). Michel Auclair, der vor 94 Jahren in Koblenz geboren wurde, gelang im Nachkriegskino die Balance zwischen dubiosen Intriganten (Ludovic in Jean Cocteaus „La Belle et la Bête“), zweifelnden Charakteren (Des Grieux in Henri Georges-Clouzots „Manon“) und romantischen Liebhabern (Michel in Erich Engels „Unter den tausend Laternen“). In ihrem zweiten Film „Sous le signe de Monte Cristo“ begegnet Claude Jade 1968 erstmals Michel Auclair: Als Linda stellt sie seinem Schurken de Villefort eine raffinierte Falle, die der modernisierten Dumas-Verfilmung den deutschen Kinotitel gab: „Der Rächer aus dem Sarg“.

Linda (Claude Jade) enthüllt vor de Villefort (Michel Auclair) Edmond Dantès' wahre Identität.

Linda (Claude Jade) enthüllt Gérard de Villefort (Michel Auclair) Edmond Dantès‘ wahre Identität.

De Villefort kondoliert Linda, als "Der Rächer aus dem Sarg" aufersteht. Michel Auclair, Claude Jade, Paul Barge, Raymond Pellegrin und Paul Le Person in "Sous le signe de Monte Cristo"

De Villefort kondoliert Linda, als „Der Rächer aus dem Sarg“ aufersteht. Michel Auclair, Claude Jade, Paul Barge, Raymond Pellegrin und Paul Le Person in André Hunebelles „Sous le signe de Monte Cristo“

sous-le-signe-de-monte-cristo-a01aFür die 19jährige Claude war die Zusammenarbeit mit den großen Schauspielveteranen Pierre Brasseur, Michel Auclair und Raymond Pellegrin eine willkommene Anfangszeit.
1982 spielte sie dann in Henri Helmans „Lise et Laura“ die Doppelrolle der von der Gestapo ermordeten Lise und der jungen Laura, die Jahrzehnte später Lises einstigem Verlobten Frederic (Michel Auclair) begegnet.
Claude Jade: „Ich hatte Michel, diesen subtilen Schauspieler, seit meinen Anfängen nicht wiedergesehen und ich schätzte erneut und noch mehr die Qualität seines Spiels“.

Claude Jade und Michel Auclair in Henri Helmans "Lise et Laura"

Claude Jade und Michel Auclair in Henri Helmans „Lise et Laura“

Gerard Brach 10. Todestag

Claude Jade und Gérard Brach bei der Arbeit zu "Le bateau sur l'herbe"

Claude Jade und Gérard Brach bei der Arbeit zu „Le bateau sur l’herbe“

brach_polanski_gerard-brach_roman_polanski-cul-de-sacHeute vor zehn Jahren starb einer der bedeutendsten Autoren des französischen und internationalen Qualitätskinos: Gérard Brach. Ob Thriller, Satire, Epos, Melodram – Brach beherrschte alle Genres.
Er schrieb vor allem für seinen engen Freund Roman Polański  die Drehbücher zu „Ekel“, „Cul-de-sac – Wenn Katelbach kommt“, „Tanz der Vampire“, „Was?“, „Tess“, „Der Mieter“, „Frantic“, Piraten“ und „Bitter Moon“.
Brach schrieb zudem für Annaud („Der Name der Rose“), Berri („Jean de Florette“), Ferreri („Affentraum“), Antonioni („Identifikation einer Frau“), Kontschalowski, de Broca …
brach_bateauAls Regisseur drehte er nur zwei Filme, „La Maison“ mit Michel Simon und Patti D’Arbanville und „Le bateau sur l’herbe“ mit Jean-Pierre Cassel, Claude Jade und John McEnery. Gérard Brach gab Claude Jade ihre erste Gegenbesetzung als unbedarftes egoistisches Mädchen, das die Freundschaft zweier Männer zerstört. Es war ein sehr intimer Film, der Frankreich bei den Filmfestspielen in Cannes vertrat, aber nur ein Kritikererfolg wurde. Claude Jade trägt als Eléonore immer einen Wäschesack bei sich. Als sie einige Jahre später für die französische Fassung von „What?“, einen von Brach geschriebenen Polański-Film, Sydne Rome synchronisierte, fiel ihr auf, dass auch deren Figur den gleichen Wäschesack wie Eléonore trug. Da Brach sein Privatleben zu schützen verstand, bleibt es sein Geheimnis, ob der Wäschesack das Provisorische an seinen Beziehungen zu Frauen symbolisiert oder ein Accessoire ist, von dem sich seine Frauenfiguren nicht trennen.

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Darry Cowl 91

bahut-va-craquer-affiche-1981-claude-jade-michel-galabru-darry-cowl-dany-carrelDarry Cowl, der heute 91 geworden wäre, drehte 1981 mit Claude Jade die Komödie „Le bahut va craquer“.
Darry Cowl trat nach der Schauspielschule in Pariser Cabarets auf, wo er 1955 für das Kino entdeckt wurde.
Ein Jahr später war er Brigitte Bardots Bruder im Lustspiel „En effeuillant la marguerite“ (Das Gänseblümchen wird entblättert), ein Museumswärter, der sein Schwesterchen zu einem Striptease-Wettbewerb begleitet.
1957 wurde Darry Cowl mit der Hauptrolle in der Humoreske „Le Triporteur“ (Anton, der Querschläger), die sich über den Fußballrummel lustig macht, schlagartig berühmt.

cowl triporteur

Darry Cowl spielte fast ausnahmslos in Komödien. Neben gelungenen Filmen wie „Radieschen von unten“  entstanden auch schlichte Militärklamotten wie „Oh lala, die kleinen Blonden sind da“ und  „Das Schlitzohr der ersten Kompanie“. 2001 mit dem Ehren-César für sein Lebenswerk ausgezeichnet, erhielt er 2004 den César für die beste Nebenrolle als neugierige Madame Foin in Alain Resnais‘ Filmmusical „Pas sur la bouche“. Darry Cowl starb am 14. Februar 2006. Die von seiner Witwe und François Rollin betreute Gesellschaft „Vive Darry“ verleiht jährlich einen nach ihm benannten Schauspielpreis, den prix Darry Cowl.

bahut va craquer 1981 darry cowl claude jade

bahut va craquer claude jade darry cowl fanny bastien meunierIn Michel Nervals „Le bahut va craquer“ sorgt der Verweis einer schwangeren Schülerin (Fanny Bastien) für einen Aufstand. Die unnachgiebige Philosophielehrerin (Claude Jade), der beflissene Mathelehrer (Darry Cowl) und der cholerische Direktor (Michel Galabru) werden von revoltierenden Schülern eingesperrt. Und die Geiseln zoffen sich auch untereinander, bis der Arrest Wirkung zeigt.
Darry Cowl und Claude Jade hatten bereits 1975 in der Komödie „Trop c’est trop“ gespielt, allerdings nicht in gemeinsamen Szenen: Erst als die von Claude Jade und ihren beiden Gefährtinnen bedrängten Junggesellen gemeinsam Selbstmord begangen haben, landen sie bei Darry Cowl – hier als wuschelköpfiger Luzifer höchstpersönlich.

galabru_michel_Claude_Jade_Darry_Cowl_bahut va craquer„Le bahut va craquer“ fiel für Claude Jade in die Zeit ihrer Moskauer Jahre. Regisseur Michel Nerval hatte bereits sein Debüt „Les Borsalini“ mit Darry Cowl gedreht und ihn erneut engagiert. Claude Jade verkörpere für ihn bisher die zarte junge Frau aus dem 16. Arrondissement und er habe ihr eine Gegenbesetzung geben wollen.

Claude Jade, Michel Galabru und Darry Cowl in "Le bahut va craquer"

Claude Jade, Michel Galabru und Darry Cowl in „Le bahut va craquer“

„Es ist für mich das erste Mal, dass ich einem absoluten Komikerfilm spiele“, erklärt Claude Jade im April 1981 in „Jeudi Cinema“ Gastgeber Pierre Tchernia und freut sich über ihre neue Erfahrung, mit den im Komikerfach etablierten Kollegen Michel Galabru und Darry Cowl gearbeitet zu haben: „Und das ist ein gewaltiger Unterschied nach einem Film wie ,Lenin in Paris‘.“ Und zudem eine gute Unterrichtsstunde, wie der kurze Ausschnitt mit Darry Cowl, Claude Jade und Michel Galabru zeigt.

 

 

Jacques Weber 67

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Jacques Weber, Claude Jade, Le malin plaisirIhre erste Begegnung haben Claude Jade und Jacques Weber, der heute 67 wird, im September 67: Claude Jade spielt gerade in Sacha Pitoëffs Inszenierung von „Heinrich IV“; ihr Name prangt an den Litfaßsäulen. Dennoch ist sie eingeschüchtert, wenn sie im kleinen Bistrot neben der Schauspielschule an der rue Blanche andere Schauspielschüler bemerkt, die plötzlich tuscheln. Einer von ihnen, Jacques Weber, wird ihr einige Jahre später verraten, was die Schüler damals flüsterten: „Schau nur, da drüben ist das Mädchen, das von den Pitoëffs engagiert wurde!“
Weber studiert an der Rue Blanche und sein Mentor wird Pierre Brasseur, mit dem Claude Jade „Sous le signe de Monte Cristo“ dreht. Jacques Weber wird den Graf von Monte Christo 1979 in einem vielbeachteten Vierteiler von Denys de La Patellière („Prêtres interdits“) spielen.

Jacques Weber als Edmond Dantès in der TV-Serie "Der Graf von Monte Christo"

Jacques Weber als Edmond Dantès in der TV-Serie „Der Graf von Monte Christo“

cyrano_jacques weberNach der Schauspielschule verweigert Weber ein Engagement an der Comédie Française und spielt frei an verschiedenen Bühnen unter der Regie von Robert Hossein, Jean-Louis Barrault und Jérôme Savary. Er inszeniert auch selbst und spielt seit 1983 allein 500 den „Cyrano de Bergerac“; in der Verfilmung des Stoffs erhält Jacques Weber für die Rolle von Cyranos Widersacher Comte de Guiche 1991 den César für die beste Nebenrolle.

Für seinen Comte de Guiche an der Seite von Gérard Depardieu als Cyrano erhält Jacques Weber den César

Für seinen Comte de Guiche an der Seite von Gérard Depardieu als Cyrano erhält Jacques Weber den César.

weber JacquesSeit 1970 dreht Weber  mit Michel Deville („Raphaël ou le Débauché“) Nina Companeez („Faustine et le bel été“), Costa-Gavras („État de siège“), François Leterrier („Projection privée“) und Juan-Luis Buñuel („La femme aux bottes rouges“). Später wird er die großen Verführerrollen spielen, als „Bel Ami“ und als „Don Juan“. Seine erste Rolle dieser Art und seine allererste Hauptrolle gibt ihm 1974 Bernard Toublanc-Michel, der zuvor Jean-Claude Dauphin („Adolphe ou l’Âge tendre“) und Isabelle Adjani („Le Petit bougnat“) fürs Kino entdeckt hatte.

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Jacques_Weber_et_Claude_Jade_Le_malin_plaisir_film-1975In „Le malin plaisir“ ist allerdings nie gewiss, wer hier wen verführt. Nach dem Tod des Historikers Malaiseau soll der junge Autor Marc (Jacques Weber) dessen Werk über Charles le Téméraire in der Villa des Toten vollenden. Malaiseaus Sekretärin Julie (Claude Jade) verführt Marc, doch es sind noch drei weitere junge Frauen und Malaiseaus Mutter vor Ort. Bald kommt Marc, der verführt wird und verführt, der schreckliche Verdacht, dass Malaiseaus Tod kein Unfall war…

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Die Schauspieler schlafen im Château d’Arpaillargues in jenen Zimmern, die auch von ihren Rollen bewohnt werden. Eine familiäre Atmosphäre entsteht so für Jacques Weber, Claude Jade, Anny Duperey, Nicoletta Machiavelli, Cécile Vassort und Mary Marquet, eine ehemalige Schauspiellehrerin Claude Jades.

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Für die Rolle der Julie akzeptiert Claude Jade erstmals Nacktaufnahmen. Bernard Coste hatte seiner zögernden Frau bereits im Vorfeld erklärt, sie müsse verrückt sein, wegen solcher Szenen auf eine feine Rolle wie die der Julie zu verzichten. Vier Jahre zuvor hatte Claude Jade erklärt, sie müsse für eine derartige Entscheidung ihre Mentalität ändern: „Ich dachte immer, es schickt sich für eine ernsthafte Schauspielerin nicht, sich auszuziehen. Ich habe mich geirrt.“ Um sich zu enthemmen, trinkt Claude Jade mit Jacques Weber vor den Aufnahmen „ein wenig Vodka“.

Claude Jade, Jacques Weber, film "Le malin plaisr" de Bernard Toublanc-Michel, 1974 1975, apres le Roman "Les plaisirs de mon âge" de Francoise Linares

A votre santé, Jacques Weber.

le malin plaisir piscine jacques weber claude jade anny duperey mary marquet nicoletta machiavelli cecile vassort

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Vor 40 Jahren wurde Claude Jade Maman

pierre claude jade pierre coste 1 mois et demiClaude Jades Schwangerschaft war sehr kurios.
Da sie in Japan in Kei Kumais „Kita No Misaki“ eine Nonne spielte, durfte die dortige Presse Mitte der 70er Jahre nicht wissen, dass sie verheiratet war. Claude lernte fleißig japanisch und folgte den Anweisungen von Toho Film. So reiste Ehemann Bernard Coste als angeblicher Sekretär des ledigen Filmstars nach Tokio. Doch dann wurde die ledige Schauspielerin auch noch schwanger. Kein allzu großes Problem mit der Nonnentracht, doch zur Premiere durfte sie nicht erscheinen; das hätte einen Skandal bedeutet, da die Presse sie ja ledig glaubte.
In einer Pause zwischen den Dreharbeiten in Japan und Singapur entstand ein Horrorfilm.

kita no misaki cap du nordAls couragierte Heldin des Horrorfilms „Le collectionneur de cerveaux“ (Schach dem Roboter) durfte sie immerhin auch etwas liegen, festgeschnallt auf das Bett eines irren Mörders (siehe „Bettgeschichten“).
Als Nelly Kaplan ihr eine Rolle neben Sami Frey in „Néa“ anbot, musste Claude Jade ablehnen, denn sie hätte zwar die ersten Szenen drehen können, doch später wäre ihr Taillenumfang zu sichtbar geworden, in etwa vergleichbar mit dem Dilemma der Stacey in François Truffauts „La nuit américaine“.
Die Kleidung der Krankenschwester Claire, die Michel Bouquet in „Les anneaux de Bicêtre“ (Zwischen Tod und Leben) ins Leben zurückholte, ließ das Arbeiten als Schauspielerin wiederum zu.

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Und am 21. August 1976 folgte für Claude Jade, die da bereits einige Mutterrollen gespielt hatte, ihre schönste Rolle in
LE PETIT PIERRE: „Lorsque l’enfant paraît“
dans le rôle du nourrisson: Pierre (prêt à crier, à 14 h25), dans le rôle de la mère: Claude (prêt à pouponner, à 17 heures), dans le rôle du père: Bernard (prêt à tourner de l’oeil, à 14 h 30).
„Le film de cinéma-vérité est sûrement le plus important de ma vie“
(Claude Jade, Baisers envolés, 2004)

Pierre Coste in den Armen seiner Maman Claude Jade

Pierre Coste in den Armen seiner Maman Claude Jade

Claude Jade und Annick Beauchamps mit ihren Bébés Pierre und Charlotte

Claude Jade und Annick Beauchamps mit ihren Bébés Pierre und Charlotte

Saint Bernard

Der 20. August ist der Namenstag des Bernard.

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Mit zwei Bernards, Bernard Le Coq und Bernard Fresson dreht Claude Jade 1972 einen Film, dessen Titel einen weiteren Feiertag der Katholiken in sich trägt, „Les feux de la Chandeleur“.
Der Feiertag Chandeleur, das Fest der Darstellung des Herrn oder auch Mariä Lichtmess, wird an jedem 2. Februar, vierzig Tage nach Weihnachten, begangen.

Claude Jade und Bernard Coste

Einen dritten Bernard, der während der Dreharbeiten zu „Les feux de la Chandeleur“ von Rio de Janeiro aus anreist, um sich mit Claude Jade zu verloben, ist Bernard Coste. Die beiden heiraten im Dezember 1972.
Für Bernard Le Coq war der Part von Claude Jades Filmbruder die erste große Filmrolle und für Bernard Fresson, der im Film Claude Jades Geliebten und Verlobten spielt, begann mit den Dreharbeiten seine Affaire mit Claudes Filmmutter Annie Girardot.
Auch ohne irgendwelchen Glauben ist der heutige Tag vielleicht eine Gelegenheit, den Bernards, die wir lieben, zu gratulieren.

Bernard le Coq und Bernard Fresson in ihren gemeinsamen Szenen in "Les feux de la Chandeleur" mit Annie Girardot, Claude Jade, Gabriella Boccardo, Jean Rochefort und Jean Bouise

Bernard Le Coq und Bernard Fresson in ihren gemeinsamen Szenen in „Kerzenlicht“ (Les feux de la Chandeleur) mit Annie Girardot, Claude Jade, Gabriella Boccardo, Jean Rochefort und Jean Bouise

 

 

Téléaste Jean-Christophe Averty wird 88

averty jean-christophe-averty portrait„Nach Jean-Christophe Averty können Show-Sendungen nicht mehr sein, was sie vor ihm waren. Er hat ihren Rhythmus verändert und die Ansprüche gehoben.“ (François Mauriac).
Averty ist Surrealist und Vertreter des Chic, Vater der Blue Screen im französischen Fernsehen und Visionär. Er war der kreativste Fernsehregisseur seiner Zeit. Der „Téléaste“  Averty wollte nie Fernsehen machen, wie es die anderen taten.
Lieber erfand er bunte Bilder, schnitt sie kunstvoll und synthetisch. Er erhielt 1965 für sein Wirken als Video-Pionier den Emmy; die legendären Musikvideos von France Gall, Françoise Hardy,  Gainsbourg, Bécaud, Ferré, Hallyday und Dalida sind ohne Averty undenkbar.

Claude Jade, Christine Delaroche und Jean-Claude Drouot im Fokus Avertys

Claude Jade, Christine Delaroche und Jean-Claude Drouot im Fokus Avertys

averty_songe_d_une_nuit_d_ete1969, jenem Jahr, in dem er den Grimme-Preis erhielt, schuf er eine ambitionierte und außergewöhnliche Inszenierung: Shakespeares „Sommernachtstraum“. Le Monde erklärt den TV-Film zum „chef-d’œuvre“ und France Soir spricht von einem epochemachenden Datum und einer Revolution in der Geschichte der Regie.
Zur deutschen Erstausstrahlung heißt es beim WDR: „Averty, dem eher ein Zuviel als ein Zuwenig an Einfällen vorzuwerfen wäre, hat eine bunte Phantasmagorie geschaffen, vor der Kategorien wie Kunst, Kunstgewerbe oder Kitsch versagen.“

Claude Jade in "Le songe d'une nuit d'été" (Ein Sommernachtstraum) von Jean-Christophe Averty

Claude Jade in „Le songe d’une nuit d’été“ (Ein Sommernachtstraum) von Jean-Christophe Averty

Claude Jade spielt die verzweifelte Helena, die nach einem Liebeszauber von zwei Männern begehrt wird und darüber – bisher ungeliebt – in erneute Verzweiflung und in Rage gerät. Helenas Monolog zeigt Averty in einem mal roten, mal grünen und dann blauen Medaillon, in dem Claude Jade tränenüberströmt direkt in das Auge der Kamera spielt, umrahmt von wechselnden Tarot-Karten und Herzen, die von Pfeilen getroffen werden.

Drei Stars für Averty: Claude Jade, Marie Versini ("Winnetou")und Christine Delaroche ("Belphégor")

Drei Stars für Averty: Claude Jade, Marie Versini („Winnetou“) und Christine Delaroche („Belphégor“)

Averty inszeniert das Stück, für das auch weitere Stars wie Christine Delaroche als Helenas Freundin und Rivalin Hermia, Jean-Claude Drouot und Christiane Minazzoli als Elfenpaar Oberon und Titania sowie Marie Versini, die Nscho-tschi aus „Winnetou“, als Amazonenkönigin Hippolyta engagiert wurden, vor einer „blue screen“. Für Claude Jade bietet sich eine irreal anmutende Erfahrung, in einem nackten Raum mit blauen Wänden, mit blauen Tonnen und Säulen zu agieren, der später zu Shakespeares Märchenwald wird. Das Bild teilt sich per Split-screen in parallele Szenen, schwelgend vor einem psychedelischen Farbenmeer.

Weihnachten 1969 hatte der Film seine französische TV-Premiere, in Deutschland am 22.12.1971

Weihnachten 1969 hatte der Film seine französische TV-Premiere, in Deutschland am 22.12.1971

Das Ergebnis ist eine poetische Umsetzung der Shakespeare-Komödie, die am Weihnachtsabend 1969 den Fernsehschirm in ein flirrendes Bilderbuch verzaubert. Maurice Clavel schwärmt in der Neujahrsausgabe des „Nouvel Observateur“ von der Montage der Schauspieler auf den Hintergrund antiker Vasen und Fresken.

Dank Averty die ersten Video-Schauspieler der französischen Fernsehgeschichte

Jade, Delaroche, Drouot, Versini und Tureau: die ersten Video-Schauspieler der französischen Fernsehgeschichte

Maurice Clavel nennt das die Sehgewohnheiten zu Beginn angreifende und verwirrende Werk eine vollkommen harmonische und ästhetische Wissenschaft und vergleicht den Bilderrausch auf dem Fernsehschirm mit einer Galaxie. Clavel spricht auch Claude Jade einen gewissen Anteil am Erfolg zu: „Man ist sich rasch sicher, dass Mademoiselle Claude Jade zum Sprechen keine Atempause braucht; sie agiert so schnell, dass man zu der Überzeugung gelangt, sie habe das Atmen über ihr Spiel vergessen. Und gerade das trägt erheblich bei zum Wunder dieses Films.“

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Ohne Jean-Christope Averty hätte dieses Wunder nicht stattgefunden. Heute feiert er seinen 88. Geburtstag. Bon anniversaire.

fünfminütiger Ausschnitt mit Claude Jade (Helena), Christine Delaroche (Hermia), Michel Ruhl (Lysander), J.C. Drouot (Oberon), Michel Tureau (Puck), Dominique Serina (Demetrius)

 

 

Daniel Ceccaldi 89

Claude Jade, Daniel Ceccaldi und Claire Duhamel in "Geraubte Küsse"

Claude Jade, Daniel Ceccaldi und Claire Duhamel in „Geraubte Küsse“

ceccaldi_claude jade daniel ceccaldi Domicile conjugalIn „Baisers volés“ und „Domicile conjugal“ war Daniel Ceccaldi (1927-2003) der Stiefvater von Christine Darbon-Doinel alias Claude Jade – und natürlich der Schwiegervater von Truffauts Alter ego Antoine Doinel.
Den Namen Darbon für Christines Eltern entlieh Truffaut dem Schauspieler François Darbon, der im Kurzfilm „Antoine et Colette“ den namenlosen Stiefvater von Antoines platonischem Schwarm Colette gespielt hatte. Die Darbons leben im 16. Arrondissement, in der avenue Édouard-Vaillant Nummer 44.
Ceccaldi_baisers_voles_Claude_Jade_Daniel_Ceccaldi_1968_filmClaude Jade über ihre Filmeltern: „François sagte, dass er Mädchen mit netten Eltern gern mochte. Aus diesem Grund sind Antoine Doinels Schwiegereltern so sympathisch.“
Daniel Ceccaldis Lucien Darbon könnte dem Universum Charles Dickens‘ entstammen, ein  gebildeter, schelmischer und  warmherziger Bonhomme, als Stiefvater und als Schwiegervater auch ein Komplize der Helden.

Claude Jade, Claire Duhamel, Jean-Pierre Léaud und Daniel Ceccaldi. Baisers volés. 1968.

Claude Jade, Claire Duhamel, Jean-Pierre Léaud und Daniel Ceccaldi. Baisers volés. 1968.

Jean-Pierre Leaud, Claude Jade, Daniel Ceccaldi, Claire Duhamel. Domicile conjugal. 1970

Jean-Pierre Leaud, Claude Jade, Daniel Ceccaldi, Claire Duhamel. Domicile conjugal. 1970

Ceccaldi_Dom_le canard malicieux daniel ceccaldi claude jadeEr ist warmherzig und in seiner Spielfreude köstlich, wenn er am Essenstisch erklärt, weshalb Christine auf keinen Fall die Marseillaise spielen dürfe. Er ist ein Feingeist, der eine Autowerkstatt besitzt und der in „Domicile conjugal“ seinem Enkel Alphonse eine gelbe Gummiente mitbringt. Kurz zuvor hat Christine herausgefunden, dass Antoine sie mit einer Japanerin betrogen hat. Lucien: „Diese Ente ist übrigens für Alphonse, die ist nicht für euch. Ich sage das, weil ich kürzlich einen interessanten Roman gelesen habe: ‚Die schelmische Ente‘. Es ist die Geschichte eines Richters, eines Mannes aus dem gehobenen Bürgertum, der sich unsterblich in eine Ente verliebt, eine Ente, die man seinem Sohn geschenkt hat.“ Christine: „Das kann Antoine nicht passieren; er hat für leblose Dinge nichts übrig. Er bevorzugt Menschen, obgleich er überhaupt nichts gegen die Farbe Gelb hat.“

Daniel Ceccaldi als Lucien Darbon in "Baisers volés" (oben) und "Domicile conjugal"

Daniel Ceccaldi als Lucien Darbon in „Baisers volés“ (oben) und „Domicile conjugal“

Ceccaldi_Banania_Baisers_voles_Claude_JadeSeinen schönsten Satz in „Domicile conjugal“ hat Ceccaldi in einer Szene im Bordell, in dem er seinem Schwiegersohn begegnet: „Wertvolle Menschen sind wie schöne Dinge. Sie verlassen selbst die guten Häuser mit Bedauern.“
Der Kritiker Bob Wade schreibt über Ceccaldis Lucien Darbon: „Claude Jade’s parents are memorably played by Daniel Ceccaldi and Claire Duhamel. Ceccaldi’s role may represent the most pleasant and neurosis-free father in any movie of the era. He overflows with Dickensian warmth and geniality.“

François Truffaut, Daniel Ceccaldi, Claude Jade, jean-Pierre Léaud

François Truffaut, Daniel Ceccaldi, Claude Jade, jean-Pierre Léaud

Daniel Ceccaldi1972 bittet Daniel Ceccaldi Claude Jade, in Shakespeares „Henry V“ seine kleine französische Prinzessin Catherine de Valois zu spielen, im von ihm inszenierten und gespielten Stück bei Sommerfestivals in Beauhency, Sarlat und Sisteron. Leider fällt dieses schöne Projekt ins Wasser, bei dem man einem berühmten Tochter-Vater-Paar der Filmgeschichte nach ihrer Vermählung auf der Bühne hätte applaudieren können.

Claude Jade schwärmt in ihrer Autobiographie „Baisers envolés“: „Daniel Ceccaldi, toujours disert, charmant et plein d’esprit.“ Heute wäre der Schauspieler 89 Jahre geworden.

Jean-Pierre Léaud, François Truffaut, Claude Jade, Daniel Ceccaldi und Claire Duhamel bei Dreharbeiten zu "Domicile conjugal", 1970

Jean-Pierre Léaud, François Truffaut, Claude Jade, Daniel Ceccaldi und Claire Duhamel bei Dreharbeiten zu „Domicile conjugal“ (Das Ehedomizil / Tisch und Bett, 1970)

Mehr über Daniel Ceccaldi in „Baisers volés“ hier: „Geraubte Küsse“

 

Robert Dalban

Claude Jade, Robert Dalban und Jacques Brel in "Mon oncle Benjamin"

Claude Jade, Robert Dalban und Jacques Brel in „Mon oncle Benjamin“

Dalban_Robert_pic_tontons149Wenn das Weinfass in „Mein Onkel Benjamin“ für das Liebespaar Claude Jade und Jacques Brel geöffnet wird, kommt ein exzellenter Jahrgang zutage: Robert Dalban, geboren am 19. Juli 1903.
Der Mann mit der Gangstervisage fiel erstmals 1947 als Mörder Paulo in Clouzots „Quai des Orfèvres“ auf und ist ein Symbol des französischen Nebendarstellers in der dritten Reihe. Bei über 240 Auftritten ist sehr viel Mittelmäßiges dabei, doch eben auch Unvergessenes.
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Zu seinen herausragenden Filmen zählen „Marie Octobre“, in dem er ein des Verrats verdächtiger ehemaliger Résistance-Kamerad von Danielle Darrieux ist, „Les Tontons flinguers“ (Mein Onkel, der Gangster), in dem als Hausdiener Jean immer wieder sein donnerndes „Yes Sir !“ schmettert und „Mon oncle Benjamin“, in dem er als Gastwirt besessen über die Jungfräulichkeit seiner Tochter Manette (Claude Jade) wacht. Und als Manette sich dem jungen Hector de Pont-Cassé (Bernard Alane) anvertraut, findet der mit Hilfe eines Weinfasses ein ganz besonderes Geschenk für Manette und Benjamin.

Robert Dalban, Bernard Alane, Claude Jade, Jacques Brel, Paul Frankeur, Jean-Pierre Lamy, Mon oncle Benjamin, Mein Onkel Benjamin

Unter diesem Link mehr zu „Mon oncle Benjamin“

Jacques Perrin 75

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Jacques Perrin (links) und Claude Jade in „Home sweet Home“

home_sweet_home_poster_la_fete_a_jules_claude_jade_Jacques_perrin„Es gibt keine schwierigen Themen im Film. Wenn wir es schaffen, für sie die richtige Form zu finden, werden alle Filme für ein großes Publikum bestimmt sein.“ Jacques Perrin spielte nicht nur mit Claude Jade in Benoît Lamys fulminantem Debütfilm „Home Sweet Home“ das junge Paar unter größtenteils mit Laien besetzten Altersheimbewohnern; er war auch Koproduzent des vielleicht nur im Arbeitstitel schwierig erscheinenden Themas: „Traité de savoir-vivre à l’usage des vieilles générations“.
Wer wollte 1973 schon einen Film über alte Menschen produzieren; nicht sexy genug, Leute ins Kino zu locken? Jacqueline Pierreux und Jacques Perrin machten sich stark.

Claude Jade und Jacques Perrin in "Home Sweet Home" (Trautes Heim)

Claude Jade und Jacques Perrin in „Home Sweet Home“ (Trautes Heim)

affiche_Poster_Home_sweet_Home_affiche_bombe_benoit_lamy_claude_Jade_Jacques_Perrin„Alte Leute inszenieren eine Revolution. Ein Unterhaltung und Sozialkritik geschickt verbindendes Erstlingswerk, ebenso ironisch und heiter im Stil wie originell im Stoff“, lobt das Filmlexikon den Film, der 14 Preise weltweit einheimste.
Produzent wurde Perrin vier Jahre zuvor. Er war bereits ein Star, hatte Auszeichnungen erhalten und war abonniert auf den schönen Unschuldigen. 1969 spielte Jacques Perrin in Costa-Gavras‘ bahnbrechendem Politthriller „Z“ den couragierten Journalisten. Costa-Gavras brauchte einen Produzenten für den brisanten Stoff und Perrin gründete die Firma Reggane. Der Rest ist Filmgeschichte.

Perrin in seiner Lieblingsrolle: als Maxence Françoise Dorléac in "les demoiselles de Rochefort"

Jacques Perrin in seiner Lieblingsrolle: als Maxence mit Françoise Dorléac in „Les demoiselles de Rochefort“

"Z" - Regisseur Costa-Gavras mit Star und Produzent Jacques Perrin

„Z“ – Regisseur Costa-Gavras mit seinem Schauspieler und Produzenten Jacques Perrin

affiche_honneur_capitaine-1Fortan produzierte er politisch linke Filme und suchte auch seine Rollen in diesem Genre.
So führte ein weiterer politischer Film erneut Jacques Perrin und Claude Jade zusammen: „L’honneur d’un capitaine“. Als Anwältin Valouin kämpft sie mit einer Witwe (Nicole Garcia) gegen die Verleumdung eines 25 Jahre zuvor im Algerienkrieg gefallenen Hauptmanns (Perrin). Sie hatten dem Sujet entsprechend keine gemeinsamen Szenen mehr.
2005 ließen sich Claude Jade und Jacques Perrin für die DVD-Veröffentlichung des Meilensteins des belgischen Kinos interviewen. „Home sweet Home“ bleibt es wundervolles Manifest für die Freiheit und die Revolte.

Jacques Perrin und Claude Jade im preisgekrönten "Home Sweet Home"

Jacques Perrin und Claude Jade im preisgekrönten „Home Sweet Home“

Claude Jade und Jacques Perrin 2005 in Interviews zu "Home sweet Home"

Claude Jade und Jacques Perrin 2005 in Interviews zu „Home sweet Home“

Claude Jade und Jacques Perrin in "Home sweet Home"

Claude Jade und Jacques Perrin in „Home sweet Home“

Mehr zu Jacques Perrin, der heute seinen 75. Geburtstag feiert, und zu Claude Jade in Benoît Lamys „Trautes Heim“ finden Sie hier:
„Home Sweet Home – Trautes Heim“