Michel Piccoli 1925 – 2020

Michel Piccoli und Claude Jade: Gala de l’Union des Artistes 1971

Michel Subor, Philippe Noiret, Claude Jade, Michel Piccoli, Alfred Hitchcock und Frederick Stafford

Heute wurde bekannt, dass er am 12. Mai starb: Michel Piccoli, den man den größten europäischen Filmschauspieler nennen darf. Er war ein monstre sacrée, er vereinte Eleganz und Wurstigkeit, Sex-Appeal und Monstrosität. Er hatte großen Mut zu Entblößung und Verwandlung und Heroisches war im fremd. Filmriktiker Michael Althen schrieb einmal: „Er war sich für nichts zu schade. Man wäre versucht zu sagen, dass er dabei immer sein Gesicht gewahrt hat, wenn man nicht wüsste, dass er vielleicht nichts so sehr wollte wie sein Gesicht zu verlieren.“

Michel Piccoli, Frederick Stafford, Claude Jade und Dany Robin in „Topaz“

Seine Figuren waren voller Zweifel und er rauchte ohne Unterlass und elegant Zigaretten in Sautets „Die Dinge des Lebens“, einem seiner Schlüsselfilme mit Romy Schneider. Die FAZ schrieb heute zu seinen Filmpartnerinnen vor der Schneider: „Er hat der nackten Bardot [in Godards „Verachtung“] standgehalten, jetzt wird er mit Ikonen bombardiert: Jeanne Moreau (in Buñuels „Tagebuch einer Kammerzofe“), Karin Dor und Claude Jade (in Hitchcocks „Topas“), Françoise Dorléac und Catherine Deneuve (in Jacques Demys „Mädchen von Rochefort“). Aber sie alle sind nur Übergänge, Brücken auf dem Weg zu der Begegnung, die sich tiefer als jede andere in seine Karriere einschreiben wird, der Begegnung mit Romy Schneider. “

Mit Karin Dor hatte er keine Szene in „Topas“ und mit Claude Jade nur eine einzige. Heroisch ist in „Topas“ nichts und Hitchcock drehte für den Tod des von Piccoli gespielten Jacques Ganville drei Versionen: in der ersten wird er bei einem Duell von einem Heckenschützen erschossen, in einem weiteren erschießt er sich nach der Enttarnung hinter verschlossener Tür und in einer dritten reist er fröhlich winkend nach Moskau ab.

Michel Piccoli, Claude Jade, Frederick Stafford und Dany Robin in Hitchcocks „Topas“

Piccolis Kunst, seine sparsam eingesetzten Gesten und Bewegungen jedes Mal erneut zu einer Offenbarung werden zu lassen, nutzte Alfred Hitchcock, als er ihm in „Topas“ die Rolle des Chefs des titelgebenden Spionageringes gibt. Die Hauptrolle des Agenten André Devereaux hatte er Frederick Stafford gegeben und bedauerte später, nicht Michel Piccoli zum Star seines Films gemacht zu haben. Auch als Filmvater von Claude Jade wäre er glaubwürdiger gewesen als der adrette Stafford.

Nachruf Michel Piccoli FAZ

Nachruf Michel Piccoli Focus

Michel Piccoli, Claude Jade und Marion Game: Gala de l’Union des Artistes 1971

Claude Jade und Michel Piccoli traten erneut 1971 in einer Nummer der „Gala de l’union des artistes“ auf, in der Piccoli sie in einem Schrankkoffer verschwinden lässt und wieder herbeizaubert. Nun ist auch er verschwunden.

Michel Piccoli, Philippe Noiret, Alfred Hitchcock und Claude Jade

8. Mai Tag der Befreiung

In Berlin wird der 8. Mai heute als 75. Jahrestag der Befreiung gefeiert. Diese Seite erinnert heute an zwei Filmfiguren, die von Claude Jade gespielt wurden. Beide, Françoise und Lise, wurden in der Zeit des Zweiten Weltkriegs von Deutschen ermordet.
Es ist beschämend, dass nur das Land Berlin diesen Tag zum Feiertag ernannt hat. Der 8. Mai muss zum dauerhaften Feiertag in der Bundesrepublik Deutschland erhoben werden.
Françoise im Film „Prêtres interdits“ (Der Abbé und die Liebe, 1973) wird bei einem Luftangriff getötet, ihr von Robert Hossein gespielter Geliebter wird ebenfalls von deutschen Besatzern erschossen. Lise, eine der beiden Rollen, die Claude Jade in „Lise et Laura“ (1982) spielt, wird von der Gestapo getötet, als sie ein Dossier zur Résistance bringt. Beide Filmfiguren sind Opfer des deutschen Nationalsozialismus, stellvertretend für die realen Opfer des Dritten Reichs.
Menschenverachtend und die Verbrechen Deutschlands verharmlosend ist die Äußerung des AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland am 6. Mai: „Aber es war auch ein Tag der absoluten Niederlage, ein Tag des Verlustes von großen Teilen Deutschlands und des Verlustes von Gestaltungsmöglichkeit.” Mögen Menschen wie Alexander Gauland keine weiteren Gesaltungsmöglichkeiten mehr haben. Solange jemand wie Gauland, der eine Partei mit anführt, die Faschisten in führenden Positionen hat, so etwas äußern kann, ist die Ernennung eines bundesweiten Feiertags notwendiger denn je. Erst recht in Zeiten, in denen Neonazis wieder in Deutschland morden oder Faschisten aus der AfD in deutschen Parlementen sitzen.

Claude Jade als Françoise in „Prêtres interdits“ (1973) und als „Lise et Laura“ (1982)

Hier Links zu den beiden Filmen „Prêtres interdits“ (Der Abbé und die Liebe / Verbotene Gefühle) und „Lise et Laura“.

Rendezvous in Paris 2020 im Zeughauskino

Das Deutsche Historische Museum Berlin hatte im März  „Rendezvous in Paris“ im Programm.
Die Vicki-Baum-Verfilmung lief am 8. März und am13. März im Zeughauskino des Museums im Rahmen einer Hommage an Gabi Kubach.

 

 

Gabi Kubach, Vérénice Rudolph, Claude Jade

Gabi Kubach sagte später über Claude Jade, dass sie wie eine dolmetschende Regieassistentin zwischen den einzelnen Arbeitern vermittelt habe. Und dass das Team Claude Jade sehr geliebt hätte.

Claude Jade in „Rendezvous in Paris“ von Gabi Kubach

Besprechung des Films unter diesem Link „Rendezvous in Paris“

Netflix zeigt 12 Filme von François Truffaut

Ab dem 24. April strahlt der amerikanische Streaming-Dienst Netflix ein Dutzend Filme von François Truffaut aus.
Dies meldete Figaro am 20. 04. 2020

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Unter den Werken auch die drei Filme mit Claude Jade aus dem Doinel-Zyklus, „Geraubte Küsse“, „Tisch und Bett“ und „Liebe auf der Flucht“.

Les 400 coups
Tirez sur le pianiste
Jules et Jim
La peau douce
Fahrenheit 451
Baisers volés
Domicile conjugal
Les deux anglaises et le continent
L’amour en fuite
Le dernier métro
La femme d’à côté
Vivement Dimanche !

Le Figaro schreibt: François Truffaut, definierte das Kino wie folgt: „Lassen Sie hübsche Frauen hübsche Dinge tun.“ Die Anthologie von Netflix zeigt, wie sehr er dieser schönen Idee zu folgen. Neflix-Abonnenten können so den undefinierbaren Charme von Françoise Dorléac (Die süße Haut), die eisige Schönheit von Catherine Deneuve (Die letzte Metro), die hieratische Verführung von Fanny Ardant (Die Frau nebenan), die bewegende Unschuld von Claude Jade (Geraubte Küsse) und das verstörende Gesicht von Julie Christie (Fahrenheit 451) überprüfen.

Die Zusammenarbeit mit Netflix und MK2 beginnt die Filmkunst-Reihe mit François Truffaut, es werden Werke von Jacques Demy, Xavier Dolan, David Lynch und Charles Chaplin folgen.
Die zwischen Netflix und MK2 geschlossene Partnerschaft betrifft einen Katalog von 50 Filmen unter der Regie von François Truffaut, Charlie Chaplin, Alain Resnais, David Lynch, Emir Kusturica, Jacques Demy, Michael Haneke, Xavier Dolan, Steve McQueen und Krzysztof Kieslowski.
Ob die Werke auch im deutschen Neflix gezeigt werden, ist noch nicht bekannt.

Le Figaro: Netflix annoblit son catalogue avec les films de François Truffaut

Netflix va diffuser des films de Truffaut et d’autres classiques français

Les Echos – Netflix Truffaut Doinel

Allo cine Truffaut 12 films Netlix

 

 

François Truffaut – Filmmaker in der Cinémathèque

Der britische Dokumentarfilm „François Truffaut – Film Maker“ wird am 4. März 2020 in der Cinémathèque Française gezeigt.
Der 60minütige Film begleitet Truffaut bei den Dreharbeiten zu „Die amerikanische Nacht“ und wird ergänzt durch Interviews mit Catherine Deneuve, Claude Jade und Jeanne Moreau.
Der Dokumentarfilm lief erstmals am 28. Oktober 1973 auf BBC One in der Reihe „Omnibus“.

Die Vorstellung in der Cinémathèque beginnt um 21 Uhr im Salle Jean Epstein. Jérôme Wybon eröffnet die Veranstaltung, im Anschluss an „François Truffaut, Film Maker“ läuft die Doku „Jean-Pierre Melville, artisan“


 

 

1500:

Une Pensée

Heute vor 13 Jahren, am 1. Dezember 2006, starb Claude Jade.
Frankreichs Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres nannte sie „die Inkarnation des Charmes und der Eleganz Frankreichs, die in diesem „fichu métier“ Generationen von Schauspielerinnen als Vorbild gilt“. Und die damalige Direktorin des Centre National du Cinéma, Véronique Cayla, würdigte Claude Jade als „Lichtgestalt des französischen Kinos“.

Claire Chazal im Dezember 2006 beim Nachruf auf Claude Jade. Das Foto zeigt sie in François Truffauts „Liebe auf der Flucht“, der heute um 21h30 im écoles cinéma Club in Paris gezeigt wird.

Heute ist Claude Jade in Paris im écoles cinéma club in „Liebe auf der Flucht“ zu sehen. Die zweite Vorstellung beginnt um 21:30.

Vivement Truffaut Écoles Cinéma Club Nov/Dez 2019

Ab heute, 13. 11. 2019, bis zum 3.12., zeigt der écoles Cinéma Club in Paris eine Retrospektive der Filme von François Truffaut, und mit „Die unheimliche Begegnung der dritten Art“ auch einen, in dem Truffaut nur als Schauspieler auftritt.

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Den Anfang macht „Les 400 Coups“ (Sie küssten und sie schlugen ihn). Die drei Doinel-Filme mit Claude Jade laufen an sechs Tagen.
„Baisers volés“ (Geraubte Küsse):
16. November 14:00 und 18:00
26. November 16:15 und 20:10
„Domicile conjugal“ (Tisch und Bett/Das Ehedomizil):
17. November 15:45 und 19:30
27. November 13:50 und 17:25
„L’amour en fuite“ (Liebe auf der Flucht):
21. November 14:00 und 19:00
01. Dezember 16:30 und 21:30

Die Filme laufen im écoles Cinéma Club, 23, rue des Ecoles 75005 Paris.
Alle weiteren Vorstellungen der Reihe „Vivement Truffaut“ sind hier veröffentlicht.

Jean-Pierre Mocky 1933 – 2019

Michel Serrault, Corinne Le Poulain und Claude Jade in „Bonsoir“ von Jean-Pierre Mocky

Bonsoir, Jean-Pierre Mocky, film, Michel Serrault, Claude JadeEr gab Claude Jade 1992 in seiner Farce „Bonsoir“ eine Gegenbesetzung. Bereits aus der kühlen Catherine Deneuve hatte er eine rotlockige Amateurdetektivin gemacht („Agent Trouble“) und aus Jeanne Moreau eine versoffene Pilgerin („Das Wunder des Papu“).
Jean-Pierre Mocky änderte oft seinen Schwerpunkt und seine Handschrift und blieb immer ein bemerkenswerter Außenseiter. Nach dem Literaturstudium besuchte er das Conservatoire National d’art dramatique. Als Schauspieler begann er in Rollen von Halbstarken oder jungen Burschen wie dem Albert de Morcerf neben Jean Marais in „Der Graf von Monte Christo“ (1954).

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Jean-Pierre Mocky in „Mit dem Kopf gegen die Wände“ von Georges Franju

Seinen Durchbruch hatte er neben Pierre Brasseur als unfreiwillig in die Haftanstalt eingelieferter François in Georges Franjus „Mit dem Kopf gegen die Wände“. Er hatte hier am Drehbuch mitgearbeitet und begann mit „Les Draguers“ (Die nach Liebe hungern) seine Karriere als Regisseur. Anfangs waren es satirische und sarkastische Komödien, nur sehr selten bot er sich dem Massengeschmack an („Geld oder Leben“ mit Fernandel und Heinz Rühmann). Mit den 68ern schärfte sich sein politisches Profil: Seine Phase als Anarcho-Regisseur begann mit „Solo“ (1969), in dem er auch die Hauptrolle spielte.

Ab den 80er Jahren waren es Farcen wie „Das Wunder des Papu“ um die Leichtgläubigkeit von Pilgerern und eben „Bonsoir“, in dem Claude Jade eine verklemmte Lesberin spielte. In seinem Buch „Cinématique des muses“ schrieb Ludovic Maubreuil in seinem Kapitel zu Claude Jade und dem Unterkapitel „Das Nein der Väter“: „Jean-Pierre Mocky wird sich in dem eher fröhlichen „Bonsoir“ auch über diese Dutzenden von verärgernden Liebesdingen und behindernden väterlichen Gestalten amüsieren, indem er die sexuellen Polaritäten systematisch umkehrt und sich damit vergnügt: der Bilderstürmer ändert Claude Jade hier als Lesbe, die ihre Neigungen gegenüber ihrer Schwester und ihrer Tante rechtfertigen muss, als sie mit einer Prostituierten ertappt wird.“

jean-pierre mocky, Michel Serrault, claude jade, corinne le poulain, BonsoirAuf die Frage „Wird Mocky in der Geschichte des Kinos bleiben?“, antwortete der Regisseur: „Wir sind eine Menge Kollegen, einschließlich der größten, wie Renoir oder Becker, die Filme gemacht haben, die damals nicht ankamen und heute als Klassiker gelten. Ich denke, wenn ein Film gut läuft, ist er nicht gut. Es ist ein bisschen dumm zu sagen, dass es wahrscheinlich aus Eifersucht ist… Nehmen wir zum Beispiel ‚Bonsoir‘. Nach 23 Fernsehausstrahlungen stieg er in den Wertungen der Magazine von einem auf drei Sterne. Ein Film ohne Stil hingegen verschlechtert sich im Laufe der Jahre…“

Bonsoir jean-pierre mocky michel serrault claude jade barrault bisson dreyfusIn „Bonsoir“ ist es Mockys Stammschauspieler Michel Serrault, der Caroline (Claude Jade) die Erbschaft rettet, in dem er sich als ihr älterer Liebhaber ausgibt. Claude Jade 1992 in einem Interview mit Luc Honorez: „Ich habe soeben in ,Bonsoir!’ von Mocky gespielt, der mich kontaktiert hatte, um mir an der Seite von Serrault eine Kontra-Besetzung vorzuschlagen: ich spiele eine Frau, richtig korrekt comme il faut, eine Kultur-Beamte und dazu eine heimliche Lesbierin, die mit Michel Serrault in ihrem Studio einen Typen aufnimmt, der beschließt, die schönsten Appartements von Paris zu besetzen. Die Rolle ist großartig, um ein Bild zu brechen, dass man von mir hat! Mocky arbeitet in einer solchen Dringlichkeit! Er verbringt seine Zeit damit ,Moteur’ zu rufen, sogar, wenn man wiederholt. Etwas stressig, aber drollig und folkloristisch. Man beginnt gerade, mir ungereimte Rollen anzuvertrauen und das amüsiert mich.“

Claude Jade, Laurence Vincendon und Monique Darpa in „Bonsoir“

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Jean-Pierre Mocky starb am 8. August 2019.

 

 

Geraubte Küsse im Babylon Berlin

In der Reihe 60’s France zeigt das Berliner Kino Babylon an drei Abenden „Geraubte Küsse“ (Baisers volés) von François Truffaut mit Jean-Pierre Léaud und Claude Jade.

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In der Reihe laufen neben „Geraubte Küsse“ außerdem „Jules und Jim“, „Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß“, „Belle de jour“, „Letztes Jahr in Marienbad“, „Paris gehört uns“, „Außer Atem“, „Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7“, „Le Bonheur“,  „Alphaville“, „Maskulin feminin“, „Zazie“, „Schießen Sie auf den Pianisten“ und „Die Regenschirme von Cherbourg“.

„Geraubte Küsse“ läuft
Freitag, 09.08.2019 um 19.30
Montag, 12.08. um 20.00
Freitag, 16.08. um 18:15
Kino BABYLON Berlin, Rosa-Luxemburg-Straße 30, 10178 Berlin

https://babylonberlin.eu/programm/festivals/60-s-france/2492-60-s-france-geraubte-k-sse

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40 Jahre L‘ ile aux trente cercueils – Die Insel der 30 Tode (Särge)

Claude Jade, Ile aux rente cercueils, Insel der 30 Tode, Insel der dreißig Särge

Claude Jade, Ile aux rente cercueils, Insel der 30 Tode, Insel der dreißig Särge, Pascal SellierHeute vor 40 Jahren begann in Frankreich die Ausstrahlung des Sechsteilers „Die Insel der dreißig Särge“, der in Deutschland als Zwölfteiler unter dem Titel „Die Insel der 30 Tode“ lief. VL Media schreibt heute dazu: „Wer sagt, man wisse in Frankreich nicht, wie man eine Genre-Serie macht? Noch nach 40 Jahren vermag die „Insel der dreißig Särge“ die Zuschauer in Angst und Schrecken versetzen.  Mit einer schrecklichen Geschichte und einer bis dahin noch nie dagewesenen Atmosphäre ist sie zu jeder Zeit ein Erfolg.“
 C’était il y a 40 ans… L’île aux trente cercueils

Claude Jade, Ile aux rente cercueils, Insel der 30 Tode, Insel der dreißig Särge

„Vier Frauen am Kreuz, 30 Särge, der Gottesstein, der Leben oder Tod schenkt“

Die Handlung spielt im Jahr 1917. Veronique d’Hergemont (Claude Jade) ist eine junge Frau von Ende Dreißig und will eine schreckliche Vergangenheit vergessen. Sie kann dem bösartigen Vorski den Tod ihres Vaters und Sohnes François, die auf See verunglückten, nicht verzeihen. Beider Tod ist für sie die Strafe dafür, dass sie gegen den Willen ihres Vaters den Comte Vorski geheiratet hatte …

Claude Jade (Véronique d’Hergemont) und Jean-Paul Zehnacker (Alexis Vorski)

Nun erreicht sie die Nachricht von Vorskis Tod und die tragische Vergangenheit holt Véronique erneut ein, als sie ihre Initialien (V d’H) in einem Stummfilm entdeckt. Sie reist an den Drehort in die Bretagne, findet einen Toten mit abgetrennter Hand und folgt unheimlichen Symbolen auf die Insel Sarek, die in der Region als „die Insel der dreißig Särge“ bekannt ist. Mit Véroniques Ankunft beginnt der Alptraum, denn eine Prophezeiung erfüllt sich … Die Initialien „V.d’H.“ prägen sich mit der Verfilmung bei Generationen von Fernsehzuschauern ein.

Claude Jade, Ile aux rente cercueils, Insel der 30 Tode, Insel der dreißig Särge

Die neben der Christine populärste Rolle ihrer Karriere hätte Claude Jade fast nicht erhalten, weil sie als „zu jung“ galt. Jean Meyer hatte ihr prophezeit, dass eine Frau nie so schön sein würde wie mit dreißig Jahren. Die Rolle der Véronique ist verlockend. Doch Claude Jade sei entschieden zu jung, erklärt ihr Regisseur Marcel Cravenne und als sie sein Büro verlässt, fällt ihr im Vorzimmer eine etwas ältere Schauspielerin von skulpturaler Statur auf. Doch sie will die Rolle unbedingt und ähnlich wie bei „Mon oncle Benjamin“ insistiert sie auf erneute Probeaufnahmen, steckt sich den mädchenhaften Pferdeschwanz zu einem strengen Dutt, senkt die Stimme – und überzeugt die Produktion, die Rolle mit ihr zu besetzen.

Die so zart anmutende Claude Jade ist in den Szenen einer Ehe mit dem monströsen Vorski von einer leidenschaftlichen Kraft, wenn sie ihm nach dem Erwachen aus der einstigen Verzauberung mit kalter Verachtung begegnet und ihm dann ihren blanken Hass entgegenschreit.

Claude Jade, Ile aux rente cercueils, Insel der 30 Tode, Insel der dreißig Särge

Claude Jade, Pascal Sellier und Julie Philippe

 

Véronique mit Vorskis Handlangern Otto (Peter Semler) und Conrad (Jean-René Gossart)

Jean-René Gossart, Claude Jade, Pierre Semmler (Peter Semler) und Jean-Paul Zehnacker

Claude Jadde, Pierre CosteDie fünfmonatigen Dreharbeiten sind trotz der Strapazen der Heldin für Claude Jade, die jeden Tag disponiert ist, ein Vergnügen. Sie verbringt die Monate im Dorf Plouharnel, einige Kilometer von Carnac entfernt und am Meer gelegen. „Entre Mers et Mystères“ nennt sich der Ferienort in Eigenwerbung. Ein  Kindermädchen betreut Pierre und eine Köchin ist ebenfalls angestellt. Es ist das einzige Mal in ihrer Karriere, dass sie einen solchen Service nutzt. Claude Jade erlebt am Set, wie die Styropor-Menhire von Männern à la Obelix getragen werden und wandelt durch eine Blumenwiese oberhalb des „Gottesteins“, deren prachtvolle Blüten ihre Stirn überragen.

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Allein durchschreitet „die kleine Jade“ im Sinne von François Truffauts Kosenamen das Feld  mit den riesigen Blumen von Maguennoc, eine Sequenz, in der sie wirkt, als sei sie jene – hier von einer unsichtbaren Herzkönigin bedrohte – Alice im Wunderland, mit der sie sich einst bei Hitchcock beworben hatte.

Yves Beneyton (Philippe Maroux) und Claude Jade (Véronique d’Hergemont)

Der sechsteilige Film lebt von der zentralen Präsenz Claude Jades, die einen Großteil allein auf der Insel ist (oder sich allein wähnt). Die meisten Inselbewohner finden kurz nach Véroniques Ankunft bei einem Massaker den Tod, denn es gibt „dreißig Särge für dreißig Opfer“. Ihre Partner sind beeindruckend: Neben dem bedrohlichen und im Wahn folgerichtig theatralischen Jean-Paul Zehnacker als Vorski, Julie Philippe als dessen ebenso dem Wahnsinn verfallene Handlangerin und Marie Mergey als gütiger Honorine ist der junge Pascal Sellier, Star der Pubertätsromanze „Amant de poche“, in einer herausfordernden Aufgabe zu erleben.
Schüchternen Charme zeigt Yves Beneyton als Philippe Maroux und Véroniques Vater spielt Georges Marchal: Der Star aus Buñuels Filmen „Pesthauch des Dschungels“, „Morgenröte“, „Belle de Jour“ und „Die Milchstraße“ ist der Ex-Mann von Claude Jades „Topas“-Filmmutter Dany Robin und spielte später einen der Zeugen im Gerichtssaal von „L’honneur d’un capitaine“.

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Georges Marchal als Véroniques Vater Antoine d’Hergemont

Und dann sind da die Archignat-Schwestern: neben Edith Perret und Pierrette Thevenon ist es vor allem Dominique Marquas als Sidonie Archignat, die, dem Wahnsinn verfallen, ihre Prophezeiungen wie Psalme schmettert und ihr Lachen einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Claude

Die Schwestern Archignat (Edith Perret, Dominique Marcas, Perette Thevenon) und Véronique (Claude Jade)

Claude Jade zeigt etliche emotionale Gegensätze: eine kraftvolle doch in ihrer aristokratischen Herkunft meist zurückgenommen gespielte Rolle. Sie überzeugt in all den Extremen an leidenschaftlichem Gefühl, an Resignation, Selbstzweifel und kämpferischer Leidenschaft. Marcel Cravenne beschreibt Claude Jade später als „eine typische Ingmar-Bergman-Heldin“.

düsterer Comic von Marc Lizzano „L’île aux trente cercueils“

Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland erscheint „L’île aux trente cercueils“ immer wieder auf DVD – zum Wieder- oder Neuentdecken.

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