Claude Jade vor 72 Jahren geboren

„Meine kleine Claude,
es ist mir unmöglich, deinen Geburtstag zu vergessen; jedes Jahr, wenn der Monat Oktober beginnt, macht sich eine kleine Erwärmung in der Region meines Herzens breit: Ah, Oktober, das ist doch der Birthday von Claude.“,
schreibt François Truffaut 1982, als Claude Jade in Zypern lebt.

François Truffaut und Claude Jade vor 50 Jahren

Marcel und Marcelle Jorré wollen am 8. Oktober 1948 Disneys „Bambi“ sehen, verzichten jedoch auf das Ende des Films und verlassen eilig das Kino. Um 23:15 schauen zwei große blaue Augen in die Welt. Jene Augen, über die François Truffaut, zu diesem Zeitpunkt 16jähriger Gründer eines eigenen Filmclubs, zwanzig Jahre später sagen wird: „Mit deinen großen blauen Augen könntest du ganz allein ’die zwei Waisen’ spielen.“ Und an ihrem 20. Geburtstag hat sie ihren ersten Drehtag mit Alfred Hitchcock. Ihre große Schwester Annie wird die minderjährige Schauspielerin als Anstandsdame nach Hollywood begleiten.

 

Am Tauftag mit ihrer großen Schwester Annie und der Großmutter

Marcel und Marcelle Jorré hatten sich für die dreizehn Monate ältere Annie ein Brüderchen gewünscht. Sie geben dem Mädchen den androgynen Namen Claude und in zärtlichem Zusatz den Klang des gemeinsamen Vornamens: Marcelle. Sie verlebt – anders als François Truffaut – eine glückliche Kindheit in einer großen Familie.
Die Wände des Hauses in der rue de la Toison-d’Or, in dem Claude ihre ersten Lebensjahre verbringt, sind reich verziert mit Gemälden und Zeichnungen ihres ein Jahr zuvor verstorbenen Großvaters Émile Schneider.

1953 inszeniert sich die Vierjährige selbst als arme Holzfällerin, die ihren unglücklichen Ehemann – gespielt von Annie – beschimpft. Die Rollen der Kinder übernehmen Claudes heißgeliebter Teddybär und einige Puppen, denen die kleine Spielleiterin inbrünstig ihre zarte Stimme leiht. Während Claude stolz ein altes Umschlagtuch und einen zu großen Rock trägt, ist Annie weniger glücklich mit ihrem von Motten zerfressenen Hut und der zerrissenen Weste. Aber das verlangt halt die Rolle! „Ich führte keine Regie, aber ich drängte meine große Schwester fortwährend, dies und das zu tun“, beschreibt Claude Jade 2001 in der Sendung „Ciné Club“ ihre ersten Theaterexperimente.

Behütet: Annie und Claude Jorré; Claude bei einem Kinderfest in Pouldu

Zur Erinnerung an die behütete Claude die Seite

GUT BEHÜTET

42 Jahre einer Karriere liegen zwischen der züchtigen Haube, die sie 1964 als Molières Agnès trug und dem Kardinalshut Alcestes, den sie als Molières Célimène in ihrem letzten Sommer am Ende von Jacques Rampals Molière-Fortsetzung „Célimène und der Kardinal“ aufsetzt. […]

Claude Jorré vor 60 Jahren, als sie noch nicht Claude Jade war

 

Dani 76

Claude Jade und Dani in „L’amour en fuite“

„Liliane hatte das Gesicht eines Vamps und ausgesprochen burschikose Manieren, sie war das absolute Gegenteil von Christine und zugleich all das, was Christine gern gewesen wäre“, beschreibt Antoine Doinel in Truffauts „Liebe auf der Flucht“ die Freundin seiner Frau Christine, Liliane, gespielt von Danièle Graule, die als Dani bekannt wurde.

Dani, Jean-Pierre Léaud und Claude Jade in „Liebe auf der Flucht“

In „Liebe auf der Flucht“ (L’amour en fuite) erscheint Dani als Liliane in Rückblenden, die so tun als stammten sie aus dem Doinel-Zyklus, einem nicht veröffentlichten Film zwischen „Domicile conjugal“ und „L’amour en fuite“. Sie scherzt mit Julien Dubois, der den Sohn von Christine und Antoine spielt, aus den gegenüberliegenden Fenstern, die aus „Domicile conjugal“ bekannt sind. Tatsächlich war Liliane eine Figur in „La nuit américaine“, die Scriptvolontärin, die eine Affaire mit Schauspieler Alphonse (Jean-Pierre Léaud) hat und dann mit einem Stuntman durchbrennt.

Liliane aus „La nuit américaine“ in „L’amour en fuite“. Jean-Pierre Léaud, Dani und Claude Jade.

Dani, François Truffaut und Claude Jade bei Dreharbeiten

François Truffaut mit seinen Hauptdarstellern Claude Jade, Dani, Jean-Pierre Léaud und Dorothée

Dani war längst keine Unbekannte, als François Truffaut ihr 1973 mit „Die amerikanische Nacht“ zum Durchbruch verhalf. 1963 kam sie aus Perpignan nach Paris, wo sie Kosmetikerin werden wollte. In der Pariser Clubszene knüpfte sie Kontakte zum Mannequin Zouzou, das ebenfalls mit eigentlichem Vornamen Danièle heißt, zum Schauspieler Marc Porel und zu dessen Halbbruder Jean-Marie Périer, einem erfolgreichen Mode-Fotografen. Sie verliebt sich in Périers Mitarbeiter Benjamin Auger, den sie später heiraten wird. Sie arbeitet als Fotomodell und posiert mit Zouzou in Fotoromanen. In den Nachtclubs lernt sie Jimi Hendrix und die Rolling Stones kennen und startete mit Hilfe Benjamin Augers als Sängerin mit „Garçon manqué“. Sie gilt schnell als Vamp der Nachtclub-Szene. Während Claude Jade 1969 in Interviews erklärt, sie würde sich in Nachtclubs langweilen, wird Dani genau dort Mitte der 60er Jahre zu einer „Königin der Nacht“.

Tanzschritte vom Vamp: Dani und Claude Jade in „L’amour en fuite“

Ihre Schauspielkarriere begann sie 1964 mit einem kurzen Auftritt in Roger Vadims „Der Reigen“. Im selben Jahr folgte in Eric Schlumbergers Sketch zum Episodenfilm „Schräger Charme und tolle Chancen“ (La chance et l’amour) neben Stefania Sandrelli und Jacques Perrin eine Nebenrolle als Sandrellis Freundin. Eine weitere Nebenrolle hat sie in „Das Mädchen von drüben“ nach einem Buch von Roman Polański und Gérard Brach. Jean-Marie Périer, der sie immer wieder für Magazine fotografierte, dreht 1971 den Film „Tumuc Humac“ und gibt ihr neben seinem Halbbruder Marc Porel und seinem Vater François Périer eine Hauptrolle. An Porels Seite dreht sie erneut in „Un officier de police sans importance“, in dem auch Robert Hossein und Charles Denner mit von der Partie sind. 1973 spielt sie neben Michel Galabru und Henri Guybet die Frau von Bruno Pradal  in Georges Lautners Komödie „Quelques messieurs trop tranquilles“ – zehn Jahre, bevor Claude Jade, die eng mit Pradal befreundet ist, dessen Frau in „Une petite fille dans les tournesols“ spielt.  1973 gibt François Truffaut Dani die Rolle von Nathalie Bayes Script-Assistentin in „La nuit américaine“.

Dani als Liliane in „La nuit américaine“ (1973) und in „L’amour en fuite“ (1979)

Truffauts Film bringt ihr Anerkennung, doch keine neue Filmrolle. Sie übernimmt auf Anraten von Alain Delon die Leitung eines Nachtclubs, „L’Aventure“. Zu ihren Gästen zählen neben arabischen Scheichs, Alain Delon und dessen Frau Nathalie auch Serge Gainsbourg, Patrick Dewaere und Chantal Goya.

Dani konzentriert sich neben dem Betreiben des Nachtclubs auf ihre Gesangskarriere. Für den Grand Prix d’Eurovison soll sie mit „La Vie à 25 ans“  auftreten, doch nach dem Tod von Georges Pompidou sagt Frankreich die Teilnahme ab.

Im Fernsehfilm „Zwischen Tod und Leben“ (Les anneaux de Bicêtre) nach Georges Simenons Roman „Die Glocken von Bicêtre“ kreuzen sich 1976 erstmals die Wege von Claude Jade als Krankenschwester Blanche, die den von Michel Bouquet gespielten Verleger ins Leben zurückholt und Dani, die als dessen alkoholkranke Frau Lina zu Besuch ins Krankenhaus kommt.

Cover Girls Claude Jade, Dani „Jours de France“ 1971, 1975, 1973

Claude Jade, Dani: Nous deux flash

Es folgt eine biedere Militärklamotte mit den Charlots als Fremdenlegionäre („Et vive la liberté!“), bevor Truffaut ihr mit „Liebe auf der Flucht“ 1978 erneut ein Geschenk macht: Liliane gehört so zur Antoine-Doinel-Chronik. In einer aus „Die amerikanische Nacht“ verwendeten Rückblende, einem Disput zwischen Liliane und Alphonse, wird ein Streit zwischen Liliane und Antoine, in den eine neu gedrehte Szene mit Claude Jade montiert wurde .

Im Original war es Truffaut als Ferrand, der die beiden anspricht, hier ist es Christine Doinel, die den beiden zuruft, sie sollen sich endlich versöhnen. Auch ein Dialog zwischen Liliane und Christine über Antoine, für den eine Frau gleichzeitig eine Krankenschwester, eine Geliebte, ein Schwesterchen und eine Amme sein muss und sie, Liliane, diese Aufgaben nicht erfüllen könne, entstammt einem Dialog aus der „amerikanischen Nacht“ und erinnert auch an die Szene aus „Domicile conjugal“, in der Antoine der im Taxi sitzenden Christine sagt, sie sei seine kleine Schwester, seine Tochter, seine Mutter und sie entgegnet „Ich wär auch gern deine Frau gewesen.“

Neu gedrehte Flashbacks zeigen die Freundschaft von Christine und Liliane, die gemeinsam illustrieren und tanzen oder sich über Antoine lustig machen. Christine, die Liliane Geigenunterricht gibt und sie „sehr schön“ findet, bewundert die neue Freundin, die Kinderbücher schreibt und illustriert. Christine berichtet Antoine stolz, dass ihr auch ihre Bilder gefallen würde, die sie mal für Alphonse gemalt hätte. So findet Christine neben der Arbeit als Geigenlehrerin eine weitere Aufgabe als Illustratorin.

Claude Jade und Dani in „L’amour en fuite“

Dani, Jean-Pierre Léaud, Claude Jade

Liliane lebt sich ein, die beiden werden unzertrennlich und Antoine meint, sie wollten ihre Persönlichkeit tauschen: „jede wollte die andere werden“ Die beiden küssen sich, was Antoine irritiert und nun parodiert Claude Jade Antoine: wie Jean-Pierre Léaud gestikulierend, ahmt sie Antoine nach, der seit der Lektüre der Romane von Colette überall nur Lesben sieht und Christine warnt, sich vor Liliane in Acht zu nehmen: „Weißt du Christine, trotz allem; ich frage mich wirklich, ob Liliane nicht doch etwas mit dir vorhat. Dieses Mädchen mag alles, was vage ist, seltsam, bizarr, zweideutig, du verstehst, was ich meine. An deiner Stelle würde ich aufpassen.“

Dani, Jean-Pierre Léaud und Claude Jade

In den Sommerferien in Südfrankreich bittet Christine Antoine, er könne ruhig etwas netter zu Liliane sein. Die Szene, in der Christine zu früh vom Markt heimkommt und nun Liliane und Antoine im Bett erwischt, zeigt Truffaut erneut als Buchliebhaber: Antoine hatte Liliane ein Buch geschenkt und sie hatte es, um den Umschlag zu schützen, in Zeitungspapier gewickelt. Und das habe Antoine dann so gerührt, dass er mit ihr schlafen musste. Christine berichtet später Colette (Marie-France Pisier) davon, bei einer Begegnung der Ehemaligen von Antoine Doinel, zu denen nun auch Danis Liliane gehört.

Antoine mit Sabine (Dorothée), Colette (Marie-France Pisiser), Christine (Claude Jade) und Liliane (Dani): Jean-Pierre Léaud in „Liebe auf der Flucht“ (L’Amour en fuite“ von François Truffaut

Gruppenfoto bei Dreharbeiten zu „L’amour en fuite“

Auf „L’amour en fuite“ folgen keine weiteren Rollen. Ende der 70er Jahre, als das Model Zouzou bereits wegen Heroinkonsums abstürzt ist, verliert auch Dani ihren Nachtclub. 1981 wird sie wegen Besitzes und Handels mit Drogen verhaftet, die Magazine berichten von „Dani, Pracht, Drogen, Dekadenz“ und „Dani, vom Jet-Set ins Gefängnis“.

Fotos der Filmfamilie von François Truffaut. oben: Dani stehend 3. von links, Claude Jade, 1. von rechts

Gemeinsam vor die Kameras traten Claude Jade und Dani erneut in Cannes 1985 zu einem Familienfoto bei einer „Hommage à François Truffaut“ . Im Mai 1989 begegnen sich sich erneut für eine Dokumentation zu einer Truffaut-Ehrung in Cherbourg, „Truffaut et les femmes“, in der Claude Jade, Alexandra Stewart und Dani interviewt wurden. Zwei Jahre vor diesem Treffen der drei Truffaut-Schauspielerinnen hatte Dani ihre Memoiren unter dem Titel „Drogue la galère“ herausgebracht und hatte 1988, zehn Jahre nach „L’amour en fuite“, ein Kino-Comeback mit einer Nebenrolle in Claude Chabrols „Eine Frauensache“.

Alexandra Stewart, Claude Jade und Dani im Mai 1989 in Cherbourg

Alexandra Stewart, Claude Jade und Dani im Mai 1989 in Cherbourg

Dani dreht sporadisch, so 1992 als Gaststar in einer Folge von „Kommissar Moulin“, eröffnet einen Blumenladen – und hat 2001 ein Comeback als Gesangsstar: Dank Étienne Daho wird das 1975 von Serge Gainsbourg auch für Dani geschriebene Stück „Comme un boumerang“ ausgegraben, als Duett von Daho und Dani veröffentlicht und ein Hit. Es geht wieder aufwärts: Für ihre Concierge Claudie in „Ein perfekter Platz“ (Fauteuils d’orchestre) erhält sie eine César-Nominierung für die beste Nebenrolle, Auftritte in „Sag, dass du mich liebst“ (Parlez-moi de vous, 2012) und OIivier Marchals „Carbone“ (2017) folgen. 2018 war sie in der Serie „Aux animaux la guerre“ neben Roschdy Zem und Michel Subor als Zems Mutter zu sehen. Gerade hat sie mit Olivier Marchals  „Bronx“ abgedreht. Herzlichen Glückwunsch zum 76. Geburtstag, Dani.

 

Dani, François Truffaut und Claude Jade

François Truffaut – graphische Hommage

Bei Glénat ist ein Comic erschienen, der das Leben und Schaffen François Truffauts erzählt. Autor Noël Simsolo und Zeichner Marek widmen sich dabei dem Mann, der das Kino liebte – und die Frauen, darunter auch Claude Jade.

Auszug zur Arbeit an „Baisers volés“ und dem Kampf für Henri Langlois: François Truffaut, Claude Jade, Jean-Pierre Léaud und Suzanne Schiffman

 

Michel Piccoli 1925 – 2020

Michel Piccoli und Claude Jade: Gala de l’Union des Artistes 1971

Michel Subor, Philippe Noiret, Claude Jade, Michel Piccoli, Alfred Hitchcock und Frederick Stafford

Heute wurde bekannt, dass er am 12. Mai starb: Michel Piccoli, den man den größten europäischen Filmschauspieler nennen darf. Er war ein monstre sacrée, er vereinte Eleganz und Wurstigkeit, Sex-Appeal und Monstrosität. Er hatte großen Mut zu Entblößung und Verwandlung und Heroisches war im fremd. Filmriktiker Michael Althen schrieb einmal: „Er war sich für nichts zu schade. Man wäre versucht zu sagen, dass er dabei immer sein Gesicht gewahrt hat, wenn man nicht wüsste, dass er vielleicht nichts so sehr wollte wie sein Gesicht zu verlieren.“

Michel Piccoli, Frederick Stafford, Claude Jade und Dany Robin in „Topaz“

Seine Figuren waren voller Zweifel und er rauchte ohne Unterlass und elegant Zigaretten in Sautets „Die Dinge des Lebens“, einem seiner Schlüsselfilme mit Romy Schneider. Die FAZ schrieb heute zu seinen Filmpartnerinnen vor der Schneider: „Er hat der nackten Bardot [in Godards „Verachtung“] standgehalten, jetzt wird er mit Ikonen bombardiert: Jeanne Moreau (in Buñuels „Tagebuch einer Kammerzofe“), Karin Dor und Claude Jade (in Hitchcocks „Topas“), Françoise Dorléac und Catherine Deneuve (in Jacques Demys „Mädchen von Rochefort“). Aber sie alle sind nur Übergänge, Brücken auf dem Weg zu der Begegnung, die sich tiefer als jede andere in seine Karriere einschreiben wird, der Begegnung mit Romy Schneider. “

Mit Karin Dor hatte er keine Szene in „Topas“ und mit Claude Jade nur eine einzige. Heroisch ist in „Topas“ nichts und Hitchcock drehte für den Tod des von Piccoli gespielten Jacques Ganville drei Versionen: in der ersten wird er bei einem Duell von einem Heckenschützen erschossen, in einem weiteren erschießt er sich nach der Enttarnung hinter verschlossener Tür und in einer dritten reist er fröhlich winkend nach Moskau ab.

Michel Piccoli, Claude Jade, Frederick Stafford und Dany Robin in Hitchcocks „Topas“

Piccolis Kunst, seine sparsam eingesetzten Gesten und Bewegungen jedes Mal erneut zu einer Offenbarung werden zu lassen, nutzte Alfred Hitchcock, als er ihm in „Topas“ die Rolle des Chefs des titelgebenden Spionageringes gibt. Die Hauptrolle des Agenten André Devereaux hatte er Frederick Stafford gegeben und bedauerte später, nicht Michel Piccoli zum Star seines Films gemacht zu haben. Auch als Filmvater von Claude Jade wäre er glaubwürdiger gewesen als der adrette Stafford.

Nachruf Michel Piccoli FAZ

Nachruf Michel Piccoli Focus

Michel Piccoli, Claude Jade und Marion Game: Gala de l’Union des Artistes 1971

Claude Jade und Michel Piccoli traten erneut 1971 in einer Nummer der „Gala de l’union des artistes“ auf, in der Piccoli sie in einem Schrankkoffer verschwinden lässt und wieder herbeizaubert. Nun ist auch er verschwunden.

Michel Piccoli, Philippe Noiret, Alfred Hitchcock und Claude Jade

8. Mai Tag der Befreiung

In Berlin wird der 8. Mai heute als 75. Jahrestag der Befreiung gefeiert. Diese Seite erinnert heute an zwei Filmfiguren, die von Claude Jade gespielt wurden. Beide, Françoise und Lise, wurden in der Zeit des Zweiten Weltkriegs von Deutschen ermordet.
Es ist beschämend, dass nur das Land Berlin diesen Tag zum Feiertag ernannt hat. Der 8. Mai muss zum dauerhaften Feiertag in der Bundesrepublik Deutschland erhoben werden.
Françoise im Film „Prêtres interdits“ (Der Abbé und die Liebe, 1973) wird bei einem Luftangriff getötet, ihr von Robert Hossein gespielter Geliebter wird ebenfalls von deutschen Besatzern erschossen. Lise, eine der beiden Rollen, die Claude Jade in „Lise et Laura“ (1982) spielt, wird von der Gestapo getötet, als sie ein Dossier zur Résistance bringt. Beide Filmfiguren sind Opfer des deutschen Nationalsozialismus, stellvertretend für die realen Opfer des Dritten Reichs.
Menschenverachtend und die Verbrechen Deutschlands verharmlosend ist die Äußerung des AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland am 6. Mai: „Aber es war auch ein Tag der absoluten Niederlage, ein Tag des Verlustes von großen Teilen Deutschlands und des Verlustes von Gestaltungsmöglichkeit.” Mögen Menschen wie Alexander Gauland keine weiteren Gesaltungsmöglichkeiten mehr haben. Solange jemand wie Gauland, der eine Partei mit anführt, die Faschisten in führenden Positionen hat, so etwas äußern kann, ist die Ernennung eines bundesweiten Feiertags notwendiger denn je. Erst recht in Zeiten, in denen Neonazis wieder in Deutschland morden oder Faschisten aus der AfD in deutschen Parlementen sitzen.

Claude Jade als Françoise in „Prêtres interdits“ (1973) und als „Lise et Laura“ (1982)

Hier Links zu den beiden Filmen „Prêtres interdits“ (Der Abbé und die Liebe / Verbotene Gefühle) und „Lise et Laura“.

Rendezvous in Paris 2020 im Zeughauskino

Das Deutsche Historische Museum Berlin hatte im März  „Rendezvous in Paris“ im Programm.
Die Vicki-Baum-Verfilmung lief am 8. März und am13. März im Zeughauskino des Museums im Rahmen einer Hommage an Gabi Kubach.

 

 

Gabi Kubach, Vérénice Rudolph, Claude Jade

Gabi Kubach sagte später über Claude Jade, dass sie wie eine dolmetschende Regieassistentin zwischen den einzelnen Arbeitern vermittelt habe. Und dass das Team Claude Jade sehr geliebt hätte.

Claude Jade in „Rendezvous in Paris“ von Gabi Kubach

Besprechung des Films unter diesem Link „Rendezvous in Paris“

Netflix zeigt 12 Filme von François Truffaut

Ab dem 24. April strahlt der amerikanische Streaming-Dienst Netflix ein Dutzend Filme von François Truffaut aus.
Dies meldete Figaro am 20. 04. 2020

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Unter den Werken auch die drei Filme mit Claude Jade aus dem Doinel-Zyklus, „Geraubte Küsse“, „Tisch und Bett“ und „Liebe auf der Flucht“.

Les 400 coups
Tirez sur le pianiste
Jules et Jim
La peau douce
Fahrenheit 451
Baisers volés
Domicile conjugal
Les deux anglaises et le continent
L’amour en fuite
Le dernier métro
La femme d’à côté
Vivement Dimanche !

Le Figaro schreibt: François Truffaut, definierte das Kino wie folgt: „Lassen Sie hübsche Frauen hübsche Dinge tun.“ Die Anthologie von Netflix zeigt, wie sehr er dieser schönen Idee zu folgen. Neflix-Abonnenten können so den undefinierbaren Charme von Françoise Dorléac (Die süße Haut), die eisige Schönheit von Catherine Deneuve (Die letzte Metro), die hieratische Verführung von Fanny Ardant (Die Frau nebenan), die bewegende Unschuld von Claude Jade (Geraubte Küsse) und das verstörende Gesicht von Julie Christie (Fahrenheit 451) überprüfen.

Die Zusammenarbeit mit Netflix und MK2 beginnt die Filmkunst-Reihe mit François Truffaut, es werden Werke von Jacques Demy, Xavier Dolan, David Lynch und Charles Chaplin folgen.
Die zwischen Netflix und MK2 geschlossene Partnerschaft betrifft einen Katalog von 50 Filmen unter der Regie von François Truffaut, Charlie Chaplin, Alain Resnais, David Lynch, Emir Kusturica, Jacques Demy, Michael Haneke, Xavier Dolan, Steve McQueen und Krzysztof Kieslowski.
Ob die Werke auch im deutschen Neflix gezeigt werden, ist noch nicht bekannt.

Le Monde: Netflix Truffaut

Le Figaro: Netflix annoblit son catalogue avec les films de François Truffaut

Netflix va diffuser des films de Truffaut et d’autres classiques français

Les Echos – Netflix Truffaut Doinel

Allo cine Truffaut 12 films Netlix

Le Monde: Truffaut sur netflix

François Truffaut – Filmmaker in der Cinémathèque

Der britische Dokumentarfilm „François Truffaut – Film Maker“ wird am 4. März 2020 in der Cinémathèque Française gezeigt.
Der 60minütige Film begleitet Truffaut bei den Dreharbeiten zu „Die amerikanische Nacht“ und wird ergänzt durch Interviews mit Catherine Deneuve, Claude Jade und Jeanne Moreau.
Der Dokumentarfilm lief erstmals am 28. Oktober 1973 auf BBC One in der Reihe „Omnibus“.

Die Vorstellung in der Cinémathèque beginnt um 21 Uhr im Salle Jean Epstein. Jérôme Wybon eröffnet die Veranstaltung, im Anschluss an „François Truffaut, Film Maker“ läuft die Doku „Jean-Pierre Melville, artisan“


 

 

1500:

Une Pensée

Heute vor 13 Jahren, am 1. Dezember 2006, starb Claude Jade.
Frankreichs Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres nannte sie „die Inkarnation des Charmes und der Eleganz Frankreichs, die in diesem „fichu métier“ Generationen von Schauspielerinnen als Vorbild gilt“. Und die damalige Direktorin des Centre National du Cinéma, Véronique Cayla, würdigte Claude Jade als „Lichtgestalt des französischen Kinos“.

Claire Chazal im Dezember 2006 beim Nachruf auf Claude Jade. Das Foto zeigt sie in François Truffauts „Liebe auf der Flucht“, der heute um 21h30 im écoles cinéma Club in Paris gezeigt wird.

Heute ist Claude Jade in Paris im écoles cinéma club in „Liebe auf der Flucht“ zu sehen. Die zweite Vorstellung beginnt um 21:30.

Vivement Truffaut Écoles Cinéma Club Nov/Dez 2019

Ab heute, 13. 11. 2019, bis zum 3.12., zeigt der écoles Cinéma Club in Paris eine Retrospektive der Filme von François Truffaut, und mit „Die unheimliche Begegnung der dritten Art“ auch einen, in dem Truffaut nur als Schauspieler auftritt.

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Den Anfang macht „Les 400 Coups“ (Sie küssten und sie schlugen ihn). Die drei Doinel-Filme mit Claude Jade laufen an sechs Tagen.
„Baisers volés“ (Geraubte Küsse):
16. November 14:00 und 18:00
26. November 16:15 und 20:10
„Domicile conjugal“ (Tisch und Bett/Das Ehedomizil):
17. November 15:45 und 19:30
27. November 13:50 und 17:25
„L’amour en fuite“ (Liebe auf der Flucht):
21. November 14:00 und 19:00
01. Dezember 16:30 und 21:30

Die Filme laufen im écoles Cinéma Club, 23, rue des Ecoles 75005 Paris.
Alle weiteren Vorstellungen der Reihe „Vivement Truffaut“ sind hier veröffentlicht.