Thomas Lilti – Einfluss durch Claude Jade

Regisseur, Drehbuchautor und Arzt. Von Thomas Lilti, dem Schöpfer und Regisseur der Serie „Hippocrate“, ist der autobiographische Bericht „Le Serment“ erschienen, in dem er über seine Karriere als Arzt und Filmemacher berichtet.
Im Interview mit Marilyne Letertre von „Madame Figaro“ nennt er auf die Frage nach einer prägenden Begegnung die mit Claude Jade.

Ein Treffen, das Sie geprägt hat?
Claude Jade, die ins Krankenhaus kam, an dem ich Medizinstudent war. Ich war in Anbetung vor Truffaut, ich identifizierte mich mit Antoine Doinel und plötzlich war ich ein wenig verliebt in sie. Ich sagte ihr, ich wollte Filme machen und wir tauschten ein paar Briefe aus. Es war das erste Mal, dass das Kino in mein Leben als Arzt Einlass fand.

Interview Thomas Lilti Madame Figaro

Robert Hossein gestorben

Robert Hossein ist am 31. Dezember 2020, einen Tag nach seinem 93. Geburtstag, verstorben.

Claude Jade, Robert Hossein in "Prêtres interdits" (Der Abbé und die Liebe), 1973

Claude Jade, Robert Hossein in „Prêtres interdits“ (Der Abbé und die Liebe), 1973

In Claude Jades Geburtsjahr 1948 hat Robert Hossein den Cours Simon besucht und debütiert am Theater und im Film. Er inszeniert 1949 sein eigenes Stück „Les vouyous“ und beginnt die Zusammenarbeit mit Frédéric Dard. Dards „Les salauds vont en l’enfer“ inszeniert er 1954 am Grand Guignol und ein Jahr später fürs Kino. Die Hauptrolle spielt Marina Vlady, die seine erste Lebensgefährtin ist. Sie spielen gemeinsam in Georges Lampins „Schuld und Sühne“ und in Hosseins Regiearbeit „Toi le venin – Nachts fällt der Schleier“. Robert Hossein spielt zumeist Gangster und üble Schurken, die manchmal einen guten Kern haben.
Auch als Regisseur dreht er vor allem Gangsterfilme und wechselt das Genre nur selten wie für den Western „Une corde, un colt“ (Friedhof ohne Kreuze) oder die Victor-Hugo-Verfilmung „Les Misérables“ (Die Elenden / Die Legion der Verdammten) von 1982. Zwei Jahre zuvor hatte er die Uraufführung des Musicals „Les Misérables“ im Palais des sports inszeniert.

Zum Sexsymbol wird er in den 1960er Jahren er mit der Reihe um „Angélique“: in vier Kostümschinken ist er an der Seite von Michèle Mercier deren Mann Joffrey de Peyrac.  Für Alex Joffé spielt er in „Rififi bei den Frauen“ und Denys de La Patellière besetzt ihn für „Le tonnerre de Dieu“ (Herr auf Schloss Brassac) und „Les Aventures de Marco Polo“. 1973 folgt die dritte Zusammenarbeit mit Denys de La Patellière für „Prêtres interdits“ (Der Abbé und die Liebe).

Claude Jade wird für die weibliche Hauptrolle der Françoise besetzt und Truffaut schreibt ihr:
am 9. Juli 1973 aus Los Angeles:
„Meine kleine Claude,
ja, du bist immer meine kleine Claude, aber wegen deines so liebevollen Briefes hatte ich letzte Nacht einen sehr schlechten Traum. An einer Bar traf ich Robert Hossein und auch Alex Joffé, der mir sagte: ‚Ich drehe einen Film mit Robert als Priester in der Résistance’. Ich sagte: ,Halt, ich dachte, La Patellière würde den Film drehen’.
– Ja, aber er ist abgewiesen worden und ich ersetze ihn.
– Aber mit der kleinen Claude Jade werden Sie doch drehen?
– Äh… nein, wir haben uns gestern entschlossen, auch sie umzubesetzen.
Du siehst, dieser Traum war unangenehm und er wäre Gold für einen Psychoanalytiker – ein Filmemacher, der umbesetzt wird!
Also schreibe mir bitte einen langen Brief, mit dem du mich beruhigen wirst und mir deine Arbeit schilderst; das würde mir große Freude bereiten, denn ich denke ständig an dich.
[…]
Ich umarme dich ganz heftig, meine kleine Claude, ich wünsche dir glückliche Dreharbeiten mit dieser so guten Persönlichkeit, die du da kreieren wirst; schreibe mir schnell,
françois“

„Robert Hossein, ce n’est pas mal, hein?“, sagt Claude Jade 2001 in einem großen Interview in der „Allocine Talkshow“, als sie auf den Film angesprochen wird. Damit reiht sie sich in eine Liste legendärer Aktricen, die mit Hossein spielten: Annie Girardot, Michèle Morgan, Marina Vlady, Marie-José Nat, Catherine Deneuve, Brigitte Bardot, Michèle Mercier, Anna Karina, Stéphane Audran, Delphine Seyrig, Marie-France Pisier, Nicole Garcia, Catherine Rouvel …

Michèle Watrin, die Claude Jades Cousine spielte, war damals Robert Hosseins Verlobte. Sie starb 1974.

Hossein war neben Marina Vlady auch mit weiteren Schauspielerinnen liiert, eine davon spielte in „Prêtres interdits“ Claude Jades Filmcousine. Michèle Watrin hatte gerade in der Fernsehserie „La mer est grande“ eine Hauptrolle gespielt. Als Françoises Cousine steht sie dem Abbé Rastaud, der gerade Françoise nach einem Fahrradunfall verarztet, unbeholfen im Weg und er schiebt sie entnervt beiseite. Eine vergnügliche Szene, denn die beiden wollten ein Jahr darauf heiraten. Im August 1974 kommt Michèle Watrin bei einem Autounfall ums Leben. Ihr Beifahrer Robert Hossein überlebt.

Robert Hossein, Claude Jade und Claude Piéplu in „Der Abbé und die Liebe“

„Prêtres interdits“ erzählt sie Geschichte eines ungewöhnlichen Liebespaares. Die junge Pariserin Françoise verliebt sich 1936 auf dem Lande in den Priester Jean. Nach anfänglichem Zögern erwidert er ihre Gefühle. Als Françoise ein Kind erwartet, wird Jean suspendiert und geht in die Résistance… Der Priester stellt eine Ausnahme in Robert Hosseins Rollenspektrum dar. Der Film lief im deutschen Fernsehen erstmals 1986 und dann 1988 in einer Mittwoch-Filmreihe zu Ehren Robert Hosseins. Die Kinozeotschrift Filmspiegel schrieb 1986 zur Erstaufführung: „Diesen Abbé spielt Robert Hossein, Regisseur und Schauspieler, der so häufig den miesen Ganoven, den brutalen Draufgänger verkörpert hat. Hier ist es eine Rolle, die ihm die Darstellung menschlicher Größe und glaubhafter Gefühle abverlangt. Seine Partnerin ist Claude Jade – die 26jährige wirkt wie ein gerade 16jähriges Schulmädchen.“

Die Kritik lobt die Leistungen der drei Hauptdarsteller Robert Hossein, Claude Jade und Claude Piéplu, der Hosseins Amtskollegen Ancely spielt:
„Denys de La Patellière zögert nicht, Schauspieler zu besetzen, die bereits sehr geprägt sind. Robert Hossein und Claude Piéplu zwingen sich zu ihren Priestern. Um für die verbotene Liebe des Priesters nicht das Gesicht der Sünde zu verwenden, nahm er das reinste Gesicht des Französischen Kinos, das von Claude Jade. Nichts scheint hässlich oder schmutzig; er verwendet zarte poetische Bilder, schwelgend in der Musik von Vivaldi.“  (Le Combat, 20. November 1973)„Verbotene Priester ist ein populärer Film, der Akzente setzt und bemerkenswert mit einem Robert Hossein in seiner wohl besten Rolle. Claude Jade ist sehr lieblich als die verbotene Frucht und die Präsenz von Claude Piéplu dominiert vor allem die zweite Hälfte des Films.“ (Aurore, 24. November 1973)
„Die Leistung der Schauspieler ist hervorragend, die Nüchternheit, die Genauigkeit des Tons und die Einstellung der drei Protagonisten ist unleugbar exzellent.“ (Image et son)

zur Erinnerung vorerst ein Link zum Film „Der Abbé und die Liebe“ (Prêtres interdits)

1988 lief der Film mit vier weiteren in einer Robert-Hossein-Filmreihe

 

Der Film lief wiederholt im DDR-Fernsehen, später im ZDF als „Verbotene Gefühle“. In einer Mittwoch-Filmreiehe zu Ehren Robert Hosseins liefen neben „Der Abbé und die Liebe“ auch Sonderdezernat CIII Montmartre (Brigade Anti-gangs) , Madame Sans-Gêne, Friedhof ohne Kreuze (Une corde, un colt) Die Schamlosen (Les Libertines).

Der Film lief erneut in einer fünfteilen Robert-Hossein-Filmreihe.

40. Todestag Lyne Chardonnet

Lyne Chardonnet, Édouard Molinaro und Claude Jade 1969

Im Kino der ausgehenden 1960er Jahre war Lyne Chardonnet in Nebenrollen die junge Unschuldige. Ihre größte Rolle war jene, die Claude Jade für  „Mein Onkel Benjamin“ abgelehnt hatte: die der aus dem Kloster heimgekehrten Arzttochter Arabelle. Claude Jade wollte die Rolle der Manette und erhielt sie auch. In Tilliers Roman sind beide Frauen etwa gleichwertig, doch Molinaro hatte die beiden Figuren entscheidend verändert: die kränkliche Arabelle, die im Roman – und auch in den weiteren Verfilmungen – stirbt, wird hier am Ende mit ihrem Verehrer Hector de Pont-Cassé (Bernard Alane) glücklich, während Manette mit ihrem Benjamin (Jacques Brel) in die Verbannung und in ein gemeinsames Glück ohne Trauschein geht.

Zwei Debütantinnen in  „Allô Police“ Lyne Chardonnet mit Claude Ruben in „L’affaire est dans le sac“ und Claude Jade mit Guy Tréjan und Claude Ruben in „Retour à l’envoyeur“

Lyne Chardonnet wurde am Conservatoire national supérieur d’art dramatique ausgebildet und startete 1965 ihre Fernsehkarriere mit einer „La vie de Bohème“-Experiment in der Reihe „Miroir à rois faces“. Wie Claude Jade hatte sie eine Gastrolle in der 1966 und 1967 gedrehten Krimiserie „Allo Police“.

Lyne Chardonnet mit Louis de Funès in „Le Tatoué“, mit Gérard Lartigau und Claude Piéplu in „Clérembard“, mit Claude Jade und Édouard Molinaro, mit Roger Hanin in „Bruno, das Sonntagskind“, in „Graf Yoster gibt sich die Ehre“ und mit Guy Bedos in „L’Oeuf“

1966 debütierte sie in Alain Resnais‘ „Der Krieg ist vorbei“ mit einem kurzen Auftritt und hatte 1968 eine kleine Rolle als Catherine Deneuves Schwester in „Mayerling“. Größere Nebenrollen spielte sie dann als Louis de Funès‘ Tochter in „Le Tatoué – Balduin, das Nachtgespenst“ und neben Roger Hanin in „Bruno, das Sonntagskind“. Yves Robert besetzt sie für „Clérembard“ und in „L’Oeuf“ spielt sie neben Guy Bedos.

Claude Jade, Édouard Molinaro, Lyne Chardonnet und Jacques Brel

Die Arabelle in „Mein Onkel Benjamin“ wurde die größte wichtigste Rolle ihrer Kinokarriere. Bei Molinaro hatte sie später kleine Auftritte als Krankenschwester in „Die Herren Dracula“ und als Stewardess in „Der Antiquitätenjäger“. Auch bei Jacques Demy („Lady Oscar“) und Jacques Deray („Drei Männer müssen sterben“) hat sie nur Kurzauftritte, die ihrem Talent nicht gerecht werden. Im Fernsehen folgten größere Rollen, so in der Serie „Die Leute von Magador“ (1972 ) als Freundin von Marie-José Nat und in „Le Roi Muguet“ (1979) von Claude Jades Cousin Guy Jorré. Im deutschen Fernsehen war sie neben „Die Leute von Magador“ auch als Rena in der Folge „Vier Herren spielen Poker“ in der deutsch-französischen Serie „Graf Yoster gibt sich die Ehre“ zu erleben.

„Mon oncle Benjamin“

„Mon oncle Benjamin“

Lyne Chardonnet, die im Fernsehen schöne Rollen hatte, so auch von Èdouard Molinaro in der Serie „Claudine“, und am Theater unter der Regie von Jean Le Poulain, Robert Hossein und Roger Hanin spielte, starb 1980 im Alter von 37 Jahren Leberkrebs.
Ihr Mann Jacques Portal schuf 2003 mit dem Film „“Quand je vois le soleil“ über eine unheilbar kranke Tänzerin eine Hommage an die bescheidene und talentierte Schauspielerin Lyne Chardonnet.

7. Todestag Édouard Molinaro

Claude Jade und Édouard „Doudou“ Molinaro

Vor sieben Jahren starb Édouard Molinaro im Alter von 85 Jahren.

Filmlexikon Édouard Molinaro Filmspiegel 15/1981. Portrait: Joachim Reichow

Einer seiner größten Erfolge ist „Mein Onkel Benjamin“, in dem Claude Jade neben Jacques Brel die weibliche Hauptrolle spielte.

 

Claude Jade, Jacques Brel, Edouard Molinaro

„À Pierrette“ ist der Film gewidmet, der Frau Molinaros, die zur Zeit der Dreharbeiten mit ihrem Sportflugzeug tödlich verunglückte. Das Team ist verstört, Philippe Monnier, der erste Assistent, übernimmt für einige Tage die Regie. Auch im Gedenken an Pierrette entsteht ein zutiefst optimistischer Film, in dem auch dem Tod – im Festmahl des Arztes  Minxit – mit Warmherzigkeit begegnet wird. Dem Abschiedsessen folgt die Beerdigung: So wie Minxit es sich wünschte, tauchen seine Freunde Rosen in Champagner und entblättern die Blüten über seinem Grab.

Rosenblüten für Minxit

Jacques Brel (1929-1978) und Claude Jade (1948-2006)

Viel zu jung starben die Darsteller Jean-Pierre Lamy (1945-1970), Lyne Chardonnet (1943-1980), Jacques Brel (1929-1978) und Claude Jade (1948-2006), Schauspieler eines Films, der nach wie vor eine Ode an das Leben ist.

Schauspieler Bernard Alane als Hector de Pont-Cassé mit seinen Kollegen Jean-Pierre Lamy (1945-1970), Lyne Chardonnet (1943-1980), Claude Jade (1948-2006) und Jacques Brel (1929-1978)

Jean-Pierre Lamy (1945-1970) mit Bernard Alane und Claude Jade

Jacques Brel, Claude Jade, Édouard Molinaro, Lyne Chardonnet

Claude Jade, Édouard Molinaro, Lyne Chardonnet, Jacques Brel

Édouard Molinaro und Claude Jade

14. Todestag Claude Jade


„Sie war die Inkarnation der Eleganz, der Einfachheit und des Charmes Frankreichs“ beschrieb Frankreichs Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres die Schauspielerin Claude Jade, als er von ihrem Tod am 1. Dezember 2006 erfuhr: „Sie bleibt ein Vorbild für Generationen von Schauspielern, die an dieses ‚fichu métier‘, diesen verdammten Job, wie sie ihn gerne nannte, glauben. „

Claire Chazal auf TF1: Nachruf auf Claude Jade.

„Mit großer Trauer erfuhr ich vom Verschwinden Claude Jades. Sie war eine große und schöne Schauspielerin, insbesondere in den Filmen von François Truffaut, der sie entdeckt hatte, die diskrete Anmut der jungen Französin. Heute würdige ich eine Schauspielerin von sanftem Strahlen, eine Frau, die ihre Klarheit in ihrem Beruf immer intakt gehalten hat, und ich möchte ihrer Familie und ihren Lieben mein tiefstes Beileid aussprechen. » (Véronique Cayla, Generaldirektorin des Centre National de la Cinématographie, heute Präsidentin Arte)

Claude Jade Nachruf Neues Deutschland „Tisch und Bett“

„Sie hat ihr Leben auf der Bühne beendet … sie war wunderschön und hat eine bemerkenswerte Leistung gezeigt. Es war der 8. August, es war gestern. Claude Jade fühlte sich in einer Umgebung, in der man manchmal die Ellbogen benutzen muss, nicht sehr wohl, [… aber] sie war weder eifersüchtig noch bitter. Sie dachte immer an die anderen „. (Jacques Rampal, Autor und Regisseur ihres letzten Stücks „Célimène et le cardinal“)

Claude Jade spielte bis zum 8. August 2006 die Célimène in Jacques Rampals „Célimène et le cardinal“

Zum 14. Todestag erschien im „Journal des femmes“ eine Erinnerung an Claude Jade


hier der Link: Journal des femmes – Claude Jade nous a quittés il y a 14 ans

Filmdienst

Artikel in „Nous deux“ 2020 zu Claude Jade, die heute vor 14 Jahren starb

Armen Dshigarchanian 1935 – 2020

Armen Dshigarchanian und Claude Jade in „Teheran 43“

„Es gibt weniger Armenier als Filme, in denen Armen Dshigarchanian gespielt hat“, sagte Schauspieler Valentin Gaft über einen der bekannstesten Schauspieler des sowjetischen, russichen und armenischen Kinos.

Armen Dschigarchanjan, Claude Jade

Клод Жад (Claude Jade), Армен Джигарханян (Armen Dschigarchanian)

Клод Жад (Claude Jade), Армен Джигарханян (Armen Dschigarchanian)

Seine weltweit bekannteste Rolle war der Attentäter Max Richard in „Teheran 43“. In Frankreich als Armen Djigarkhanian, im englischsprachigen Raum als Amen Dzhigarkhanyan bekannt, sind seine Partner Claude Jade als Max‘ junge Geliebte und Curd Jürgens als sein Anwalt.

Der 1935 in Jerewan geborenen Armen Dschigarchanjan wuchs in einem russischsprachigen Umfeld  auf, absolvierte seine Schauspielausbildung in seiner Heimatstadt und gab 1960 sein Filmdebüt als energischer junger Akopa in „Obval“. 1965 spielt er als Artjom die Hauptrolle in „Guten Tag, da bin ich!“. Seine Partnerin Natalja Fatejewa wird später die russische Stimme für Claude Jades Françoise in „Teheran 43“. Bekannt wird Armen Dshigarchanjan vor allem als Meister Mukutsch in Genrich Maljans Film „Das Dreieck“ (1968) und als Parteifunktionär Styshnoy in Nikolai Moskalenkos „Kleiner Kranich“ (1969). Zudem spielt er wiederholt mit Ljudmila Gurtschenko in „Weiße Explosion“ und „Alte Wände“. „Teheran 43“ ist 1981 sein erster internationaler Film, 1996 folgt die russisch-französische Produktion „Lebenslinien“ mit Vincent Pérez und Armen Dschigarchanjan in den Hauptrollen.

Claude Jade (Françoise), Armen Dschigarchanjan (Max)

Claude Jade (Françoise), Armen Dschigarchanjan (Max)


In der sowjetisch-französisch-schweizer Großproduktion „Teheran 43“ spielt er seinen Max Richard überzeugend auf zwei Zeitebenen: 1943 versucht Max, auf der Teheraner Konferenz die Staatsmänner Churchill, Stalin und Roosevelt zu ermorden, 1980 vertraut er der jungen Françoise (Claude Jade) seine Erinnerungen an, die Anwalt Legraine (Curd Jürgens) zum Verkauf anbietet.

Claude Jade, Armen Dschigarchanjan

Als sein einstiger Auftraggeber Scherner (Albert Filozov) eine Jagd auf alle damals Beteiligten beginnt, eröffnet Françoise dem Killer, dass sie für Scherner arbeite. Max folgt ihr in ein neues Versteck, wo Scherner ihn töten lässt. Am Ende verhandelt Legraine mit Françoise und Scherner über Max‘ Dokumente.

Angeblich hat sich Nachbarin Françoise in der Tür geirrt.

Françoise (Claude Jade) stellt Max (Armen Dschigarchanian) einer Freundin mit neuem Versteck vor.

Claude Jade erinnert sich in „Baisers envolés“ an den „großen armenischen Schauspieler“ Armen Dschigarchanjan, der für die Rückblenden eine schwarze Perücke trug und in den Gegenwartszenen mit ihr ergraut spielte: „Nous formions un curieux couple!“ Die Filmkritik auf kinopoisk lobte am Film vor allem die Paarkonstellationen der internationalen Stars: Die Verspieltheit von Natalja Belochwostikowa und Alain Delon und die Dekadenz des Paares Armen Dshigarchanian und Claude Jade.

Festivalsieger Moskau 1981: „Teheran 43“-Regisseur Alexandr Alow mit den Stars Natalia Belochwostikowa, Claude Jade, Igor Kostolewski und Armen Dshigarchanian. Hinter dem Regisseur flaniert Albert Filosow

Als Claude Jade mit Ehemann Bernard und dem Autor Georges Conchon von Moskau aus Amen Dshigarchanians Heimatstadt Jerewan  besuchte, sollte sie in einer Kolchose auf die französisch-armenische Freundschaft anstoßen. Vodka floss reichlich. Am nächsten Morgen sollte weiterhin wiederholt mit einem lokalen Cognac angestoßen werden. Um ihre Gastgeber nicht zu verletzen und dennoch keine Migräne zu bekommen, tauschte sie das Getränk gegen einen Pflaumensaft gleicher Farbe. In Moskau, wo Claude Jade von 1979 bis 1982 lebte, ist der bekannteste armenische Schauspieler am 14. November im Alter von 85 Jahren gestorben.

Michel Boquet 95

Biedere, verklemmte und berechnende Bourgeois, für jene Rollen ist Michel Boquet berühmt, vor allem als Javert in „Die Elenden“ und in Claude Chabrols Abrechnungen mit der Bourgeoisie: Er weckt Verständnis als Stéphane Audrans Ehemann in „Die untreue Frau“ oder ist exzellent verdorben als Audrans Schwiegervater in „Der Riss“.

1976 bietet ihm die Verfilmung von Georges Simenons „Die Glocken von Bicêtre“ eine der wenigen Ausnahmen: Michel Bouquet spielt die Rolle des nach einer Embolie halbseitig gelähmten Verlegers René Maugras.

Michel Bouquet und Claude Jade in „Zwischen Tod und Leben“ (Les Anneaux de Bicêtre)

1976 muss Claude Jade ihre Rolle in Nelly Kaplans Erotikdrama “Néa” absagen, denn ihre Taille hat sich zu sehr verändert: sie ist schwanger. Stattdessen spielt sie nun, parallel zu ihrer Nonne in “Kita no misaki”, die Krankenschwester Blanche in “Les anneaux de Bicêtre“ (Zwischen Tod und Leben).

Ähnlich dem Habit ihrer Nonne ermöglicht ihr die kaschierende Schwesterntracht den Dreh mit einem beeindruckenden Partner: Michel Bouquet. Claude Jade lernt im Hospital Saint-Antoine die genauen Gesten einer Krankenschwester. Vor Drehbeginn erarbeiten die beiden Schauspieler lange an präzisen Details.

Michel Bouquet und Claude Jade in „Les Anneaux de Bicêtre“ (Zwischen Tod und Leben)

Claude Jade beschreibt die Arbeit mit Michel Bouquet in ihren Erinnerungen „Baisers envolés“:
„Michel Bouquet ist äußerst präzise und überlässt nichts dem Zufall. Ich bin sehr beeindruckt von seiner Konzentration und seiner Fähigkeit, so präzise zu arbeiten. Er bereitete sich vollkommen auf die Rolle des Pressemagnaten vor, der plötzlich nach einem Schlaganfall von Hemiplegie und Aphasie befallen ist. Er sagt seinen Text in den ersten zwei Dritteln des Films nur im Voice-over. Wenn die Dreharbeiten stattfinden, ist nichts oder fast nichts wie das, was wir uns vorgestellt haben; die äußeren Beeinträchtigungen sind verwirrend, die Anordnung des Krankenzimmers, in einem Haus wiederhergestellt, ist anders. Doch trotz all dieser Vorgaben passt sich Michel Bouquet an, manchmal macht er das Gegenteil dessen, was er geplant hatte, und er ist dabei großartig. Und er ist zudem ein Mann von perfekter Höflichkeit.“

Claude Giraud 1936 – 2020


Claude Giraud war ein gefeierter Theaterstar, als Claude Jade 1966 in Paris ankam.
Ihr Lehrer Jean-Laurent Cochet erarbeitete mit ihr am Théâtre Édouard VII die erste Szene aus Marivaux‘ „Das Spiel aus Liebe und Zufall“, das er gerade am Madeleine mit Claude Giraud als Dorante und Michèle André als Silvia inszeniert hatte.

Claude Jade und Claude Giraud 1975 in „Alle lieben Mamie Rose“

Giraud war auch im Kino populär: Sein Mordermittler Langlois ist der Held in François Leterriers „Ein König allein“ (1963), kurz darauf folgten Starrollen: als Philippe neben Michèle Mercier und Robert Hossein in den drei „Angélique“-Filmen und als der Soldat Georges, der sich in Roger Vadims „Reigen“-Verfilmung mit Dirne (Marie Dubois) und Stubenmädchen (Anna Karina) vergnügt.

Claude Giraud, Claude Jade und Gisèle Casadesus in „Ma Mie Rose“

In jener Zeit war Claude Giraud auch zentraler Held der Abenteuerserie „Das Geheimnis der weißen Masken“ (Les compagnos de Jéhu). Zu seinen späteren Erfolgen zählt 1973 „Die Abenteuer des Rabbi Jacob“, in dem er als arabischer Revolutionär Sliman mit Louis de Funès und Henri Guybet vor seinen Entführern flüchtet und am Ende de Funès Filmtochter Miou-Miou erobert.

Szenen aus „Ma Mie Rose“ (Alle lieben Mami Rose) von Pierre Goutas

Wenn er nicht auf den großen Pariser Bühnen stand, war Claude Giraud als Synchronsprecher die feste Stimme von Redford, Jon Voight, Tommy Lee Jones und Alan Rickman. 1975 spielen Claude Jade und Giraud in Pierre Goutas‘ „Ma mie Rose“ (Alle lieben Mami Rose) ein Ehepaar am Rande der Scheidung. Sympathisch sind beide Rollen nicht – Agathe (Claude Jade) und Régis Lapierre (Claude Giraud) sind mit einem verhaltensgestörten Sohn (Éric Najsztat) überfordert. Für einen Urlaub holen sie eine Grand-mère au pair, Mamie Rose (Gisèle Casadesus) hinzu. Und diese Dame rettet die Ehe der beiden, bevor sie stirbt.

Claude Giraud und Claude Jade in „Alle lieben Mami Rose“ (Ma Mie Rose)

Nach Claude Jade (1948-2006) und Gisèle Casedus (1914-2017) ist am 3. November Claude Giraud verschwunden.

Zur Erinnerung an Claude Giraud eine Galerie aus „Ma Mie Rose“ (Alle lieben Mami Rose)

Nestor Almendros

Nestor Almendros auf Gruppenfotos zu „Domicile conjugal“ (vorn mit dem kleinen Christophe Vesque) und „L’amour en fuite“ (mit Mütze hinter der Kamera)

Nestor Almendros (1930-1992) wäre heute, am 30. Oktober, 90 geworden. Er filmte Claude Jade in „Domicile conjugal“ und „L’amour en fuite“. In ihren Memoiren „Baisers envolés“ erinnert sie sich an ihre erste Zusammenarbeit 1970: „Er hatte gerade bewundernswerte Aufnahmen von ‚L’enfant sauvage‘ in Schwarzweiß erschaffen. Er ist ein wahrer Künstler, ein kultivierter und warmherziger Mann, der auch auf die Schauspieler achtet und genau weiß, was François will. Bei ihm ist das Licht viel weicher als das bei ‚Baisers volés‘. Es verwöhnt mich, man kann auf den Bildern die Farbe meiner Augen sehen, und ich habe hervorragende Nahaufnahmen. Nestor, in den USA sehr gefragt, und François werden zusammen neun Filme machen. Die Familie der Carrosse ist nun vergrößert.“

Claude Jade vor 72 Jahren geboren

„Meine kleine Claude,
es ist mir unmöglich, deinen Geburtstag zu vergessen; jedes Jahr, wenn der Monat Oktober beginnt, macht sich eine kleine Erwärmung in der Region meines Herzens breit: Ah, Oktober, das ist doch der Birthday von Claude.“,
schreibt François Truffaut 1982, als Claude Jade in Zypern lebt.

François Truffaut und Claude Jade vor 50 Jahren

Marcel und Marcelle Jorré wollen am 8. Oktober 1948 Disneys „Bambi“ sehen, verzichten jedoch auf das Ende des Films und verlassen eilig das Kino. Um 23:15 schauen zwei große blaue Augen in die Welt. Jene Augen, über die François Truffaut, zu diesem Zeitpunkt 16jähriger Gründer eines eigenen Filmclubs, zwanzig Jahre später sagen wird: „Mit deinen großen blauen Augen könntest du ganz allein ’die zwei Waisen’ spielen.“ Und an ihrem 20. Geburtstag hat sie ihren ersten Drehtag mit Alfred Hitchcock. Ihre große Schwester Annie wird die minderjährige Schauspielerin als Anstandsdame nach Hollywood begleiten.

 

Am Tauftag mit ihrer großen Schwester Annie und der Großmutter

Marcel und Marcelle Jorré hatten sich für die dreizehn Monate ältere Annie ein Brüderchen gewünscht. Sie geben dem Mädchen den androgynen Namen Claude und in zärtlichem Zusatz den Klang des gemeinsamen Vornamens: Marcelle. Sie verlebt – anders als François Truffaut – eine glückliche Kindheit in einer großen Familie.
Die Wände des Hauses in der rue de la Toison-d’Or, in dem Claude ihre ersten Lebensjahre verbringt, sind reich verziert mit Gemälden und Zeichnungen ihres ein Jahr zuvor verstorbenen Großvaters Émile Schneider.

1953 inszeniert sich die Vierjährige selbst als arme Holzfällerin, die ihren unglücklichen Ehemann – gespielt von Annie – beschimpft. Die Rollen der Kinder übernehmen Claudes heißgeliebter Teddybär und einige Puppen, denen die kleine Spielleiterin inbrünstig ihre zarte Stimme leiht. Während Claude stolz ein altes Umschlagtuch und einen zu großen Rock trägt, ist Annie weniger glücklich mit ihrem von Motten zerfressenen Hut und der zerrissenen Weste. Aber das verlangt halt die Rolle! „Ich führte keine Regie, aber ich drängte meine große Schwester fortwährend, dies und das zu tun“, beschreibt Claude Jade 2001 in der Sendung „Ciné Club“ ihre ersten Theaterexperimente.

Behütet: Annie und Claude Jorré; Claude bei einem Kinderfest in Pouldu

Zur Erinnerung an die behütete Claude die Seite

GUT BEHÜTET

42 Jahre einer Karriere liegen zwischen der züchtigen Haube, die sie 1964 als Molières Agnès trug und dem Kardinalshut Alcestes, den sie als Molières Célimène in ihrem letzten Sommer am Ende von Jacques Rampals Molière-Fortsetzung „Célimène und der Kardinal“ aufsetzt. […]

Claude Jorré vor 60 Jahren, als sie noch nicht Claude Jade war