Le témoin – Der Zeuge 1969

 

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Le témoin (Der Zeuge)
Belgien/Frankreich 1969 Regie: Anne Walter, Louis Duchesne. Buch: Anne Walter  Kamera: Roger Ducolot  Musik: Patrice Sciortino,  François de Roubaix  Schnitt: Colette Cueille Produktion: Les productions René Thévenet, 16-35 Films, Euro Images, Cinevog Films, Pierre Levié  Drehzeit: 12. Mai 1969 – 29. Juni 1969 Belgische Kinopremiere: 1969 Deutsche Erstausstrahlung: 24.08.1973 DDR-Fernsehen (Wdh 1975) Französische Erstausstrahlung: 1980
Darsteller: Claude Jade (Cécile), Gérard Barray (Van Britten), Jean-Claude Dauphin (Thomas), Claude Vernier (Hermann, der Chauffeur), Jeanne Pérez (Madame Hanka, die Wahrsagerin), Bernard Frémaux (Kommissar Haas), Claude Van Hoffstadt (Suzanne), Jacques Ferly u.a.

Die junge Englischlehrerin Cécile lebt in Brügge in ruhiger Beziehung zum Kunststudenten Thomas. Als sie dem Kunsthändler Van Britten begegnet und kurz darauf ihre Vermieterin, die Wahrsagerin Hanka, ermordet wird, gerät Cécile als Zeugin in große Gefahr. Mehr und mehr verfällt sie dem mysteriösen Van Britten.
Regisseurin und Autorin Anne Walter ließ sich bereits am ersten Drehtag von Produktionsleiter Louis Duchesne ersetzen.
„Le témoin“ (Der Zeuge) lief über vierzig Jahre nicht mehr im deutschen Fernsehen. Die Beschreibung bezieht sich allein auf Pressematerial.

Claude_Jade_Cecile_Le_Temoin_1Claude_Jade_dans_Le_Temoin_1969_1„Ich habe mal einen Film gedreht, bei dem der Regisseur nie am Drehort war“, behauptet Claude Jade im April 1981 in der Sendung „Jeudi cinéma“ in einem Wahr-oder-falsch-Spiel gegenüber dem Schauspieler Patrick Dewaere. Der findet diese Aussage bizarr und hakt nach: „Und der Regisseur wurde auch auf dem Plakat genannt?“ Sie bestätigt dies und Dewaere tippt auf „falsch“. Claude erklärt, dass die Regisseurin unglücklicherweise erkrankt war und der Produktionsdirektor ihre Aufgabe übernehmen musste.
Für die Drehbuchautorin Anne Walter ist sie damals laut „Unifrance“ die ideale Heldin des Films „Le témoin“, der später als „Der Zeuge“ für das DDR-Fernsehen übersetzt und betitelt wird; die Heldin des Films ist allerdings „Die Zeugin“, eine in ihren Gefühlen und Handlungen zwiespältige junge Frau.

„Anne Walter bevorzugt in diesem Film weniger den vordergründigen Kriminaleffekt als vielmehr die Psychologie der Figuren, das zwischen ihnen wirkende Spannungsverhältnis und die Motive ihrer Handlungen. Dabei dominieren allerdings nicht handfeste logische und rationale Gründe, sondern geheimnisvolle, unter- und hintergründige Elemente, die sich der Entschlüsselung entziehen. Handlung und Figuren erhalten so über weite Strecken einen Schimmer von mysteriöser Zweideutigkeit.“ (Fernsehen der DDR I, 1973)

Gérard Barray und Claude Jade in

Gérard Barray und Claude Jade in „Der Zeuge“

le_temoin_1969_Gerard_Barray_Claude_Jade„Gleichzeitig verträumt und leidenschaftlich“, stellt sich die Autorin und Regisseurin Anne Walter die Heldin ihres Films vor und findet in Claude Jade „das genaue Abbild“ ihrer Cécile, einer jungen Frau, die der seltsamen Faszination eines Mannes erliegt, um dessen dunkles Geheimnis sie weiß. Dessen Chauffeur wird Cécile, die Zeugin, die zuviel weiß, ermorden wollen. „Glücklicherweise ist das nicht so einfach“, verrät Claude Jade lachend bei einem Interview mit „Cinémonde“. Zudem gefällt der jungen Aktrice „der psychologisch interessante Aspekt dieser Art der Entdeckung der Liebe“.

Man kann Anne Walter die gute Wahl unterstellen, dass sich Claude Jade aufgrund der Meriten, mit Alfred Hitchcock gedreht zu haben, ideal als Heldin eines Thrillers eignet.  Walter, die als Script-Girl bei Robert Bresson für „Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen“ begann und 1959 ihren ersten Roman veröffentlicht hatte, legt mit „Le témoin“ ihren ersten und in gewisser Weise sehr persönlichen Film vor. Claude Jade sieht Anne Walter, die sich von der Stadt Brügge für ihren Film inspirieren ließ, nur ein einziges Mal. Sie verschwindet leider nach starkem Asthma vom Set und ihre Aufgabe wird bereits am ersten Tag von Produktionsdirektor Louis Duchesne übernommen.

Für Claude Jade ist dies eine seltsame Arbeitsmethode, doch Freude bereitet ihr die Besetzung: Gérard Barray, angesagter Frauenschwarm und Held zahlreicher Mantel-und-Degen-Filme, ist der zwielichtige Mann, dem Cécile verfällt. Ihren Verlobten Thomas spielt ihr damaliger Freund Jean-Claude Dauphin, mit dem sie nach Abschluss der Arbeit zu Alfred Hitchcocks „Topaz“ gerade noch zum Skiurlaub in der Schweiz war.

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claude_Jade_Jeanne_perez_le_temoin temoin_Claude_JadeCécile lebt bei der Wahrsagerin Hanka (Jeanne Pérez) und hat eine ruhige Liebesbeziehung zum Kunststudenten Thomas; zu ruhig. Hankas Horoskop für Cécile: „Venus im Steinbock. Winter, Kälte, Einsamkeit.“ Seit einiger Zeit bemerkt Cécile die Silhouette eines Mannes, der ums Haus schleicht und wird Zeugin des Mordes an Madame Hanka. Cécile bleibt dennoch in dem Haus, wo ihr der Schatten ein weiteres Mal begegnet. Cécile lernt den Kunsthändler Van Britten (Gérard Barray) kennen, einem Mann, der sie anzieht: brutal und raffiniert. Cécile spürt, dass ihre Beziehung zu Thomas keine Zukunft hat. Tatsächlich muten Claude Jade und Jean-Claude Dauphin bei ihren Spaziergängen durch Brügge très mignon an, während  Barray so erotoman wie bedrohlich wirkt.

Von Kommissar Haas (Bernard Frémaux) erfährt Cécile, dass Madame Hanka vor Jahren gegen Van Britten aussagte und behauptete, er habe seine Frau ermordet. Hanka bezog sich damals auf Horoskope, die zu Van Brittens Verhaftung führten. Genau diese Unterlagen findet Cécile bei Van Britten in einer Schublade, doch sie behält das Geheimnis für sich, verfällt dem Mann und kann ihm ebensowenig entfliehen wie der kleine Vogel der Kobra.

Cécile fühlt sich verfolgt. Claude Jade in

Cécile fühlt sich verfolgt. Claude Jade in „Le témoin“

Claude_Jade_et_Gerard_BarrayCécile weiß schon bald, dass Van Brittens Chauffeur Hermann (Claude Vernier) der Mörder ist. Sein dunkler Mercedes, einem schleichenden Schatten gleich, verfolgt sie ständig. Einmal versucht Hermann, sie und Thomas zu überfahren. Schließlich verlässt Cécile Thomas und wird Van Brittens Maîtresse. Alles endet auf dem Schloss Van  Brittens, das Cécile in eine seltsame Welt verbannt: eine romantische und unwirkliche Atmosphäre aus dichtem Nebel, riesigem Park, einem Holzfeuer, dem nahen Fluss und beängstigend hohen Sälen. Zudem wirkt das Schloss, das von Georges Halphen 1909 bei Chantilly erbaute Château de La Chapelle-en-Serval, imposant wie eine Festung, so dass ein Entrinnen unmöglich scheint.

Claude_Jade_avec_le_chat le_temoin_claude_jade_Gerard_barray_blesseHermann drängt Van Britten, die Zeugin zu beseitigen, unternimmt einen weiteren Mordversuch, doch Van Britten liebt Cécile nun wirklich und will mit ihr ins Ausland fliehen (das Schloss liegt tatsächlich nur vierzig Kilometer von Paris entfernt). Als die Liebenden mit einem Schlauchboot auf der Oise durch den Nebel gleiten, erscheint Hermann. Bei einem Schußwechsel verwunden sich die Männer tödlich. Nun ist Cécile allein und liest ihre Horoskope: „Venus im Steinbock. Winter, Kälte, Einsamkeit“.
Im Epilog wacht Cécile schweißgebadet in Thomas’ Armen auf. „Du hast einen schlechten Traum gehabt“, wird sie von Thomas beruhigt. „Ein Traum, ja. Aber ein schlechter?“, fragt Cécile.

 Cinémonde verspricht: „Mit Gérard Barray und Claude Jade hat Anne Walter in ihrem ersten Film ein Paar vereint, das man nicht so schnell vergessen wird“. Die dem französischen Publikum gelieferte Vorabkritik, laut welcher „die tiefe künstlerischen Korrespondenz zwischen Anne Walter und Claude Jade die Früchte eines großen Erfolges tragen wird“, erfüllt sich nicht. Der Film läuft zwar in belgischen Kinos, im DDR-Fernsehen wird der Film 1973 ausgestrahlt, doch in Frankreich wird er erst zehn Jahre später gezeigt, im Fernsehen. „Le témoin“ bleibt leider der letzte Film Anne Walters.

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