Kita no misaki – Das Nordkap

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Kita no misaki ( 北の岬 – Le cap du nord ) Japan 1975 Regie: Kei Kumai  Buch: Kei Kumai, Kinuman Tsukasa, nach dem Roman von Tsuji Kunio  Kamera: Mitsuji Kanau  Musik: Teizo Matsumura  Ausstattung: Takeo Kimura Produzenten: Masayuki Sato, Hideyuki Shiino  Produktion: Toho  EA. 03.04.1976
Darsteller: Go Kato (Mistuo), Claude Jade (Marie-Thérèse), Tomoko Ogawa (Naoko), Kinuyo Tanaka (alte Nonne), Wataru Kobayashi (Minen-Arbeiter), Françoise Guernier (Andrée), Martine Mathias (Marie-Thérèses Mutter), Denise Perolle (Simone), Kayoko Onishi (Nonne in Tokio), Mini Sakuya (Nonne in Pakistan),  Kuni Soyama (Nonne in Wakkanai), Geruni Furonsowazu…

1971 reist die Missionarin Marie-Thérèse von Marseille nach Yokohama. Sie begegnet dem japanischen Ingenieur Ono und einer unerfüllbaren Liebe. Kei Kumais nach einer Kurzgeschichte von Tsuji Kunio stellt die Liebesgeschichte ins Zentrum eines Films über die Gleichgültigkeit gegenüber dem Elend der Dritten Welt. Da Claude Jade eine Nonne spielte, durfte in Japan nicht veröffentlicht werden, dass sie verheiratet ist. So wurde Bernard Coste als ihr Sekretär ausgegen. Und dann wurde die „ledige“ Schauspielerin schwanger…

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Einer der am seltensten gezeigte Filme mit Claude Jade ist „Kita no misaki“ ( 北の岬 / Le cap du nord / Das Nordkap ) von Kei Kumai ( 熊井 啓 ), den Claude Jade 1975 gedreht hat. Er lief zuletzt 2007 anlässlich des Todes des berühmten Regisseurs Kei Kumai und ist bisher noch nicht auf DVD erschienen.

熊井 啓 クロード・ジャド 北の岬

Claude Jade kehrt gerade von den Dreharbeiten zu „Le malin plaisir“ zurück, als sie mit einem Telegramm und mit einer Nachricht auf dem Anrufbeantworter gebeten wird, sich bei Françoise Guernier zu melden, die gerade eine Castingagentur eröffnet hat. Über ihren Mann, einen Fotografen, hatte sie Kontakt zur japanischen Produktionsfirma Toho. Diese hatten Anicée Alvina, Claude Jades kleine Schwester Dinharzade in „Sheherazade“ zu kontaktieren versucht und nicht erreicht. Da Claude Jade in Japan keine Unbekannte ist, neben den Truffaut-Filmen und Hitchcocks „Topaz“ lief dort auch „Les feux de la Chandeleur“ als „Schmelzender Schnee“ (雪どけ), fällt die Wahl des Produzenten Masayuki Sato von der Produktionsfirma Toho bei der Suche nach einer französischen Schauspielerin in einem japanischen Film auf Claude Jade. Sie wird eine Schweizer Missionarin spielen und der Film die Geschichte ihrer Reise und einer unmöglichen Liebe erzählen.
Sie trifft Kei Kumai (siehe Foto mit Claude Jade), der gerade für „Sandakan, Haus Nr. 8“ weltweit gefeiert wird, in einem Café hinter der La Madeleine. Sie beschreibt ihn als „groß, schlank, ruhig und zurückhaltend“. Ihre Agentin Marceline Lenoir unterzeichnet den Vertrag und am 25. August 1975 reist Claude Jade nach Japan.

Bereits ab dem Umsteigen in Anchorage in Alaska erfährt sie von der Stewardess der Air France Adressen interessanter Boutiquen in Tokio und wird ins Cockpit eingeladen, wo sie den Piloten, den Co-Piloten und den Mechaniker begrüßt und sich in ein Goldenes Buch einträgt, in dem zuvor Orson Welles und Catherine Deneuve signiert hatten. Die neuen Bekanntschaften nennen ihr den Namen des Hotels, in dem sie immer absteigen, damit man sich mal auf ein Glas treffen und sich gemeinsam die Stadt ansehen kann. Dem Empfang am Flughafen mit drei Fotografen, dem Produzenten M. Sato, dem Distributeur M. Seto und ihrer Dolmetscherin Kane Kiriyama folgt eine Fahrt vorbei an der Einkaufsstraße Harumo Dori, am Kabuki-Theater und dem Sony Turm ins Hotel Imperial. Im siebzehnten Stock mit Blick auf eine Oase der Grünflächen des Hibiya-Parks frühstücken sie gemeinsam.

Claude Jade und Go Kato / クロード・ジャド 加藤剛

Claude Jade und Go Kato / クロード・ジャド 加藤剛

Als Claude Jade durch den Bezirk Chiyoda-ku spaziert, prangen an den Fassaden Poster von Alain Delon als Zorro. Claude Jade erinnert sich in ihren Memoiren „Baisers envolés“, dass Delon sogar für Werbefotos einen japanischen Doppelgänger hatte, von dem Hunderte von Porträts in den Schaufenstern eines Kaufhauses hingen; das gleiche Gesicht, nur die blauen Augen fehlten, die gleiche Zigarette an den Lippen, das gleiche gestreifte Hemd, die gleiche Zornesfalte: „Ich weiß nicht, was unser nationaler Star durch seinen Doppelgänger verkaufen sollte.“ Sie bemerkt Japanerinnen, die sich nach der neuesten westlichen Mode kleiden und weiße Augenbinden tragen, da sie sich die Augenlider anheben lassen.

Am 26. August lernt sie bei der Pressekonferenz auch ihren Filmpartner Go Kato kennen, einen freundlichen Mann, der ihr erzählt, bereits zweimal in Paris gewesen zu sein, zuletzt bei seiner Hochzeitsreise.
Um so überraschender ist die erste Lüge, zu der ihr die Produktionsfirma auf der ersten Pressekonferenz zum Film rät. Claude Jade, die eine Nonne spielt, muss unbedingt behaupten, sie 24 und ledig. Toho überlässt nichts dem Zufall. Dennoch verursacht Claude Jade bei der Konferenz einen winzigen Skandal. Sie hatte sich in einer Tokioter Boutique ein Kleid von Yves Saint-Laurent besorgt und trug dazu die passende Sandalen desselben Machers. „Eine Journalistin, die an der Pressekonferenz teilgenommen hatte, bat darum, mich kennenzulernen, und ich war überrascht, dass sie von meinem Kleidungsstil fast schockiert war. Sie hatte sich darüber gewundert, dass ich keine Strümpfe zu meinen Sandalen getragen hatte, und das hatte sie als Provokation aufgefasst! Es war sehr heiß und ich hatte nicht daran gedacht, dass die europäisch gekleideten Japanerinnen es sich niemals erlauben würden, mit nackten Beinen zu gehen, vor allem nicht für eine Pressekonferenz. Ich hatte einen Skandal ausgelöst!“

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Claude Jade bei Dreharbeiten mit Kei Kumai (neben der Kamera sitzend) und Go Kato (hinter Kei Kumai stehend)

Im Sommer 1971 betritt die Schweizer Missionarin Marie-Thérèse ein Schiff, das sie von Marseille nach Tokio bringen soll. Sie gehörte einer Kongregation der „Kleinen Marienschwestern“ an und hatte schon einmal japanischen Boden betreten, war aber nach einer Krankheitsphase nach Japan zurückgekehrt und wird nun nach Japan zurückkehrern, um weitere Aufträge zu erfüllen. Marie-Therese trägt eine lange graue Nonnenkutte und hatte eine Perle an der Taille, das war alles an Schmuck. Zu ihren Aufgaben gehörte es, Schiffsreisen zu nutzen, um Niederlassungen in verschiedenen Teilen der Welt zu besuchen. . Mitsuo Ono, ein Automobilingenieur, begegnet ihr auf dem Rückweg von Marseille, nachdem er ein Jahr lang in Westdeutschland über Motoren geforscht hatte. Kurz nach dem Auslaufen lernt er Marie Therese kennen, für ihn sind ihr Schmuck ihre blauen Augen und ruhiges, sanftes Gesicht.
Das Schiff fährt über Casablanca, Conakry und Kapstadt, bevor es in Colombo, Sri Lanka, Halt machte. Auf Einladung von Marie-Thérèsse lernte Ohno die Nonne Simone kennen. Ono war überrascht und bewegt von den fünfundzwanzig Jahren der Entbehrungen, die Simone hinter sich gebracht hatte. Das Schiff lief in Kalkutta ein und Marie-Therese und Ohno besuchten Nonne Andrée in Dhaka. Schwester Andrée, die ihren Dienst inmitten von Hunger, Krankheit und Unterdrückung fortsetzt, ist so erschöpft, dass sie sich geistig verwirrt vor den Augen von Marie-Thérèse, Ono und den anderen ein Obstmesser in den Oberschenkel sticht. Auch Ono wurde einmal nach einem Autounfall, der durch die Erschöpfung bei der Entwicklung eines neuen Motors verursacht wurde, in ein neurologisches Krankenhaus eingeliefert. Zu dieser Zeit war Ono mit Naoko verlobt, einer Werbedesignerin in derselben Firma, aber er fuhr allein nach Deutschland, um sich zu erholen und zu arbeiten. Naoko wartet am Hafen von Yokohama auf ihn. Sie begrüßte Ono mit Freude, aber Ono empfindet anders. Seine Liebe zu Marie-Therese breitete sich wie eine Welle in seinem Herzen aus. Eine Liebe, die so stark war, dass er bereit ist, alles zu opfern. …… Schließlich besuchte Ono die Zweigstelle in Tokio unter der Adresse, die Marie-Thérèse ihm hinterlassen hatte, doch sie ist inzwischen nach Hokkaido weitergefahren. Ono folgte ihr und trifft Marie-Thérèse auf dem Nordkap wieder. Ono gesteht ihr seine Liebe und bittet sie um ihre Lippen. Das Ochotskische Meer rauscht und krümmt sich, als wolle es die Intensität ihres inneren Konflikts zum Ausdruck bringen. „Ich liebe dich auch“, sagte Marie-Therese und hebt ihr tränenüberströmtes Gesicht. „Ich habe nichts anderes als diese Liebe. Deshalb empfinde ich es jetzt als eine Tortur. Egal, wie sehr ich dich liebe, es ist unverzeihlich.“ Marie-Thereses Gesicht zeigte eine harte Entschlossenheit zur Prüfung durch Gott. Jemand muss gegen die Armut und in den Krieg gehen, um zu bezeugen, dass der Reichtum der menschlichen Seele nicht nur von dem, was das Auge sieht, oder von materiellen Dingen getragen wird…“
Nachdem sie Ohnos Liebe verweigert hat, reiste Marie-Therese weiter nach Bangladesch, wo der Unabhängigkeitskrieg begonnen hatte… ….

Claude  Jade dreht in Tokio, Yokohama, Kyoto, Singapur, Bangkok, in Wakkanai auf Hokkaido und in Skri Lanka.  Für die Arbeit dort wohnt sie in Colombo und wird mit einem Militärflugzeug nach Anuradhapura geflogen. Dort dreht Kei Kumai eine Traumsequenz – die einzige Szene, in der Marie-Thérèse nicht ihre Nonnentracht trägt. In diesem Traum in einer Kulisse von Ruinen fliegt ihr offenes Haar im Wind und die Liebe zum japanischen Ingenieur Mitsuo (Go Kato) scheint möglich.
Die einzigen Zuschauer am Set sind die zahlreichen Affen, die die Geisterstadt bevölkern.

Parallel zu „Kita no misaki“ dreht sie drei Filme in Frankreich. Als die Arbeit in Japan fortgesetzt wird, ist Claude Jade schwanger. Davon darf die Presse, der sie als „unverheiratet“ vorgestellt wurde, nichts erfahren.  Als ihr Ehemann Bernard Coste sie für einige Wochen in Tokio besucht, muss sie ihn als ihren Privatsekretär ausgeben. Ganz zu schweigen davon, dass eine als ledig geltende Schwangere eine Nonne spielt! Claude Jade muss im Japan der 70er ihre „glücklichen Umstände“ kaschieren. Die Kostümbildnerin schneidert die schwarze Robe so um, dass die Veränderung der Silhouette nicht wahrnehmbar ist.

Aus den sonnigen Gefilden des ersten Teils geht es in den verschneiten Norden Japans. Die frostigen Temperaturen auf der weißen Insel setzten der Crew zu, einige Mitglieder erkranken. Und Claude fröstelt es ein wenig in jener Robe, unter der sie in Sri Lanka schwitzte. Als Schwangere will sie sich keinem Risiko aussetzen und folgt einer Idee Bernards. Sie trägt unter ihrem Kleid Lagen von Zeitungspapier, so dass die Kälte nicht eindringen kann. Und über dem Ganzen kreist ein Helikopter, der den Schnee aufwirbelt. Dennoch bereitet der Papierpanzer Probleme beim Ton. Als Go Kato auf sie zuläuft und sie in seine Arme presst, rascheln die Zeitungen so stark über dem Dialog, dass die Szene nachsynchronisiert werden muss.

Als Claude Jade im Sommer 1976 zur Premiere von „Kita no misaki“ nach Tokio reisen will, verbietet es die Produktion Toho. Ihre Schwangerschaft lässt sich nun nicht mehr leugnen – und das sei ein unmöglicher Zustand, wo doch die Presse Japans seit dem ersten Interview zu Drehbeginn im Glauben ist, sie sei unverheiratet!

In Frankreich hingegen ist es kein Geheimnis, dass Claude Jade ein Kind erwartet und zeigt die schwangere Schauspielerin im Juli 1976 auf dem Titel der Télé 7 Jours

Claude Jade und Go Kato in „Kita no misaki“

Marie-Thérèse (Claude Jade) und Mitsuo (Go Kato). Kita no misaki

Go Kato und Claude Jade in „Nita no misaki“ (Das Nordkap)