Heute vor zehn Jahren verschwand Corinne Le Poulain (1948-2015). Ihre siebente und zugleich letzte Filmrolle hatte sie 1994 als lesbische Gloria an der Seite von Claude Jade und Michel Serrault in „Bonsoir“.
Die Nichte des Schauspielers Jean Le Poulain hatte 1966 am Theater debütiert, spielte 1967 die Nebenrolle der Jacqueline neben Louis de Funès in „Oscar“ am Théâtre du Palais-Royal, 1972 unter der Regie ihres Onkels in „Dédé“ und in den 1980er Jahren auch bei Claude Jades Stammregisseur Jean Meyer am Théâtre des Célestins in Lyon. Dank der Reihe „Au théâtre ce soir“, für die Claude Jade mit Corinnes Onkel Jean Le Poulain in „Volpone“ gespielt hatte, ist auch Corinne Le Poulain als Theaterschauspielerin für die Nachwelt filmisch bewahrt: in Robert Thomas‘ Kriminalkomödie „Acht Frauen“ war sie 1971 unter der Regie ihres Onkels die Suzon.

Corinne Le Poulain „La Provocation“, „Sam et Sally“, „Splendeurs et misères des courtisanes“, „Bonsoir“
Im Kino erhielt sie nur wenige Aufgaben: Sie hatte 1969 in einer Hauptrolle an der Seite von Jean Marais in „La Provocation“ im Film debütiert. Es folgten Nebenrollen wie Francis Blanches Tochter in der Les Charlots-Komödie „La Grande Java“ (1973) und neben Sim, Alice Sapritch, Patrick Préjean und Jean-Paul Tribout in „Drôles des zèbres“ (1977). Es war das Fernsehen, das ihr Erfolg brachte: 1975 war sie die Balzac-Heldin Esther in der Miniserie „Glanz und Elend der Kurtisanen“ und 1978 neben Georges Descrières die Sally in der ersten Staffel von „Sam und Sally“. Wegen ihrer Schwangerschaft wurde die Sally danach mit Nicole Calfan umbesetzt. Corinnes Kind, Julia Duchaussoy, wurde später ebenfalls Schauspielerin. Der Vater: Der Schauspieler Michel Duchaussoy, Claude Jades früherer Liebhaber.
1994 war Corinne Le Poulain im Kino dann Claude Jades Liebhaberin in ihrer letzten und vielleicht schönsten Filmrolle zu sehen: In „Bonsoir“ gibt ihr Jean-Pierre Mocky die Rolle des Callgirls Gloria, heimliche Freundin der Beamtin Caroline (Claude Jade).
Caroline gibt Gloria als ihre Sekretärin aus, doch ihre gehässige Schwester und die Erbtante wollen sie wegen ihrer Homosexualität enterben.
Glücklicherweise ist da noch der obdachlose Alex (Michel Serrault), der Carolines Erbschaft retten kann. Auf der Filmographie-Seite zu „Bonsoir“ ein Videoausschnitt.
Nach „Bonsoir“ war sie bis zuletzt am Theater zu erleben. Als sie vor zehn Jahren an Krebs starb, nannte Jean-Pierre Mocky sie „eine Schauspielerin von großem Talent, die nicht die Chance hatte, im Vordergrund zu stehen, aber viel im Theater und Fernsehen gemacht hat.“




