Mein Onkel Benjamin DVD

Jacques Brel als Benjamin und – nicht zu vergessen! – Claude Jade als Manette haben mehr Sonne auf unsere Erde gebracht als alle längst verblichenen Sonnenkönige zusammen.“, schrieb Filmkritiker Heinz Hoffmann, als „Mein Onkel Benjamin“ 1972 in den Kinos der DDR seine deutsche Erstaufführung erlebte. Und Renate Holland-Moritz legte im „Eulenspiegel“ nach: „„Zu den großen Vorzügen des Films gehört die Bekanntschaft mit der schönen und hochbegabten Claude Jade, einer Schauspielerin, die auch François Truffaut genügend faszinierte […] .“

In Österreich startete der Film als „Der Mann im roten Rock“ im Kino, in der BRD hatte Édouard Molinaros Film dann Videopremieren als „Mein Onkel Benjamin“ und „Der Frauenheld“.  Nun ist der Filmklassiker bei Pidax als DVD erschienen.
Mehr zum Film hier.

Am 8. Mai pries der „Résistance Republicaine“ den Film als „jedes Mal ein Jungbrunnen, der den Alltag vergessen lässt“ und veröffentlichte einige Ausschnitte und ein Interview mit Claude Jade. Hier der Link
und das Interview:

Jacques Perrin 1941 – 2022

Jacques Perrin und Claude Jade in „Home sweet Home“

Seinen frühen Ruhm als Jungstar der 1960er Jahre nutzte Jacques Perrin, um seine humanistischen Anliegen als Produzent zu verwirklichen. Am 13. April starb der engagierte Schauspieler und Filmemacher im Alter von 80 Jahren.
„Es gibt keine schwierigen Themen im Film. Wenn wir es schaffen, für sie die richtige Form zu finden, werden alle Filme für ein großes Publikum bestimmt sein.“ Jacques Perrin spielte nicht nur mit Claude Jade in Benoît Lamys fulminantem Debütfilm „Home Sweet Home“ ; er war auch Koproduzent des vielleicht nur im Arbeitstitel schwierig erscheinenden Themas: „Traité de savoir-vivre à l’usage des vieilles générations“.

Jacques Perrin (links), Ann Petersen und Claude Jade in „Home sweet Home“

Wer wollte 1973 schon einen Film über alte Menschen produzieren; nicht sexy genug, Leute ins Kino zu locken? Jacqueline Pierreux und Jacques Perrin machten sich stark.

Claude Jade und Jacques Perrin in „Home Sweet Home“ (Trautes Heim)

„Alte Leute inszenieren eine Revolution. Ein Unterhaltung und Sozialkritik geschickt verbindendes Erstlingswerk, ebenso ironisch und heiter im Stil wie originell im Stoff“, lobt das Filmlexikon den Film, der 14 Preise weltweit einheimste.
Produzent wurde Perrin vier Jahre zuvor. Er war bereits ein Star, hatte Auszeichnungen erhalten und war abonniert auf den schönen Unschuldigen. 1969 spielte Jacques Perrin in Costa-Gavras‘ bahnbrechendem Politthriller „Z“ den couragierten Journalisten. Costa-Gavras brauchte einen Produzenten für den brisanten Stoff und Perrin gründete die Firma Reggane. Der Rest ist Filmgeschichte.

Perrin in seiner Lieblingsrolle: als Maxence Françoise Dorléac in „les demoiselles de Rochefort“

„Z“ – Regisseur Costa-Gavras mit Star und Produzent Jacques Perrin

Jacques Perrin und Claude Jade im preisgekrönten „Home Sweet Home“

Claude Jade und Jacques Perrin 2005 in Interviews zu „Home sweet Home“

Fortan produzierte er politisch linke Filme wie „La guerre d’Algérie“ und suchte auch seine Rollen in diesem Genre: In „Der unsichtbare Aufstand“ und „Sondertribunal“ war er sowohl Schauspieler als auch Produzent.

L'honneur d'un capitaine, film 1982, Pierre Schoendoerffer, Jacques Perrin, Nicole Garcia, Charles Denner, Georges Wildon, Claude Jade, Robert Etcheverry, Georges Marchal, Jean-Francois Poron, Christophe Malavoy, Patrick Chauvel, Hubert Gignoux, Jean Vigny, Guerre, Algerie, film de procés,So führte ein weiterer politischer Film erneut Jacques Perrin und Claude Jade zusammen: Pierre Schoendoerffers „L’honneur d’un capitaine“ . Als Anwältin Valouin kämpft sie mit einer Witwe (Nicole Garcia) gegen die Verleumdung eines 25 Jahre zuvor im Algerienkrieg gefallenen Hauptmanns (Perrin). Sie hatten dem Sujet entsprechend keine gemeinsamen Szenen mehr.
2005 ließen sich Claude Jade und Jacques Perrin für die DVD-Veröffentlichung des Meilensteins des belgischen Kinos interviewen. „Home sweet Home“ bleibt es wundervolles Manifest für die Freiheit und die Revolte.

Claude Jade und Jacques Perrin im Trailer zu „Home sweet Home“

Claude Véga 1930 – 2022

Am 11. April verschwand der berühmteste Imitator berühmter Franzosen. Mit einer gewissen Zärtlichkeit wurde er zu ihnen und Véga musste nur an sie denken: Yves Montand, Louis de Funès, Charles Aznavour…

Claude Véga mit Claude Jade in „Domicile conjugal“

Seine Spezialität waren Frauen: Annie Girardot, Maria Callas, Zizi Jeanmaire, Nana Moskouri, Barbara, Alice Sapritch und Delphine Seyrig. Seyrig imitiert er in François Truffauts „Domicile conjugal“ im Fernseher, vor dem Antoine (Jean-Pierre Léaud) und Christine (Claude Jade) sitzen und die Babynahrung von Alphonse essen. Erst jetzt weiß das junge Ehepaar, dass ihr sonderbarer Nachbar, den alle Hausbewohner den „Würger“ nannten, ein Imitator beim Fernsehen ist. Claude Véga war ein Jugendfreund von François Trufffaut und hatte in diesem Film seinen berühmtesten Kinoauftritt. Neben den Imitiationen spielte Claude Véga auch Theater. Nun ist er im ewigen Gedächtnis bei seinen Imitationsvorbildern.

Michel Bouquet 1925 – 2022

Biedere, verklemmte und berechnende Bourgeois, für jene Rollen ist Michel Boquet berühmt, vor allem als Javert in „Die Elenden“ und in Claude Chabrols Abrechnungen mit der Bourgeoisie: Er weckt Verständnis als Stéphane Audrans Ehemann in „Die untreue Frau“ oder ist exzellent verdorben als Audrans Schwiegervater in „Der Riss“.

1976 bietet ihm die Verfilmung von Georges Simenons „Die Glocken von Bicêtre“ eine der wenigen Ausnahmen: Michel Bouquet spielt die Rolle des nach einer Embolie halbseitig gelähmten Verlegers René Maugras.

Michel Bouquet und Claude Jade in „Zwischen Tod und Leben“ (Les Anneaux de Bicêtre)

1976 muss Claude Jade ihre Rolle in Nelly Kaplans Erotikdrama “Néa” absagen, denn ihre Taille hat sich zu sehr verändert: sie ist schwanger. Stattdessen spielt sie nun, parallel zu ihrer Nonne in “Kita no misaki”, die Krankenschwester Blanche in “Les anneaux de Bicêtre“ (Zwischen Tod und Leben).

Ähnlich dem Habit ihrer Nonne ermöglicht ihr die kaschierende Schwesterntracht den Dreh mit einem beeindruckenden Partner: Michel Bouquet. Claude Jade lernt im Hospital Saint-Antoine die genauen Gesten einer Krankenschwester. Vor Drehbeginn erarbeiten die beiden Schauspieler lange an präzisen Details.

Michel Bouquet und Claude Jade in „Les Anneaux de Bicêtre“ (Zwischen Tod und Leben)

Claude Jade beschreibt die Arbeit mit Michel Bouquet in ihren Erinnerungen „Baisers envolés“:
„Michel Bouquet ist äußerst präzise und überlässt nichts dem Zufall. Ich bin sehr beeindruckt von seiner Konzentration und seiner Fähigkeit, so präzise zu arbeiten. Er bereitete sich vollkommen auf die Rolle des Pressemagnaten vor, der plötzlich nach einem Schlaganfall von Hemiplegie und Aphasie befallen ist. Er sagt seinen Text in den ersten zwei Dritteln des Films nur im Voice-over. Wenn die Dreharbeiten stattfinden, ist nichts oder fast nichts wie das, was wir uns vorgestellt haben; die äußeren Beeinträchtigungen sind verwirrend, die Anordnung des Krankenzimmers, in einem Haus wiederhergestellt, ist anders. Doch trotz all dieser Vorgaben passt sich Michel Bouquet an, manchmal macht er das Gegenteil dessen, was er geplant hatte, und er ist dabei großartig. Und er ist zudem ein Mann von perfekter Höflichkeit.“
Fragte man Bouquet in den letzten Jahren nach dem Lauf der Zeit, antwortete er ruhig und ausnahmslos jedem: „Der Tod kommt bald, aber es beeindruckt mich überhaupt nicht.“
Am 13. April ist mit Michel Boquet einer der beeindruckendsten Schauspieler des Französischen Films gestorben.

Letzte Rolle

Claude Jade und Patrick Préjean in „Célimène et le cardinal“

2006 spielt Claude Jade ihre letzte Rolle am Theater und im Film: Célimène in Jacques Rampals „Célimène et le cardinal“.
Das Stück setzt die Geschichte der Helden aus Molières „Menschenfeind“ fort. In Alexandrinerversen begegnen sich hier Claude Jade und Patrick Préjean unter der Führung des 62jährigen Dramatikers Rampal als die 340 Jahre zuvor von Molière mit „Le Misanthrope“ erschaffenen und seitdem unsterblichen Figuren Célimène und Alceste. Das Stück behandelt in erlesener Qualität, unter temporeichen Wendungen und mit exquisitem Humor Themen wie die religiöse Intoleranz, den Fanatismus, die Stelle der Frau in der Gesellschaft, die Erziehung, die Nostalgie der Zeit, die vergeht, und die Ewigkeit dieser beeindruckenden Liebhaber, die Alceste und Célimène sind. „Le Figaro“ schreibt: „Es begeistert vor allem die Freiheit der Schauspieler: Claude Jade, bei der man froh ist, sie wiederzusehen, ist sehr gut als provokante Frau, die mit ihren Finessen Patrick Préjean, den Diener Gottes, durchrüttelt. Er glaubt. Und sie hingegen sprüht. Es ist unmöglich ihr zu widerstehen.“
Claude Jade spielt die Rolle nach der Veröffentlichung als Film auf DVD bis zum 8. August. Sie stirbt am 1. Dezember 2006. Jacques Rampal sagt bei der Trauerfeier: „Ihr Leben endete auf der Bühne, es endete in Schönheit und in einer großartigen Vorstellung. Es war der 8. August. Es war gestern.“
Seit heute in der Filmographie: „Célimène et le cardinal“.

Michel Subor 1935 – 2022

Claude Jade und Michel Subor 1969

„Fotografie ist die Wahrheit. Und Kino ist 24 Mal die Wahrheit pro Sekunde“. Diesen berühmten Satz sagte Michel Subor als Godards „Der kleine Soldat“, ein Film, der erst drei Jahre nach seiner Fertigstellung ins Kino kam.  Um die Wahrheit geht es auch einer weiteren wichtigen Filmfigur in Subors Karriere: als Schwiegersohn eines in Bedrängnis gerateten Agenten – und Ehemann der von Claude Jade gespielten Agententochter – ist er in Alfred Hitchcocks „Topas“ der Journalist François Picard, der einem Mitglied des in Frankreich operierenden sowjetischen Spionagerings „Topas“ die Wahrheit entlockt.


Mischa Sobietsky, Vater Russe, Mutter aus Aserbaidschan, wird 1935 in Paris geboren. Als Anti-Bolschewisten waren sie aus der Sowjetunion nach Frankreich emigriert.  In seiner ersten kleinen Filmrolle spielt er bereits an der Seite seiner späteren „Topas“-Schwiegermutter Dany Robin in „Frou Frou“ einen Restaurantbesucher. Die Hauptrolle in Jean-Luc Godards „Der kleine Soldat“ hätte ihn bereits 1960 berühmt gemacht, doch der Film lag wegen der verschärften Filmzensur zur Zeit des Algerienkrieges bis 1963 auf Eis. Die Stimme von Subor, der 1959 sein Theaterdebüt als Ersatz für Serge Reggiani in Sartres „Die Eingeschlossenen von Altona“ gab, hatte François Truffaut ausreichend verführt, ihn als Erzähler von „Jules und Jim“ einzusetzen.

Dany Robin, Claude Jade, Frederick Stafford und Michel Subor in „Topas“

In der Zwischenzeit war er der Partner von Brigitte Bardot in einer in einer von der Kritik geschmähten Erotikkomödie von Roger Vadim („In Freiheit dressiert“), spielte den tragischen Helden im Deserteursdrama „Ferien in der Hölle“ und war der Liebhaber von Marie-José Nat in Michel Drachs Ehedrama „La vie conjugale“.  1968 wird er von Alfred Hitchcock für „Topas“ engagiert. Er spielt den Ehemann von Michèle (Claude Jade), Tochter des französischen Agenten André Devereaux (Frederick Stafford).

Frederick Stafford (1928-1979) , Claude Jade (1948-2006), Michel Subor (1935-2022)

Michel Subor und Claude Jade: „With a wife like this, one can afford to be modest“

Alfred Hitchcock hat die Romanvorlage geändert, so dass François Picard bereits zu Beginn mit Michèle und ihren Eltern seine Flitterwochen in New York verbringt. Im Roman ist Michèle im ersten Teil noch mit einem amerikanischen Snob verlobt und beginnt gegen den Willen ihres Vaters eine Beziehung mit dem unbequemen Pariser Journalisten. Subor darf so bereits zu Beginn seinem Schwiegervater helfen und hat später die Aufgabe, den „Topas“-Spion Henri Jarré (Philippe Noiret) zu entlarven. Kenner des damals in Frankreich verbotenen Romans rechnen mit François Tod, als Michèle bei einem Blick aus Jarrés Fenster einen Toten auf einem im Hof stehenden Auto liegen sieht.

Claude Jade, Michel Subor

Michel Subor und Claude Jade in Alfred Hitchcocks „Topas“

In Leon Uris‘ Roman „Topas“ wird François ermordet: Seine Mörder locken Michèle aus der Wohnung und klingeln kurz darauf. In der Annahme, Michèle sei zurückgekehrt, öffnet er und wird totgeschlagen. Michèle und ihre Mutter flüchten dann über die spanische Grenze. Bei Hitchcock überlebt François. So kann er Michèle seine Zeichnung des toten Verräters Henri Jarré zeigen – den Nicole als Besucher ihres Liebhabers Jacques Granville erkennt. Hitchock lässt Michel Subor einen markanten Satz sagen, als er angeschossen zu Michèle und ihren Eltern heimkehrt: „„I’ve been shot… just a little.“ Dass reichliche Filmblut auf seinem Hemdärmel ironisiert diesen Satz ebenso wie Michèles Replik: „What do you mean: Not bleeding?“

Dany Robin, Michel Subor, Claude Jade, Frederick Stafford. „What do you mean: Not bleading?“

Als „Topas“ 1969 herauskommt, werden einige Szenen mit Subor werden geschnitten und erst 1999 im Director’s Cut veröffentlicht: Ein amüsanter Dialog mit Michèle über die UNO-Delegierten und die Wildheit der Kubaner, eine Fahrt mit Michèle und André vom Flughafen Orly zum Haus des „Topas“-Chefs Jacques Granville, eine innerfamiliäre Diskussion über ein Duell zwischen André und Granville und schließlich François als Andrés Sekundant beim Duell im Stadion Charléty.

Claude Jade und Michel Subor in Alfred Hitchcocks „Topas“

Parallel zu „Topas“ spielen Claude Jade und Michel Subor Hauptrollen in der sechsteiligen Familiensaga „Mauregard“ und pendeln dafür zwischen Frankreich und Hollywood. Subor ist als Ersatz für den ausgefallenen Jean-Marc Bory. Allerdings haben Claude Jade und Michel Subor in „Mauregard“ keinen gemeinsamen Szenen, da ihre Rollen zeitlich durch 40 Jahre getrennt sind. Claude Jades Rolle von Michel Subors Großtante Françoise wird als gealterte Figur übrigens von einer Schauspielerin gespielt, die ebenfalls mit Alfred Hitchcock gearbeitet hatte: Brigitte Auber als über den Dächern von Nizza balancierende Diebin Danielle aus „To Catch a Thief“.
Michel Subors Karriere verläuft in den 70er und 80er Jahren diskret, bis er 1990 dank Claire Denis ein großes Comeback hat: „Beau Travail – Der Fremdenlegionär“, ein homoerotisches Soldatendrama und zugleich Reminiszenz an Subors großen Erfolg als „Der kleine Soldat“: auch hier heißt er wie bei Godard Bruno Forestier, dessen Geschichte Denis weiterspinnt. Claire Denis arbeitet mit Michel Subor in drei weiteren Filmen („L’intrus – Der Feind in meinem Herzen“, „White Material – Land in Aufruhr“, „Les Salauds – Dreckskerle“) . Nach Subors Tod – er verstarb nach einem Autounfall im Krankenhaus –  schreibt Claire Denis am 17. Januar  „le grand petit soldat est mort“.

Claude Jade und Michel Subor in Alfred Hitchcocks „Topaz“

Dany Robin, Michel Subor, Claude Jade. Topaz

Michel Subor, Claude Jade und Dany Robin in Alfred Hitchcocks „Topas“

Claude Jade und Michel Subor in „Topas“

Link: Galerie Michel Subor und Claude Jade in Alfred Hitchcocks „Topas“

Claude Jade, Michel Subor „Topaz“

Number One (1973) restauriert auf dem 39. Torino Film Festival 2021

 

Luigi Pistilli und Claude Jade in Gianni Buffardis „Number one“

Gianni Buffardis lange verschollener Film „Number One“, der im Mai 1973 in den italienischen Kinos uraufgeführt wurde, läuft in restaurierter Fassung auf dem 39. Torino Film Festival.
Claude Jade spielt Gianni Buffardis Film die französische Schauspielerin Sylvie Boisset, die im legendären Nachtclub „Number One“ verkehrt und die Carabinieri in einem Fall von Kunstraub kontaktiert. So wird sie interessant für die Behörden und auch für einige Kriminelle, denn Sylvie gibt den Ermittlern weitere Hinweise auf den Tod ihrer amerikanischen Freundin Deborah…

Guido Mannari und Claude Jade in „Number one“ von Gianni Buffardi

Chris Avram und Claude Jade in „Number one“

Claude Jade als Sylvie Boisset in „Number one“

Der Nachtclub eröffnet den Film. Bald häufen sich die Verbindungen zum berühmten Club mit mysteriösen Diebstählen von Gemälden, neuen und verstörenden Morden und einer Welt, die zunehmend korrupt und gewalttätig wird. In größeren Rollen sind neben Renzo Montagnani als Polizeikommissar und Luigi Pistilli als Kommandant der Carabinieri sowie Claude Jade unter anderem Guido Mannari, Venatino Venantini, Chris Avram, Howard Ross alias Renato Rossini und Massimo Serato zu sehen.
Bis Ende 2021 war nur wenig über den Film bekannt, den sie zusammen mit „La ragazza di via Condotti“ aufgrund eines Vertrags mit dem Anwalt Claudio Giglioli 1973 in Rom dreht, hier nachzulesen: Zwei Filme in Rom: Number one.

Venantino Venantini, Claude Jade, Chris Avram und Gianni Buffardi bei Dreharbeiten zu „Number One“

Die Stars des Films sind unter Pseudonymen Anspielungen auf tatsächliche Personen des Jetset im „Number One“. So spielt die Rolle des Benny von Chris Avram – im Bild oben mit Claude Jade, Venatino Venantini und Gianni Buffardi während der Dreharbeiten – direkt auf den Filmproduzenten und Playboy Pier Luigi Torri an, der zu jener Zeit mit der Schauspielerin Marisa Mell liiert und mit dieser Affaire ein Star in der Jetset-Klatschpresse war. Torri war ein Symbol des „Number One“ und verschwand rasch nach England, um nach einem Drogenskandal im Nachtclub nicht verhaftet zu werden. Auch „Number One“-Betreiber Paolo Vassallo findet sein Double in Venantino Venantinis Rolle Leo wie auch die Mordopfer: Die an einer Überdosis Heroin verstorbene Amerikanerin Deborah zu Beginn des Films erinnert an die Frau von John Paul Getty Jr, It-Girl Talitha Pol-Getty, und das am Seeufer hingerichtete Paar an Giuliano Carabei (im Film Guido Mannari als Massimo) und das Model Tiffany Hoyveld (im Film von Isabelle de Valvert gespielt), beide 1971 an einem See nahe Rom erschossen aufgefunden.

Der Film von Gianni Buffardi verschwand kurz nach seiner Aufführung, das „Number One“ wurde ein Jahr später nach einem erneuten Drogenskandal geschlossen. Nun tauchten Negative auf und die Cineteca Nazionale ermöglichte mit dem Cineasten-Sender Cine34 eine Restaurierung – unter Beisein vom einstigen Kameramann Roberto D’Ettorre Piazzoli und Antonello Buffardi De Curtis, dem Sohn des 1979 verstorbenen Regisseurs.



Der Film wurde vom Centro Sperimentale di Cinematografia – Cineteca Nazionale in Zusammenarbeit mit Cine34, RTI-Mediaset und Infinity+ restauriert.
Nach einer Vorpremiere am 27. November gibt es am 29. November eine Präsentation in Anwesenheit von Antonello Buffardi De Curtis, Kameramann Roberto D’Ettorre Piazzoli, dem Journalisten, Filmkritiker und Essayisten Alberto Anile, seit Januar 2021 Kurator des Nationalen Filmarchivs des Centro Sperimentale di Cinematografia, Luca Pallanch von der Cineteca Nazionale und Marta Donzelli, Filmproduzentin und seit März 2021 Präsidentin des Centro Sperimentale di Cinematografia.
Der Sender Cine34 wird den Film auch im Fernsehen ausstrahlen.

Laut Festival-Programm läuft „Number One“ in der Sektion „Back to Life“ im Massimo zu folgenden Terminen:
27. November 2021 – 09:30
29. November 2021 – 17:30
30. November 2021 – 12:00

Link zum Festival

Fernsehausstrahlung Cine 34

Der Kanal Cine 34 von Mediaset strahlt den Film aus. Am Donnerstag, 9. Dezember um 21 Uhr und am Freitag, 10. Dezember, um 6:48


Link zur TV-Ausstrahlung  Numer One auf Cine 34

Link zu Artikel zu „Number one“ hier:
zwei Filme in Rom 1973: Number One / La ragazza di Via Condotti

 

Georges Claisse 1941 – 2021

Claude Jade und Georges Claisse in „Porté disparu“

Seine Fernsehkarriere begann Georges Claisse ein Jahr nach seinem Theaterdebut mit seinem Pylade in Alfieris „Oreste“ am Théatre Récamier 1966 mit Nebenrollen an der Seite von Philippe Ogouz in der Serie “Rouletabille“ und neben Claude Giraud in “Das Geheimnis der weißen Masken“.
Der Rue-Blanche-Absolvent hat im Kino prägnante Nebenrollen unter anderem in “Wir werden nicht mehr in den Wald gehen“ (1970) – im Fernsehen folgen gewichtigere Rollen, so im Bergsteigerdrama „Entscheidung in der Wand“ (Mort d’un guide, 1975) und im Dreiteiler “Les Lavandes“ (1976-1978).

Georges Claisse macht neben seinen Hauptrollen in französischen Filmen („Le rendez-vous avec quelqu’un“) und Serien („Les Sesterain ou Le Miroir 2000“, „Le fils du ciel“) auch Karriere im deutschen Kino („Ein für allemal“, 1973) und Fernsehen in Serien wie „Die rote Kapelle“ (1973) und „T.E.A.M. Berlin“ (1989-2000).
Eine spannende Aufgabe gibt ihm 1995 Kinoregisseur Jacques Richard im Fernsehfilm „Porté disparu“: Georges Claisse spielt einen Mann, der als verschwunden galt und nach zwanzig Jahren wieder auftaucht im Leben seiner damaligen Frau Hélène (Claude Jade) und seiner Kinder. Hèlène ist inzwischen neu verheiratet. Bei der Erstausstrahlung hatten die Zuschauer die Möglichkeit, den Fortgang der Handlung über Anrufe selbst mitzubestimmen.

Georges Claisse und Claude Jade in „Porté disparu“ von Jacques Richard (1995)

Georges Claisse, dessen letzte Fernsehrolle 2021 der Maréchal Pétain in Laurent Heynemans „Laval, le collaborateur“ war, starb am 15. November 2021 im Alter von 80 Jahren.

73. Geburtstag Claude Jade – Link zum Film „Le bateau sur l’herbe“

„Le bateau sur l’herbe“ zählt Claude Jade zu ihren liebsten Filmen.
Heute wäre sie 73 Jahre geworden.

John McEnery und Claude Jade in „Le bateau sur l’herbe“

Gérard Brach gab Claude Jade ihre erste Gegenbesetzung als unbedarftes egoistisches Mädchen, das die Freundschaft zweier Männer (Jean-Pierre Cassel und John McEnery) zerstört.
Es war ein sehr intimer Film, der Frankreich bei den Filmfestspielen in Cannes vertrat, aber nur ein Kritikererfolg wurde.
Claude Jade „vereint in ihrem Spiel eine Koketterie und eine Perfidie, die ein junges Mädchen heimsucht, von allen Männern geliebt zu werden – und sei es vom besten Freund des Geliebten.” (La revue de deux mondes)
Als Claude gemeinsam mit Jean-Pierre Cassel ein Jahr nach den Dreharbeiten nach Brasilien fliegt, um dort „Le bateau sur l’herbe“ zu präsentieren, lernt sie einen jungen Kulturattaché der Französischen Botschaft kennen: ihren späteren Mann Bernard Coste.

Hier der komplette Film
Le bateau sur l’herbe

Claude Jade, Jean-Pierre Cassel

Claude Jade, John McEnery

Claude Jade in „Le bateau sur l’herbe“

Jean-Pierre Cassel, Claude Jade, John McEnery

Jean-Pierre Cassel, Claude Jade, Le bateau sur l'herbe, Das Schiff auf der Wiese, The Boat on the Grass, Gerard Brach, cinema francais 1970 1971, festival de Cannes

Claude Jade, Jean-Pierre Cassel

Claude Jade, John McEnery

Le bateau sur l’herbe

Monsieur Seul auf youtube

Seit dem 19. August hat der Kanal Series den Krimi „Monsieur seul“ aus der Reihe „Malaventure“ auf youtube online gestellt.

Monsieur Seul mit Michel Vitold und Claude Jade


Ein Mann Ende 50 (Michel Vitold) schaltet eine Kontaktanzeige als „monsieur seul“, als alleinstehender Herr. Gleichzeitig kauft er eine Kollektion gefälschter Diamanten. Die junge Englischlehrerin Hélène (Claude Jade), eine Waise, bleibt hartnäckig…

Un Homme d’une cinquantaine d’années (Michel Vitold) passe une petite annonce dans le journal : „Monsieur 58 ans, sentimental, revenus confortables, souhaite rencontrer vu mariage jeune femme affectueuse“. Dans le même temps lui achète une collection de faux diamants. La jeune prof d’anglais Hélène Letailleur (Claude Jade) suit son annonce. La jeune femme angélique est orpheline et est attirée par l’homme…



Hier der Link zu „Malventure – Monsieur seul“ auf youtube