Prêtres interdits (Der Abbé und die Liebe / Verbotene Gefühle)
Regie: Denys de La Patellière Buch: Jean-Claude Barreau, François Boyer, Denys de La Patellière Kamera: Henri Raichi Musik: Jean-Michel Defaye, Vivaldi. Produzent: Georges de Beauregard Produktion: Bela, S.N.C. EA: 22.11.1973 DA: 18.07.1986 (DDR) Wdh. 30.03.1988, 16.12.1993 (BRD)
Darsteller: Robert Hossein (Jean Rastaud), Claude Jade (Françoise Bernardeau), Claude Piéplu (Robert Ancely), Pierre Mondy (Paul Lacoussade), Louis Seigner (Bischof), Germaine Delbat (Jeans Mutter), Lucienne Legrand (Françoises Mutter), Georges Audoubert (Françoises Vater), Michèle Watrin (Françoises Cousine), Yves Barsacq, Fabrice Mouchel, Guy di Rigo, Jacques Mignaud, Gil Baladou, Jean Rupert, Claude Bauthéac, Gilette Barbier, François-Régis Marchasson u.a.
Anfang der 70er Jahre will Claude Jade dem Image der reinen Heldin, das mit „Baisers volés“ erschaffen wurde, entfliehen. Ihre Eléonore in „Le bateau sur l’herbe“, ein Mädchen, das durch Zwietracht zwei Freunde entzweit, bricht das Bild auf. Doch François Truffaut schreibt ihr 1972: „Ich hoffe, dass ,Les feux de la chandeleur‘ erfolgreich sein wird, um endlich das Bild aus ,Le bateau sur l’herbe‘ zu löschen und dich wieder als sehr angenehm in die Köpfe der Leute zurückzurufen.“ In „Les feux de la chandeleur“ (Kerzenlicht) ambivalent und in „Home sweet Home“ (Trautes Heim) unsympathisch, erhofft sich Claude mit „Prêtres interdits“ (Der Abbé und die Liebe) erneut einen Bruch mit ihrer Christine Darbon.
Das reinste Gesicht des Französischen Films
« Pour que l’amour du prêtre interdit n’ait pas le visage du péché, il a pris le plus pur visage du cinéma français, celui de Claude Jade. » (Combat, 20 novembre 1973)
« Damit die Liebe des verbotenen Priesters nicht das Gesicht der Sünde hat, wurde das reinste Gesicht des Französischen Films gewählt, das Gesicht von Claude Jade. » (Combat, 20. November 1973)
Als Claude Jade den Film am Tag der Premiere, am 22. November 1973, in der Fernsehsendung „Midi Trente“ vorstellt, ist neben ihrem Filmpartner Claude Piéplu auch der Chansonnier Charles Trénet zu Gast.
Claude bedankt sich bei ihm, da die seinem Lied „Que reste-t-il ne nos amours“ entliehenen Zeilen „Baisers volés“ ihr Glück gebracht hatten. Auf Trénets Frage, was sie in ihrem neuen Film spiele, entgegnet Claude lachend: „Ich bin wieder diejenige, die Zwietracht säht.“
Sicher, auch hier entzweit sie wie in „Le Bateau sur l’herbe“ zwei Männer, zwei befreundete Priester, um ihren Anspruch auf Glück geltend zu machen – macht dem einen unnachgiebig den Hof und weist den anderen mit dessen hohlem Zölibatsgerede in seine Schranken; doch Claude Jade bleibt die saubere Heldin und untermauert das Bild, das Truffaut manifestiert hat. „Um der Liebe des suspendierten Priesters nicht das Gesicht der Sünde zu geben, wurde das reinste Gesicht des Französischen Kinos gewählt, nämlich das von Claude Jade“, schreibt der Kritiker von „Combat“.
Als Claude ihm im Sommer 1973 von ihrer Besetzung berichtet, schreibt François Truffaut am 9. Juli aus Los Angeles:
„Meine kleine Claude,
ja, du bist immer meine kleine Claude, aber wegen deines so liebevollen Briefes hatte ich letzte Nacht einen sehr schlechten Traum. An einer Bar traf ich Robert Hossein und auch Alex Joffé, der mir sagte: ‚Ich drehe einen Film mit Robert als Priester in der Résistance’. Ich sagte: ,Halt, ich dachte, La Patellière würde den Film drehen’.
– Ja, aber er ist abgewiesen worden und ich ersetze ihn.
– Aber mit der kleinen Claude Jade werden Sie doch drehen?
– Äh… nein, wir haben uns gestern entschlossen, auch sie umzubesetzen.
Du siehst, dieser Traum war unangenehm und er wäre Gold für einen Psychoanalytiker – ein Filmemacher, der umbesetzt wird! Also schreibe mir bitte einen langen Brief, mit dem du mich beruhigen wirst und mir deine Arbeit schilderst; das würde mir große Freude bereiten, denn ich denke ständig an dich.
Ich arbeite hart, sehr hart, 6 Stunden Englisch jeden Tag. Ich bedaure es sehr, dich nicht gesehen zu haben. Es war so ein Wirbel in Cannes… Ich werde sicherlich bis zum 10. August hier bleiben. Ich sah den großen Hitchcock, der einen neuen Film vorbereitet. Das Universal-Studio hat sich sehr verändert wegen der Touristen, die dort den ganzen Tag herumlaufen und sehr viel Geld ausgeben. Ich sah auch oft den alten und ermüdeten Renoir, tapfer genug jedoch, um seine Memoiren einer Sekretärin zu diktieren.
Ich umarme dich ganz heftig, meine kleine Claude, ich wünsche dir glückliche Dreharbeiten mit dieser so guten Persönlichkeit, die du da kreieren wirst; schreibe mir schnell,
françois“
Truffauts Alptraum erfüllt sich nicht: Claude Jade wird die Rolle spielen, zu Beginn ein Schulmädchen, das auf seine Gefühle beharrt und sich zu einer selbstbewussten jungen Frau entwickelt. Und auf dem Plakat prangt über den Gesichtern der Hauptdarsteller der Slogan: „Eine außergewöhnliche Liebe gegen alle Heucheleien“ Ein irreführender Leitsatz für einen tragisch endenden Film, der die Kirche, die mit den Faschisten paktierte, anklagt und seinen Helden, einem ungewöhnlichen Paar in schwerer Zeit, ein Denkmal ohne Trost und Hoffnung ist.
In „Prêtres interdits“, zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielend, schildert Autor Jean-Claude Barreau seine eigene Geschichte des suspendierten Priesters, der sich für die Ehe entschied, während Denys de La Patellière an der Volksfront kämpfte. Beide vereinen sich in der Rolle des Abbé.

„Prêtres interdits“ mit Robert Hossein, Claude Jade und Claude Piéplu hat seine Premiere am 22. November 1973
Bande annonce „Prêtres interdits“ – Trailer

Robert Hosseins Lebensgefährtin Michèle Watrin (1950-1974) mit Claude Jade zu Beginn des Films „Prêtres interdits“
Frankreich 1936: Die 18jährige Pariserin Françoise (Claude Jade) verbringt die Ferien auf dem Lande. Bei einer Radtour mit ihrer Cousine (Michèle Watrin) stürzt Françoise. Der herbeigeholte Abbé Jean Rastaud (Robert Hossein) bringt sie in sein Haus, wo er das Mädchen gemeinsam mit dessen Cousine und seiner Mutter (Germaine Delbat) verarztet. Françoise schämt sich, ihr Bein zu entblößen, doch ihre Blicke zwischen Scheu und Faszination nehmen vorweg, was unausweichlich ist: Françoise verliebt sich in den Katholiken, der mit den Kommunisten sympathisiert und sein Motorrad in seiner schwarzen Kutte repariert. Die Ölflecken auf der Soutane stören ihn nicht: „schwarz auf schwarz“. Rastaud, der den Reden Maurice Thorez’ im Radio zujubelt, zeigt sich besorgt, als Françoise weint. Doch die entgegnet mit verliebtem Blick: „Ich muss nur wegen des Branntweins heulen.“

Le genou de ̶Cl̶̶a̶̶i̶̶r̶̶e̶ Françoise – vu par Denys de La Patellière: „C’est l’eau de vie qui me fait pleurer. J’ai pas l’habitude.“ Claude Jade antwortet auf Robert Hosseins besorgte Reaktion auf ihre Tränen in der deutschen DEFA-Synchro mit der authentischen Stimme von Gabriele Streichhahn: „Ich muss nur wegen des Branntweins heulen.“
In den ersten Szenen des Films tritt Michèle Watrin in ihrem ersten und letzten Kinofilm auf. Watrin, geboren 1950, hatte bereits eine Hauptrolle in der Serie „La mer est grande“, in der sie die Verlobte eines Marineoffiziers (Yves-Marie Maurin) spielte.
Sie hatte ihre Karriere bei Robert Hossein am Théâtre populaire in Reims begonnen und wurde Hosseins Lebensgefährtin.
In „Prêtres interdits“ muss sie sich als Cousine etwas linkisch anstellen und wird von Rastaud zurechtgewiesen, endlich was zu tun. Hossein plante, seine Verlobte im Stück „Hernani“ am Théâtre Marigny zu besetzen.
Im August 1974 kommt sie bei einem Autounfall als Fahrerin auf der A7 in der Nähe von Valence ums Leben – ihr zukünftiger Ehemann Robert Hossein ist Michèle Watrins Beifahrer. Er überlebt.
Jean bringt Françoise zu ihrer Familie. Während der Fahrt schmiegt sich das Mädchen an den Priester und jubelt, dass sie von seinem Branntwein „völlig betrunken“ sei. Da Robert Hossein keine Motorradlizenz dabei hatte, klammert sich Claude in der Totalen an sein Double, einen Stuntman. Für Nahaufnahmen sitzen beide auf einem Lastwagen – einer voiture-travelling – mit Wind im Haar; das Motiv, untermalt von Vivaldi, wiederholt sich im Film.
Claude Jade kann man hier tatsächlich für eine Achtzehnjährige halten, die ihre erste Liebe entdeckt. Für den Kritiker des Filmspiegel wirkt sie wie eine 16jährige, von einer 26jährigen gespielt. Tatsächlich wird Claude Jade zwischen Dreh im Sommer und der Premiere im November gerade 25. Glaubwürdig ist ihre Darstellung einer Adoleszenten, die sich im Laufe der Handlung – von 1936 bis 1943 – zur selbstbewussten Frau und jungen Mutter entwickelt, auf jeden Fall. Ermutigt wird diese Reifung auch durch den unkonventionellen Priester.
Als Jean sie gegen die Vorwürfe ihrer Eltern verteidigt, ist ihr Blick bereits von sanfter Bewunderung. „Wozu dieser Ausflug“, klagt Monsieur Bernardeau (Georges Audobert), unterstützt von seiner Frau (Lucienne Legrand), die einstimmt: „Gott hat sie bereits genug bestraft“. Jean beeindruckt die junge Frau, als er sagt, wie machten Gott nur allzu gern für unsere kleinen Sünden verantwortlich.
Ermutigt, besucht Françoise ihn wiederholt in der Kirche. Der Priester ist verwirrt und kann Françoises Anwesenheit nicht mehr ignorieren.
Der Film erzählt dieses Verlieben mit Gegenschnitten auf Robert Hossein in seinem Haus und Claude Jade in den Feldern – in Verbindung mit der Musik von Vivaldi, zeigt Henri Raichis Kamera einen appetitlosen Jean, eine hoffnungslos in der Nähe der Kirche stehende Françoise, Traurigkeit brennt sich in beider Mimik ein.
Später beobachtet Françoise den Abbé beim Handballspiel mit seinem Kollegen Ancely und Schülern und macht dabei Photos des Mannes, in den sie sich verliebt hat. Jean unterbricht das Spiel: „Etwas unscharf, ihre Ferienerinnerungen“, meint er und erklärt ihr den Umgang mit der Kamera. Er fotografiert nun die anderen Spielenden, die gewiss nicht das Ziel von Françoise waren.
Die Zärtlichkeit ihrer Blicke entgegen Robert Ancely (Claude Piéplu) nicht, der sich zu dem Paar gesellt.
Ancely konfrontiert Françoise sogleich mit „Mademoiselle sind katholisch?“ und auf ihre Bestätigung und Verunsicherung will er ihr Bier in die Limonade geben. Noch reagiert Françoise eingeschüchtert.

Später bietet er der Radfahrerin an, dass sie sich am Autofenster festhalten könne. Sie bemüht sich mit der Frage, ob er Jean schon lange kenne („seit meiner Kindheit“) um etwas Frieden, doch fragt dann: „Er wollte schon immer Priester werden?“ Ancely: „Verwundert oder stört Sie das?“. Françoise entgegnet kühl und bestimmt: „Danke, ich fahre allein weiter.“
„Ich bin dabei, ein Sakrileg zu begehen.
Ich liebe einen Priester.“
„Auch körperlich?“
„Ja, und ich möchte seine Frau sein.“
„Das ist vermessen.“
„Ich weiß, aber es ist stärker als ich.“
„Haben Sie es ihm bereits gestanden?“
„Ich bin gerade dabei es zu tun.“
Bei den Dialogen zwischen Jean und Françoise greift der Essayist Jean-Claude Barreau auf seine eigenen Erfahrungen zurück. Er ließ sich 1971 suspendieren, um seine große Liebe Ségolène zu heiraten. Im Film sträubt sich Jean bei einem Treffen, es habe bereits Frauen vor ihr gegeben, doch sie hätten dann irgendwann aufgegeben. Adieu, Françoise.
Doch sein Priesterkollege und Freund Ancely, an dem Jean bemerkt , er verhalte sich wie eine eifersüchtige Frau, wird Françoise empfangen.
Es treffe sich gut, da er ebenfalls mit ihr reden müsse und bereits wisse, was sie wolle und die Antwort sei recht simpel: „Vous allez foutre le camp.“ (Sie werden sich verpissen / in der deutschen Synchro: Sie werden das Feld räumen!). Im Disput, als Françoise fragt, ob so ein Priester reden dürfe, weiß Ancely „Ein Priester darf nicht ‚Sie werden sich verpissen!‘ sagen, aber er kann jederzeit mit Ihnen schlafen, wenn es ihm Spaß macht.“ Einer Caprice wegen bringe sie ein Priesterleben in Gefahr. „Nicht einer Caprice wegen. In den letzten Ferien hat er mich überhaupt nicht bemerkt. Ein ganzes Jahr lang habe ich nur an ihn gedacht. Sie ahnen nicht, was ich in den letzten Monaten durchgemacht habe. Ich musste mit ihm reden, es ging nicht anders.“ Wenn sie ihn wirklich liebe, müsse sie verschwinden, sofort, bevor es zu spät ist. Françoise schleudert ihm ein Danke entgegen – und ergreift erneut die Initiative.

„Robert Hossein, ce n’est pas mal, hein?“ Claude Jade spricht 2001 in der Allocine Talkshow auch über „Prêtres interdits“
Fast 30 Jahre später, in einer ihrer Karriere gewidmeten Sendung in Franck Kellers „Allocine Talkshow“, wird Claude Jade auf diese „joli perle dans votre filmographie“ angesprochen und dass Robert Hossein das Idol der Demoiselles jener Epoche gewesen sei.
„Robert Hossein, ce n’est pas mal, hein“, freut sich Claude Jade. Franck Kellers Anmerkung „un film osé“ kann sie nicht bestätigen, denn „gewagt“ sei der Film nicht. Dass Claude Jade eine wunderschöne Liebesszene mit dem einstigen Joffrey de Peyrac aus den „Angélique“-Filmen hat, bringt sie in die Nachfolge berühmter Fimpartnerinnen von Hossein, neben Michèle Mercier immerhin auch Marina Vlady, Catherine Deneuve, Michèle Morgan, BB, Annie Girardot, Anna Karina…
Die Kamera fährt über den Waldboden, wo wir den bekannten bunten Rock von Françoise sehen, hin zu einer Großaufnahme von Françoise, die von Jean entjungert wird.
Zu Vivaldis „Frühling“ umkreist die Kamera das Paar in seinem Taumel eines schönen Traums von Freiheit.

Für die Fahrten von Robert Hossein und Claude Jade auf dem Motorrad verwendet Regisseur Denys de La Patellière ein voiture-travelling

„La motarde de Dijon“ (Luce Garcia-Ville 1967 über Claude Jade) sechs Jahre nach „Les oiseaux rares“ nur zum Schein auf einem Motorrad.
Was auf die Außenstehenden wie die Caprice eines jungen Mädchens erscheint, erweist sich als aufrichtige Liebe und Claude Jades Wandlung vom schwärmerischen Mädchen zur selbstbestimmt ihre Liebe verteidigenden Rebellin ist sauber komponiert. Als Françoise ein Kind erwartet, verlangt der Bischof (Louis Seigner) Stillschweigen und schickt das Mädchen zu seinen Eltern nach Paris. Sie habe Jean mit ihrer eigensinnigen Verfehlung vom Wege abgebracht. Die erst jetzt verunsicherte Françoise möchte nun auf Jean verzichten, seine Laufbahn als Priester nicht gefährden. Doch Jean – vom kommunistischen Bürgermeister Lacoussade (Pierre Mondy) ermutigt – lässt sich suspendieren und eröffnet einen Weinhandel.
Françoise hat sich ein wenig zurückgezogen und Jean besucht sie in Paris, wo er im Bus zu ihr steigt.
Françoise erwartet ein Kind. Sie hat sich entschieden, in die Bretagne zu Verwandten zu reisen und dort auch niederzukommen. Sie werde georchen und sie folge den Anweisungen in Demut. Sie werde das Kind in Obhut überlassen, bis sie 21 und volljährig ist. Jean will Françoise heiraten und er bewundert ihre Stärke. „Du hast dich verändert, Françoise“ – „Ich weiß“, stimmt Claude Jade zu.
Jean weiß, dass er mit Françoise eine Familie gründen will.
1942 lebt Françoise mit ihrem Kind bei Freunden in Corrèze. Jeans Kollege hat sich ebenfalls suspendieren lassen und wirft dem Bischof, der Jean aus der Kirche entlassen hat, vor, dass Papst Pius XII es zulässt, dass Kommunisten erschosssen und Juden deportiert werden. Als Françoise Jean in Bort-les-Orgues treffen will, telefonieren sie vor dem Treffen. Françoise wird bei einem Fliegerangriff getötet, das Kind wird ihren Eltern zugesprochen. Jean schließt sich der Résistance an. Als er mit Ancely und Lacoussade Maquisards, Widerstandskämpfer gegen die deutschen Besatzer, bei Perpignan nach Spanien bringt, wird er von der Gestapo verhaftet und als Kommunist von Faschisten erschossen.

Françoise stirbt bei einem Fliegerangriff, der suspendierte Priester Jean wird als Kommunist hingerichtet.
„Ein Film, der Königin Margot zum Weinen brächte“, schreibt ein Kritiker.
Beileibe nicht jeden überzeugt der Film. Die guten Absichten des Autors, der dem „Tagebuch eines Landpfarrers“ etwas von „Don Camillo“, nichts von „Rom, offene Stadt“ und sehr viel von „Love Story“ hinzufügt, seien zugleich die Pflastersteine zu einer Hölle der Flachheit, urteilt „Cinéma“. Und „Positif“ wirft den Drehbuchautoren vor, sich einem politisch-bigotten Ratatouille zu widmen. Das deutsche – katholische – Fachblatt Filmdienst nörgelt: „Ein boulevardmäßig vereinfachendes Melodram, das mit belehrendem Unterton daherkommt.“
Als Claude Jade den Film am Tag der Premiere gemeinsam mit Claude Piéplu bei Danièle Gilbert in deren Fernsehsendung „Midi Trente“ vorstellt, ist sie erfreut, den Kollegen wiederzusehen. Mit Claude Piéplu hat Claude Jade drei gemeinsame Szenen – in denen zeigt sie jenseits von Mädchencharme Trotz und Stolz. Bewundernd nennt sie Piéplu 2006 bei dessen Trauerfeier einen „Bildhauer der Worte“.
In „Midi trente“ kommt Piéplu der Bitte, die hehre Moral dieses Films zu erläutern, amüsiert nach: „Dass Claude Jade vom Fahrrad fällt und Robert Hossein ihr Knie sieht. Die Moral der Geschichte ist: wäre Claude nicht mit dem Rad gestürzt, wären die Dinge sicher weniger kompliziert verlaufen.“

Claude Jade und Claude Piéplu präsentieren den Film am 22. November 1973 bei Danièle Gilbert in „Midi Trente“. Zu Gast ist auch Charles Trenet.
Kritikspiegel:
„Denys de La Patellière zögert nicht, Schauspieler zu besetzen, die bereits sehr geprägt sind. Robert Hossein und Claude Piéplu zwingen sich zu ihren Priestern. Um für die verbotene Liebe des Priesters nicht das Gesicht der Sünde zu verwenden, nahm er das reinste Gesicht des Französischen Kinos, das von Claude Jade. Nichts scheint hässlich; er verwendet zarte poetische Bilder, schwelgend in der Musik von Vivaldi.“ (Le Combat, 20. November 1973)
„Verbotene Priester ist ein populärer Film, der Akzente setzt und bemerkenswert mit einem Robert Hossein in seiner wohl besten Rolle. Claude Jade ist sehr lieblich als die verbotene Frucht..“ (Aurore, 24. November 1973)
„Die tragische Geschichte eines ungewöhnlichen Liebespaares… erzählt neben der schicksalhaften Verstrickung der Liebenden das Bild eines Priesters, der die Herausforderung seiner Gefühle mit radikaler Konsequenz annimmt, im Strudel der Ereignisse um die Französische Volksfront. Diesen Abbé spielt Robert Hossein, der so häufig den miesen Ganoven, den brutalen Gangster verkörpert hat. Hier ist es eine Rolle, die ihm die Darstellung menschlicher Größe und glaubhafter Gefühle abverlangt. Seine Partnerin ist Claude Jade – die 26jährige wirkt wie ein gerade 16jähriges Schulmädchen. “ (Filmspiegel, 1986)
Einig sind sich die Kritiker hinsichtlich der Besetzung.
So schreibt „Image et son“: „Man muss sich nicht auslassen über den Stil von La Patellière, der leider an die schlechtesten sowjetischen Produktionen von früher mit dem Missbrauch elektrischer Zooms, dem Wirbeln und den langweiligen Schüssen und Gegenschüssen erinnert. Denn die Leistung der Schauspieler ist hervorragend, die Nüchternheit, die Genauigkeit des Tons und die Einstellung der drei Protagonisten ist unleugbar exzellent.“
So superb ihr Spiel, gehört der Film von Denys de La Patellière einer vergangenen Epoche an – und ist zugleich sein letzter fürs Kino.
1973 entsteht „Themroc“, in dem die Schauspieler sich grunzend artikulieren; „Die Mama und die Hure“ und „Das große Fressen“ entfachen in Cannes Skandale. Es ist das Jahr, in dem die Anfängerinnen Miou-Miou und Isabelle Huppert von Claudes früherem Mitschüler Gérard Depardieu in „Les valseuses“ flachlegt werden. Sich selbst verortet sie Mitte der 70er Jahre bedauernd zwischen zwei Generationen von Schauspielern: „Selbst wenn ein Gérard Depardieu mein Alter hat, glaube ich, dass die Produzenten uns nicht in der gleichen Façon sehen.“

„Bourgeoise, moi?“, protestiert Claude Jade 1973 im Titel eines Berichtes in der Zeitschrift „ELLE“ . „Claude Jade, das ist die Sainte Jade mehr denn je. Aber ist das auch die wahre?“ fragt René Bernard hier bezüglich ihres letzten Films „Prêtres interdits“. Claude Jade kann darauf verweisen, dass Françoise die bourgeoise Tochter eines reichen Industriellen sei und sowohl ihre eigenen Eltern als auch ihre Schwester Lehrer seien. René Bernard beschreibt dabei ein Lächeln, in dessen Ecke eine gewisse maliziöse Bosheit zu bemerken ist. Eine Fotomontage Claude Jades in sechs verschiedenen Kostümen bleibt den Rollenwandel schuldig. Zustimmung erhält sie für ihre strenge Pflegerin in „Home sweet Home“ und Claude Jade erklärt, dass sie die Rollen exaltierter oder leichtsinniger Frauen spielen will, die undankbaren, die hässlichen… Kurzzeitig wird dieser Wunsch ein Jahr später für zwei Kinofilme erhört und verwirklicht.
„Prêtres interdits“ lief als „Der Abbé und die Liebe“ erstmals 19986 im deutschen Fernsehen und 1988 als Wiederholung in einer Robert-Hossein-Filmreihe.
Ausschnitte aus der DEFA-Synchronfassung, in der Michael Telloke für Robert Hossein, Gabriele Streichhahn für Claude Jade und Roland Hemmo für Claude Piéplu sprachen.
Kurz vor dem 50. Jahrestag ist bei Coin de mire cinéma die DVD der durch die Studiocanal und das CNC 2023 restaurierte Fassung erschienen:

Fiche cinéma „Prêtres interdits“

























































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