Emmanuelle Riva

Emmanuelle Riva und Claude Jade 1971

Emmanuelle Riva und Claude Jade 1971

Emmanuelle Riva in "Hiroshima mon amour" (1959) und "Liebe" (2012)

Emmanuelle Riva 1959 in „Hiroshima mon amour“ und 2012 in „Liebe“

riva-emmanuelle-couleur-actriceDiskretion und Bescheidenheit zeichneten die Schauspielerin Emmanuelle Riva aus, die gestern im Alter von 89 Jahren gestorben ist. Wie Claude Jade war sie trotz ihrer Popularität und ihrer beständigen Bedeutung für die Nouvelle Vague nie ein Glamourstar.
Ihre Krebserkrankung hielt Riva geheim, wie es auch Claude Jade tat, als sie noch in voller Schönheit – 58 Jahre jung – in ihrer letzten Rolle auf der Bühne stand. Beide hatten am Ende ihres Lebens Pläne für neue Rollen.
In ihren Anfängen hatten beide die Camille in Alfred de Mussets „On ne badine pas avec l’amour“ erarbeitet: Claude mit 18 in der Klasse von Jean-Laurent Cochet, Emmanuelle mit 26 Jahren beim Vorsprechen an der Schauspielschule, wo sie von Claudes späterem Stammregisseur Jean Meyer unterrichtet wurde.
Der Musset-Titel „Mit der Liebe spaßt man nicht“ steht für die zwei wichtigsten Filme in Emmanuelle Rivas Karriere: „Hiroshima mon amour“ von Alain Resnais und „Amour“ (Liebe) von Michael Haneke.

Zwei Musen der Nouvelle Vague

Zwei Musen der Nouvelle Vague: Emmanuelle Riva und Claude Jade

riva-emmanuelle-portraitEmmanuelle Rivas Schauspielkarriere begann mit 29. Sie war 32, als sie von Resnais für „Hiroshima mon amour“ entdeckt wurde. Riva erfüllte die Rolle der Schauspielerin, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan dreht und deren Liebe zu einem japanischen Ingenieur von Kriegserfahrungen überschattet wird, mit Leben und Trauer. Riva wird unsterblich als jene Frau, die von der Erinnerung an ihre Liebe zu einem deutschen Besatzungssoldaten (Bernard Fresson) eingeholt wird – und an die Schande, als sie nach dessen Tod in Nevers als Kollaborateurin kahlgeschoren wird. Sie: „Hiroshima, das bist du.“ Er: „Und du bist Nevers. Nevers in Frankreich.“
Sie wurde weltweit für ihre Leistung gefeiert und blieb schwierigen Rollen in humanistischen Filmen verbunden. Die „Thérèse Desqueyroux“ in Georges Franjus gleichnamigem Film brachte ihr 1962 den Coppa Volpi in Venedig, doch Emmanuelle Riva betrat nie den Mainstream, erhielt im Kino nur noch Nebenrollen und drehte seit Beginn der 70er Jahre fast ausschließlich für das Fernsehen.

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Nach einer späten Nebenrolle als senile Mutter in Kieślowskis „Drei Farben: Blau“ gab ihr Michael Haneke 2012 die weibliche Hauptrolle der sterbenden Frau von Jean-Louis Trintignant in „Liebe“ (Amour). Für ihre Anne, die am Ende mit dem Kissen erstickt wird, erhielt sie neben dem César, dem Europäischen Filmpreis, dem British Academy Film Award und weiteren Auszeichnungen eine Oscar-Nominierung.  Sie ist damit die älteste Schauspielerin, die je für diesen Preis nominiert wurde. Claude Jade hatte davon geträumt, einmal „une vieille dame, ‚indigne‘ de préférence“ zu spielen. Dieser Traum hat sich für Emmanuelle Riva erfüllt. Und sie hinterlässt zwei unsentimentale Manifeste an die Liebe.

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Wie unsentimental auch ihre Gedichte sind und ihre Interpretation, zeigte Emmanuelle Riva im April 1971, als sie zusammen mit Claude Jade Stargast in Philippe Bouvards Fernsehsendung „Samedi Soir“ war. Hier zum Samstagabend als kleine Hommage an Emmanuelle Riva ein Ausschnitt aus der Sendung mit zwei gefeierten Schauspielerinnen, deren Tugenden neben großem Talent Diskretion und Bescheidenheit waren.

 

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