L ile aux trente cercueils – Die Insel der 30 Tode

Claude Jade in „L’île aux trente cercueils“ (Die Insel der dreißig Tode)

L’ILE AUX TRENTE CERCUEILS    (Die Insel der dreißig Tode)

TV-Serie 1979 Regie: Marcel Cravenne  Buch: Robert Scipion, nach dem Roman “Die Insel der dreißig Särge” von Maurice Leblanc  Kamera: Albert Schimel Musik: David Aubriand, Karl Schäfer  Schnitt: Monique Chalmandrier, Christine Monge Ausstattung: François Comtet  Produzenten: Cyril Grize, Pierre Darçay  Prod.: Pathé Cinéma, Antenne2, R.T.B.F, S.S.R. EA: 21.09.1979 DA: Juni-August 1996

Darsteller: Claude Jade (Véronique d’Hergemont), Jean-Paul Zehnacker (Alexis Vorski), Yves Beneyton (Philippe Maroux), Pascal Sellier (François/Éric), Georges Marchal (Antoine d’Hergemont), Julie Philippe (Elfriede), Marie Mergey (Honorine), Peter Semler (Otto), Jean-René Grossart (Conrad), Edith Perret (Gertrude Archignat), Pierrette Thévenon (Clémence Archignat), Dominique Marcas (Sidonie Archignat), Armand Babel (Corréjou), Jean Le Mouël (LeGoff), Jean-Claude Jay (Chefarzt in Besançon), Jean Bollery (Capitaine Lefore), Jean-Pierre Moreux (Joseph, der Diener), Paula Dehelly (Mutter Oberin), Alain Guhur (verletzter Soldat), Xavier Pineau (Hirtenjunge), Madeleine Rohan (die alte Bretonin), Yvette Harmonic (die junge Bretonin), Paul Rieger (der Dorfpolizist), Elisabeth Rambert (François’ Kindermädchen), Martine Chopy, Claudine Delvaux (Véroniques Kolleginnen in Besançon), Catherine Chevallier (Yannick), Jean-Michel Kindt (Joel), Brigitte Guhur, Christian Heliou, Marcel Ory, Guy Parigot, Roger Guillo,  Pierre Lizee u.a.

Gothic-Thriller-Abenteuerserie: 1917. Véronique d’Hergemont (Claude Jade) entdeckt in einem Stummfilm an der Tür einer Hütte ihre Initialien. Véronique hielt sich 14 Jahre auf der Flucht vor der eigenen Vergangenheit versteckt. Nun folgt sie den seltsamen Zeichen in die Bretagne zur Insel Sarek, der „Insel der dreißig Särge“.
Grausige Prophezeiungen sagen voraus, dass mit Véroniques Ankunft die 30 Bewohner der Insel dem Tode geweiht sind. Und sie erfüllen sich: ein Massaker auf See, Kreuzigungen… Véronique stellt sich den unheimlichen Mächten.

„Die Insel der dreißig Särge“, bei der deutschen Erstausstrahlung „Die Insel der dreißig Tode“ betitelt, hielt in Frankreich Generationen an Fernsehzuschauern in Atem.

Die neben der Christine in den Truffaut-Filmen bedeutendste  Rolle ihrer Karriere hätte Claude Jade fast nicht erhalten, weil sie als „zu jung“ galt.

„Mitten im Herzen der Bretagne liegt das malerische Dörfchen Fauoet. Dort fuhr an einem schönen Maimorgen ein Wagen ein, dessen Insassin von so großer Schönheit und so vollkommener Anmut war, dass auch das weite graue Kleid und der dichte Schleier diesen Eindruck nicht verwischen konnten.“ So beginnt Maurice Leblancs Roman „Die Inse der dreißig Särge“.

1914 als Fortsetzungsroman veröffentlicht, bewegt sich die Geschichte zwischen Schauerroman und Historienroman mit politischem Bezug. Eine Heldin erlebt zahlreiche Prüfungen, eine mysteriöse Kraft entfesselt die Elemente und verbreitet Angst und Schrecken. Eine uralte Prophezeiung erfüllt sich, nach der die dreißig Klippen bald zu den dreißig Särgen der dreißig Bewohnern der Insel Sarek werden und vier Frauen gekreuzigt werden… Die Heldin Véronique d’Hergemont folgt seltsamen Hinweisen auf die verfluchte Insel. Abgeschiedenheit, stürmische Winde, Morde, unterirdische Gänge, undurchsichtige Nebel, ein Schatz, von der Flut ausgehöhlte Höhlen, verfallene Häuser …
Alles in diesem Roman ist auf einen Höhepunkt ausgerichtet, der ihn zu einem besten Spannungsromane der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts macht, die vor dem Hintergrund der turbulenten und düsteren Zeiten, die ganz Europa durchlebt, geschrieben wurden.

„Sie ist die vierte Frau!“ Die Archignat-Schwestern und Véronique d’Hergemont

Auf die „vier Frauen am Kreuz“ folgt die „Auferstehung“. Was Vorski für ein Wunder des „Gottesteins“ der Prophezeiung hält, ist Maurice Leblancs geistreiches Spiel mit Bibel-Mythen wie „Im Angesicht der Mutter erschlägt Abel Kain“. Szenen aus „L’île aux trente cercueils“

Wie der Roman fesselt auch die Miniserie von den schaurigen Abenteuern der Véronique d’Hergemont. Die Initialien „V.d’H.“ prägen sich in der Verfilmung bei Generationen von Fernsehzuschauern ein.

Die Rolle der Véronique, eine junge Aristokratin, die sich nach einer Reihe von Unglücksfällen auf einer unheimlichen Insel wiederfindet und mit grausigen Verbrechen konfrontiert wird, ist verlockend. Zumal ihr der Theaterregisseur Jean Meyer, bei dem sie in sechs Stücken spielte, gesagt hatte, dass eine Schauspielerin nie so schön sei wie mit dreißig Jahren. Beim Vorsprechen eine Ablehung: Claude Jade sei entschieden zu jung, erklärt ihr der Regisseur Marcel Cravenne und als sie sein Büro verlässt, fällt ihr im Vorzimmer eine etwas ältere Schauspielerin von skulpturaler Statur auf. Doch sie will die Rolle unbedingt und ähnlich wie bei „Mon oncle Benjamin“ insistiert sie auf erneute Probeaufnahmen, steckt sich den mädchenhaften Pferdeschwanz zu einem strengen Dutt, senkt die Stimme – und überzeugt die Produktion, die Rolle mit ihr zu besetzen. Cravenne hatte bereits einige schlimme Erfahrungen mit Jean-Pierre Léaud hinter sich. War schon der Versuch Truffauts, seinen Schützling mit „Les deux anglaises“ jenseits von Antoine Doinel zu besetzten, gescheitert, hatte sich Léaud bei der Arbeit zu Cravennes „Erziehung des Herzens“ 1972 Feinde gemacht. Der ständig betrunkene Léaud, der seinen Text nicht konnte und dazu alle und jeden am Set als „Faschisten“ beschimpt hatte, wurde regelrecht gehasst. Nur Cravenne hatte mit ihm Geduld. Die beweist der mittlerweile 70jährige auch bei diesem ebenso unheimlichen wie episch ruhig erzählten Grusel-Abenteuer, dessen Dreharbeiten fünf Monaten dauern werden. „Er war immer sehr liebenswürdig und oft schmeichelhaft“, erinnert  sich Claude Jade an Cravenne.

Die Adaptation ist weitaus komplexer als die Vorlage und hat eine ausführliche Einführung in die verhägnisvollen und patriarchalischen Beziehungen der Figuren, die zugleich die toxische Männlichkeit behandeln: ein autoritärer Vater, der seine Tochter verstößt, weil diese zuerst der Faszination eines größenwahnsinnigen Grafen erliegt und von diesem schwanger wird und zur Ehe erpresst wird. Den in sie verliebten Studenten Philippe Maroux, einen Schüler ihres Vaters, übersieht Véronique dabei fast.

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Die Abenteuerserie beginnt mit einer Nachricht, die der Krankenschwester Véronique 1917 von einem Hauptmann überbracht wird. Ihr Mann, der Graf Alexis Vorski, vor dem sie sich seit vierzehn Jahren versteckt hält, sei tot aufgefunden worden. Nur anhand seiner Papiere habe man den von Wölfen angefressenen deutschen Spion identifizieren können. Véronique berichtet dem in sie verliebten Chefarzt (Jean-Claude Jay), dass ihre Ehe mit Vorski zum Tod ihres Vaters und ihres Sohnes geführt hätte… Ein sonderbares Ereignis führt Véronique tiefer in die Vergangenheit. Ihr Erstaunen bei einem Kinobesuch ist groß, als sie auf der Leinwand ihre eigenen Initialien „V.d’H.“ liest – mit Kreide an die Tür eines bretonischen Straßenwärterhäuschens geschrieben.

Claude Jade und Jean-Paul Zehnacker in „L’île aux trente cercueils“ (Die Insel der dreißig Tode / Särge)

Claude Jade und Georges Marchal in „L’île aux trente cercueils“

Claude Jade, Pascal Sellier und Georges Marchal in „Die Insel der dreißig Tode (Särge)“

Aufgewühlt reist sie zum Drehort in die Bretagne.  Die Reise wird ein Ausflug in eine düstere Vergangenheit und für Claude Jade sind die Rückblenden in Véroniques Jugend die erste Begegnung mit zwei Schauspielern, die auch einige Jahre später ihre Partner auf der Leinwand oder dem Theater sein werden: Georges Marchal, der Ex-Mann von Dany Robin, als Véroniques Vater und Jean-Paul Zehnacker, ihr späterer Ehemann im von ihm inszenierten Volkoff-Stück „Das Verhör“.

1902 verliebt sich die junge Véronique, Tochter des Professors Antoine d’Hergemont (Georges Marchal), in den Grafen Alexis Vorski (Jean-Paul Zehnacker). Ihr Vater entlarvt ihn als Hochstapler und Betrüger, um ihn schließlich aus dem Hause zu verweisen. Unbeirrt schwärmt Véronique ihrem schüchternen Verehrer und Assistenten ihres Vaters, Philippe Maroux (Yves Beneyton), von der Faszinationskraft Vorskis vor. Gäbe es ihn nicht, so Véronique, hätte Philippe Chancen. Véronique trennt sich von Vorski, doch der entführt sie. Der schwangeren Véronique diktiert er einen Brief an ihren Vater, der in die Hochzeit einwilligen müsse und droht ihm mit einem Skandal. Antoine d’Hergemont sagt sich von seiner verzweifelten Tochter los. Ein Jahr später wird Véroniques Kind, der kleine François, von seinem Großvater entführt. Die Nachricht vom Tod der beiden bei einem Schiffsuntergang trifft ein und Véronique verlässt den verhassten Vorski – bis zur Nachricht von seinem Tod vergehen vierzehn Jahre.

Claude Jade, Yves Beneyton

Ist ihr Spiel mit Yves Beneyton, dem François aus Gorettas „La dentellière“, von erfrischend kokettem Mädchencharme und in den Auftritten mit dem einstigen Abenteuerhelden und Buñuel-Star Georges Marchal in Zurückhaltung und Demut von aristokratischer Noblesse, so läuft Claude Jade in den Szenen mit Gegenspieler Jean-Paul Zehnacker zu Höchstform auf.

Die so zart anmutende Claude Jade ist in diesen Szenen einer Ehe von einer leidenschaftlichen Kraft, wenn sie ihm nach dem Erwachen aus der einstigen Verzauberung mit kalter Verachtung begegnet und ihm dann ihren blanken Hass entgegenschreit. In ihrem bisherigen Rollenrepertoire ist die Entwicklung der Figur und der heftige Wechsel an Gefühlsausbrüchen der Lucile Desmoulins am nächsten, doch von weitaus größerem Umfang. Ein Geschenk an die Schauspielerin und ein Beweis, dass sich ihr Bestehen auf ein zweites Vorsprechen auch für Marcel Cravenne als Glücksfall erwiesen hat: Als eine Ingmar-Bergman-Schauspielerin wird der Regisseur sie bezeichnen.

Auf das Drama folgt nun ein böser Alptraum: Claude Jade ist nach „Le collectionneur des cerveaux“ erneut Heldin eines phantastischen Abenteuers mit geradezu teuflischer Intrige.

V.d’H. 7: Ein Toter, dem die rechte Hand fehlt und  der Beginn unheimlicher Prophezeiungen.

Kurz darauf ist der Tote verschwunden und niemand glaubt Véronique.

Mit der Ankunft in der Bretagne, dem früheren Pouldu-Ferienidyll der kleinen Claude Jorré, ändert sich der Ton der Erzählung und Claude Jade, deren Heldin in einen Sog diabolischer Machenschaften gerät,  spielt von nun an das Spiel des blanken Entsetzens:

In dem bretonischen Straßenwärterhäuschen findet Véronique einen Toten mit abgetrennter Hand und unter dessen Jackett ein Papier mit seltsamer und Unheil verkündender Botschaft: „Dreißig Särge. Vier Frauen am Kreuz. Stein Gottes, der Leben oder Tod schenkt.“ Darunter eine Zeichnung, die im Hintergrund drei gekreuzigte Frauen in bretonischer Tracht zeigt und am vorderen Hauptkreuz eine junge Frau, über der die Initialen V.d’H. prangen. Nachdem Véronique Hilfe aus dem Dorf geholt hat, ist der Tote verschwunden. Die Dörfler halten die junge Frau für verrückt. Einem Pfeil neben den Initialien folgend und den drei Buchstaben immer wieder begegnend, gelangt Véronique an die Küste, von der aus sie die Insel Sarek sieht, die „Insel der dreißig Särge“, wie ein Schäferjunge ihr erklärt. Die Erkenntnis, dass diese Insel und die Botschaft miteinander verwoben sind, treibt Véronique an den Strand. Dort wird sie von einer Bretonin, der alten Honorine (Marie Mergey), als Véronique d’Hergemont erkannt.

 Claude Jade und „Hirte“ Xavier Pineau. Die Insel der 30 Särge zieht Véronique magisch an.

 Vater und Sohn sind am Leben?      Honorine (Marie Mergey) bringt Véronique nach Sarek.

 Claude Jade darf Fassungslosigkeit zeigen vor Glück,  doch das ist nur von kurzer Dauer.

Ihr Jugendportrait hinge seit vierzehn Jahren im Arbeitszimmer ihres Vaters, der wie ihr Sohn François am Leben sei. All die Jahre habe Antoine d’Hergemont über Zeitungsannoncen nach seiner Tochter gefahndet, die sich jedoch zu gut versteckt gehalten hatte. Véronique ist überglücklich und für einen kurzen Moment der Hoffnung fällt von Claude Jades Gesicht der jahrelange Schmerz wie ein Schleier, als ihr bewusst wird, ihren Vater und ihren Sohn bereits in einer Stunde in die Arme schließen zu können. Honorine, die ihr versichert, dass  François ganz nach seiner Mutter käme und nichts von seinem Vater Vorski habe, bringt Véronique zur Insel Sarek, die von unheimlichen mittelalterlichen Prophezeiungen heimgesucht wird. Im Jahre vierzehn-und-drei, also 1917, würden die Bewohner der Insel umkommen, sobald sich insgesamt dreißig Menschen auf ihr befänden. Als erster sterbe laut Weisagung erst der Diener und dann sein Herr… Véronique erfährt, dass der Tote in der Hütte ein gewisser Maguennoc, der Diener ihres Vaters, gewesen sei. Er habe sich kurz zuvor nach der Berührung mit dem sagenumwobenen „Stein Gottes“ so sehr die rechte Hand verbrannt, dass er sie hat amputieren müssen.

In Momenten wie diesem arretiert das Bild auf Claude Jades Gesicht zum Standbild: Ein Cliffhanger im Straßenfeger, der 1979 zum TV-Kult avanciert.

Für Véronique sind es Vorskis Gene.

Panisch eilen die Frauen mit dem Wissen um Maguennocs Tod zum Haus d’Hergemonts. Mit ihrer Verstauchung humpelnd, erreicht Véronique nicht den Haupteingang und muss durch ein Fenster entsetzt zusehen, wie ein Junge, den Honorine als François erkennt, seinen Großvater erschießt, Honorine verletzt und dann lachend davonläuft. Véronique eilt zu ihrem Vater, der seinen Enkel sterbend verflucht und seine Tochter verzweifelt mahnt, die Insel zu verlassen: „Das Kreuz, Véronique, es wartet auf dich. Du wirst den Kreuzestod sterben.“

  „Die Bestie ist der Sohn von Vorski“

„Glauben  Sie,  dass  ich auf einer Insel  bleiben will,  wo ich mit ansehen musste, wie mein Sohn meinen Vater erschießt, den ich wiedergefunden habe nach  vierzehn Jahren?“

Aufgrund der für die Dramaturgie erforderlichen Verstauchung Véroniques, deretwegen Claude Jade eine ganze Zeit lang humpelnd spielen muss, lässt sich drei Jahrzehnte später ein Online-Kritiker zu folgender Behauptung hinreißen: „Claude Jade stakst völlig ausdruckslos durch das Geschehen, als ginge sie das alles nichts an.“ Anzunehmen, dass dem DVD-Experten der Plattform „equinoX“  im Jahre 2008 die epische Erzählweise zu lang geraten ist, doch Claude Jade ausdrucksloses Spiel zu unterstellen, ist töricht.

Entsetzt: Claude Jade und Marie Mergey       „Honorine!“ Die Freundin stürzt sich zu Tode

Da mit Véroniques Anknuft genau dreißig Menschen auf der Insel sind und sich die Prophezeiungen erfüllen, packen die Bewohner überstürzt ihre Habe zusammen und verlassen die Insel; selbst die als Hexen verschrieenen Betschwestern Archignat hasten von der Beerdigung d’Hergemonts heim, um ihre letzten Münzen zusammenzukratzen. Nur Véronique und die ihrer Schussverletzung wegen transportunfähige Honorine wollen später mit einem Boot nachkommen. Doch hilflos müssen die beiden Frauen von einer Anhöhe aus mit ansehen, wie ein Mann und ein Junge von einem Motorboot aus Granaten nach den flüchtenden Booten werfen und die im Wasser strampelnden Inselbewohner erschießen. „Die Bestie ist der Sohn von Vorski“, verflucht Véronique den missratenen Filius und Honorine verfällt dem Wahnsinn: „Nein, er ist dein Sohn, Véronique d‘Hergemont! Du bist die Mutter des Ungeheuers. Ans Kreuz mit dir, ans Kreuz. Aber nicht mit mir, nein, aber nicht mit mir“, lacht die alte Honorine, die sich mit ihren Tiraden von den Klippen stürzt.

Jetzt, da sich Véronique allein mit den Mördern und etwaigen Geistern auf der Insel wähnt, gehört die Handlung allein dem Gesicht und den aus dem off gehaltenen inneren Monologen Claude Jades. In  ausführlichen wie ruhigen Nahaufnahmen ist es ihre unmittelbare Natürlichkeit, mit der sie als Véronique umso glaubwürdiger auf die vielen ungeheuerlichen Ereignisse reagiert: Claude Jades präzise und nach den leidenschaftlichen emotionalen Ausbrüchen nun auf  klaren Minimalismus reduzierte Ausdruckskraft trägt erheblich zur Glaubwürdigkeit und Spannung  angesichts all der gruseligen Mystifaxen auf Sarek bei.

 Schlaflose Nächte für Véronique.

Einziger treuer Begleiter ist der Hund Aramis

 Ein Paradies inmitten der Hölle: Véronique bewundert die riesigen Blumen Maguennocs.

Allein durchschreitet „die kleine Jade“ im Sinne von François Truffauts Kosenamen das Feld  mit den riesigen Blumen von Maguennoc, eine Sequenz, in der sie wirkt, als sei sie jene – hier von einer unsichtbaren Herzkönigin bedrohte – Alice im Wunderland, mit der sie sich einst bei Hitchcock beworben hatte.

Véronique findet Überlebende, die jedoch gemäß der Prophezeiung alsbald sterben.

Véronique brennt die Brücke zwischen beiden Inselteilen nieder.

Die Kulisse der bretonischen Landschaft ist fast eine Stunde lang ihr einziger Anspielpartner nebst „Aramis“, der im Roman „Tout-va-bien“ und in der deutschen Fassung „Okay“ heißt. Aramis ist der kleine Hund ihres Sohnes, der ihr  Gesellschaft leistet, jedoch nie die Brücke zwischen den beiden Inselteilen überqueren will. Beim Erkunden der Insel findet sie später die drei alten Schwestern Archignat, die in ihrer Hütte eingesperrt wurden. „Sie ist die vierte Frau!“, schreit Sidonie Archignat (Dominique Marcas) lachend und stimmt mit ihren Schwestern (Pierrette Thevenon und Edith Perret) das Lied vom „Jahre vierzehn-und-drei“ an. Die Prophezeiungen erfüllen sich erneut, als die drei Frauen von Pfeilen, den „silbernen Blitzen“, niedergestreckt und an drei Eichen gekreuzigt werden.

Aramis führt Véronique zu einem unterirdischen Gang. Bahn frei mit Sichel und Spitzhacke

Die grauenhaften Ereignisse lassen Véronique verzweifeln. Sie quält sich mit der Frage, wie der sanfte François, dessen Tagebuch sie findet, zu diesen Greueltaten fähig sei. Ist er wahnsinnig, hypnotisiert oder entwickelt er sich unter dem Einfluß seines ominösen Begleiters Philippe zur Bestie? Der kleine Hund ihres Sohnes führt sie zu einer unterirdischen Höhle. Dem Betrachter der Serie fällt dabei immer wieder unweigerlich auf, dass Claude Jade eine Art Leckerli bei sich führen muss, da Aramis ständig an ihr hochspringt.

Unter der Zelle ihres Sohnes liegt die Philippes. Die Strickleiter ist zu weit entfernt.

Durch eine Steinmauer, in die ein winziges Loch geschlagen ist, spricht Véronique erstmals mit ihrem Sohn, der berichtet, entführt worden zu sein. Erst jetzt darf Claude Jade nach all dem Leid ihrer Véronique strahlen und erwägen, dass François unschuldig ist. In einer darunterliegenden Zelle sei sein Lehrer Philippe eingekerkert, verrät der Junge. Durch einen Felsvorsprung über dem tosenden Meer lässt sich Véronique an einer Strickleiter herab und begegnet im anderen Verlies ihrem Jugendfreund Philippe Maroux! Die Strickleiter können die beiden nicht erreichen und bleiben Gefangene. Véronique berichtet von dem Massaker, als ein Mechanismus in Gange gesetzt wird und sich der Boden des Gefängnisses anhebt, so dass Véronique und Philippe in wenigen Minuten in die Tiefe stürzen müssen.

Nur einen Fuß breit vom Tod entfernt: Als Philippe küsst Yves Beneyton Claude Jade.

„Nein, oh Gott, Philippe nein!“ Das Monster lässt die Strickleiter samt Philippe ins Meer stürzen.

„Wenn du nicht sofort verschwindest, knall ich dich ab wie einen tollen Hund.“

„Mama“, ruft kurz vor dem Sturz in die Tiefe oben eine Stimme. Véronique erreicht nun die ihr zugeschwungene rettende Strickleiter und kann oben den Jungen (Pascal Sellier) erstmals in die Arme schließen. Doch der löst die Strickleiter aus ihrer Verankerung, so dass Véronique nur noch den Todeschrei des hinterhergekletterten Philippe hören kann. Véronique zieht den Revolver, den sie im Arbeitszimmer ihres Vaters gefunden hat und der Knabe verschwindet höhnisch lachend.

Dann hört Véronique wieder die Stimme des Jungen, der unmöglich ein und derselbe sein könne. Sie kriecht durch das größer gewordene Loch in der Wand und sieht nun das genaue Ebenbild des jugendlichen Mörders. Eine weiß gewandete Frau (Julie Philippe) stößt in die kurze Idylle des Wiedersehens und flucht, wie sehr sie diese drei Buchstaben V.d’H. hasse und sich nach Véroniques Tod am Kreuz sehne. Mit dem Revolver kann Véronique die Frau vorerst vertreiben.

 „Wir haben Aramis vergessen“ François will zurück zur Abtei,  Véronique schwant Böses.

 An einer Eiche prangen die Initialien V.d‘H.

Wiedersehen mit einem Toten: Vorski!

Vorskis Handlanger (Pierre Semmler, Jean-René Gossard) sind zu einfältig für Véronique

Mutter und Sohn geraten in die Hände des Mannes, den Véronique für tot hielt: Vorski! Er, der mit seiner zweiten Frau Elfriede einen zweiten Sohn – eben jenen Doppelgänger – hat, will die Prophezeiung erfüllen, nach der „Abel im Angesicht der Mutter Kain erschlägt“. Véroniques Geiselnahme des bösen Halbbruders Éric scheitert an ihrem Glauben an das Gute. Als er verspricht sich zu bessern und Véronique zögert, kann der Schurke sie überwältigen. Das von Vorski geplante und auf der halbverbrannten Brücke inszenierte Schauspiel, dem die gefesselte Véronique beiwohnen muss, endet mit dem Sturz eines der mit Masken unkenntlich gemachten jugendlichen Doppelgänger in die Tiefe.

Nun erfährt die betäubte Véronique ihre Kreuzigung, was in Vorskis Auslegung bedeutet, dass sie mit Stricken an eine Eiche gebunden wird. Um nicht ihre „Todesqualen“ sehen zu müssen, streift Vorski ihr ein weißes Tuch über das Haupt. Wie in der Prophezeiung beschrieben, finden Vorski und seine Handlanger den Eingang zu einer Höhle. Dort liegt auf einem Dolmen unter dem Gottestein die schlafende Véronique. „Der Gottestein, der leben oder Tod schenkt, hat Véronique verdoppelt“, staunt Vorski. Als seine Helfer panisch die Flucht ergreifen, werden sie von Vorski mit Pfeil und Bogen niedergestreckt. Was der Wahnsinnige nicht ahnt, ist, dass Philippe den Sturz ins Meer überlebt und nach Lektüre der Weisagungen beherzt eingegriffen hat. Anstelle Véroniques ist nun Elfriede an die Eiche gefesselt. Als Elfriede Zeugin der Liebesschwüre Vorkis an Véronique wird und erfährt, dass es ihr Sohn war, der sterben musste, da Éric dem biblischen Vorbild Kain entspricht, ersticht sie in Raserei den Mörder Vorski und richtet sich selbst mit Véroniques Revolver.

Die Prophezeiungen finden ihre etwas allzu strahlende Erklärung in der Besessenheit Vorskis, den Gottesstein zu finden, der in Wahrheit ein riesiger Granitblock voller Radium ist. So erklärt sich auch das ungeheure Wachstum der Blumen Maguennocs oberhalb des radioaktiven Steins. Die Mörder finden ein schreckliches Ende – Véronique, Philippe und François verlassen die „Insel der dreißig Särge“ und sind erst erleichtert, als sie die aus dem Meer ragenden Felsen hinter sich lassen, „denn um Sarek herum ist immer noch Sarek“, wie die alte Honorine sagte.

Alles endet gut für Véronique, François (Pascal Sellier) und Philippe (Yves Beneyton)

Schreckliches Ende für Vorski (Jean-Paul     Der „Gottestein, der Leben oder Tod schenkt“

Zehnacker) und Elfriede (Julie Philippe)       ist ein mit Radium angereicherter Granitblock

Gerettet: Pascal Sellier, der Hund Aramis, Claude Jade und Yves Beneyton verlassen Sarek

Behütet: Claude Jade zur Zeit der Dreharbeiten mit Sohn Pierre

 

Die fünfmonatigen Dreharbeiten sind trotz der Strapazen der Heldin für Claude Jade, die jeden Tag disponiert ist, ein Vergnügen. Sie verbringt die Monate im Morbihan in einem bretonischen Haus im Dorf Plouharnel, einige Kilometer von Carnac entfernt und am Meer gelegen. „Entre Mers et Mystères“ nennt sich der Ferienort in Eigenwerbung. Ein siebzehnjähriges Kindermädchen betreut Pierre und eine Köchin ist ebenfalls angestellt. Es ist das einzige Mal in ihrer Karriere, dass sie einen solchen Service nutzt, doch der Drehplan lässt nur wenig Freizeit zu.

Claude Jade mit ihrem Sohn Pierre Coste während der Dreharbeiten zu "L'île aux trente cercueils"

Neben Marcelle und Marcel Jorré kommt auch Annie mit ihren Töchtern, der fünfjährigen Gaëlle und der Neugeborenen Ariane, zu Besuch. Wie in den Sommerferien der Kindheit in Pouldu ist die Familie abermals im vertrauten Morbihan vereint. Sie erlebt am Set, wie die Styropor-Menhire von Männern à la Obelix getragen werden und wandelt durch eine Blumenwiese oberhalb des „Gottesteins“, deren prachtvolle Blüten ihre Stirn überragen.

Der sechsteilige Fernsehfilm lebt von der zentralen Präsenz Claude Jades, deren Partner dennoch beeindruckend sind. Neben dem bedrohlichen Jean-Paul Zehnacker ist es nicht zuletzt Dominique Marquas als Sidonie Archignat, die mit ihrem Gesicht, das einem Bratapfel gleicht, dem Wahnsinn verfallen ihre Prophezeiungen wie Psalme schmettert und ihr Lachen einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Claude Jade zeigt etliche emotionale Gegensätze: die blinde Faszination für Vorski, die verständnisvolle Zuneigung zu Maroux, ihre Demut gegenüber dem Vater, den herausgeschrieenen blanken Hass auf ihren Mann, tiefstes Leid, Todesängste in der Folterkammer, die beständige Liebe zum Sohn – eine kraftvolle doch in ihrer aristokratischen Herkunft meist zurückgenommen gespielte Rolle, vor allem in den Szenen mit Gegenspieler Zehnacker, dessen Wahnsinn sie sich voller Verachtung todesmutig verweigert. Sie überzeugt in all den Extremen an leidenschaftlichem Gefühl, an Resignation, Selbstzweifel und kämpferischer Leidenschaft. Marcel Cravenne beschreibt Claude Jade später als „eine typische Ingmar-Bergman-Heldin“.

Im Thierry Wolfs Buch „Generation Télé“ wird daran erinnert, dass  „L’île aux trente cercueils“ hat absolut nichts mit „L’île aux enfants“ zu tun habe wie auch Claude Jade nichts mit Julie, der lockigen Kioskmitarbeiterin. Wenn diese Insel genauso verführt wie die von Christophe Izard, dann auf eine beunruhigendere Art und Weise. „Die Insel der dreißig Särge“ ist daher eine der erschütterndsten Serien, die das französische Fernsehen in den 1970er Jahren produzierte. Thierry Wolf sah die Wiederholung 1982 um Sonntagnachmittagsprogramm: „Grundsätzlich glaube ich, dass der Höhepunkt des Grauens mit der Kreuzigung der Archignat-Schwestern erreicht wurde. Da waren wir der Apokalypse nahe! Es waren drei alte, halb erschöpfte Schwestern, die schon immer auf der Insel gelebt hatten. Bei mehreren Gelegenheiten hörten wir, wie sie Véronique d’Hergemont diesen bedrohlichen Refrain zuriefen: „Vier Frauen, vier Kreuze, vier Frauen am Kreuz…“ Ganz schlimm, sie beendeten ihre Karriere als gekreuzigte alte Jungfern! Der Anblick der an Kreuzen hängenden Körper dieser älteren Frauen war wirklich überwältigend! Besonders für eine Sonntagssendung, eine Stunde bevor man sich zum Essen hinsetzt. Das sagt viel über die Kühnheit von Scipio und Cravenne aus, über die ungesunde und faszinierende Atmosphäre, die sie in der Serie entwickeln konnten. Man muss sagen, dass auch die Besetzung auf Augenhöhe war, insbesondere Claude Jade, zart, zerbrechlich und zugleich kraftvoll und stark in ihrer Opferrolle, und Jean-Paul Zehnacker als machiavellistischer Vorsky. Am Ende hat Véronique d’Hergemont es natürlich überstanden. Aber was für ein Massaker! Alle Bewohner der Insel wurden dezimiert, darunter ihr  Vater, M. d’Hergemont, Honorine, die Gouvernante, Vorsky, Elfride, seine Geliebte, Eric, beider Sohn. Die Summe, was! Soweit ich mich erinnere, haben nur wenige Programme eine solche Diskussion auf Schulhöfen ausgelöst. Ab Montagmorgen sprach jeder ohne jede Scham von seinen eigenen Ängsten angesichts der tragisch-schrecklichen Abenteuer von Claude Jade und einiger schockierender Bilder (in dieser Rangliste steht die oben erwähnte Kreuzigung an erster Stelle!). Offensichtlich hatte die Seifenoper keine Probleme, zu beeindrucken. || Vor ein oder zwei Jahren fragte ich Freunde, warum sie nie in die Bretagne Urlaub machten. Antwort: „Auf keinen Fall!“ Wegen „Die Insel der dreißig Särge“! Fünfzehn Jahre später funktioniert der „Vorsky“-Effekt immer noch einwandfrei.

Claude Jade erinnert sich in „Génération Télé“:

Als mein Agent erfuhr, dass eine Fernsehadaption von „Die Insel der dreißig Särge“ in Vorbereitung war, stellte er mich dem Regisseur Marcel Cravenne vor. Der Kontakt war sehr herzlich. Für die Rolle der Véronique d’Hergemont war ich etwas zu jung, aber trotz allem habe ich angeboten, die Rolle auszuprobieren. Es gab auch eine andere Schauspielerin, die sich für das Projekt interessierte. A priori entsprach sie mehr der Figur: Sie war älter, größer als ich und hatte einen kräftigeren Körperbau. Schließlich hat sich Marcel Cravenne für mich entschieden. Ich glaube, er war daran interessiert, jemanden zu haben, der zerbrechlicher und verletzlicher wirkte.

Einige Jahre zuvor hatte ich viel Film gemacht und war so dumm gewesen, mehrere Serien abzulehnen. Das machte mir Angst, ich dachte: „Wenn ich anfange, Seifenopern zu drehen, werde ich vom Fernsehen gebrandmarkt!“. So kam es, dass mir „Die Leute von Mogador“ entging! Im Nachhinein habe ich das ein wenig bedauert. Als sich die Gelegenheit für „Die Insel der dreißig Särge“ bot, zögerte ich keinen Moment.
Die Produktion hatte mir ein charmantes kleines Haus in Plouarmel im Morbihan gemietet. Mein Mann und mein damals zweijähriger Sohn waren an meiner Seite. Da ich fast jeden Tag filmte, bekam ich eine Putzfrau und eine Krankenschwester zur Seite gestellt | Der Traum! Außerdem hatte ich viele Freunde, die mich besuchten. Ganz zu schweigen von der Bretagne und den von uns besuchten Orten wie Carnac oder der Halbinsel Quiberon. Ich erinnere mich, dass ich für die Dreharbeiten kilometerweit durch das Moor gelaufen bin und dabei einen unglaublichen Hut in Form einer Salatschüssel trug! Die Atmosphäre war entspannt, freundlich. Zu keinem Zeitpunkt herrschte am Set die Atmosphäre der Angst, die man beim Ansehen der Serie verspürt. Wir haben mit den anderen Schauspielern ein gutes Team gebildet. Marcel Cravenne war ein siebzigjähriger Gentleman, wachsam, lebhaft und präzise in seiner Inszenierung.
Auch wenn die Rolle auch ihr Bild als Schauspielerin geprägt habe: „Trotz des Erfolgs der Serie bleibt das Bild von Truffaut das stärkste und haftet mir immer noch an.“
„Wir verdanken der Serie auch, dass sie der Figur der mutigen Véronique d’Hergemont eine ganz neue Tiefe verliehen hat. Sie ist nicht nur eine Frau und ein Opfer, sondern auch mutig, abenteuerlustig und bereit, alles zu tun, um ihre Lieben wiederzufinden.“
Als 2022 ein Remake entsteht, schneidet es bei Zuschauern und im Feuilleton schlecht ab. Und die Serie von 1979 wird im Fernsehen wiederholt.

Die Serie zu sehen oder wiederentdecken, weil sie viel beeindruckender ist als die Version, die in diesen Tagen auf France 2 ausgestrahlt wird, titelt 2022 Figaro.

Wir alle – zumindest diejenigen, die Ende der 1970er Jahre fernsahen – erinnern uns noch an die Schreckenszenen der Miniserie, die 1979 auf Antenne 2 ausgestrahlt wurde. Nach der Adaption von Leblanc durch Robert Scipion (La Poupée sanglante, nach Gaston Leroux) und der Regie von Marcel Cravenne (Sous la terreur, Danse de mort? ), folgen die sechs Episoden ziemlich genau der Handlung des Romans, wobei der Schwerpunkt eher auf der mystischen Dimension und der Figur der Véronique D’Hergemont liegt als auf dem Auftritt von Arsène Lupin, dessen Auftauchen in der Geschichte der Autor als zu spät oder grotesk empfunden hatte, um den fantastischen Aspekt seines Werks nicht zu stören. Claude Jade spielt eine Heldin, die man leicht zu einer Märtyrerfigur hätte machen können, deren Kühnheit, Entschlossenheit und Mut man aber stattdessen hervorhob. Die Serie hat keine historische Dimension, aber man vergisst nicht, dass Véronique eine Allegorie für die Tausenden von Frauen ist, die den Ersten Weltkrieg überstanden haben, ohne ein Knie zu beugen, die anstelle der an die Front geschickten Männer arbeiteten, ihre Familien ernährten, Stahl und Waffen schmolzen, bevor sie ihre Krankenschwesternschürzen anlegten. Claude Jade, umwerfend, gibt Jean-Paul Zehnacker und Georges Marchal in den jeweiligen Rollen des Grafen Vorsky und Antoine d’Hergement, seinem Vater, die Replik. Und auch wenn die Dialoge und der etwas schleppende Tonfall vage veraltet sind, machen die Kulissen, die grinsenden Gesichter der Harpyien und die fast expressionistische Inszenierung des Terrors – insbesondere die Galgenszene – das Programm zu einem Must des Fernsehgruselns.“

Arte machte „L’île aux trente cercueils“ auch in Deutschland bekannt.

 

So beginnt ein Albtraum, den auch die Fernsehzuschauer erleben werden. Die damaligen Teenager haben den Schrecken der sechs Episoden, die man heute als „Survival à la française“ bezeichnen würde, in einer Ecke ihres Gedächtnisses bewahrt. Die von Marcel Cravenne sorgfältig zusammengestellte Auswahl der Darsteller trug besonders zum Erfolg dieser Miniserie bei. Graf Vorski, gespielt von Jean-Paul Zehnecker, der bereits in La poupée sanglante zu sehen war, tritt gegen Claude Jade an, deren Name sich sofort einprägte. Die Reinheit des Gesichts und die Unschuld des Blicks der Muse von François Truffaut werden eine scheinbar schwache Figur entstehen lassen, die sich im Laufe der Wendungen als besonders hartnäckig erweisen wird. Sie will das Geheimnis der Insel kennenlernen, selbst wenn sie dabei ihr Leben verlieren sollte.

düsterer Comic von Marc Lizzano „L’île aux trente cercueils“

 

Claude Jade, Ile aux rente cercueils, Insel der 30 Tode, Insel der dreißig Särge DVD

L’île aux trente cercueils