Le grand secret – Das große Geheimnis

LE GRAND SECRET    (Das große Geheimnis)
TVS 1987/89 R: Jacques Trébouta  Buch: Claude Veillot, Mark Princi, nach dem Roman von René Barjavel Szenarium: André Cayatte Kamera: John Cabrera Musik: Serge Franklin Ausstattung: Jean-Claude Dolbert, Enrique Alarcón Prod.: A2, Télécip, WDR, TE, CNC  EA: 01.01.1989 DA: 13.11.1989
D: Louise Marleau (Jeanne Corbet), Claude Rich (Samuel Frend), Peter Sattmann (Roland Fournier), Fernando Rey (Paul Corbet), Claude Jade (Suzan Frend), Paul Guers (Garrett), Richard Münch (Shri Bahanba), Alain Mottet (Hamblain), Leila Fréchet (Annie Fournier), Martine Sarcey (Mme Fournier), Annick Blancheteau (Lady Ogilvie), Fernando Guillén Cuervo (Han), Juan José Artero (Den), Blanca Marsillach (Mary), Sophie Renoir (Mrs Banerjee), Frank Fontaine (Colby), Michel Peyrelon (Poliot), Pierre Londiche (US-Botschafter), Philippe Moreau (Leroy-Champier), Manuel Pereiro (Galdos), Fabián López Tapia (Bertin), Dilip (Acharya), Vidal Molina (Parrish), Elmer Modlin (Loggins), Elisabeth Kaza (Mrs Hutchinson), Terrence Labrosse (Miller), Tatiana Mouromzeff (Indira Gandhi) Huguette Funfrock (Queen Elizabeth II), Pierre Belot, Emmanuel Pierson, Osman Ragheb, Ellen Frank, Daniel Martín, Jacques Giraud, Daniel Vérité, Lionel Vitrant, Bernard Ristroph, Sarah-Jeanne Salvy u. a.

Die Geliebte eines verschwundenen Wissenschaftlers begibt sich auf eine 14 Jahre andauernde Suche. Ein Geheimnis, das die führenden Staatsoberhäupter hüten, führt sie auf eine streng bewachte Insel. Eine zwielichtige Rolle spielt dabei das Diplomatenehepaar Frend (Claude Rich und Claude Jade).

Fast zehn Jahre nachdem Claude Jade im Sechsteiler „Die Insel der 30 Särge“ nach vierzehnjähriger Suche das Geheimnis der Insel Sarek gelüftet hat, ist sie wieder für A2 in einem Sechsteiler um eine vierzehnjährige Suche, die zu einer unheilvollen Insel führt, dabei – hier allerdings in einer Nebenrolle.

„Le grand secret“ – Claude Jade als Suzan Frend mit Hauptdarstellerin Louise Marleau als Jeanne Corbet

Die Mischung aus Politthriller und Science Fiction, die Barjavel selbst als fiktionale Aktualität bezeichnet, erzählt die Geschichte Jeanne Corbets (Louise Marleau), die seit 1972 vierzehn Jahre lang ihren totgeglaubten Geliebten (Peter Sattmann) sucht und mit Hilfe des US-Diplomaten Samuel Frend (Claude Rich) einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur kommt. Dessen Frau Suzan (Claude Jade) verbirgt – anders als im Roman – ebenfalls ein Geheimnis. Der Adaption fehlt die raffinierte Verknüpfung realer historischer Ereignisse wie Kennedys Ermordung: Staatsoberhäupter gibt es in Kurzauftritten oder im Off und die Handlung gehört den fiktionalen Figuren.

Claude Jade (Suzan Frend) und Claude Rich (Samuel Frend) in der Miniserie „Das große Geheimnis“ (Le grand secret)


1987 übernimmt Claude Jade im Sechsteiler „Le grand secret“ (Das große Geheimnis) eine Rolle, mit der sie ihr Dasein als Frau eines Diplomaten ironisiert. Kurz nach ihrer Rückkehr aus ihrem Exil aus Zypern als Diplomatengattin des Kulturattachés Bernard Coste spielt Claude Jade eine Diplomatengattin in Venezuela, die später in Vermont lebt. Und wie zuvor im eigenen Leben kümmert sich Claude Jade als Suzan Frend vor allem um die Erziehung von Sohn Tommy. Auch wenn dies im Sechsteiler nur eine ihrer Täuschungen in einer jahrelangen Intrige ist. Im Roman ist Suzan Frend Mutter von vier Kindern und lebt als Frau des amerikanischen Kulturattachés Samuel Frend in Paris, eine fröhliche Frau, deren neunzehnjähriger Sohn Colin so hochgewachsen ist, dass er mit 192 und neunundsechzig Kilo an eine Ähre im Wind erinnert und seine Eltern auf die Stirn küsst, wenn er auf die Fakulät der Wissenschaften geht. Samuel unterstellt Suzan deshalb eine Affaire mit dem Eiffelturm oder dem Rockefeller-Building: „Lui accusait Suzan de l’avoir trompé avec la Tour Eiffel. Elle rougissait chaque fois, et lui rappelait que Paul avait été conçu à New-York ! Alors … répondait-il, c’est avec le gratte-ciel Rockefeller… Elle le frappait de ses petits poings ronds et le priait de cesser ses plaisanteries françaises. A son avis, c’était tout simplement les vitamines.“

Claude Jades Rückkehr nach Frankreich wird auch im Fernsehen verkündet: Nach ihrem Auftritt in „Mardi Cinéma“ zur Premiere von „L’homme qui n’était pas là“ spricht im sie im Mai 1987 in der Sendung „Théâtre de Bouvard“ über ihr Leben als Diplomatenfrau. „Sie haben Frankreich sehr gefehlt“, begrüßt Philippe Bouvard die Schauspielerin. Die Rolle der Diplomatenfrau spiele sie öffentlich nicht besonders gern, verrät Claude Jade.
Mit diplomatischem Geschick reagiert sie auf Bouvards Frage, ob man sie denn in einem Film auch unbekleidet sehen könne. Sie lacht sie nonchalant und souverän weg: „Oh, das ist mir bereits passiert, Monsieur Bouvard“.
Sie verschweigt in ihrer Antwort den Titel des als „Caresses bourgeoises“ bereits auf Video erschienenen Eriprando-Visconti-Films „Una spirale di nebbia“: „Dort war es bei einer Duschszene motiviert. Man duscht eben nicht bekleidet.“  Geschickt hat sie mit dieser Ablenkung „Le malin plaisir“ und „Le choix“ verschwiegen. Nachdem sie über ihre dreieinhalbjährige Zeit in Moskau berichtet hat, lächelt sie auf die Frage, ob sie rote Vorhänge eiserne Vorhänge vorziehen würde: „Ja, ganz aufrichtig, die sind fröhlicher.“
Einem von den Weltmächten von Moskau bis Washington über den eisernen Vorhang hinaus verhandelten Geheimnis widmet sich der Sechsteiler, in dem wichtige Staatsoberhäupter auftreten, die sich nicht um den Eisernen Vorhang scheren und heimlich zusammenarbeiten.

1969 hatte Filmregisseur André Cayatte seinem Freund, dem Romanautor René Barjavel, die Geschichte vorgeschlagen. Sie erstellten ein vierseitiges Exposé als Szenarium für den ORTF, drei Fernsehsender lehnten ab und Barjavel schuf den 1973 veröffentlichten Roman. Der Roman erklärt unterhaltsam, weshalb Amerikaner und die Sowjets gleichzeitig das Weltall erkunden, ein plötzlich gesundender Kennedy sterben musste, Chruschtschow die Pariser Gipfelonferenz platzen ließ und die Queen sich nie von ihrer Handtasche trennt. Kurz vor Barjavels Tod 1985 kauft die Produktionsgesellschaft Télécip die Rechte und beauftragt Drehbuchautor Claude Veillot mit der Adaption in sechs 52-minütigen Episoden. Die Handlung wird aktualisiert, so dass aus den Geheimnisträgern des Romans wie Mao, Coty, de Gaulle, Lyndon B. Johnson und Chruschtschow nur Elizabeth II übrig bleibt: Eisenhower, Nixon und John F. Kennedy werden durch Ronald Reagan ersetzt, de Gaulle durch Pompidou und Indiens Ministerpräsident Nehru durch dessen Tochter Indira Gandhi.

Waren im Roman auch Staatsoberhäupter tragende Figuren, sind es in der Serie die fiktiven Charaktere. Neben Queen Elizabeth II aus dem Roman übernehmen in der aktualisierten Adaptation Ronald Reagan die Stelle der im Roman wechselnden US-Präsidenten und Indira Gandhi die ihres Vaters Jawaharlal Nehru. Huguette Funfrock (unten Mitte) hatte die Queen bereits in vier Filmen gespielt. Die ungarische Erstausgabe „A nagy titok“ hatte Hauptdarstellerin Louise Marleau auf dem Cover.

Die Serie räumt den fiktiven Figuren Jeanne und den Frends nun deutlich mehr Raum ein. Es gibt in der Verfilmung mehr fiktionale Figuren als reale Politiker. Der Regisseur bezeichnete den Roman als unverfilmbar, da er die gesamte Weltpolitik der damaligen Zeit behandelt. Die Fiktion gelinge nur durch Aktualisierung. Die Produktion hatte sich bereits einige Doppelgänger für Auftritte geleistet, aber es gab kein Budget für alle. Also wurde die Figur der Jeanne ausgebaut und alle Ereignisse zeigen sie als eine Frau der Tat. Claude Jades Figur als Samuels Frends Ehefrau Suzan wurde verändert, um den Film um eine Intrige zu ergänzen. Die diplomatischen Verwicklungen wurden durch eine Liebesgeschichte und Abenteuer ersetzt. Während im Roman John F. Kennedy, die Queen, de Gaulle oder Lee Harvey Oswald aktiv handeln, gibt es in der Serie nun eine Reihe hinzuerfundener Figuren: Rolands Tochter Annie ersetzt das geschichtslose Inselmädchen Annoa und auch eine englische Geheimdienstoffizierin, der amerikanische Enthüllungsautor und Rolands Mutter entstammen Veillots Änderung.

Claude Jade als Suzan Frend in „Das große Geheimnis“ nach René Barjavels „Le grand secret“

Es entsteht eine internationale Großproduktion mit internationaler Besetzung. Neben den drei Hauptdarstellern, der Kanadierin Louise Marleau, dem Franzosen Claude Rich und dem deutschen TV-Star Peter Sattmann spielt Spaniens damals größter Star Fernando Rey, ewiger Antagonist bei Buñuel, Jeannes Ehemann, Paul Guers, Held aus Abenteuerfilmen der 1960er Jahre, den Autor Garrett und der Deutsche Richard Münch den indischen Wissenschaftler, dessen Entdeckung alles ins Rollen bringt.  Neben Martine Sarcey, Claudes Partnerin am Theater in „Port-Royal“, und Alain Mottet, der mit Claude Jade in „Sheherazade“ spielte, setzt Spanien auf seine Nachwuchstalente Fernando Guillén-Cuervo, Juanjo Aretro und Blanca Marsillach als jugendliche Bewohner der Basis 307.

Neben Louise Marleau, Claude Rich, Peter Sattmann, Fernando Rey, Claude Jade und Paul Guers spielen unter anderem die spanischen Nachwuchsschauspieler Fernando Guillén-Cuervo, Juanjo Artero und Blanca Marsillach, der Deutsche Richard Münch in seiner letzten Rolle, Alain Mottet, Martine Sarcey, Leila Fréchet und Sophie Renoir.


1972 informiert der indische Krebsforscher Shri Bahanba (Richard Münch) erst Indira Gandhi (Tatiana Mouromzeff) und dann seine Kollegen in aller Welt. Nach einem Treffen mit dem Pariser Wissenschaftler Hamblain (Alain Mottet) überträgt dieser seinem Vize Roland Fournier (Peter Sattmann) die Leitung des Instituts. Kurz darauf erfahren Roland und dessen Geliebte Jeanne (Louise Marleau), die bereits abgehört werden, von Hamblains Tod. US-Diplomat Samuel Frend (Claude Rich), der bereits in Indien ermittelt, wird Zeuge eines Brandes im Pariser Institut, nach dem auch Roland offiziell als tot gilt. Jeanne, die einem Entführungsversuch entkommen kann, erfährt von Frend, dass Roland nicht tot sei. Jeannes wesentlich älterer Ehemann Paul Corbet (Fernando Rey) hilft seiner Frau generös, die nun Audienzen bei Staatsoberhäuptern erhält. In Caracas findet sie den geheimnisvollen Frend wieder, der dorthin versetzt wurde und nun mit seiner Frau Suzan (Claude Jade) in Venezuela lebt.



Sie könne Jeanne erst jetzt kennenlernen, weil Sohn Tommy in Venezuela schulpflichtig ist. Sie vermisse Paris und freue sich auf alle Neuigkeiten von dort: „Immer nur Venezuela“, klagt sie lachend wie Claude Jade selbst über Zypern. Es ist Suzan Frends Zypern, wobei sich ihr Filmsohn Tommy mit Trapper-Mütze als Semi-Cowboy verkleiden und in diesem Kostüm mit einer Spielzeug-Pistole ballern darf, was dem kleinen Pierre in Nicosia mehr gefallen hätte als das von Claude gescheiderte Pik-Ass-Kostüm (siehe erster Abschnitt in Clochemerle auf Zypern). 
Ich sah den Sechsteiler damals im Fernsehen. Nach der zweiten Folge schrieb ich Claude Jade, dass ich die Nebenrolle der Diplomatengattin auch in Bezug auf die Parallele zwischen Tommy und ihrem eigenen Sohn Pierre amüsant fände. Zwei Wochen später erhielt sie von mir einen zweiten Brief, ich dem ich ihr zu der perfekten Täuschung und dem feinen Spiel gratulieren konnte, denn ich war auf ihre Version der Suzan Frend hereingefallen.

Im Roman leben die Frends zwischendurch in Uruguay und Mexiko und nachdem Frend die Gründe für Kennedys Ermordung herausgefunden hat und mit Hilfe von Präsident Johnson spurlos verschwindet, identifiziert Suzan Frend durch ein bei einer Leiche gefundenes Feuerzeug – und vom Pentagon gefälschte Fingerabdrücke – den toten Samuel, der auf einer Fahrt nach Washington verschwand, einer Fahrt, die es nach Recherche ihres Sohnes nie gab. Sie bleibt mit ihren Kindern als trauernde Witwe zurück.

Jeanne (Louise Marleau) hat Suzan (Claude Jade) nach 14 Jahren in Vermont gefunden.

In der Verfilmung erfährt Jeanne 1986, vierzehn Jahre nach Beginn ihrer Suche, von Samuel Frends Tod. Sie findet Suzan Frend mit Hilfe des Enthüllungsautors William Garrett und dessen Freund Colby in Bennington in Vermont wieder. Das Wiedersehen ist allerdings wenig herzlich.


„Sie waren nie Journalistin, nicht wahr?“, übernimmt Suzan die Befragung. Sie wolle mit den Geschäften ihres Mannes nichts zu tun haben. Als Jeanne sich als enge Freundin bezeichnet, lässt Suzan sie mit der Zurechtweisung, dass dies die Angelegenheit nicht besser mache, herein.


Suzan berichtet ihr, dass Tommy bald 25 und nicht da sei, weil er das College im 200 Kilometer entfernten Montpelier besuche. Zum Beweis von Samuels Tod zeigt Suzan ihr die offizielle Todesurkunde.

Suzan erklärt auch ihr damaliges mysteriöses Verschwinden: ihr Mann sei überraschend auf die Bermudas versetzt worden und sie hätten mit Lastwagen ihre Möbel abgeholt.  Eine Verschwörung ahnend, fragt Jeanne, wer „sie“ gewesen seien. „Die Leute von der Botschaft natürlich“, klärt Suzan sie auf. Nach dem Wahlsieg von Ronald Reagan seien sie dann in die Heimat zurückgekehrt.

„Immer ’sie‘. Aber wer sind ’sie‘?“ – „Die Leute von der Botschaft natürlich.“



Sie agiert dabei zwischen ablehnend, beschwichtigend und traurig, zeigt einen gewissen spießigen Stolz, als sie ihr das Kondolenzschreiben von Ronald Reagan präsentiert.  Als sie schließlich die bei seiner verbrannten Leiche gefundenen Militärplaketten zeigt, bricht sie zusammen. Jeanne will sie umarmen, doch Suzanne brüllt sie heulend an, sie solle verschwinden.

Was Jeanne bei ihrem Weggehen vorenthalten bleibt, amüsiert hingegegen den Genießer köstlicher Schauspielerei: Kaum dass Louise Marleau aus der Szene verschwunden ist, beendet die gerade noch weinende Claude Jade die Trauer-Komödie, pustet erleichtert aus und setzt sich sogleich daran, routiniert ihren Komplizen zu informieren.



Die Suzan Frend in der Serie bleibt offiziell die trauernde Witwe und schützt so das Geheimprojekt, in das ihr Mann involviert ist. Und auch das Kind Tommy ist Teil des Komplotts: Das von Claude Rich und Claude Jade mit charmantem Lächeln gespielte Ehepaar Frend hatte sich Tommy für sein Doppelleben nur gemietet. In Wirklichkeit arbeitet Suzan für die Insel „Basis 307“, die nun nach 14 Jahren dem Kommando Samuel Frends untersteht, der sich jetzt Colonel George Bas nennt. Dank Suzan kommt Jeanne zu Präsident Reagan und erhält im Weißen Haus die Erlaubnis, zur Insel und zu Roland zu reisen – unter der Bedingung, offiziell für tot erklärt zu werden.

Auf der Insel begegnet Jeanne ihrem Geliebten wieder, der in vierzehn Jahren um keinen Tag gealtert ist. Ein hochansteckendes Serum stoppt den Alterungsprozess und bewirkt ewiges Leben. Da die Wirkung zudem alle Vegetation auf Erden unfruchtbar machen würde, werden die Infizierten auf der Insel interniert. Unter den Gören bricht eine mörderische Revolte aus, weil sie nicht länger auf den Start ins All warten und jetzt Kinder bekommen wollen. Die Staatsmänner der führenden Nationen beschließen das Ende der Insel durch einer Atombombe. Die Mordlust der Jugendlichen, die sich nach 14 Jahren plötzlich fortpflanzen wollen, ist angesichts von deren Kenntnis um eine Gefahr der Überpopulation unfreiwillig komisch. Sie töten die Erwachsenen, um Kinder zu gebären als wollten sie mit Murmeln spielen. Drehbuchautor Veillot wählt als Initiator für das Auslösen der Bombe den Versuch des Teenagers Den (Juanjo Artero), das Geheimnis über den Radiosender in die Welt zu verbreiten. Nur ein jugendliches Pärchen – Rolands bereits vor Jahren auf die Insel entführte Tochter Annie (Leila Frechet) und deren Freund Han (Fernando Guillén-Curvo) – entkommt mit einem Schlauchboot und wird von einer chinesischen Dschunke aufgenommen.

Die Serie läuft in Spanien als „El gran secreto“ und in Ungarn als „A nagy titok“ (siehe Artikel rechts)
Als „Das große Geheimnis“ Ende 1989 in der ARD läuft, spottet DER SPIEGEL: „Das große Geheimnis bleibt, wie dieses betulich-lachhafte Serienmachwerk ins Hauptprogramm wandern konnte. Das Papierdeutsch raschelt durch die Dialoge und die spießige Topfpflanzen-Kulisse der ,Basis 307‘ ist Science-fiction für Schrebergärtner.“
Tatsächlich ist der Sechsteiler etwas lang geraten. Rote Heringe führen allzu oft ins Leere: eine falsche alte Lady entpuppt sich als Geheimoffizierin, nach dem Besuch beim Bruder eines verschwundenen deutschen Wissenschaftlers ist dessen Villa am nächsten Tag leergeräumt wie bereits das Venezuela-Domizil der Frends. Ein Dreiteiler oder zwei Folgen in Spielfilmlänge wären gefälliger gewesen. Das harte Urteil des Spiegel vor der Ausstrahlung der sechsten Folge: „Nachts erkennen die mit dem Wunderserum JL3 Infizierten rote Gegenstände in der Dunkelheit, die Zuschauer sehen schon längst rot. Einziger Trost: Heute läuft der letzte Teil.“

„Le Monde“ lobt: „Über die Spannung hinaus wird die Botschaft des Romans vermittelt. Die Handlung ist zwar aus dem Ruder gelaufen, aber die Atmosphäre zwischen Jules Verne und James Bond bleibt erhalten. Wenn das Budget nicht ausreicht, wird der berühmte Stützpunkt Basis 307 in Spanien in einer abgerissenen Fabrik, einem Park und einer Grotte, die alle Hunderte von Kilometern voneinander entfernt sind, nachgebaut. Es ist egal, dass es sich um Pappmaché handelt, die Illusion besteht. Ein einziger Schatten trübt das Bild: der Abspann. Der von Nana Mouskouri gesungene Text von Pierre Delanoë um die Endlichkeit des Lebens ist sehr blumig und passt nicht zu den lebhaften Abenteuern von Jeanne. Nur ein Detail.“

Für Claude Jade, die „Das große Geheimnis“ in ihren Erinnerungen „Baisers volés“ auslässt, ist die Rolle relativ klein, doch zeigt kurz eine andere Facette als Manipulatorin in einer politischen Intrige. Auf ihre Pseudo-Frau des Kulturattachés Frend alias Colonel Bas folgt im Sommer 1987 die Frau des Colonel Schmaltz in „Le radeau de la Méduse“. Eine weitere Serie dreht Claude Jade ab dem Frühjahr 1988. In „La tête en l’air“ ist sie als Sylvie Guyot die Mutter der flugbegeisterten Ludi (Valérie Karsenty); eine Frau, die anfangs nichts vom Doppelleben ihrer Tochter ahnt und dann selbst mit dem Fallschirm springt. Eine Hauptrolle, doch die Serie wird bis zu ihrer Ausstrahlung 1993 auf Eis gelegt.

 

Die Serie ist in sechs Folgen im Internet bei Dailymotion ebenso zu sehen wie diese gekürzte Version

 

Claude Jade als Suzan Frend in „Das große Geheimnis“ (Le grand secret) nach dem Roman von René Barjavel