10. Todestag Georges Descrières

In Molières „Le bourgeois gentilhomme“ hatte Claude Jade Georges Descrières bereits im Kino Familia in Dijon in Jean Meyers Film als Dorante erlebt. Es war eine Produktion der Comédie Française mit Louis Seigner als Monsieur Jourdain. Den Film von 1958 sah sie kurz vor ihrer Theatertournee als Agnès in Molières „L’école des femmes“ (1964).

Kurz bevor sie selbst Molières Agnès spielte, sah Claude Jade ihren späteren Filmpartner Georges Descrières als Molières Dorante in Jean Meyers „Le bourgeois gentilhomme“.

Georges Descrières hatte achtmal in Inszenierungen von Meyer gespielt, Claude Jade wurde sechsmal Schauspielerin bei Jean Meyer. Auch Jacques Mauclair – bei Descrières für „L’avare“ und bei Claude Jade für „La guerre de Troie n’aura pas lieu“ – und André Barsacq („Les oiseaux de lune“ mit Claude Jade und „La Fourmi dans le corps“) waren gemeinsame Regisseure.

Am Theater arbeiteten sie nie zusammen. Georges Descrières hatte gerade seine populärste Rolle als Maurice Leblancs „Arsène Lupin“ in 26 Folgen der erfolgreichen Fernsehserie abgedreht, als beide die Hauptrollen in Jacques Nahums Film „Maître Pygmalion ou Comment devenir une bonne vendeuse“ spielten.

Georges Descrières und Claude Jade in „Maître Pygmalion“

Doch von klassischen Dialogen keine Spur: Die Produzenten des Schulungsfilms von Jacques Nahum und Hélène Durand wollten zwei angesagte Stars, die zusagten: Claude Jade spielte die erfolglose Jungunternehmerin Juliette, die Christian (Georges Descrières) begegnet, der ihr vorschlägt, Pygmalion zu spielen: Er soll der Meister sein, sie die Schülerin. Doch der Meister verliebt sich. Am Ende entscheidet sich Juliette, Christian-Pygmalion zu heiraten… “ Ich hatte drei aufeinanderfolgende „Pygmalions“, da der Lehrer sein Aussehen änderte: Zuerst Georges Descrières, der einige Schwierigkeiten hatte, sich den neuen Jargon zu merken, und darum bat, das, was er zu sagen hatte, von großen Tafeln ablesen zu dürfen, dann Dominique Paturel und schließlich Michel Ruhl.“

Unpoetisch wechselt Claude die Replik mit Schauspielern, denen sie nach gemeinsamen klassischen Theaterrollen wiederbegegnet: André Falcon, dem Belcredi aus Pitoëffs „Henri IV“ und Michel Ruhl, dem Lysander aus Avertys „Sommernachtstraum“. Während sie mit Georges Descrières tagsüber die leblosen Vokabeln der Unternehmer wechselt, dreht sie abends und nachts für Didier Kaminkas Anarcho-Komödie „Trop c’est trop“ als sinnesfrohes Luder. Und Descrières spielt im Anschluss den Sex-Shop-Chef in Gérard Pires‘ „Attention les yeux!“.

Claude Jade und Georges Descrières in „Maître Pygmalion“ (1975)

Georges Descrières und Claude Jade waren Maurice-Leblanc-Held und -Heldin. In der Adaptation zur „Insel der 30 Särge“ tauchte Leblancs Arsène Lupin nicht auf.

Als Claude Jade 1979 ebenfalls eine Serien-Heldin aus der Feder von Maurice Leblanc wird, entfernen die Autoren Robert Scipion und Marcel Cravenne in „L’île aux trente cercueils“ (Die Insel der 30 Tode) die Figur des Arsène Lupin zugunsten ihrer Véronique d’Hergemont, die nun allein – mit etwas Hilfe ihres Kavaliers Maroux (Yves Beneyton) – die Intrige durchstehen muss. Wer weiß, wie die Begegnung von Véronique und Arsène verlaufen wäre, wenn Descrières einen Gastauftritt gehabt hätte.

Dank René Féret kommen Claude Jade und Georges Descrières 1986 ein weiteres Mal zusammen, als Vater und Tochter in Férets Thriller „L’homme qui n’était pas là“.

Georges Descrières, Claude Jade, L’homme qui n’était pas là

Es blieb sein letzter Kinofilm und er widmete sich weiterhin Fernsehen und vor allem dem Theater. Wie Claude Jade bereits 1998 erhielt Georges Descrières 2004 ebenfalls das Kreuz der Ehrenlegion für seine Verdienste an der Kultur Frankreichs. Heute vor zehn Jahren starb der große Schauspieler, dessen Tochter Sylvia Bergé gerade seit letztem Jahr als Madame Jourdain an der Comédie Française spielt – in Molières „Le bourgeois gentilhomme“.

Der Stalker

René Féret und Claude in „L’homme qui n’était pas là“

1985 dreht Claude Jade mit René Féret den Thriller „L’homme qui n’était pas là“. Ein Kameraoperateur des Teams wird  zum Stalker Claude Jades. Anonyme Briefe, Verfolgungen, Beschimpfungen und nächtlicher Telefonterror folgen. Es gibt Mitte der 80er Jahre kein Gesetz gegen Stalking und der Mann setzt sein Spiel fort. Erst im Herbst 1988, als Claude Jade mit Bruno Pradal in Nantes am Theater in „Regulus 93“ spielt und der Stalker eine makabre Meldung an Europe 1 durchgibt, kann er schließlich verhafet werden.

L'homme qui n'était pas là (1985), Regulus 93 (1988)

L’homme qui n’était pas là (1985), Regulus 93 ou La véritable histoire du citoyen Haudaudine (1988)

Mehr zu René Férets Film und dem Stalker hier: „L’homme qui n’était pas là“.