Téléaste Jean-Christophe Averty wird 88

averty jean-christophe-averty portrait„Nach Jean-Christophe Averty können Show-Sendungen nicht mehr sein, was sie vor ihm waren. Er hat ihren Rhythmus verändert und die Ansprüche gehoben.“ (François Mauriac).
Averty ist Surrealist und Vertreter des Chic, Vater der Blue Screen im französischen Fernsehen und Visionär. Er war der kreativste Fernsehregisseur seiner Zeit. Der „Téléaste“  Averty wollte nie Fernsehen machen, wie es die anderen taten.
Lieber erfand er bunte Bilder, schnitt sie kunstvoll und synthetisch. Er erhielt 1965 für sein Wirken als Video-Pionier den Emmy; die legendären Musikvideos von France Gall, Françoise Hardy,  Gainsbourg, Bécaud, Ferré, Hallyday und Dalida sind ohne Averty undenkbar.

Claude Jade, Christine Delaroche und Jean-Claude Drouot im Fokus Avertys Midsummer Night's Dream Helena Le songe d'une nuit d'été Ein Sommernachtstraum

Claude Jade, Christine Delaroche und Jean-Claude Drouot im Fokus Avertys

averty_songe_d_une_nuit_d_ete Midsummer Night's Dream Helena Le songe d'une nuit d'été Ein Sommernachtstraum1969, jenem Jahr, in dem er den Grimme-Preis erhielt, schuf er eine ambitionierte und außergewöhnliche Inszenierung: Shakespeares „Sommernachtstraum“. Le Monde erklärt den TV-Film zum „chef-d’œuvre“ und France Soir spricht von einem epochemachenden Datum und einer Revolution in der Geschichte der Regie.
Zur deutschen Erstausstrahlung heißt es beim WDR: „Averty, dem eher ein Zuviel als ein Zuwenig an Einfällen vorzuwerfen wäre, hat eine bunte Phantasmagorie geschaffen, vor der Kategorien wie Kunst, Kunstgewerbe oder Kitsch versagen.“

Claude Jade in "Le songe d'une nuit d'été" (Ein Sommernachtstraum) von Jean-Christophe Averty Midsummer Night's Dream Helena Le songe d'une nuit d'été Ein Sommernachtstraum Helena Hélène

Claude Jade in „Le songe d’une nuit d’été“ (Ein Sommernachtstraum) von Jean-Christophe Averty

Claude Jade spielt die verzweifelte Helena, die nach einem Liebeszauber von zwei Männern begehrt wird und darüber – bisher ungeliebt – in erneute Verzweiflung und in Rage gerät. Helenas Monolog zeigt Averty in einem mal roten, mal grünen und dann blauen Medaillon, in dem Claude Jade tränenüberströmt direkt in das Auge der Kamera spielt, umrahmt von wechselnden Tarot-Karten und Herzen, die von Pfeilen getroffen werden.

Drei Stars für Averty: Claude Jade, Marie Versini ("Winnetou")und Christine Delaroche ("Belphégor") Midsummer Night's Dream Helena Le songe d'une nuit d'été Ein Sommernachtstraum

Drei Stars für Averty: Claude Jade, Marie Versini („Winnetou“) und Christine Delaroche („Belphégor“)

Averty inszeniert das Stück, für das neben Claude Jade weitere Stars wie Christine Delaroche als Helenas Freundin und Rivalin Hermia, Jean-Claude Drouot und Christiane Minazzoli als Elfenpaar Oberon und Titania sowie Marie Versini, die Nscho-tschi aus „Winnetou“, als Amazonenkönigin Hippolyta engagiert wurden, vor einer „blue screen“. Für Claude Jade bietet sich eine irreal anmutende Erfahrung, in einem nackten Raum mit blauen Wänden, mit blauen Tonnen und Säulen zu agieren, der später zu Shakespeares Märchenwald wird. Das Bild teilt sich per Split-screen in parallele Szenen, schwelgend vor einem psychedelischen Farbenmeer.

Weihnachten 1969 hatte der Film seine französische TV-Premiere, in Deutschland am 22.12.1971 Midsummer Night's Dream Helena Le songe d'une nuit d'été Ein Sommernachtstraum

Weihnachten 1969 hatte der Film seine französische TV-Premiere, in Deutschland am 22.12.1971

Das Ergebnis ist eine poetische Umsetzung der Shakespeare-Komödie, die am Weihnachtsabend 1969 den Fernsehschirm in ein flirrendes Bilderbuch verzaubert. Maurice Clavel schwärmt in der Neujahrsausgabe des „Nouvel Observateur“ von der Montage der Schauspieler auf den Hintergrund antiker Vasen und Fresken.

Dank Averty die ersten Video-Schauspieler der französischen Fernsehgeschichte Midsummer Night's Dream Helena Le songe d'une nuit d'été Ein Sommernachtstraum

Jade, Delaroche, Drouot, Versini und Tureau: die ersten Video-Schauspieler der französischen Fernsehgeschichte

Maurice Clavel nennt das die Sehgewohnheiten zu Beginn angreifende und verwirrende Werk eine vollkommen harmonische und ästhetische Wissenschaft und vergleicht den Bilderrausch auf dem Fernsehschirm mit einer Galaxie. Clavel spricht auch Claude Jade einen gewissen Anteil am Erfolg zu: „Man ist sich rasch sicher, dass Mademoiselle Claude Jade zum Sprechen keine Atempause braucht; sie agiert so schnell, dass man zu der Überzeugung gelangt, sie habe das Atmen über ihr Spiel vergessen. Und gerade das trägt erheblich bei zum Wunder dieses Films.“

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Ohne Jean-Christope Averty hätte dieses Wunder nicht stattgefunden. Heute feiert er seinen 88. Geburtstag. Bon anniversaire.

fünfminütiger Ausschnitt mit Claude Jade (Helena), Christine Delaroche (Hermia), Michel Ruhl (Lysander), J.C. Drouot (Oberon), Michel Tureau (Puck), Dominique Serina (Demetrius)

 

 

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