„Home sweet Home“ im Kino

Am 13. April 2019 läuft Benoît Lamys „Home sweet Home“ (La fête à Jules) in Le Chambon-sur-Lignon in der Auvergne im Kino. Die Vorstellung beginnt um 14.45

„Wenn Sie Ihr Mousse nicht essen, verbiete ich Ihnen, die Plätze zu verlassen!“

„Home sweet Home“ schildert die Revolte in einem Brüsseler Altersheim. Vier Jahre nach dem Pariser Mai schickt der 27jährige Lamy die Alten auf die Barrikaden. Das Erstlingswerk zeigt in Verbindung von Sozialkritik und Komödie den Kampf für die Freiheit und das Recht auf Würde. Nach der Revolte wird die Despotin (Ann Petersen) fortgeschickt und das alte System wird durch ein demokratisches ersetzt. Michel Baudours Kamera bleibt immer nah an den Figuren, an jedem einzelnen Detail der Gesichter, jeder Falte, an jedem Lächeln.
Koproduzent Jacques Perrin, der neben Claude Jade als Pflegerin Claire den Sozialhelfer Jacques spielt:
„Es gibt keine schwierigen Themen. Wenn wir es schaffen, für sie die richtige Form zu finden, werden alle Filme für die allgemeine Öffentlichkeit bestimmt sein“.
„Home sweet Home“ erhielt insgesamt 14 internationale Auszeichnungen.

Hier der Link zum Kino:
https://www.leprogres.fr/pour-sortir/loisirs/Cinema/Diffusions-exceptionnelles/Auvergne/Haute-loire/Le-chambon-sur-lignon/2019/04/13/La-fete-a-jules

Hier der Link zum Film „Home sweet Home“ (Trautes Heim)

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Ann Petersen

Ann Petersen (1927-2003) und Claude Jade in Benoit Lamys „Home Sweet Home“

Heute vor 14 Jahren starb Ann Petersen.
14 internationale Auszeichungen erhielt „Home Sweet Home (Trautes Heim)“, der Film, der  sie als diktatorische Leiterin des Altenheims weltweit bekannt machte. Ann Petersen starb an Diabetes. Für Leute, die sie kannten, sei dies keine Überraschung gewesen: dass ihr Süßigkeiten nicht bekommen, wusste sie. In seinem Portrait zu Petersens Tod vor 14 Jahren erinnerte sich „Nieuwsblad“-Autor Paul Demeyer, dass sie dennoch beim Interview ein Törtchen mit drei Bissen verschlang. Es war Petersens Entscheidung.

Schlimm trieb es ihre Direktorin in dem berühmten Film von Benoît Lamy: Sie hortet Vorräte der Heiminsassen, darunter auch Naschwerk. Vor allem jene Szene, in der sie dem renitenten Jules seinen Pudding aus der Hand schlägt und dann den anderen Heimbewohnern erklärt, dass Jules nun keinen Nachtisch bekomme, macht Petersen für das belgische Kino unsterblich. Im Zuge eines Hungerstreiks für den vom Dessert ausgeschlossenen Jules durchschreitet dann die von Ann Petersen Filmpartnerin Claude Jade gespielte Claire den Speisesaal wie ein Wachsoldat. Es ist ein Machtkampf, den Claire in dieser Vorbereitung der Alten zum finalen Aufstand verliert.

Ann Petersen, Claude Jade und Marcel Josz als Jules in Benoît Lamys „Home Sweet Home“

Der Aufstand der Alten ist, da die von Ann Petersen gespielte Direktorin mit dem Polizeichef Hand in Hand arbeitet, auch ein Aufstand gegen eine Art Polizeistaat. Die Direktorin ist erst Chefin und dann Gegnerin der von Claude Jade gespielten Pflegerin Claire.
Anfangs beobachtet Claire, wie die Direktorin ihre Macht missbraucht und hilft ihr sogar. Erst als Claire die Folgen ihrer Denunziation des Sozialhelfers Jacques (Jacques Perrin) bei der Direktorin erkennt, wandelt sie sich und holt Jacques zurück.

Claude Jade und Ann Petersen in „Home Sweet Home“ (Trautes Heim, 1973)

Lustiger und leichter als „Einer flog über das Kuckucksnest“ beschreibt Benoît Lamys Erstlingswerk den Kampf für die Freiheit und das Recht auf Würde. Nach der Revolte wird die Despotin fortgeschickt und das alte System wird durch ein demokratisches ersetzt. Claude Jade lässt die Hände in den Schürzentaschen ihrer Schwesterntracht, während Ann Petersen ihr Gepäck kaum tragen kann.

Jacques Lippe als Polizeichef (l), Jacques Perrin als Jacques (2.v.l.) mit Claude Jade und Ann Petersen

Neben „Home sweet Home“ war Ann Petersen für Regisseur Benoît Lamy auch die Gegenspielerin Annie Girardots in „Ardenner Schinken“. Für ihre Leistung in „Das Sakrament“ erhielt die 1990 den Joseph Plateauprijs  als Beste Darstellerin. Von 1996 bis zu ihrem Tod spielte Ann Petersen in der Serie „Thuis“. Zwei Jahre vor ihrem Tod, sie war 75, sprach sie mit Paul Demeyer über das D-Wort, De Dood, den Tod: „Vielleicht ist er schon da. Für mich oder für dich. Und wenn es für mich ist, dann werde ich gerne mitgehen. Ich möchte auf der einen Seite einhundert werden, auf der anderen Seite bin ich bereits zufrieden. Es hat gereicht. Alles für dieses Leben. Aber dann kommt etwas Neues. Da bin ich mir sicher.“