Was wurde aus der kleinen Virtuosin Marianne Piketty aus Domicile conjugal ?

In „Domicile conjugal“ (Tisch und Bett) verdient Claude Jade als Christine Doinel das Geld mit Geigenunterricht. Doch die Mutter einer begabten Schülerin vergisst immer, die Stunden zu bezahlen. Der Familienrat bei Christines Eltern hatte beschlossen, dass, wenn die Mutter wieder die Stunden nicht zahlen sollte, Christine eine mit Antoine vereinbarte Melodie – die Marseillaise – spielen soll und er die Mutter im Hof abfängt. Die Schülerin Marianne spielte die siebenjährige Marianne Piketty.

Claude Jade, Marianne Piketty und Annick Asty in François Truffauts „Domicile conjugal“ (Tisch und Bett)

Lucien Darbon (Daniel Ceccaldi) hatte Marianne „die kleine Virtuosin, die besser spielt als du“ bezeichnet. Claude Jade erinnert sich 2001 bei den Audiokommentaren an Marianne Piketty: „Das kleine Mädchen wurde wirklich Geigerin. Sie war sehr talentiert.“ Als sie Marianne im Film spielen sieht, sagt sie „Die Kleine war schon sehr erstaunlich. Von einer unglaublichen Ernsthaftigkeit.“

Marianne Piketty ist längst eine international gefeierte Violinistin.  Als Antoine die Mutter abfängt, sagt er der kleinen Marianne, sie spiele bereits so gut, dass sie bald Madame Doinel Unterricht geben könne – „Du gibst ihr Stunden und sie bezahlt sich dafür“.  Und Marianne Piketty ist heute nicht nur eine international gefeierte Künstlerin und zudem Professorin am Conservatoire National Supérieur de Musique in Lyon. Sie gibt regelmäßig Meisterkurse in Frankreich und im Ausland. Die Berliner Universität der Künste beschreibt sie 2024 als eine charismatische und unverzichtbare Künstlerin, die sich durch außergewöhnlichen Unternehmungsgeist, unerschöpflichen Drang nach neuen Begegnungen und Aufführungen auszeichnet – stets mit dem Wunsch, zu teilen, im Geist des Kollektivs: „Präzision und die Bereitschaft, über sich hinauszuwachsen, sind die Grundsätze einer Geigerin, die ihr Instrument im Laufschritt spielt – im Rhythmus einer Athletin.“

Marianne Piketty 1970 in „Domicile conjugal“, aktuelles Foto der Violinistin von Bernard Martinez.

Marianne Piketty : „Ich habe das Glück, schon in jungen Jahren prägende Erfahrungen gemacht zu haben, die mich für die Bühne begeisterten. Mit sieben Jahren trat ich mit Orchester in der Salle Pleyel auf und drehte mit François Truffaut den Film „Domicile conjugal“. Nach meinem Studium am CNSM in Paris ging ich zehn Jahre lang in die USA, um meine Ausbildung an der Juilliard School und bei Itzhak Perlman fortzusetzen.“  Sie gab ihr viel beachtetes Debüt in der Carnegie Recital Hall, folgte der Einladung Yehudi Menuhins, das Brahms Violinkonzert unter seiner Leitung zu spielen und wurde Solistin seiner Stiftung. Der Rest ist Konzertgeschichte.

Claude Jade selbst nahm auf François Truffauts Wunsch kurz Geigenunterricht: Sie selbst habe nach dem Lernen der Tonleiter in erster Linie nur Klavier gespielt und nahm Geigenunterricht, um die Finger zu setzen und den Bogen halten zu können.  Claudes Vater kontaktiert eine Dame, Professorin am Konservatorium in Dijon. „Zunächst musste ich wissen, wie ich mein Instrument und meinen Bogen richtig halten sollte. Dann lernte ich, wie man eine Tonleiter aufstellt und wie man seine Finger auf die Saiten legt. Es war schrecklich, dass ich der armen Geige nur ein herzzerreißendes Miauen entlockte. Meine Lehrerin hielt mich für „begabt“. Sie war nicht wählerisch. “
Neun Jahre später, in „L’amour en fuite“, muss Antoine den Sohn Alphonse zum Bahnhof bringen, weil Christine als Geigenlehrerin Prüfungen am Konservatorium, am Conservatoire national supérieur de musique et de Danse de Paris (CNSMDP) hat, wo die echte Marianne Piketty studiert hatte. Bei der Entstehung des letzten Doinel-Films dürfte sie erst 15 gewesen sein, so alt wie Claude, als sie am Conservatoire de Dijon begann.

Mariannes Mutter wird von Anik Asty gespielt, die in „Geraubte Küsse“ die Bordellkassiererin war und in „Auf Liebe und Tod“ die Kinokassiererin sein wird.

Anik Asty-Belaubre bei François Truffaut: als Bordellkassiererin in „Baisers volés“, als Mariannes Mutter in „Domicile conjugal“ und als Kinokassiererin mit Fanny Ardant in „Vivement Dimanche !“

Anik Asty, die sich ab Mitte der 1970er Jahre Anik Belaubre nennt, hat im François-Truffaut-Universum in ihren drei Rollen mit Geld zu tun, zweimal als professionelle Kassiererin: In „Baisers volés“ kassiert sie Zimmergeld und Spenden für eine erkrankte Kollegin. In „Vivement Dimanche !“ kassiert sie im Kino, das einem Puffbesitzer gehört. An ihrem Ende taumelt sie wie Daniel Gélin in Hitchcocks „Der Mann der zuviel wusste“ mit Messer im Rücken zurück an ihr Kassenhäuschen, ermordet von Philippe Laudenbach als Maître Clément. Dazwischen spielte sie in einem weiteren Film mit Claude Jade, „Fou comme François“. Sie wird im Abspann bereits Anik Belaubre genannt. Der Film entsteht 1976 in Marseille, wo sie ein Jahr zuvor auch am Theater gespielt hat: noch als Anik Asty in „Elle est pas belle la vie ?“ von Richard Martin.

Anik Asty Belaubre in den Truffaut-Filmen „Geraubte Küsse“, „Tisch und Bett“ und „Auf Liebe und Tod“

Marianne Piketty hatte 1970 einen ausgezeichneten Start parallel zur Salle Pleyel, die Truffaut in „L’amour à vingt ans“ filmte. Sie spielte ihr „kleines Konzert“, wie Christine es im Film nennt, bei einem Mann, der ein Vorbild in der Verbindung von Kunst und Unterhaltung ist, mit seiner Mischung aus Emotion und Reflexion sowohl Cineasten als auch das breite Publikum zu erreichen, ohne dabei den ästhetischen Anspruch zu opfern. Eben dies will Marianne Piketty, wenn sie Klassische Musik allen zugänglich machen will wie bei ihrem 2013 versammelten Ensemble Le Concert Idéal.
Bis zum 2. Februar 2025 können wir die Anfänge der Violinistin und Professorin Marianne Piketty auf Arte sehen. Der deutsch-französische Kultursender ARTE schrieb 2006 über ihre erste Zusammenarbeit mit dem Akkordeonisten Pascal Content für eine CD: “Zusammen sind sie bahnbrechend, transkribieren und geben neue Werke in Auftrag, bauen ein Repertoire auf. Marianne Piketty und Pascal Contet schicken uns auf eine Reise und erlauben uns vor allem zu träumen. Dies ist so rar heutzutage, sodass wir ihnen nicht genug dafür danken können.“
Mehr zu Marianne Piketty auf ihrer Homepage.

Hier noch bis zum 1. Februar 2025: „Domicile conjugal“ (Tisch und Bett) in der Arte Mediathek

Marianne Piketty mit Claude Jade in François Truffauts „Domicile conjugal“, heute eine gefeierte Violonistin. (aktuelle Fotos Bernard Martinez)

 

Oktober 2024

„Jedes Jahr, wenn der Oktober wiederkehrt, entsteht in mir in der Herzgegend eine kleine Erwärmung: Ah, Oktober, das wird Claudes Geburtstag sein.“ (François Truffaut, 1982)
„Chaque année, lorsque revient le mois d’octobre, un petit réchauffement se produit en moi dans la région du cœur: Ah, octobre, cela va être le birthday de Claude.“ (François Truffaut, 1982)

Heute vor 76 Jahren wurde Claude Jade geboren.

Am 21. Oktober 2024 jährt sich zum 40. Mal François Truffauts Todestag. Arte ehrt ihn und gibt die Möglichkeit zu einem Wiedersehen mit des Chronik des Paares Antoine Doinel und Christine Darbon. Seinen schönsten Film „Baisers volés“ (Geraubte Küsse) zeigt Arte am 21. Oktober, gefolgt von einem Porträt des Schauspielers Jean-Pierre Léaud. Bereits ab dem 1. Oktober sind die beiden weiteren Filme „Domicile conjugal“ (Tisch und Bett) und „L’amour en fuite“ (Liebe auf der Flucht) in der arte Mediathek zu entdecken oder wiederzuentdecken.

Zwar werden die Filme immer wieder in französischen und deutschen Kinos gezeigt, ob nun zu einer Hommage an Claude Jade im Berliner Kino Lichtblick, bei einer Jean-Pierre-Léaud-Retrospektive in Düsseldorf oder in etlichen Reihen zu Ehren von François Truffaut im Berliner Babylon. Zu Truffauts 30. Todestag zeigten in Paris die Cinémathèque und in Berlin das Lichtblick Truffaut-Werkschauen  . Doch im Fernsehen waren sie zuletzt vor zwölf Jahren zu sehen.

Arte zeigt im Oktober und November 2024 die François-Truffaut-Filme „Baisers volés“, „Domicile conjugal“ und „L’amour en fuite“ mit Jean-Pierre Léaud und Claude Jade.

Seit dem 1. Oktober 2024 bis zum 1. Februar 2025 in der Arte Mediathek:
Tisch und Bett (deutsche Synchronfassung)
https://www.arte.tv/de/videos/011981-000-A/tisch-und-bett/
Domicile conjugal
https://www.arte.tv/fr/videos/011981-000-A/domicile-conjugal/
Liebe auf der Flucht (deutsche Synchronfassung)
https://www.arte.tv/de/videos/045938-000-A/liebe-auf-der-flucht/
L’amour en fuite
https://www.arte.tv/fr/videos/045938-000-A/l-amour-en-fuite/

Vom 21. Oktober bis 4. November dann auch „Baisers volés“ (Geraubte Küsse)

Geraubte Küsse (deutsche Fassung)
https://www.arte.tv/de/videos/011587-000-A/geraubte-kuesse/
Baisers volés
https://www.arte.tv/fr/videos/011587-000-A/baisers-voles/

 

François Truffaut, Jean-Pierre Léaud und Claude Jade. Baisers volés

Mehr Informationen hier:

Baisers volés (Geraubte Küsse)

Domicile conjugal (Tisch und Bett)

L’amour en fuite (Liebe auf der Flucht)

Tisch und Bett/Kramer gegen Kramer/Liebe auf der Flucht

Robert Bentons „Kramer gegen Kramer“ sollte nach Bentons Wunsch ein Film von François Truffaut werden. Das Berliner Kino Babylon zeigt heute um 22 Uhr Truffauts „Liebe auf der Flucht“ (L’amour en fuite) , den er stattdessen drehte. Ebenfalls heute zeigt Arte um 20:15 Bentons Film. Für Berliner ein Double Feature.

„Kramer gegen Kramer“ ist ein Beitrag des New Hollywood, das von der „Nouvelle Vague“ und bei Frauenfiguren von François Truffaut geprägt war, die selbstbewusster waren als die des alten Studiokinos. 1978 herrschte noch Aufbruch wie wir ihn bei Cassavetes und Rowlands bewunderten. Für Truffaut hatte Benton bereits „Bonnie und Clyde“ geschrieben. Truffaut sagte erneut ab.

Robert Benton im Gespräch mit Michael Althen: „Bei Kramer gegen Kramer habe ich ursprünglich gesagt, der bessere Regisseur dafür wäre Truffaut, aber ich würde gerne das Drehbuch schreiben. Truffaut war auch interessiert, hatte aber keine Zeit.“ Truffaut lehnte 1978 aus Zeitgründen ab, denn er bereitete bereits „Liebe auf die Flucht“ vor, die Fortsetzung zu „Tisch und Bett“ (Domicile conjugal), dessen Einfluss bei „Kramer gegen Kramer“ unverkennbar ist.

Es war die Epoche, in der es auch im US-Kino jene Natürlichkeit gab, die besonders gelingt, wenn Dustin Hoffman und sein Filmsohn „Arme Ritter“ (French Toast als Reminiszenz an „Baisers volés“, den Vorgänger zu „Tisch und Bett“ und „Liebe auf der Flucht“) zerbrechen und sie in eine Tasse Milch tunken. Ein improvisierter Akt, gegen den das Filmkind protestiert und dem Zusammenspiel eine Vertrautheit gibt, als wär es ein Film von Truffaut.

Truffauts Co-Autor Claude de Givray sagte 2001 in den DVD-Kommentaren zu Domicile conjugal: „Seit dreißig Jahren hat das Kino versucht, dass Frauen sich emanzipieren. Und dann kommt 1970 Claude Jade. Sie lacht, nein, sie lächelt, wenn sie ihre Vorwürfe vorbringt und dabei ein Taxi ruft. Sie erklärt den Männern: Ihr seid egoistisch, ihr seid scheinheilig, ihr lügt. François war einer der ersten, die diese Art Frau als Hauptrolle geschaffen haben und die Figur von Claude Jade ist wunderbar. Denn in ihrer Rolle zeigt sie im Kino vielleicht das erste Mal ganz natürlich, dass Frauen Forderungen erheben. Danach haben die Amerikaner es in den 70er Jahren auch gezeigt, Mazursky und Benton, der damals Truffaut sein Drehbuch schickte. Robert Benton und sein ‚Kramer vs Kramer‘ und Woody Allen haben in ,Domicile conjugal’ ihr Vorbild.“

Gene Siskel von der Chicago Times schrieb „Kramer vs. Kramer verliert nie seinen zurückhaltenden, realistischen Touch. Sie werden sich am Ende des Films fragen, warum wir nicht mehr Bilder wie diese sehen. Schließlich ist ihre Geschichte nicht so ungewöhnlich.“

Ohne Truffauts Regie wurde es kein Frauenfilm, so dass die in ihren Auftritten reduzierte Meryl Streep den „Best Supporting Actress“-Oscar erhielt. Da hatte Benton nun schon Truffauts Kameramann Almendros, der gezeigt hatte, welche Wirkung es hat, wenn Menschen gefilmt werden, die eine Treppe hinaufsteigen und vor der Verhandlung erhält Streep diesen gleichberechtigten Gang im Gerichtspalast nicht. Die Kamera fährt bei ihrer Ankunft nach oben und wir müssen Dustin Hoffman, dem ohnehin der ganze Film und die Sympathien gehören, folgen. Tatsächlich musste sich Meryl Streep durchsetzen, dem „Oger“, wie sie die Joanna nannte, etwas mehr Menschlichkeit verleihen zu dürfen. Und egal, wie schäbig sich Hoffmann am Set immer wieder gegen Meryl Streep laut deren Erinnerungen aufführte, zählten Kritiker auch seine Leistung zu seinen besten. An „Tisch und Bett“ erinnern auch die getrennten Gespräche übereinander, die bereits Woody Allen als Referenz an „Bed and Board“ in „Annie Hall“ angegeben hatte. Vivaldis Mandolinenkonzert ist von Benton dessen Verwendung für Truffauts „L’enfant sauvage“ entlehnt und weil Benton sicher war, François würde Regie führen, hatte er Néstor Almendros („L’enfant sauvage“, „Domicile conjugal“, „L’amour en fuite“…) als Kameramann engagiert. Almendros arbeitete auch später mit Benton und filmte Streep erneut in „Sophie’s Choice“.

Almendros und Streep sind empfehlenswert und als erneute Sicht auf das „New Hollywood“. „Kramer gegen Kramer“ ist leider als Zugeständnis an sein breites amerikanisches Publikum nicht frei von falscher Sentimentalität, aber ein ehrlicherer Gegenentwurf zu Schmonzetten ähnlicher Vater-Sohn-Thematik wie etwa „Der Champ“ von 1979.
Und auch die Gerichtsszenen sind antiquiert, denn 1978 gab es bereits die Möglichkeit des gemeinsamen Sorgerechts. Weshalb Truffaut für die Scheidung der Kramers keine Zeit hatte: seine Helden Claude Jade und Jean-Pierre Léaud aus „Geraubte Küsse“ und „Tisch und Bett“ lassen sich in „Liebe auf der Flucht“ zeitgleich zu Streep und Hoffman scheiden: als erstes Paar in der giscardschen Scheidung des beiderseitigen Einverständnisses. Und eben jene „Liebe auf der Flucht“ lief heute im Babylon.

Scheidung in beiderseitigem Einvernehmen: Statt „Kramer gegen Kramer“ drehte Truffaut „Liebe auf der Flucht“. Claude Jade, Jean-Pierre Léaud und Jean-Pierre Ducos

Babylon heute:
https://babylonberlin.eu/programm/festivals/truffaut/6912-truffaut-love-on-the-run?

Jean-Pierre Léaud-Retrospektive im Filmmuseum Düsseldorf

Mit 14 Filmen präsentiert das Filmmuseum Düsseldorf vom 4. bis zum 30. März die Reihe „Jean-Pierre Léaud – Der sanfte Rebell“.

Jean-Pierre Léaud - geboren 1944 in Paris als Sohn einer Schauspielerin und eines Drehbuchautors - konnte sich bereits als Kind beim Casting für Francois Truffauts ersten Spielfilm "Sie küssten und sie schlugen ihn" (1959) für die Titelrolle des Antoine Doinel durchsetzen. So begann eine der fruchtbarsten und wichtigsten Kooperationen in der Filmgeschichte. Zusammen mit der Schauspielerin Claude Jade, eine weitere Entdeckung Truffauts, waren sie als das Paar Antoine und Christine Zentrum einer ganzen Reihe von insgesamt zwanzig Jahren umspannenden Filmen. Ihre Figuren sind naiv und neunmalklug, doch während Christine mit der Zeit reifer wird, bleibt Antoine auch als Erwachsener ein Kind. Ein ewiger Jüngling, zart, bisweilen scheu und immer den Schalk im Nacken. Der Zyklus zeigt ihn als Kind, als Jugendlichen, schließlich als Ehemann und Familienvater. In Filmen wie "Geraubte Küsse" (1968), "Tisch und Bett" (1970) oder "Liebe auf der Flucht"(1979) hangelt er sich von Job zu Job oder verstrickt sich in chaotische Liebesgeschichten. Auf das von ihm fabrizierte Chaos reagiert er nur mit einem lakonischen Lächeln und einem lässigen Schulterzucken. Les 400 coups, Baisers voles, Domicile conjugal, L'Amour en fuite

Jeden Sonntag wird ein Film aus François Truffauts Antoine-Doinel-Zyklus gezeigt. Und somit laufen an drei Sonntagen, jeweils um 15 Uhr auch die Filme der Antoine-und-Christine-Saga. Am 11. März macht „Baisers volés“ (Geraubte Küsse) den Anfang, am 18. März läuft „Domicile conjugal“ (Tisch und Bett / Das Ehedomizil) und am 25. März „L’amour en fuite“ (Liebe auf der Flucht).

Der Focus schreibt:
„Mit insgesamt 14 Filmen widmet sich das Filmmuseum Düsseldorf, Schulstraße 4, dem vielseitigen und sechs Jahrzehnte umspannenden Werk von Jean-Pierre Léaud. Der Schauspieler und die Ikone des französischen Autorenkinos wurde zusammen mit François Truffaut und als dessen Alter Ego Antoine Doinel zum Aushängeschild der Nouvelle Vague. Léaud repräsentierte das Lebensgefühl der französischen Jugend in den 1950er- und 1960er-Jahren. Am Sonntag, 4. März, startet die Filmreihe im Filmmuseum um 15 Uhr. Bis zum 30. März können sich Interessierte die Filme zum Großteil im Original mit Untertitel anschauen.

Mit dem Antoine-Doinel-Zyklus zeigt das Filmmuseum die vier Langfilme und einen Kurzfilm Truffauts mit Léaud als chaotisch-charmanten und träumerischen Lebenskünstler. Weitere Filme von Aki Kaurismäki, Jerzy Skolimowski, Bernardo Bertolucci, Bertrand Bonello und Jean-Luc Godard sowie sein aktueller Film, „Der Tod von Ludwig IXV“ von Albert Serra, runden die Reihe ab.
Jean-Pierre Léaud – geboren 1944 in Paris als Sohn einer Schauspielerin und eines Drehbuchautors – konnte sich bereits als Kind beim Casting für Francois Truffauts ersten Spielfilm „Sie küssten und sie schlugen ihn“ (1959) für die Titelrolle des Antoine Doinel durchsetzen.

So begann eine der fruchtbarsten und wichtigsten Kooperationen in der Filmgeschichte. Zusammen mit der Schauspielerin Claude Jade, eine weitere Entdeckung Truffauts, waren sie als das Paar Antoine und Christine Zentrum einer ganzen Reihe von insgesamt zwanzig Jahren umspannenden Filmen. [ Anm.: natürlich sind es für Antoine und Christine etwa zehn Jahre ]

Ihre Figuren sind naiv und neunmalklug, doch während Christine mit der Zeit reifer wird, bleibt Antoine auch als Erwachsener ein Kind. Ein ewiger Jüngling, zart, bisweilen scheu und immer den Schalk im Nacken.

Der Zyklus zeigt ihn als Kind, als Jugendlichen, schließlich als Ehemann und Familienvater. In Filmen wie „Geraubte Küsse“ (1968), „Tisch und Bett“ (1970) oder „Liebe auf der Flucht“ (1979) hangelt er sich von Job zu Job oder verstrickt sich in chaotische Liebesgeschichten.  Auf das von ihm fabrizierte Chaos reagiert er nur mit einem lakonischen Lächeln und einem lässigen Schulterzucken.

Ab Mitte der 1960er-Jahre beginnt Léaud, sich von Antoine Doinel zu emanzipieren. Seine Figuren – so zum Beispiel in „Masculin, féminin“ (1966) oder „I hired a contract killer“ (1992) – werden abstrakter, sein schüchternes Wesen bleibt ihm jedoch erhalten. Erst Jahre später wendet er sich gänzlich anderen Rollen zu und dreht letztlich mit fast allen Größen des europäischen Kinos.

2016 erhält Jean-Pierre Léaud die Goldene Palme für sein Lebenswerk

Im Jahr 2000 erhielt er einen Ehren-César und 2016 wurde ihm die Goldene Palme der Internationalen Filmfestspiele von Cannes als Ehrenpreis für sein Lebenswerk verliehen.“

Link zur gesamten Léaud-Werkschau im „Black Box“-Kino
Link zum ersten gemeinsamen Film Geraubte Küsse (Baisers volés)

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Francois Truffauts 30. Todestag – Retrospektiven in Paris und Berlin

Francois Truffaut Cinematheque francaise 2014 evenement exposition retrospective 2014 Claude Jade

„Ich habe begonnen, die andere Seite des Spiegels zu betreten; nicht im Sinne von Alice im Wunderland – vielmehr im Sinne des Orphée in den Filmen von Cocteau… Madame la Mort reichte mir die Hand“, schreibt François Truffaut  in einem seiner letzten Briefe an Claude Jade. Als sie, die 1984 in Zypern lebt, ihn in Paris besucht, ist er abgemagert, doch sein Blick ist intensiv und strahlend. Er verabschiedet sich nach dem Essen: „Du siehst, meine kleine Claude, ich muss jetzt Siesta halten wie die kleinen Kinder.“ An ihrem Geburtstag am 8. Oktober 1984 erhält sie zum ersten Mal in 16 Jahren keinen Brief von ihrem Freund. An einem Sonntag im Oktober stirbt François Truffaut.
Zu seinem 30. Todestag  am 21. Oktober präsentiert die Cinémathèque Française ab heute auf einer Fläche von 600 m² eine Truffaut-Ausstellung, die bis zum 25. Januar 2015 bestehen bleibt.
Vom 8. Oktober bis zum 30. November zeigt die Cinémathèque Française zudem eine Retrospektive seines Gesamtwerks. Je drei Mal laufen auch seine Arbeiten mit Claude Jade, die heute vor 66 Jahren geboren wurde: „Baisers volés“, „Domicile conjugal“ und „L’amour en fuite“.

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Claude Jade, hier mit François Truffaut, hätte heute ihren 66. Geburtstag gefeiert.

Im Berliner Lichtblick-Kino, das vor einem Jahr eine kleine Hommage an Claude Jade im Programm hatte, werden zum 30. Todestag Truffauts 16 seiner Filme gezeigt. Neben „Geraubte Küsse“ und „Liebe auf der Flucht“ wird nach längerer Zeit auch wieder „Tisch und Bett“ (Das Ehedomizil) zu sehen sein. Wer nicht nach Paris kann, geht also einfach ins Lichtblick.

Francois Truffaut Retrospektive Werkschau Lichtblick Kino Berlin 2014 Tisch und Bett Domicile conjugal Jean-Pierre Léaud, Claude Jade

Hier die Termine zu den drei Truffaut-Filmen mit Claude Jade in Paris und Berlin.

Baisers volés, Domicile conjugal, L'amour en fuite, Francois Truffaut, cycle Antoine Doinel, Claude Jade, Jean-Pierre LéaudPARIS – Cinémathèque Française,
51 rue de Bercy, 75012 Paris

BAISERS VOLÉS
Jeudi 9 Octobre 2014 – 14h30
Mercredi 22 Octobre 2014 – 16h15
Lundi 10 Novembre 2014 – 19h00

DOMICILE CONJUGAL
Samedi 11 Octobre 2014 – 19h00
Jeudi 23 Octobre 2014 – 16h30
Jeudi 13 Novembre 2014 – 19h00

L’AMOUR EN FUITE
Dimanche 12 Octobre 2014 – 19h00
Vendredi 24 Octobre 2014 – 16h00
Jeudi 13 Novembre 2014 – 21h45

Francois Truffaut, Claude Jade, Baisers volés, Cinematheque francaiseBERLIN
Lichtblick-Kino,
Kastanienallee 77, 10435 Berlin

BAISERS VOLÉS (Geraubte Küsse, OmU)
Samstag 18. Oktober 2014 – 18:30
Sonntag 26. Oktober 2014 – 22:00

DOMICILE CONJUGAL (Tisch und Bett, OmU)
Samstag 18. Oktober 2014 – 22:00

L’AMOUR EN FUITE (Liebe auf der Flucht, OmU)
Sonntag 19. Oktober 2014 – 22:00

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Zum 66. Geburtstag ein Link zu Claude Jade in François Truffauts  „Baisers volés“