Rom 1973

neuer Link in der Filmographie: Number One und La ragazza di via Condotti

Nach der Hochzeit und einem Skiurlaub fliegt Claude Jades Ehemann Bernard zurück zu seinem Posten nach Brasilien und sie selbst nach Italien: Durch die Vermittlung eines dubiosen Pseudo-Agenten dreht Claude Jade Anfang 1973 – zwischen „Home Sweet Home“ (Trautes Heim) und „Prêtres interdits“ (Der Abbé und die Liebe) – zwei Filme in Rom.

Venantino Venantini, Claude Jade, Chris Avram und Gianni Buffardi im Nachtclub „Number One“

Bei der Arbeit zum ersten, Gianni Buffardis „Number One“, fragt sie sich, was sie darin verloren hat und behält Regisseur Buffardi, einen Kumpel des Agenten, als Gauner in Erinnerung.
Der zweite, „La ragazza di via Condotti“, in dem sie unter der Regie des freundlichen Spaniers Germán Lorente vier Jahre nach Hitchcocks „Topas“ erneut mit Frederick Stafford spielte, war „glücklicherweise nicht ganz so schlimm“.

Claude Jade und Frederick Stafford in "La ragazza di via Condotti"

Claude Jade und Frederick Stafford in „La ragazza di via Condotti“

Nach Abschluss der Dreharbeiten verlässt sie Rom – wie ihre Filmrolle Tiffany – in Richtung Südamerika.

Artikel zu beiden Filmen hier:
„Number One“ und „La ragazza di via Condotti“ .

Vor 40 Jahren wurde Claude Jade Maman

pierre claude jade pierre coste 1 mois et demiClaude Jades Schwangerschaft war sehr kurios.
Da sie in Japan in Kei Kumais „Kita No Misaki“ eine Nonne spielte, durfte die dortige Presse Mitte der 70er Jahre nicht wissen, dass sie verheiratet war. Claude lernte fleißig japanisch und folgte den Anweisungen von Toho Film. So reiste Ehemann Bernard Coste als angeblicher Sekretär des ledigen Filmstars nach Tokio. Doch dann wurde die ledige Schauspielerin auch noch schwanger. Kein allzu großes Problem mit der Nonnentracht, doch zur Premiere durfte sie nicht erscheinen; das hätte einen Skandal bedeutet, da die Presse sie ja ledig glaubte.
In einer Pause zwischen den Dreharbeiten in Japan und Singapur entstand ein Horrorfilm.

kita no misaki cap du nordAls couragierte Heldin des Horrorfilms „Le collectionneur de cerveaux“ (Schach dem Roboter) durfte sie immerhin auch etwas liegen, festgeschnallt auf das Bett eines irren Mörders (siehe „Bettgeschichten“).
Als Nelly Kaplan ihr eine Rolle neben Sami Frey in „Néa“ anbot, musste Claude Jade ablehnen, denn sie hätte zwar die ersten Szenen drehen können, doch später wäre ihr Taillenumfang zu sichtbar geworden, in etwa vergleichbar mit dem Dilemma der Stacey in François Truffauts „La nuit américaine“.
Die Kleidung der Krankenschwester Claire, die Michel Bouquet in „Les anneaux de Bicêtre“ (Zwischen Tod und Leben) ins Leben zurückholte, ließ das Arbeiten als Schauspielerin wiederum zu.

pierre bebe claude_jade_tele_7_jours

Und am 21. August 1976 folgte für Claude Jade, die da bereits einige Mutterrollen gespielt hatte, ihre schönste Rolle in
LE PETIT PIERRE: „Lorsque l’enfant paraît“
dans le rôle du nourrisson: Pierre (prêt à crier, à 14 h25), dans le rôle de la mère: Claude (prêt à pouponner, à 17 heures), dans le rôle du père: Bernard (prêt à tourner de l’oeil, à 14 h 30).
„Le film de cinéma-vérité est sûrement le plus important de ma vie“
(Claude Jade, Baisers envolés, 2004)

Pierre Coste in den Armen seiner Maman Claude Jade

Pierre Coste in den Armen seiner Maman Claude Jade

Claude Jade und Annick Beauchamps mit ihren Bébés Pierre und Charlotte

Claude Jade und Annick Beauchamps mit ihren Bébés Pierre und Charlotte

Saint Bernard

Der 20. August ist der Namenstag des Bernard.

Bernard Fresson, Bernard Le Coq, Claude Jade, Annie Girardot, Jean Rochefort, Les feux de la Chandeleur, film de Serge Korber, Kerzenlicht, Gabriella Boccardo, Ilaria Occhini

Mit zwei Bernards, Bernard Le Coq und Bernard Fresson dreht Claude Jade 1972 einen Film, dessen Titel einen weiteren Feiertag der Katholiken in sich trägt, „Les feux de la Chandeleur“.
Der Feiertag Chandeleur, das Fest der Darstellung des Herrn oder auch Mariä Lichtmess, wird an jedem 2. Februar, vierzig Tage nach Weihnachten, begangen.

Claude Jade und Bernard Coste

Einen dritten Bernard, der während der Dreharbeiten zu „Les feux de la Chandeleur“ von Rio de Janeiro aus anreist, um sich mit Claude Jade zu verloben, ist Bernard Coste. Die beiden heiraten im Dezember 1972.
Für Bernard Le Coq war der Part von Claude Jades Filmbruder die erste große Filmrolle und für Bernard Fresson, der im Film Claude Jades Geliebten und Verlobten spielt, begann mit den Dreharbeiten seine Affaire mit Claudes Filmmutter Annie Girardot.
Auch ohne irgendwelchen Glauben ist der heutige Tag vielleicht eine Gelegenheit, den Bernards, die wir lieben, zu gratulieren.

Bernard le Coq und Bernard Fresson in ihren gemeinsamen Szenen in "Les feux de la Chandeleur" mit Annie Girardot, Claude Jade, Gabriella Boccardo, Jean Rochefort und Jean Bouise

Bernard Le Coq und Bernard Fresson in ihren gemeinsamen Szenen in „Kerzenlicht“ (Les feux de la Chandeleur) mit Annie Girardot, Claude Jade, Gabriella Boccardo, Jean Rochefort und Jean Bouise

 

 

Bernard Coste 74

Claude Jades Ehemann Bernard Coste wird heute 74. Sie lernt ihn ein halbes Jahr nach der Trennung vom Schauspieler Michel Duchaussoy in Brasilien kennen, wo sie ihn vorerst mit einem Käse, einem Munster, zu verführen versucht.

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Claude Jade und Jean-Pierre Cassel präsentieren "Das Schiff auf der Wiese" in Brasilien.

Claude Jade und Jean-Pierre Cassel präsentieren „Das Schiff auf der Wiese“ 1971 in Brasilien.

Im September 1971 reist das „Schiff auf der Wiese“ nicht zu den Osterinseln, wie die drei Filmhelden es wollten, doch immerhin bis nach Brasilien, wo Claude Jade und Jean-Pierre Cassel den Film in São Paulo und in Rio de Janeiro als „O Barco na Relva“ präsentieren. Unter diesem Titel wird der Film im Dezember in Brasilien starten. Ebenfalls dabei: Jean-Paul Rappeneau mit seinem neuen Film „Les Mariés de l’an II“, den er ohne das inzwischen getrennte Liebespaar Claude Jade und Michel Duchaussoy gedreht hatte. Sie sollten ein temperamentvolles und inzestuöses Geschwisterpaar als Kontrast zu Marlène Jobert und Jean-Paul Belmondo spielen. Letztlich wählte Rappeneau Laura Antonelli, damals Belmondos Lebensgefährtin, und Sami Frey.

les mariés de l'an II Das Ex-Paar Claude Jade und Michel Duchaussoy (oben links) sollte ein inzestuöses Geschwisterpaar spielen.

Das Ex-Paar Claude Jade und Michel Duchaussoy (oben links) sollte ein inzestuöses Geschwisterpaar spielen.

bernard1_claude Jade avionClaude hatte sich auf der letzten Brasilienreise mit Amy Courvoisier, dem Unifrance-Repräsentanten in Lateinamerika, angefreundet. In seinem Umfeld gibt es einen sympathischen jungen Kulturattaché, den sie nun näher kennenlernen soll. Vor ihrem Abflug nach Sao Paulo erinnert sich sich an Courvoisiers Bemerkung, es gäbe in Brasilien keinen guten französischen Käse. Also besorgt sie am Flughafen Orly Munster und Baguettes, die sie in zwei großen Taschen als Mitbringsel verstaut. Eine Tasche für Amy Courvoisier und eine für seinen Freund, den Kulturattaché. Claude hat dabei ignoriert, dass die beiden in Rio leben und deshalb wie sie in São Paulo im Hotel wohnen. Es ist heiß und die Zimmer verfügen nicht über Kühlschränke. Dem Munster bekommt das tropische Klima nicht und er endet im Mülleimer. So verführt Claude, die das französische Kino in Lateinamerika repräsentiert, ihren künftigen Mann.

Bernard Coste und Claude Jade

Bernard Coste und Claude Jade

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Claude Jade in der Sonne

"Shéhérazade"

„Shéhérazade“

Acht Tage nach Claudes Abreise trifft dieser Attaché, Bernard Coste, in Paris ein und ist fest entschlossen, die junge Dame nicht durch die Finger gleiten zu lassen. Vor sechs Monaten von Michel Duchaussoy verlassen, ist sie alleinstehend. Bernard bleibt einen Monat in Paris. Sie stellt ihn ihren Eltern vor und in Vézelay wandeln beide auf den Spuren von Benjamin und Manette. Während der folgenden sieben Wochen, die Bernard in Brasilien verbringt, ist er ihr nah: Er schreibt ihr fast täglich. Zu dieser Zeit beginnen die Dreharbeiten zu „Sheherazade“. Die Ausstrahlung des Films, in dem sie auch drei Lieder aus der Feder Jacques Datins singt, kann sie nicht sehen, da sie gerade Bernard in Brasilien besucht: „France Soir“ schreibt zum Jahreswechsel, dass Claude Jade in Rio Samba tanzt.

bernard_rio-claude jade rio brasilia

bernard coste claude jade imageIn São Paulo begleitet Bernard sie zur Premiere von „O barco na relva“, dann reisen sie nach Brasilia und nach Rio de Janeiro, wo sie den 31. Dezember gemeinsam verbringen. Sie reist durch Brasilien, fühlt sich wohl in seiner Gegenwart und leidet ein wenig darunter, dass ihre große Liebe am anderen Ende der Welt zurückbleiben muss. Sie muss ihn im Januar für zwei andere Bernards verlassen, Bernard Le Coq und Bernard Fresson, ihre Filmpartner in „Les feux de la Chandeleur“. Im Februar kommt Bernard nach Dijon, wo sie sich verloben.
Sie berichtet auch François Truffaut davon. Er schreibt ihr:
„Dienstag, den 22. März 72. Meine kleine Claude, ich danke dir für deinen Brief vom Sonntag. Ja, wir werden uns bei meiner Rückkehr so um den 15. April sehen; deine Nachricht von deiner Verlobungen begeisterte mich nicht, du solltest dieses Vorhaben in Zweifel ziehen. Du bist ungeduldig in deiner Absicht, zu heiraten, um eine Frau zu werden; meine Idee ist, dass du dich bemühen solltest, erst eine Frau zu werden und danach zu heiraten, voilà. In neun von zehn Fällen in der Geschichte des Paares ist jene eine Beziehung des Kräftemessens; das sollte zwar nicht so sein, ist aber nichts anderes als das und unter diesem Gesichtspunkt eines Kräftemessens kannst du momentan noch nicht die Gewinnerin sein (und ich füge hinzu, dass sogar die Gewinnerrolle undankbar ist.)   Das, was ich dir da sage, bringt nichts, strikt gar nichts, denn wenn man das Verlangen hat, die Sachen zu machen, ganz stark und ohne Bedenken, wird man gegen jede Argumentation daran festhalten. Dies losgeworden, wünsche ich dir das Glück und einen wirklichen Erfolg im Leben zu zweit, dann im familiären, etc. […] ich umarme dich liebevoll, meine kleine Claude, françois.“

bernard_claude jade-costeAm 14. Dezember 1972 heiraten Claude und Bernard. Die Braut trägt ein kurzes Kleid von Lanvin. Sie essen im „Coupe-Chou“, das der Schauspieler Christian Azzopardi, ihr Partner in „Le crime de la rue de Chantilly“ , gerade eröffnet hat. Die Hochzeitsnacht wird alles andere als konventionell eingeläutet. Sie folgen einer Einladung zur Premiere des neuen Films von Bertolucci, dessen Titel nichts über sein Sujet verrät. Es ist der Film mit der Butter, „Der letzte Tango in Paris“!
François Truffaut sendet den frisch Vermählten ein Lied. Im ersten Teil schildert er die Liebe zum Botschaftsattaché in Brasilien, für den zweiten verwendet er bisherige Filmtitel Claudes.

bernard IMG_3269 mariage claude jade bernard coste 1972„A rio lui a souri la chance
CLAUDE JADE
A découvert les embrassades
Au théâtre de la maison de France
Et de brasilia à bahia
De samba en batida
Elle affirme en chantant
en amour il n’est pas de grade
l’important c’est d’avoir… trente ans
un jeune homme attaché d’embassade
vaut bien mieux je le prétends
qu’un ministre ventripotent.”

“tel l’oncle Benjamin
BERNARD C.
A trouvé son oiseau rare
Et le prenant par la main
Lui a volé des Baisers
Aux feux de la chandeleur
l’étau s’est refermé
sur le songe d’une nuit d’été
devant le témoin ils ont signé
le bateau l’herbe a quitté
pour les mener au domicile conjugal
leur home sweet home tropical.”

Neben Truffaut und Jean-Paul Rappeneau („… Ich bin auch besonders glücklich, da ich fühle, den Schutzgott gespielt zu haben, der eure Begegnung gesegnet hat…“) gratuliert auch Alfred Hitchcock: „Dear Claude, my warmest congratulations on your marriage, the notification of which has just reached me. Please try and be as faithful to your husband as you can. Sincerely, Hitch.”

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Nicoletta Machiavelli

Le malin plaisir Jacques Weber Claude Jade Anny Duperey Nicoletta Machiavelli Mary Marquet Cécile Vassort

In „Le malin plaisir“ ist Nicoletta Machiavelli 1975 neben Claude Jade, Anny Duperey, Mary Marquet und Cécile Vassort Teil eines mörderischen Quintetts . Jacques Weber kommt ihnen auf die Schliche.

Le malin plaisir Jacques Weber Claude Jade Anny Duperey Nicoletta Machiavelli Mary Marquet Cécile VassortDie italienische Schauspielerin Nicoletta Machiavelli ist am 15. November im Alter von 71 Jahren gestorben.
Berühmt wird sie 1966 mit Luigi Zampas „Eine Frage der Ehre“: Ein sich versteckt haltender Mann schwängert seine Frau und als die Öffentlichkeit nun glaubt, sie sei fremdgegangen, muss er sie töten, um seine Ehre wiederherzustellen. Nicoletta Machiavelli nimmt in ihren folgenden Filmen selbst die Waffe zur Hand; in Spaghetti-Western wird sie zum Star des Genres: mit Burt Reynolds in Sergio Corbuccis „Navajo Joe“ oder in „Giarrettiera Colt“als eine der wenigen zentralen Westernheldinnen. Quentin Tarantino gibt ihr zu Ehren seiner Hauptfigur in „Kill Bill“ das Pseudonym Arlene Machiavelli.

Nicoletta Machiavelli "Navajo Joe" “Giarrettiera Colt” Spaghetti Western

Star des Spaghetti Western: Nicoletta Machiavelli

Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck

Trenck-Mehrteiler (1972)

In Carlo Lizzanis „Eine Flut von Dollars“ überlebt ihre Heldin Mary Ann nur in der amerikanischen Version „The Hills Run Red“, in der italienischen muss sie wie in „Eine Frage der Ehre“ sterben. Ein Los, das sich ihre Rollen oft teilen: Als Alain Delons Ehefrau in „Tony Arzenta“ stirbt sie bereits zu Beginn des Films.
Zum Ausgleich schlüpft Nicoletta Machiavelli für „Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck“ gemeinsam mit Matthias Habich in preußische Gewänder – und geht als Amalie ins Kloster.
Doch 1975 wird sie abermals gefährlich – als eine der Hauptdarstellerinnen in Bernard Toublanc-Michels „Le malin plaisir“.

Le malin plaisir Jacques Weber Claude Jade Anny Duperey Nicoletta Machiavelli Mary Marquet Cécile Vassort Bernard Toublanc Michel

1975 spielte sie neben Claude Jade eine der fünf mordverdächtigen Frauen im Thriller „Le malin plaisir“. In der Villa Fontbonne zeigen sie nach dem Unfalltod des Schriftstellers Philippe Malaiseau keine Spur von Trauer: Anny Duperey ist in ihrer zweiten Zusammenarbeit mit Claude Jade nach „Gejagt wie Monte Christo“ die Witwe Malaiseaus, Claude Jade spielt die Sekretärin Julie, Mary Marquet die Mutter, Cécile Vassort eine Cousine und Nicoletta Machiavelli als Melisa die mysteriöse italienische Freundin des Toten. Als der junge Autor Marc (Jacques Weber) nach Fontbonne kommt, um Malaiseaus letztes Werk fortzusetzen, wird er zum Liebhaber und Spielball der Frauen. Bald keimt in ihm ein schrecklicher Verdacht.

Le malin plaisir Jacques Weber Claude Jade Anny Duperey Nicoletta Machiavelli Mary Marquet Cécile Vassort

le malin plaisir jacques weber claude jade anny duperey nicoletta machiavelli Mary marquet cecile vassort bernard toublanc michelDa Marc mit den vier jungen Frauen schläft, gerät der Film freizügig. Claude Jade, die noch vier Jahre zuvor Nacktszenen abgelehnt hatte (s. „Mein Onkel Benjamin“), wird von ihrem Ehemann Bernard Coste darin bestärkt, die Julie zu spielen. Denn eine verführerische Mörderin ist genau der Imagewandel, mit dem sie ihren braven Heldinnen entfliehen will. Für Nicoletta Machiavelli sind unbekleidete Auftritte seit “Storie scellerate” (Decamerone – Abenteuer des Wollust) keine Neuheit.
Ungewohnt ist allerdings die Unterbringung der Stars: Drehort für die südfranzösische Villa, in dem die fünf Frauen ihr Netz um den jungen Autor spinnen, ist das Château d’Arpaillargues bei Uzès. Und die Schauspieler beziehen jene Zimmer, die im Film von ihren Figuren bewohnt werden.
Für Nicoletta Machiavelli war die Melisa 1975 ihre zweite Hauptrolle im französischen Kino. Im Jahr darauf spielte sie neben Jean Gabin und Jean-Claude Brialy in „Zwei scheinheilige Brüder“, trat in „Jenseits von Gut und Böse“ auf und zog sich 1977 bis auf ein kurzes Comeback vom Film zurück. Der Titel: „La fuite en avant“. Sie wollte als Schülerin des Neo-Sannyas-Begründers Osho nur noch ihr Privatleben und lebte seitdem in der Nähe Bolognas.
1985 ging sie in die USA, wo sie privaten Sprachunterricht und Kochkurse gab. Nach schwerer Krankheit ist sie am vergangenen Sonntag in Seattle gestorben.

Le malin plaisir Jacques Weber Claude Jade Anny Duperey Nicoletta Machiavelli Mary Marquet Cécile Vassort

 

 

die Jahre in Moskau

Золотой приз МКФ в Москве 1981: Александр Алов, Наталия Белохвостикова, Клод Жад, Игорь Костолевский, Армен Джигарханян

Triumph der Festival-Gewinner Moskau 1981: Regisseur Alexandr Alov mit den „Teheran 43“-Stars Natalia Belochwostikowa, Claude Jade, Igor Kostolewski und Armen Dshigarchanian

Links zu zwei sowjetischen Filmen mit Claude Jade: „Teheran 43“ und „Lenin in Paris“

Claude_Jade_Bernard_CosteBernard Coste muss 1979 als Generalsekretär des Kulturministeriums der Französischen Botschaft Moskau in die Sowjetunion übersiedeln. Seine Frau Claude  kennt Moskau bereits von einem viertägigen Aufenthalt bei den Filmfestspielen 1971. Nun wird sie ab dem Frühjahr 1979 für drei Jahre dort leben, in zwei sowjetischen Filmen spielen und zum Drehen für zwei weitere Kino- und sieben TV-Filme immer wieder nach Frankreich fliegen.  Sie behalten die Wohnung in Boulogne, denn ein Hotelleben in Frankreich kann sie sich nicht vorstellen.

In Moskau, wo die Menschen in den Magasins Schlange stehen, an manchen Tagen kästenweise Bananen einheimsen und an anderen Tagen Rasierschaum-Rationen, bemerkt sie einen Soldaten, der massenweise Toilettenpapier mit sich trägt, weil es endlich welches zu kaufen gibt. Sie ist privilegiert und kann in den Berioskas mit Devisen einkaufen, in denen fast alles erhältlich ist. Doch Tomaten, Kosmetik, Papiertaschentücher, Käse, Olivenöl oder Videokassetten muss sie in Paris besorgen.

Claude_Jade_Moscou_1981Zu jener Zeit ist sie nicht die einzige französische Künstlerin, die zwischen Moskau und Paris pendelt. Sie begegnet – ausgerechnet am Flughafen – Marina Vlady, die ebenfalls in Paris arbeitet und in Moskau mit ihrem Mann, dem Dichter, Schauspieler und Sänger Wladimir Wyssotzki, lebt. Vlady hatte bereits zehn Jahre zuvor in einem sowjetischen Film des Regisseurs Sergej Jutkewitsch gespielt. Jutkewitsch engagiert nun Claude Jade für sein letztes Werk „LENIN IN PARIS“ , in dem sie die Revolutionärin Inessa Armand spielt. Ein weiterer russischer Film, den Claude Jade in jener Zeit dreht, ist die sowjetisch-französische Großproduktion „TEHERAN 43“.

Truffaut sendet ihr zu jenem Zeitpunkt ein Buch über sich aus der Reihe „L’Age d’homme“ mit einer amüsanten und treffenden Widmung: „Für die köstliche Madame Doinel, Botschafterin des Charmes im Land des Messers zwischen den Zähnen. Mit all meiner Zuneigung, françois.“  Später wird ihr auch Jutkewitsch ein ihm gewidmetes Buch aus der selben Reihe senden und ihr schreiben: „Für eine sehr große Schauspielerin, Claude Jade, mit Bewunderung, sehr freundschaftlich Sergej Jutkewitsch. Paris-Moskau 1980“.

Teheran_43_Poster_Tegeran_43

Lenin_in_Paris_film_Yutkevich_Claude_JadeClaude Jade, die noch vor Beginn ihrer russischen Filme das kyrillische Alphabet lernt, um sich in der Stadt – speziell beim Einkauf auf dem Markt der Kolchosen – zurechtzufinden, freundet sich mit der französischen Pianistin Brigitte Engerer an.
Sie besuchen Engerers Meister Stanislav Neuhaus, den Stiefsohn Boris Pasternaks, und Claude besichtigt das winzige Arbeitszimmer des Schöpfers von „Doktor Schiwago“, das gleichzeitig sein Schlafraum war und sie an eine Mönchszelle erinnert. An seinem Grab steht wie vor vielen anderen eine Bank, auf der Angehörige in unmittelbarer Nähe der Toten picknicken oder ihrer mit Wodka gedenken können.

Im Juni 1981 wird „Télé 7 jours“ in seinem Bericht „Claude Jade: double carrière à Paris et à Moscou“ sie als die Gastgeberin der französischen Moskau-Besucher preisen: „An ihrem Tisch, wo die Bifteck-frites mit Borschtsch und Blinis alternieren, empfängt sie französische Künstler, die sie dann in die Museen und Theater Moskaus steuert. Micheline Presle, eingeladen zur Woche des französischen Films, war bereits ihr Gast.“

Claude Jade mit ihrem Sohn Pierre Coste

Claude Jade mit ihrem Sohn Pierre Coste

Als neben Jean-Jacques Beneix, Alain Bonnot und Evelyne Dress die platinblonde russisch-französische Schauspielerin Katia Tchenko, zu jener Zeit ein begehrtes Pin-up, die Costes besucht, versucht sich der kleine Pierre als Connaisseur en russe: „Du weißt schon, Maman, dass Katia schöner ist als du.“

Auf die armenisch-französische Freundschaft - hier mit Armen Dshigarchanian im Film "Teheran 43"

Auf die armenisch-französische Freundschaft – hier mit Armen Dshigarchanian im Film „Teheran 43“

Dem russischen Winter kann Claude bei einer Armenienreise entfliehen: Sie lassen Pierre bei Bernards Eltern in Moskau und treffen in Jerewan den Schriftsteller Georges Conchon, den Claude 1970 als Jurymitglied in Hyères kennengelernt hatte, und den Politiker Georges Gorse. Als in einer Kolchose die französisch-armenische Freundschaft begossen wird, nehmen die Toasts kein Ende; auf jede neue Ansprache muss ein Glas erhoben und geleert werden. Claude Jade erinnert sich in ihren Memoiren: „Es gelang mir, eine Flasche Wasser zu verstecken;   ich behielt sie unter der Tafel und füllte aus ihr diskret nach. Bald wurde jenen sehr übel, die nicht diese Vorsichtsmaßnahme ergriffen hatten. Als sie sich zum Schluss der Mahlzeit von der Tafel zu erheben und auf ihren Beinen zu halten versuchten, war ihnen ein torkelnder Zickzackgang sicher… Am nächsten Tag wurde das Frühstück auf Geheiß unserer Gastgeber verschoben zugunsten der Bekanntmachung mit dem lokalen Cognac! Für mich war es undenkbar, diesen heftigen Alkohol so früh am Morgen zu trinken. Ich ersetzte ihn durch Pflaumensaft, der die gleiche Farbe hatte und umging so das Risiko, ihre Empfindlichkeit zu verletzen noch eine Migräne zu bekommen und ich erwies ihnen dennoch meine Ehre an ihre Gastfreundschaft.“

Auf dem XII. Moskauer Internationalen Filmfestival, das ihre beiden Filme „Teheran 43“ und „Lenin in Paris“ präsentiert, steht Claude Jade gemeinsam mit den sowjetischen Schauspielern und Regisseuren auf der Bühne. Die französischen Gäste des Festivals begrüßt sie weiterhin als Gastgeberin.  Noch zehn Jahre später sind Kollegen überrascht, als sie erfahren, dass sie wieder in Paris lebt. Trotz der kontinuierlichen Arbeit in Frankreich wähnten sie Claude Jade weiterhin in Moskau.

Bericht über Claude Jade in ihren sowjetischen Filmen "Teheran 43" und "Lenin in Paris" - Клод Жад («Тегеран-43»; «Ленин в Париже»)