Décès en 2017

Unter den verstorbenen Schauspielern des Jahres 2017 sind einige Partner Claude Jades.


Jean Rochefort, Jean-Claude Bouillon, Gisèle Casadesus, Claude Rich, Jacques Robiolles, Jean-Marc Thibault, Alain Mottet, Marie Mergey, Jeanne Moreau

Jean Rochefort, Jean-Claude Bouillon, Gisèle Casadesus, Claude Rich, Jacques Robiolles, Jean-Marc Thibault, Alain Mottet, Marie Mergey sowie Jeanne Moreau.

Jean-Claude BOUILLON
27.12.1941 – 31.07.2017

Claude Jade und Jean-Claude Bouillon in "The Hitchhiker: Windows" Was der Maler sah

Claude Jade und Jean-Claude Bouillon in „The Hitchhiker: Windows“

Der Star der Serien „Les Brigades du tigre“ und „Die Rosen von Dublin“  war zweimal Partner von Claude Jade.
Jean-Claude Bouillon gab 1966 in Godards „Made in U.S.A.“ sein Debut und verlegte sich nach Hauptrollen in Kino-Filmen („Le dernier homme“ von Charles Bitsch, „Tout peut arriver“ von Philippe Labro und „Le Champignon“ von Marc Simenon) schnell auf das Fernsehen.
Dort trafen sich  Jean-Claude Bouillon und Claude Jade erstmals 1990.

"Was der Maler sah" (Windows): Jean-Claude Bouillon und Claude Jade

„Was der Maler sah“ (Windows): Jean-Claude Bouillon und Claude Jade

In der Folge „Windows“ (Was der Maler sah) aus der Serie „The Hitchhiker“ war Jean-Claude Bouillon der brutale Ehemann von Monique (Claude Jade), die vom besessenen Mann von gegenüber, dem Maler Jake (David Marshall Grant), beobachtet wird. Dessen Visionen, die er auf die Leinwand bannt, werden später zur Wirklichkeit. Doch anders, als Jake vermutet, hat nicht Victor seine Frau sondern Monique ihren Mann in Notwehr erschossen. Am Ende wird auch Jake durch Moniques Hand sterben und wieder erschießt sie einen Mann in Notwehr.

Jean-Claude Bouillon als Victor und Claude Jade als Monique

Zehn Jahre später spielen Claude Jade und Jean-Claude Bouillon erneut ein Paar:  In „Cap des Pins“ wird Jean-Claude Bouillon 1999 als Serge Létan der Liebhaber der gegen ihren Mann aufbegehrenden Serienheldin Anna Chantreuil.

Jean-Claude Bouillon und Claude Jade 2000 in „Cap des Pins“

Gisèle CASADESUS
14.06.1914 – 24.09.2017
Gisèle Casadesus war „Ma mie Rose“ (Alle lieben Mami Rose) im gleichnamigen Fernsehfilm. Als Grandmère au pair des zehnjährigen Benoît sorgt sie für das Ehe- und Familienglück von Claude Jade und Claude Giraud.
„Gisèle Casadesus. Voilà une grande dame, une personne délicieuse, une femme cultivée et discrète, une magnifique actrice ! Je crois que je ne tarirais pas d’éloges sur elle; je lui ai même avoué que je rêvais de vieillir avec d’élégance qu’elle (je suis sûrement très présomptueuse…).“
(Claude Jade, „Baisers envolés“, 2004)   Mehr über sie hier: Gisèle Casadesus

Jean ROCHEFORT
29.04.1930 – 09.10.2017
Sein Markenzeichen, den Moustache, etablierte Jean Rochefort als Filmvater von Claude Jade und Bernard LeCoq in „Kerzenlicht“ mit Annie Girardor. Der Schnauzbart ließ den jungen Schaupieler bedeutend reifer wirken; er erschien un distinguiert und eroberte so sein neues Rollenfach.
Mehr über ihn hier: Jean Rochefort.

Alain MOTTET
30.12.1928 – 31.10.2017
Im Märchen zum Jahresende 1971 überfliegt Alain Mottet mit Claude Jade auf einem fliegenden Pferd Bagdad. Der in „Sheherazade“ verliebte Shazenian war eine seiner seltenen Hauptrollen. Mehr über den vor zwei Monaten verstorbenen Schauspieler hier: Alain Mottet.

Claude RICH
08.02.1929 – 20.07. 2017

Als totgeglaubter Ehemann der von Claude Jade gespielten Diplomatenwitwe Suzan Frend war Claude Rich der Star des Sechsteilers „Das große Geheimnis“. Mehr über den charmanten Draufgänger der 60er Jahre hier: Claude Rich.

Jacques ROBIOLLES
06.03.1935 – 19.04.2017
Henri Langlois, dem „Geraubte Küsse“ gewidmet war, förderte den jungen Regisseur Robiolles, der seine Filme aus Nichts machte. Langlois produzierte Robiolles‘ ersten Film „Le Daguemaluahk“. Entsprechend ist er in „Baisers volés“ als arbeitsloser Autor eine Referenz an sich selbst und kommt in „Tisch und Bett“ erneut vorbei, um bei Antoine zu schnorren. Neben diesen beiden Truffaut-Filmen hatte er auch eine weitere kleine Rolle in „Die Braut trug schwarz“. Er spielt den Concierge  jenes Hochhauses, in dem Jeanne Moreau kurz darauf Claude Rich vom Balkon in den Tod fallen lässt.

Claude Jade, Jacques Robiolles, Jean-Pierre Léaud, Domicile conjugal

Claude Jade, Jacques Robiolles und Jean-Pierre Léaud in „Domicile conjugal“

Marie MERGEY
28.02.1922 – 08.04.2017
In der Serie „Die Insel der dreißig Tode“ ist Marie Mergey als Bretonin Honorine eine Weile die treue Gefährtin der Heldin Véronique d’Hergemont (Claude Jade). Doch die Prophezeiung mit dreißig Särgen für dreißig Opfer und vier Frauen am Kreuz muss sich erfüllen auf der „Insel der dreißig Särge“. Und so verfällt Honorine dem Wahnsinn und verflucht Véronique: „Du bist die Mutter des Ungeheuers. Ans Kreuz mit dir, Véronique d’Hergemont, ja ans Kreuz mit dir. Aber nicht mit mir, nein, aber nicht mit mir“. Dann stürzt sie sich in den Tod und überlässt Véronique der Einsamkeit auf der grauenhaften Insel.

Claude Jade und Marie Mergey in „Die Insel der 30 Tode“

Im Kino hatte Marie Mergey wichtige Nebenrollen bei einem Regisseur, mit dem Truffaut in „Eine gewisse Tendenz im französischen Kino“ abgerechnet hatte: Claude Autant-Lara. Der hatte Mergey als Bourvils verbitterte Gattin Adelaïde in „La Jument verte“ besetzt und kurz darauf als Pierre Mondys verbrecherisches Eheweib, Alexandre Dumas‘ Madame Caderousse, in „Der Graf von Monte Christo“. Die Gutherzigkeit Honorines im Straßenfeger „L’île aux trente cerceuils“ lässt deren Boshaftigkeiten aber rasch vergessen.

Jean-Marc THIBAULT
24.08.123 – 28.05.2017

„La tête en l’air“ mit Claude Jade und Jean-Marc Thibault (rechts)

Bekannt wurde Jean-Marc Thibault durch jene Filme, die er mit seinem Kumpan Roger Pierre drehte. Über drei Jahrzehnte traten sie als Komiker-Duo auf. Das Fernsehen stärkte die Popularität: So spielte er in der Serie „Maguy“ den Ehemann von Rosy Varte. Eine seiner Serien-Hauptrollen als Pierrot, großväterlicher Freund von Claude Jades Serien-Tochter Valérie Karsenti in „La tête en l’air“, wurde ihm von seiner Ehefrau Sophie Agacinski geschrieben.

außerdem starben 2017

Paloma MATTA
22.08.1945 – 13.09.2017
Auf den Internetseiten von Facebook wird sie regelmäßig mit Claude Jade verwechselt. „Oh ja, Claude Jade hat mir immer so gefallen in ‚Belle und Sébastien‘ “ schreiben einige,  „Claude Jade, die Heldin aus der Serie ‚Jacquou le Croquant‘ “, die anderen.

Sie wird gern mit Claude Jade verwechselt: Paloma Matta

Es war Paloma Matta, die jene Rollen in den Serien spielte, doch tatsächlich haben die beiden Schauspielerinnen eine frappierende Ähnlichkeit. Weitere Parallele: Paloma Matta spielte zwei Jahre vor Claude Jades Debut am Théâtre Moderne (in Sacha Pitoëffs Inszenierung von „Heinrich IV“) an jenem Haus ebenfalls bei Pitoëff, als Anja in Tschechows „Kirschgarten“.
Eine ausführliche Filmographie der Schauspielerin Paloma Matta gibt es hier:
Paloma Matta Filmographie

EMMANUELLE RIVA
24.02.1927 – 27.01.2017

In ihren Anfängen hatten beide die Camille in Alfred de Mussets „On ne badine pas avec l’amour“ erarbeitet: Claude mit 18 in der Klasse von Jean-Laurent Cochet, Emmanuelle Riva mit 26 Jahren beim Vorsprechen an der Schauspielschule, wo sie von Claudes späterem Stammregisseur Jean Meyer unterrichtet wurde. Beide sind Vertreterinnen der Nouvelle Vague, Riva mit „Hiroshima mon amour“. Danach blieb sie unsentimentalen Rollen in humanistischen Filmen verbunden. Wie unsentimental auch ihre Gedichte sind und ihre Interpretation, zeigte Emmanuelle Riva im April 1971, als sie zusammen mit Claude Jade Stargast in Philippe Bouvards Fernsehsendung „Samedi Soir“ war.

und
Jeanne MOREAU
23.01.1928 – 31.07.2017
Sie war vor Claude Jade François Truffauts erste Muse. Die Japanerin, mit der Antoine in „Domicile conjugal“ Christine betrügt, und die vom Cardin-Mannequin Hiroko gespielt wurde, ist übrigens eine Empfehlung von Jeanne Moreau.

JEAN-PIERRE CARGOL (L'enfant sauvage), JEANNE MOREAU (Jules et Jim), FREDERIQUE JAMET (petit rôle dans L'homme qui amait les femmes), FANNY ARDANT (La femme d'à côté), SYVIE GREZEL (L'argent poche), CHARLES DENNER (La mariée était en noir, Une belle fille..., L'homme qui aimait les femmes), MARCEL BERBERT (producteur), DANI (La nuit américaine, L'amour en fuite), JACQUELINE BISSET (La nuit américaine), HENRI SERRE (Jules et Jim), SERGE ROUSSEAU (La mariée..., Baisers volés), NELLY BENEDETTI (La peau douce), MARIE DUBOIS (Tirez sur le pianiste, Jules et Jim), ALEXANDRA STEWART (La nuit américaine), CATHERINE DENEUVE (La sirène du Mississippi, Le dernier métro), GERARD DEPARDIEU (La femme d'à côté), CHARLES AZNAVOUR (Tirez sur le pianiste), BERNARDETTE LAFONT (Les mistons, Une belle fille comme moi), CLAIRE MAURIER (Les 400 coups), JEAN-CLAUDE BRIALY (Une histoire d'eau, La mariée était en noir), JEAN-PIERRE LEAUD (les Doinel, Les deux anglaises, La nuit américaine), DELPHINE SEYRIG (Baisers volés), JEAN-PIERRE AUMONT (La nuit américaine), BRIGITTE FOSSEY (L'homme qui aimait les femmes), HENRI GARCIN (La femme d'à côté) et CLAUDE JADE (Baisers volés, Domicile conjugal, L'amour en fuite) - Cannes 1985 -Hommage a François Truffaut

Als Claude Anfang Januar 1968 erstmals Truffaut in seinem Büro an der rue Robert-Estienne 5 trifft, kennt sie ihn nur von einem Foto. Auf diesem lachen er und Jeanne Moreau sich an während der Arbeit zu „Jules et Jim.“ An einem Abend, an dem Claude nicht Theater spielt, geht François mit ihr in „La mariée était en noir“ und erzählt ihr danach von seiner Freundschaft mit Jeanne Moreau. Und als Truffaut seiner zukünftigen Verlobten beim ersten Rendezvous am 16. Februar 1968 Champagner anbietet, den einzigen Wein, den er trinkt, erklärt er ihr, was Jeanne Moreau darüber sagt. Truffaut fand Moreaus Beschreibung so hübsch, so dass er sie übernahm: „Champagner ist die Milch der Erwachsenen.“

Advertisements

Joyeux Noël

Joyeux Noël Merry Christmas Schöne Weihnachtstage Buon Natale Счастливого Рождества メリークリスマス Crăciun fericit Feliz Navidad عيد ميلاد مجيد God jul Wesołych Świąt  Καλά Χριστούγεννα Mutlu Noeller Շնորհավոր Սուրբ Ծնունդ Veselé Vánoce Boldog karácsonyt Hyvää joulua חג מולד שמח Nollaig Shona 聖誕快樂 کریسمس مبارک Sretan Božić შობა Vrolijk kerstfeest میری کرسمس

Claude Jade クロード・ジャド كلود جاد Клод Жад Κλοντ Ζαντ Claude Jadeovà کلود جید კლოდ ჟადი קלוד ז’אד 클로드  Joyeux Noël Merry Christmas Schöne Weihnachtstage Buon Natale Счастливого Рождества メリークリスマス Crăciun fericit Feliz Navidad عيد ميلاد مجيد God jul Wesołych Świąt  Καλά Χριστούγεννα Mutlu Noeller Շնորհավոր Սուրբ Ծնունդ Veselé Vánoce Boldog karácsonyt Hyvää joulua חג מולד שמח Nollaig Shona 聖誕快樂 کریسمس مبارک Sretan Božić შობა Vrolijk kerstfeest میری کرسمس 자드 克劳德·杰德 Kloda Žada

Claude Jade
クロード・ジャド
كلود جاد
Клод Жад
Κλοντ Ζαντ
Claude Jadeovà
کلود جید
კლოდ ჟადი
קלוד ז’אד
클로드 자드
克劳德·杰德
Kloda Žada

Balthus, Beine, Brille und Brüste

Zur Zeit ist ein Balthus-Gemälde Gegenstand einer Zesur-Debatte: „Met Museum refuses to remove Balthus painting“. Man kann die Unterhose seiner pubertierenden „Thérèse rêvant“ sehen und das Bild, das wohl Besucher sexuell erregen könnte, soll entfernt werden, so fordern es Online-Petitionen.
Auch Truffaut, einem Mann der sich im Kino wie kaum ein Zweiter für das Recht der Kinder einsetzte („Les 400 Coups“, „L’argent de poche“), hatte einen Balthus in seiner Wohnung hängen und verwendete ihn. Nein, es war ein harmloser Balthus.
Balthus Metropolitan Museum Mee too Bed and Board Domicile conjugal Francois Truffaut Claude Jade Jean-Pierre Leaud
Christine a décroché un petit tableau du mur et le tend à Antoine:
Christine: „Tiens prends le petit Balthus.“
Antoine: „Ah, le petit Balthus, je te l’ai offert, il est à toi. Garde-le.“
Christine: „Si si emporte-le.“
Antoine: „Ecoute il est à toi, je te l’ai offert.“
Christine: „Ah bon.“
Christine raccroche le tableau.
***
Christine hangs a small painting off the wall and hands it to Antoine.
Christine: „Here, take this Balthus.“
Antoine: „I gave it to you. It’s yours.“
Christine: „You can have it back.“
Antoine: „Look, it’s yours! I gave it to you.“
Christine: „Oh, all right then.“
Christine hangs it back.
***
Christine hängt ein kleines Gemälde von der Wand und reicht es Antoine.
Christine: „Da, nimm deinen kleinen Balthus mit.“
Antoine: „Aber den Balthus hab ich dir geschenkt. Er gehört dir. Behalt ihn.“
Christine: „Ja, schon. Aber nimm ihn doch mit.“
Antoine: „Aber ich hab ihn dir geschenkt, also gehört er dir.“
Christine: „Na gut.“
Christine hängt ihn zurück.

„La peau douce“ (1963), „Domicile conjugal“ (1970)

Danach glaubt Antoine, Christine küssen zu dürfen, doch: „Nein, du küsst mich jetzt nicht“.
Den Gemälde-Dialog, damals ein Foujita, hatte François Truffaut bereits in einer Szene zwischen dem Ehepaar Lachenay in „Die süße Haut“ verwendet. Sicher, es ist ein harmloser Balthus, doch wenn sich nach einem Erfolg des Verbots im New Yorker Met eine Petition dessen Gesamtwerk vornehmen sollte?
Es ist anzunehmen, dass sich im Kino demnächst jemand daran stören wird, dass Perseus eine Frau köpft und Medusas Haupt triumphierend in die Höhe hält; auch die Filmographien von Schmollmund Brigitte Bardot oder dem einstigen Nacktmodell Marilyn Monroe haben eine Zensur zu befürchten, was für ein Frauenbild ! Nicht so reaktionär wie in prüden Heimatfilmen, doch erregend sexistisch.

                         Sexuell verdächtige Fetische: Beine, Brille, Brüste

Bei Claude Jade sollten Sie noch einmal einen Blick auf „Domicile conjugal“ werfen, den fetischisierten Blick auf Claude Jades Beine. Wir sehen zu Beginn ein Paar Frauenbeine, für Truffaut „die Zirkel, die den Erdball in allen Himmelsrichtungen ausmessen und ihm sein Gleichgewicht und seine Harmonie geben“.
Für andere Betrachter könnten sie sexuell erregend sein und die Schauspielerin als Sexualobjekt degradieren. Ihre Beine schreiten  an Pariser Ladenfassaden vorbei und werden begleitet von der Melodie einer Violine, die neben dem Einkaufsnetz im Geigenkasten mitschwebt. Und von einer stolzen Stimme, die verlangt, sie nicht als Mademoiselle, sondern als Madame anzureden. Für immer wird sie begleitet von verzauberten Blicken, deren Besitzer das Auge eines Filmemachers ist, des Filmemachers François Truffaut. Doch dann dienen sie dem von Yvon Lec gespielten Hilfspolizisten zur Erregung, diese Beine. Antoine greift nach ihnen, so oft Truffaut sich und seinem Alter ego eine Möglichkeit bietet.

Als in Berlin Caravaggios Amor entfernt werden sollte, weil es „zweifellos der Erregung des Betrachters“ diene, könnten dies auch die Beine Claude Jades, also der Erregung dienen.

Man könnte dagegen argumentieren, dass „Domicile conjugal“ doch ein Werk der Emanzipation sei, so wie es Co-Autor Claude de Givray 2001 erklärte. In der Szenenfolge, in der auch der kleine Balthus auftaucht, gelingt Truffaut ein Kunststück, das amerikanische Kino entscheidend zu beeinflussen.
Nach der Entdeckung des Seitensprungs stellt Christine Bedingungen.
Claude de Givray: „Seit dreißig Jahren hat das Kino versucht, dass Frauen sich emanzipieren. Und dann kommt 1970 Claude Jade. Sie lacht, nein, sie lächelt, wenn sie ihre Vorwürfe vorbringt und dabei ein Taxi ruft.
Sie erklärt den Männern: Ihr seid egoistisch, ihr seid scheinheilig, ihr lügt.  François war einer der ersten, die diese Art Frau als Hauptrolle geschaffen haben und die Figur von Claude Jade ist wunderbar. Denn in ihrer Rolle zeigt sie im Kino vielleicht das erste Mal ganz natürlich, dass Frauen Forderungen erheben.
Danach haben die Amerikaner es in den 70er Jahren auch gezeigt, Mazursky und Benton, der damals Truffaut sein Drehbuch schickte. Robert Benton und sein ‚Kramer vs Kramer‘ und Woody Allen haben in ,Domicile conjugal’ ihr Vorbild.“
Doch wie wird heute in der Idiokratie des Internets der Einsatz erniedrigender Fetische in „Domicile conjugal“ bewertet? Etwa wenn Antoine Christine im Bett bittet, ihre Brille wieder aufzusetzen. Oder gar Christines Geste, sich für Antoine, der neuerdings auf Japanerinnen steht, als Geisha zu verkleiden und ihr dann eine Träne über die Maquillage rollt? Entwürdigend.

Noch ist niemand darauf gestoßen, dass Antoine Christines Brüsten entwürdigende Namen gibt: Laurel und Hardy. Und schlimmer noch: „Die hier nennen wir Don Quijote und die kleine dicke da Sancho Panza.“

#mitou,
signé Christine Doinel.

Curd Jürgens 102

Curd Jürgens, Curd Jurgens. Teheran 43, Курд Юргенс, Клод Жад Тегеран-43 Альберт Филозов Claude Jade albert Filozov

Albert Filozov, Curd Jürgens und Claude Jade in „Teheran 43“ (1981)

Heute vor 102 Jahren wurde Curd Jürgens geboren. Sein letzter Kinofilm war „Teheran 43“, eine Großproduktion des sowjetischen Mosfilm mit Frankreich und der Schweiz, in dem neben Russen auch westliche Stars spielten: Alain Delon, Claude Jade und Curd Jürgens.
„Teheran 43“ war mit 47 Millionen Zuschauern der erfolgreichste russische Film des Jahres 1981 und erhielt den Goldpreis auf den XII. Internationalen Filmfestspielen Moskau.
Auf den XI. Moskauer Filmfestspielen 1979 war Claude Jade, gerade nach Moskau übergesiedelt, dem Produzenten Georges Cheyko begegnet. Sie hatte ihn zehn Jahre zuvor in Sarajevo bei der Vorpremiere des Films „Die Schlacht an der Neretva“ in Beisein General Titos kennengelernt. Damals gehörte Curd Jürgens zu den Stars des Films und für „Teheran 43“ hatte er bereits zugesagt. Cheyko war überrascht: „Ah! Claude, welche Überraschung. Ich hatte dich nicht erwartet, weil du nicht im Flugzeug warst.“ Cheyko erfährt, dass sie zwar Frankreich beim Festival präsentiert, aber seit kurzem in Moskau lebt. „Du musst unbedingt in diesem Film mitspielen“, drängte Cheyko Claude Jade, die nun Partnerin des großen Curd Jürgens in dessen letztem Kinofilm wurde.

Der Sender TWZ ( ТВ Центр ) spricht in seiner Dokumentation von 100.000.000 verkauften Tickets.

Doch als der Film dann 1982 in den Kinos der DDR und ein Jahr später in der BRD als „Teheran 43 – Killer sind immer unterwegs“ lief, war Curd Jürgens‘ eindrucksvolle Stimme dort nicht zu hören. Der Schauspieler war inzwischen verstorben und von Ernst Wilhelm Borchert synchronisiert worden.
Curd Jürgens spielte Alec Legraine, einen geschäftstüchtigen Anwalt, der die Memoiren des ehemaligen Nazikillers Max Richard (Armen Dshigarchanian) auf einer Auktion verkaufen will. Es sind die Pläne zum Attentat auf Churchill, Stalin und Roosevelt. Der Killer hält sich bei der jungen Françoise (Claude Jade) versteckt, die ebenfalls heimlich für Legraine arbeitet… Am Ende wird Maître Legraine mit Max‘ Mörder Scherner und mit Françoise über die Dokumente verhandeln.

Curd Jürgens, Curd Jurgens. Teheran 43, Курд Юргенс, Клод Жад Тегеран-43 Альберт Филозов Claude Jade albert Filozov
Curd Jürgens, Curd Jurgens. Teheran 43, Курд Юргенс, Клод Жад Ален Делон Тегеран-43 Claude Jade Alain Delon Игорь Костолевский, Наталья Белохвостикова, Армен ДжигарханянSo zwielichtig bis verworren die Rollen von Claude Jade und Curd Jürgens sind (Claude Jade: „Curd Jurgens spielte den Anführer des hässlichen Netzwerks, für das ich arbeitete, und ich verstand wirklich nicht viel von dem, was ich hier tat.“), so seltsam auch Claude Jades Rolle beim Filmfestival Moskau, wo „Teheran 43“ seine Premiere hatte. Das Festival wurde mit „Lenin in Paris“ eröffnet und „Teheran 43“ war der Beitrag der Sowjetunion. Claude Jade: „Ich bin mit russischen Schauspielern und Regisseuren auf die Bühne gegangen. Ich war auch Teil der französischen Delegation, aber der Botschafter brachte mich dazu, meine Kameraden zu empfangen, während ich logischerweise einer der Gäste war. Mein Status war wirklich schlecht definiert.“

Curd Jürgens, Curd Jurgens. Teheran 43, Курд Юргенс, Клод Жад Ален Делон Тегеран-43 Claude Jade Alain Delon Игорь Костолевский, Наталья Белохвостикова, Армен Джигарханян

Curd Jürgens, der als Sohn eines Hamburger Kaufmanns dänischer Herkunft und einer Französin zweisprachig aufgewachsen war, lernte mit Moskau eine der früheren Wirkungsstätten seines Vaters Kurt Jürgens kennen: als Import-Export-Kaufmann hatte dieser oft Moskau bereist. Im sowjetischen  „Teheran 43“ wurde der in München geborene und in Berlin aufgewachsene Curd Jürgens nicht als deutscher sondern österreichischer Schauspieler besetzt. Die sowjetische Besetzungsmacht im Nachkriegsösterreich wollte ihm 1946 bei einer Burgtheater-Tournee in die Schweiz keine Einreise genehmigen. So erhielt er auf Initiative des Burgtheaterdirketors noch am selben Tag die österreichische Staatsbürgerschaft.

Тегеран-43 Курд Юргенс, Клод Жад Claude Jade Curd Jürgens Curd Jurgens

Curd Jürgens und Claude Jade bei Dreharbeiten zu „Teheran 43“

Mit Alain Delon, Curd Jürgens, Claude Jade und Georges Géret waren vier internationale Stars in der Besetzungsliste des sowjetischen Films. Curd Jürgens wurde von seiner frisch angetrauten fünften Frau Margie in die Sowjetunion begleitet, Alain Delon von Mireille Darc – und Claude Jade lebte bereits seit dem Frühjahr 1979 mit Ehemann Bernard und Sohn Pierre in Moskau.

teheran 43 progress filmverleih curd juergens claude jade monika woytowicz miou miou gojko mitic roman kaminski anthony quinn Alexander Kaidanowski

1982 wird der Kinostart von „Teheran 43“ in der DDR mit Curd Jürgens und Claude Jade beworben.

Biographien zu Curd Jürgens und Claude Jade in der Progress-Mappe

Curd Jurgens Armoir normandeCurd Jürgens wurde wegen seiner stattlichen Größe von 1,92 Metern seit 1935 als Charmebolzen in belanglosem Kitsch besetzt, bis er als „Des Teufels General“ 1955 bekannt und im gleichen Jahr mit Yves Ciampis pazifistischem Existenzialistendrama „Les héros sont fatigue“ (Die Helden sind müde) ein internationaler Star wurde. In jene Jahre fallen sein Antiheld Paul, der in Georg Wilhelm Papsts „Das Bekenntnis der Ina Kahr“ vergiftet wird, und sein Bruno in Robert Siodmaks Hauptmann-Verfilmung „Die Ratten“. Deutschland hatte einen Star, der sich jenseits des Nachkriegs-Eskapismus mit seinen belanglosen Heimatfilmen etablierte. Curd Jürgens hatte stets diese Aura von Brüchigkeit, war sinnlich und sexuell statt aseptisch, wirkte stärker und verbrauchter als die glatten und keimfreien Unterhaltungsfilm-Schönlinge.  Als er nach „Et Dieu … créa la femme“ (Und immer lockt das Weib) von Brigitte Bardot als „Armoire normande“ bezeichnet wurde, blieb ihm dieses Etikett bis an sein Lebensende haften.

Die deutsche Klatschpresse übersetzte den „normannischen Schrank“ dabei falsch als „normannischen Kleiderschrank“.
Jürgens drehte auch schlechte Filme wie die unkritische Verharmlosung Wernher von Brauns („Wernher von Braun – Ich greife nach den Sternen“) und machte eher mit seinen zahlreichen Geliebten oder Ehefrauen Schlagzeilen.
Auch wenn im Gegensatz zum Jet-Set-Tratsch seine gelungenen Memoiren „… und kein bißchen weise“ stehen: Curd Jürgens kannte keinen „jardin secret“, wie ihn Claude Jade bevorzugte, und versorgte die Klatschblätter genüsslich mit seinen Liebesabenteuern als Bonvivant.
Seiner Ausstrahlung tat dies keinen Abbruch.

Zeichnungen aus dem argentinischen Comic zum Film „Nido de espías“ (Teheran 43)

Da die Stars Jürgens, Delon und Jade nur in der Gegenwartsebene agieren, sei noch einmal angemerkt, dass Curd Jürgens zu jener Zeit, die der andere Teil des Films beschreibt, der Zeit des Attentatsversuchs, nie in Hitlers verbrecherischer Wehrmacht diente. Er hatte sich in Wien 1944 mit Nazis angelegt: mit einem Mitarbeiter des für die Deportation der Wiener Juden verantwortlichen Baldur von Schirach, mit dem Bruder des Gestapochefs Ernst Kaltenbrunner sowie mit SS-Obersturmbannführer Otto Skorzeny, Teilnehmer der Aktion „Unternehmen Eiche“, die auch in „Teheran 43“ zu sehen ist. Es sind die von Max seinem Anwalt präsentierten echten Aufnahmen der Befreiung Mussolinis. Auf die Auseinandersetzung mit den Nazis folgte für Curd Jürgens die Einweisung als „politisch unzuverlässig“ in ein Arbeitslager, aus dem er wenig später fliehen konnte.

Claude Jade Curd Jürgens Teheran 43

Legraine und Françoise mit Max Richards Memoiren

Dass sich Curd Jürgens bereits in seinen 1976 erschienen Memoiren  mit den Verbrechen gegen die Juden in Wien auseinandergesetzt hatte, findet erneute Anerkennung in der vor zwei Jahren im Aufbau Verlag erschienenen Biographie „Curd Jürgens. General und Gentleman“  von Heike Specht. Heute wäre der große Schauspieler Curd Jürgens 102 geworden.

Curd Jürgens, Curd Jurgens. Teheran 43, Курд Юргенс, Клод Жад Ален Делон Тегеран-43 Claude Jade Alain Delon Игорь Костолевский Наталья Белохвостикова Igor Kostolevsky Natalya Belokhvostikova

mehr zum Film hier: Teheran 43

Ann Petersen

Ann Petersen (1927-2003) und Claude Jade in Benoit Lamys „Home Sweet Home“

Heute vor 14 Jahren starb Ann Petersen.
14 internationale Auszeichungen erhielt „Home Sweet Home (Trautes Heim)“, der Film, der  sie als dikatorische Leiterin des Altenheims weltweit bekannt machte. Ann Petersen starb an Diabetes. Für Leute, die sie kannten, sei dies keine Überraschung gewesen: dass ihr Süßigkeiten nicht bekommen, wusste sie. In seinem Portrait zu Petersens Tod vor 14 Jahren erinnerte sich „Nieuwsblad“-Autor Paul Demeyer, dass sie dennoch beim Interview ein Törtchen mit drei Bissen verschlang. Es war Petersens Entscheidung.

Schlimm trieb es ihre Direktorin in dem berühmten Film von Benoît Lamy: Sie hortet Vorräte der Heiminsassen, darunter auch Naschwerk. Vor allem jene Szene, in der sie dem renitenten Jules seinen Pudding aus der Hand schlägt und dann den anderen Heimbewohnern erklärt, dass Jules nun keinen Nachtisch bekomme, macht Petersen für das belgische Kino unsterblich. Im Zuge eines Hungerstreiks für den vom Dessert ausgeschlossenen Jules durchschreitet dann die von Ann Petersen Filmpartnerin Claude Jade gespielte Claire den Speisesaal wie ein Wachsoldat. Es ist ein Machtkampf, den Claire in dieser Vorbereitung der Alten zum finalen Aufstand verliert.

Ann Petersen, Claude Jade und Marcel Josz als Jules in Benoît Lamys „Home Sweet Home“

Der Aufstand der Alten ist, da die von Ann Petersen gespielte Direktorin mit dem Polizeichef Hand in Hand arbeitet, auch ein Aufstand gegen eine Art Polizeistaat. Die Direktorin ist erst Chefin und dann Gegnerin der von Claude Jade gespielten Pflegerin Claire.
Anfangs beobachtet Claire, wie die Direktorin ihre Macht missbraucht und hilft ihr sogar. Erst als Claire die Folgen ihrer Denunziation des Sozialhelfers Jacques (Jacques Perrin) bei der Direktorin erkennt, wandelt sie sich und holt Jacques zurück.

Claude Jade und Ann Petersen in „Home Sweet Home“ (Trautes Heim, 1973)

Lustiger und leichter als „Einer flog über das Kuckucksnest“ beschreibt Benoît Lamys Erstlingswerk den Kampf für die Freiheit und das Recht auf Würde. Nach der Revolte wird die Despotin fortgeschickt und das alte System wird durch ein demokratisches ersetzt. Claude Jade lässt die Hände in den Schürzentaschen ihrer Schwesterntracht, während Ann Petersen ihr Gepäck kaum tragen kann.

Jacques Lippe als Polizeichef (l), Jacques Perrin als Jacques (2.v.l.) mit Claude Jade und Ann Petersen

Neben „Home sweet Home“ war Ann Petersen für Regisseur Benoît Lamy auch die Gegenspielerin Annie Girardots in „Ardenner Schinken“. Für ihre Leistung in „Das Sakrament“ erhielt die 1990 den Joseph Plateauprijs  als Beste Darstellerin. Von 1996 bis zu ihrem Tod spielte Ann Petersen in der Serie „Thuis“. Zwei Jahre vor ihrem Tod, sie war 75, sprach sie mit Paul Demeyer über das D-Wort, De Dood, den Tod: „Vielleicht ist er schon da. Für mich oder für dich. Und wenn es für mich ist, dann werde ich gerne mitgehen. Ich möchte auf der einen Seite einhundert werden, auf der anderen Seite bin ich bereits zufrieden. Es hat gereicht. Alles für dieses Leben. Aber dann kommt etwas Neues. Da bin ich mir sicher.“

 

Gondolkodó robotok – Claude Jade und ihre ungarischen Stimmen

Selten im Fernsehen gezeigt, läuft „Schach dem Roboter“ (Le collectionneur de cerveaux) als „Gondolkodó robotok“ am Sonntag, 26. November 2017, um 20:45 Uhr auf dem ungarischen öffentlich-rechtlichen Sender M3.
Der französische Horrorfilm nach dem Roman „Denkende Roboter“ (Les robots pensants) von „Die Fliege“-Autor George Langelaan wurde für Ungarn bereits zweimal synchronisiert,
1978 mit Nóra Káldy und 2015 mit Krisztina Kisfalvi. Dass der Film zur Hauptsendezeit am Sonntagabend gezeigt wird, bestätigt erneut seine Beliebtheit in Ungarn.
Der Film läuft als Wiederholung am 28. November um 14:10

Gondolkodó robotok Collectionneur de cerveaux film fantastique George Langelaan Claude Jade

 

                                 Claude Jade und ihre ungarischen Stimmen

Das erste Mal war Claude Jade 1971 in Budapest. François Truffaut schickte ihr ein Telegramm in das Budapester Hotel Royal: : „Ermüde dich nicht beim Vertreten der ‚Carrosse’ und amüsiere dich. Liebevoll, françois truffaut“. Claude Jade präsentierte dort „Baisers volés“ und „Domicile conjugal“. Es war für sie überraschend, sich auf Ungarisch reden zu hören („C’était très étonnant de m’entendre parler en hongrois!“) .

Ildikó Jani war die erste ungarische Stimme für Claude Jade

Für „Geraubte Küsse“ (Lopott ksokók) wurde sie von Ildikó Jani synchronisiert und für “Tisch und Bett“ (Családi fészek) von der bekannten Schauspielerin Nóra Káldy . Káldy ist unter anderem aus den Filmen „Urlaub ohne Jenö“ (A nagy kék jelzés, 1970), „Grenzen der Liebe“ (A szerelem határai, 1974) und „Das stumme Dossier“ (A néma dosszié, 1978) “ bekannt.

Nóra Káldy synchronisierte Claude Jade für „Családi fészek“ (Domicile conjugal) und „Gondolkodó robotok“ (Le collectionneur de cerveaux)

Für „Le collectionneur de cerveaux“ (Gondolkodó robotok) war es erneut Nóra Káldy, die 1978 für die ungarische Fassung Claude Jade synchronisierte. 2015 wurde eine neue Fassung erstellt – mit Krisztina Kisfalvi.

Krisztina Kisfalvi ist Claude Jades neue Stimme in „Gondolkodó robotok“

Nóra Káldys Stimme für Claude Jade in Truffauts Doinel-Filmen wurde für „Baisers volés“, „Domicile conjugal“ und „L’amour en fuite“ (Menekülő szerelem) inzwischen mit der von Dóra Létay, einer erfolgreichen Fernsehserien-Schauspielerin, ersetzt.

Dóra Létay ist in den neuen Fassungen der drei Truffaut-Filme die ungarische Stimme von Claude Jade

Für „Mein Onkel Benjamin“ ( Nagybátyám Benjámin) hatten die Ungarn als Claude Jades Stimme den Filmstar Anikó Sáfár gewählt. Sáfár wurde mit Filmen zwei der bedeutendsten Regisseure Ungarns, Miklós Jancsós „Ungarische Rhapsodie“ (Magyar rapszódia) und Zoltán Fábris „Der unvollendete Satz“ (141 perc a befejezetlen mondatból), bekannt. Sáfár spielte auch in internationalen Koproduktionen, neben Michael Gwisdek im DEFA-Film „Olle Henry“ sowie neben Michel Bouquet in Louis Grospierres TV-Film „Les fântomes du Palais d’Hiver“.

Anikó Sáfár auf dem „Filmspiegel“ (DDR), Claude Jade auf „Good Housekeeping“ (USA)

Weitere ungarische Stimmen für Claude Jade sind Juli Básti („Verschwendetes Leben“) für „Sous le signe de Monte-Cristo“ (Modern Monte Cristo), …

Juli Básti ist die Stimme von Claude Jades Linda in „Modern Monte Cristo“

Zsuzsa Málnai für die erste und Andrea Roatis für die erweiterte Fassung von Alfred Hitchcocks „Topaz“ ,

Zsuza Málnai und Andrea Roatis sprechen in Ungarn die Michèle (Claude Jade) in Hitchcocks „Topaz“

Ilona Bencze für „Home sweet Home“ (Otthon, édes otthon)

Ilona Bencze spricht für Claude Jade in „Otthon, édes otthon“ (Home sweet Home)

Teri Földi, Schauspielerin aus Márta Mészáros‘ „Lieben ohne Lüge“ (Szabad lélegzet) und Péter Bácsos „Schreckschuss“ (Riasztólövés) sowie die Stimme von Vuks Mutter im Zeichentrickfilm „Vuk, der Fuchs“, spricht in „Teheran 43“ die ungarische Stimme für Claude Jades Françoise…

à nagy titokà Nagy titok, Le grand secret, Rene Barjavel, Jacques Trébouta, Das große geheimnis, Claude Jade, Suzan Frend, Kati Andresz, Andresz Kati

Andresz Kati spricht Claude Jades Suzan Frend in „À nagy titok“ (Le grand secret / Das große Geheimnis)

… und Kati Andresz für „Le grand secret“ (A nagy titok).

Claude Jade 1995 in „A Film és… I.-XIV“ von Ferenc Moldóvanyi

Die Beliebtheit Claude Jades in Ungarn zeigte sich erneut 1995, als Ferenc Moldoványi seine Doku-Serie „A Film es…“ drehte. Neben Regisseuren wie Claude Chabrol, Costa-Gavras, Miklós Jáncso und István Szábo ist Claude Jade neben Isabelle Huppert und Sandrine Bonnaire die einzige mitwirkende internationale Aktrice.

Claude Jade auf vier Titeln der ungarischen Kino-Zeitschrift „Film színház muzsika“

und hier als kleine Hörprobe der Trailer zu „Gondolkodó robotok“

Gondolkodó robotok (Le collectionneur de cerveaux, 1976) – vasárnap november 26 2017 20:45-től (ismétlés kedd november 28. 14:10)

A fiatal zongoraművész Penny Vanderwood (Claude Jade) egy vidéki kastélyban ad koncertet, ahol a következő szenzációnak szánt előadás egy robot, amelyet úgy harangoznak be mint aki verhetetlen a sakkban. A „gép“ szinte teljesen azonos módon játszik a sakk partiban, mint Penny elhunyt vőlegénye, Robert. A lányt nem hagyja nyugodni ez a gondolat. Megkéri közeli barátját Lewist, hogy nyittassák fel az elhunyt vőlegény koporsóját, amelyet végül üresen találnak! Penny nyomozásba kezd és a rejtély nyomába ered..

 

 

Alain Mottet 1928 – 2017

Claude Jade und Alain Mottet in „Shéhérazade“ (1971)

Als das filmische Bilderbuch „Sheharazade“ am 30. Dezember 1971 als Märchen im Fernsehen lief, konnte Claude Jade es nicht sehen. Die Liebeserklärung Shazanians (Alain Mottet) an Sheherazade (Claude Jade) nach Einnahme eines Wahrheitsserums war das Fernseh-Ereignis des Tages in Frankreich, doch France Soir schrieb, dass Claude Jade abgereist sei, „um in Rio Samba zu tanzen“. Sie war in Brasilien bei ihrem späteren Mann Bernard Coste.

Ein Wahrheitsserum macht Shazenian (Alain Mottet) liebestoll.

Der Shazenian, Bruder des Sultans Shariar, in „Sheherazade“ war eine der seltenen Hauptrollen Alain Mottets. Seit 1950 in Lyon am Theater, waren seine Regisseure Roger Planchon, Hubert Gigoux, Georges Wilson, Jean Anouilh, André Barsacq, Marcel Camus, Marcelle Tassencourt, Jacques Mauclair und Claude Jades Schauspiellehrer Jean-Laurent Cochet. 1957 spielte Alain Mottet den Florent in der Uraufführung von Arthur Adamovs „Paolo Paoli“ und den Baugeron im ersten Stück von Michel Vinaver, „Les Coréens“.
Im Fernsehen wurde er als Inspecteur Flambart in der Serie „Vidoq“ bekannt, im Kino als Lagerkommandant in Jean-Pierre Melvilles „Armee im Schatten“.

Alain Mottet in seinen wichtigsten Filmrollen: neben dem James Starr in „Les Indes noires“ und dem Flambart neben Bernard Noël in „Vidocq“ war er 1972 neben Georges Géret der Thénardier in „Les Misérables“

1971 folgte sein Shazenian in Pierre Badels TV-Inszenierung von Supervielles „Sheherazade“. Verfolgt von einer Magierin (Tsilla Chelton) überfliegt Alain Mottet mit Claude Jade auf einem fliegenden Pferd Bagdad und die Persische Nacht.

Das Schauspielerpaar Alain Mottet und Françoise Hirsch, Eltern des 2003 verstorbenen Schauspielers Pierre Mottet, haben am 31. Oktober 2017 gemeinsam den Freitod gewählt. So berichtete es seine Tochter Christine Mottet nach dem Tod der Eltern gestern dem Figaro.

Zur Erinnerung an Alain Mottet hier der TV-Film „Sheherazade“, in dem er mit Claude Jade auf dem fliegenden Pferd, das einen englischen Akzent spricht, durch den Nachthimmel reitet.

Karin Dor 1938 – 2017

Adieu Karin Dor ( „Topas“ )

                                            Karin Dor in Alfred Hitchcocks „Topas“

Gefesselt an Götz George am Silbersee (links) und an Mario Girotti, den späteren Terence Hill

In Deutschland war sie bereits ein Star, bekannt geworden als Heldin einiger Edgar-Wallace-Krimis, zumeist inszeniert von ihrem Ehemann Harald Reinl. Als Hauptdarstellerin der ersten Karl-May-Verfilmung „Der Schatz im Silbersee“ wurde Karin Dor in Frankreich auf dem Plakat vor dem dort weitestgehend unbekannten Pierre Brice genannt: „Le trésor du lac d’argent“. Kurz darauf wurde sie in „Winnetou II“ des Apachen große Liebe Ribanna.

Ihr erster englischsprachiger Film war ein James-Bond-Film, doch sie deshalb als Bond-Girl zu bezeichnen, würde dem nicht gerecht. Sie geht weiter als etwa eine Ursula Andress, die mit eingezogenem Bauch aus dem Meer entsteigt und gibt eine gefährliche Agentin mit einem sehr deutschen Namen: Helga Brandt. Diese ohrfeigt Bond und versucht später, ihn umzubringen. Doch Karin Dors Helga kann dem Ladykiller Sean Connery nicht widerstehen, ihr Attentat missglückt und sie findet selbst den Tod in einem Piranha-Becken.

Auch ihr großes Hollywood-Debut endet für ihre Rolle der kubanischen Geliebten von Claude Jades Filmvater Frederick Stafford tödlich: in „Topas“ wird sie in einer Umarmung erschossen. Die Szene ist die berühmteste aus Hitchcocks Film: von oben gefilmt, breitet sich Karin Dors violettes Kleid auf wie eine Blüte oder wie eine Blutlache – an fünf unsichtbaren Fäden zogen Mitarbeiter das Kleid auseinander. Eine weitere Szene mit Karin Dor, in der ihre tragische Juanita schadenfroh lacht, fehlt bisher in der deutschen DVD- und TV-Version und wird hier besprochen: eine Facette, die ihre Rolle etwas ambivalenter macht.

Falsche Erinnerung: Da ich den Mittelteil von „Topas“ verpasst hatte, sah Karin Dor für mich aus wie Denise aus „Zimmer 13“

Als ich „Topas“ Mitte der 1980er das erste Mal sah, verpasste ich die Kuba-Episode, Karin Dor und ihren Filmtod. Ich schaute die erste halbe Stunde, dann wurde zum Essen gerufen. So endete der Film vorerst im Hotel St.Regis mit dem Auftrag an Devereaux, die Akte Parra zu besorgen. Als ich wieder bei „Topas“ einstieg, eilten Devereaux und seine gerade noch in New York eingetroffene Tochter Michèle in Jarrés Pariser Wohnung, die für mich noch immer New York war, und Claude Jade entdeckte den toten Spion im Hof. Ich nahm an, die Agenten-Familie sei dazwischen gemeinsam nach Kuba gereist und wäre dort wohl auch Karin Dor, die ja im Vorspann genannt wurde, begegnet.

Karin Dor in „Zimmer 13“

Da ich Karin Dor zuvor mit ihrer typischen Edgar-Wallace-Heldin-Frisur aus „Zimmer 13“ vor Augen hatte, wanderte sie flux in eben jener falschen Erinnerung auf mein Bild von „Topas“, das sich dann als 16jähriger mit anderen Plakat-Motiven an Claude Jade schickte. Aus Claude Jades Nachlass kam mir nun diese kleine Karte zu, die meines Unwissens wegen, ich hatte ja ein Drittel des Films verpasst, weitere Fehler enthielt. Michel Piccoli hatte ich vom Titel des Buchs „Film in Frankreich“ aus einer Szene des ebenfalls 1969 entstandenen Films „Die Dinge des Lebens“ abgemalt – und dass Devereaux das Gegenteil eines Superagenten war, entging mir ebenso wie der Umstand, dass Michèle im Film bereits verheiratet war und deshalb Michèle Picard hieß.

Mit dem Tod von Karin Dor verschwindet ein Star des bundesdeutschen Unterhaltungsfilms, eine Schauspielerin, die mit dem Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ und Hitchcocks „Topas“ auch internationale Filmgeschichte schrieb.

Die Sterbeszene wird in einem Auszug aus dem Buch „Hitchcock“ von Bruno Villien beschrieben, am Ende eines Berichts von Claude Jade.

100 Jahre Oktober-Revolution

100 Jahre Oktober-Revolution:

„Für die köstliche Madame Doinel, Botschafterin des Charmes im Land des Messers zwischen den Zähnen. Mit all meiner Zuneigung, françois.“, schreibt François Truffaut ihr zu jener Zeit, als Claude Jade in Sergej Jutkewitschs Film „Lenin in Paris“ die Revolutionärin Inès  Armand spielt.  „Lenin in Paris“ schildert die erste Begegnung der beiden. Bevor sie die Rolle annimmt, bespricht sich Claude Jade mit dem französischen Botschafter in Moskau.
War Hitchcocks „Topaz“ ein Film mit antisowjetischer Tendenz, stand jetzt ein Film an, der dem Begründer der Sowjetunion ein Denkmal setzt. Ehemann Bernards Bemerkung, dass sie nun in einem Lenin-Film spiele und deshalb „an allen Krippen esse“ und „ihre Weste umdrehe“, entgegnet sie, dass sie es sich als Schauspielerin nicht ausgesucht habe, hinter dem eisernen Vorhang zu leben. Seine Exzellenz der Botschafter, der Jutkewitsch kennt und bewundert, hat keinen Einwand gegen den Film und ihre Mitarbeit daran. Später wird ihr auch Jutkewitsch ein ihm gewidmetes Buch senden und ihr schreiben: „Für eine sehr große Schauspielerin, Claude Jade, mit Bewunderung, sehr freundschaftlich Sergej Jutkewitsch. Paris-Moskau 1980“.
Mehr zum Film hier: „Lenin in Paris“

Jean Rochefort gestorben

Jean Rochefort und Claude Jade in „Les feux de la Chandeleur“ (Kerzenlicht), 1972

Jean Rochefort, Claude Jade und Annie Girardot in Serge Korbers „Kerzenlicht“

Jean Rochefort hatte mit 41 Jahren seine erste Hauptrolle, die zugleich seine erste romantische Rolle war: Alexandre Boursault in Serge Korbers „Les feux de la Chandeleur“ (Kerzenlicht, 1972).
Zuvor hatte sich Jean Rochefort als Desgrez in den „Angélique“-Filmen und als Dieb im Gefolge Jean-Paul Belmondos in „Cartouche“ mit Nebenrollen etabliert, damals noch ohne sein berühmtes Markenzeichen, den Schnauzbart.

Jean Rochefort Cartouche, Angelqiue, Le grand blond au chaussure noir, L'horloger de Saint Paul Un elephant ca trompe enormement, Les feux de la chandeleur

Jean Rochefort, seit dem Winter 71-72 mit seinem Markenzeichen, dem Moustache.

„Les feux de la Chandeleur“ etablierte den Moustache, den er seitdem nur für seine Rolle in „Ridicule“ (1996) abnahm. Rochefort war ein Jahr jünger als Annie Girardot, als er im Winter 71-72 den konservativen Ehemann einer sich verrückt gebärdenden Frau spielte. Und zudem gab den Verlobten seiner Filmtochter Claude Jade der nur ein Jahr jüngere Bernard Fresson. Der Schnauzbart ließ den jungen Schaupieler Jean Rochefort bedeutend reifer wirken; der Schauspieler erscheint distinguiert und erobert so sein neues Rollenfach.

Rochefort zeigte sich in einem Interview stolz, den Vater der erwachsenen Schauspieler Claude Jade und Bernard  Le Coq zu spielen. In der kalten Zeit rückten die Schauspieler näher aneinander und haben zum Teil ihre Familien am Drehort: Regisseur Serge Korber seine Frau Marie-Claire und seinen 9jährigen Sohn dabei, Annie Girardot ihre 9jährige Tochter Giulia aus der Ehe mit Renato Salvatori.

Jean Rochefort und Claude Jade in „Kerzenlicht“ (1972)

Claude Jade vermisste ihren Geliebten Bernard Coste, der zu jener Zeit noch in Rio de Janeiro lebte. Er eilte im Februar aus Brasilien zu Besuch ins verschneite Frankreich und verlobte sich mit Claude.
Annie Girardots Mann Renato Salvatori schaute ebenfalls vorbei, kochte für die Filmfamilie, doch Girardot verliebte sich in Claude Jades Filmverlobten Bernard Fresson – der Beginn einer achtjährigen Beziehung.

Jean Rochefort war seit 1960 im Eheleben angekommen und hatte seine damalige polnische Ehefrau Alexandra Moscwa und während der Februar-Ferien seine Kinder Marie (10) und Julien (7) dabei. Erst einige Jahre später trennt er sich für die Schauspielerin Nicole Garcia von Alexandra. Mit Garcia bekommt er sein drittes Kind, Pierre, mit seiner letzten Frau Françoise Vidal 1990 und 1992 zwei weitere Töchter.

komischer Jean Rochefort: eine kleine Nummer mit der Zigarrenasche

Argentinischer Comic zum Film „Les feux de la Chandeleur“: „La mujer del verano“

Nicht minder turbulent waren die Verwicklungen vor der Kamera: Notar Alexandre Boursault (Jean Rochefort) stört das Engagement seiner Frau Marie-Louise (Annie Girardot) für die Kommunistische Partei und er verlässt sie und die Kinder. Zehn Jahre später, das getrennte Paar lebt noch immer in der selben Stadt im Jura, erträgt Tochter Laura (Claude Jade) das ewige Gerede ihrer Mamouchka, Alexandre würde zurückkehren, nicht mehr.
Sie bittet ihren Vater, der inzwischen eine neue Geliebte hat, zurückzukehren. Während Laura ihr Glück mit dem jungen Lehrer Marc (Bernard Fresson) findet, entschließt sich Alexandre zur Heimkehr…

Auszug aus dem argentinischen Comic zum Film „La mujer del verano (Les feux de la Chandeleur)“, nachempfunden den Schauspielern Claude Jade und Jean Rochefort

Doch Lauras Bruder Jean-Paul (Bernard Le Coq) erklärt Mamouchka für verrückt. Nur wenige Minuten vor Alexandres Rückkehr stirbt sie an einem Schock in Lauras Armen.

Jean Bouise, Bernard Le Coq, Bernard Fresson, Gabriella Boccardo, Jean Rochefort, Claude Jade

„Les feux de la Chandeleur“ war Frankreichs offizieller Beitrag für Cannes und als Bester Film nominiert. Auch wenn er keinen Preis gewann, machte er Jean Rochefort zum Star. Vier Jahre später, 1976, erhielt er den César für die beste Nebenrolle in „Que la fête commence“ – und seine zweite romantische Hauptrolle als fremdgehender Ehemann in „Ein Elefant irrt sich gewaltig“. In der Nacht zum 9. Oktober ist Jean Rochefort im Alter von 87 Jahren gestorben.

Jean Rochefort, Claude Jade, Gabriella Boccardo, Bernard Le Coq und Annie Girardot