Im Zeichen von Monte Christo

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image_promotion_Claude_Jade_Sous_le_signe_de_Monte-Cristo_1968Pierre Brasseur nennt sie „la môme“, die Göre. Mit dem „monstre sacré“ aus Carnés „Die Kinder des Olymp“ dreht Claude Jade im Sommer 1968 zwischen „Geraubte Küsse“ und „Topas“ ihren einzigen Abenteuerfilm: André Hunebelles „Sous le signe de Monte-Cristo“ (Der Rächer aus dem Sarg – Gejagt wie Monte Christo).
Der klassische Stoff wurde vom Macher der „Fantomas“-Komödien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts in die Gegenwart verlegt.   Hier nimmt Edmond Dantès (Paul Barge) Rache an Nazi-Kollaborateuren. Und Claude Jade unterstützt den Helden dabei, wenn André Hunebelle sie in Szenen mit Brasseur nicht gerade ermahnen muss: „Claude, Sie sind nicht an Ihrem Platz!“
Ein ausführlicher Artikel unter diesem Link:
SOUS LE SIGNE DE MONTE-CRISTO

Christine Darbon, Christine Darbon, Christine Darbon

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Ein Name, deklamiert vor einem Spiegel, in einer Szene von Ewigkeitswert: „Christine Darbon, Christine Darbon, Christine Darbon…“

Der Rollenname Christine ist Truffauts Verachtung für die Mode entsprungen:. „Leute, die ihre Tochter Caroline oder Martine nennen, sind Arschlöcher, die sich zwischen 1950 und 1955 von Martine Carol berauschen ließen… Deshalb keine Martine!“

Claude_Jade_Christine_Darbon_Baisers_voles_Francois_Truffaut_Stolen_Kisses_Geraubte_KuesseAls er Claude Jade am Théâtre Moderne sieht, will François Truffaut, hingerissen „von ihrer Schönheit, ihrem Wesen, ihren Manieren und ihrer Lebensfreude“, die junge Schauspielerin für den Part der Christine in seinem neuen Film „Baisers volés“ (Geraubte Küsse).

Die Rolle der Christine ist noch nicht vollständig entwickelt. „Wir werden all das noch einmal untersuchen, da diese Persönlichkeit gänzlich geändert wird gemäß der jungen Schauspielerin, die wir dafür auswählen.“

1968 wird Claude Jade Christine Darbon; Christine Darbon wird die Freundin – und spätere Frau – seines alter ego Antoine Doinel und Truffaut selbst verliebt sich in seine Hauptdarstellerin: „Bei den gestrigen Dreharbeiten, als ich mich im Gang umdrehte und Sie sah, hatte ich ein starkes Vergnügen, ein sehr starkes, dass Sie meinem Gesicht nicht ablesen konnten, da es ganz tief in mir war. Ich küsse Sie zärtlich.
françois.“

die Verlobten des Jahres 1968: François Truffaut, Claude Jade

die Verlobten des Jahres 1968: François Truffaut, Claude Jade

Den kleinen Rohrpostbriefen folgt ein Heiratsantrag. All dies geschieht vor dem Hintergrund des Pariser Mai, der François Truffaut wie der Kampf um Henri Langlois und der Boykott der Filmfestspiele von Cannes vollkommen einnimmt. Claude Jade: „François kam oft zu spät, er verpasste Proben; am Ende ist es ein kleines Wunder, dass der Film so wunderbar wurde.“

hier ein ausführlicher Artikel zum ersten von drei Filmen, die Claude Jade mit François Truffaut drehte: BAISERS VOLÉS (GERAUBTE KÜSSE)

Pitoeff und Henri IV

Luce Garcia-Ville und Claude Jade in Sacha Pitoëffs "Henri IV"

Luce Garcia-Ville und Claude Jade in Sacha Pitoëffs „Henri IV“

Claude Jade 1967

Claude Jade 1967

1967. Claude Jade ist am Pariser Theatre Edouard VII Schülerin Jean-Laurent Cochets und spielt währenddessen bereits in der Serie „Les oiseaux rares“. Im Juni 67 erscheint bei Cochet der Regisseur Sacha Pitoëff. Er hatte fünf Jahre zuvor Romy Schneider als Nina in Tschechows „Möwe“ am Theater inszeniert und ist nun auf der Suche nach einer jungen Schauspielerin für seine Inszenierung von Luigi Pirandellos „Heinrich IV“ am Théâtre Moderne in der rue Blanche, dem heutigen Petit Théâtre de Paris. Claude spielt in Pirandellos Meisterwerk die Rolle der Frida Spina, die 1925 von Pitoëffs Mutter Ludmilla in der französischen Uraufführung kreiert wurde.

„Heinrich IV“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der bei einem Kostümball, zu dem er sich als der deutsche Kaiser Heinrich IV verkleidet hatte, vom Pferd stürzte und seitdem glaubt, eben jener Kaiser zu sein. Im Laufe der Jahre wieder er selbst geworden, hält er den Anschein inmitten eines zeitgemäß kostümierten Hofstaats in der toskanischen Villa aufrecht. Zwanzig Jahre nach dem Unfall unterbreitet der junge Carlo di Nolli (Elie Pressmann) einen Vorschlag: Seine Verlobte Frida, Tochter und Ebenbild Matilda Spinas, der einstigen Geliebten des Wahnsinnigen, soll ihn bei der Rekonstruktion vergangener Ereignisse kurieren.

Luce Garcia-Ville, Claude Jade und Sacha Pitoëff in "Henri IV"

Luce Garcia-Ville, Claude Jade und Sacha Pitoëff in „Henri IV“

Claude Jade, Elie Pressmann, Luce Garcia-Ville und André Falcon in Sacha Pitoëffs "Henri IV"

Claude Jade mit Elie Pressmann, Luce Garcia-Ville und André Falcon in Sacha Pitoëffs „Henri IV“

Von Frida wird verlangt, nicht mehr sie selbst zu sein. Sie weigert sich und will auch die anderen von dem Vorhaben abhalten. Ahnungslos unterstützt die von Angst gepeinigte Frida mit ihrer Inkarnation der jungen Mathilde ein erneutes Verbrechen: Heinrich wird bei der Begegnung mit ihr einen Degen in seinen einstigen Nebenbuhler Belcredi (André Falcon) stoßen. Er schützt sich vor dem Gefängnis, indem er weiterhin Heinrich IV bleibt. Er wehrt sich gegen die unerträgliche Wirklichkeit; der Spiegel der Realität wird zur Wirklichkeit und die Realität zur Farce.

Pitoëff spielt den angeblich Verrückten und als Mathilde agiert seine Frau Luce Garcia-Ville. Pitoëff sagt Claude Jade, sie habe dasselbe Profil wie Luce, ideal für die vom Stück geforderte frappierende Ähnlichkeit von Mutter und Tochter.

Claude Jade, Sacha Pitoëff, Luce Garcia-Ville in "Henri IV"

Claude Jade, Sacha Pitoëff und Luce Garcia-Ville in „Heinrich IV“ von Luigi Pirandello

Pitoëff inszeniert bis ins kleinste Detail die Uraufführung seines Vaters nach: Ausstattung, Kostüme und Maske sind den Notizen Georges Pitoëffs nachempfunden. Maskottchen der Truppe ist Teckel Castro, der in der Garderobe der Pitoëffs schläft und in Tschechows „Kirschgarten“ auftritt. Claude wird von dem Schauspielerpaar wie eine Tochter aufgenommen. In deren Wohnung am boulevard des Invalides ist sie willkommener als in der rue de Rémusat. [mehr dazu in einem kommenden Artikel zu „Les oiseaux rares“]  So verbringt sie mit den Pitoëffs und deren Kindern auch das Weihnachtsfest. Luce findet für Claude einen geistreichen Spitznamen: Als sie im Herbst für den Dreh der zweiten Staffel von „Les oiseaux rares“ auf dem Sozius eines Motorrads durch Paris fährt, nennt Luce sie in Anspielung an die heimatliche Mostrich-Stadt „la motarde de Dijon“.

"la motarde de Dijon" - Claude Jade, "un oiseau rare"

„la motarde de Dijon“ – Claude Jade, „un oiseau rare“

Die Generalprobe ist am 14. September. Das Stück wird ein großer Erfolg, die Kritiker sind einhellig begeistert von der Inszenierung und dem Ensemble. Claude Jade ist nun als junge Theaterentdeckung bekannt und „Paris Match“ druckt ein ganzseitiges Farbfoto von Claude Jade und Sacha Pitoëff. Auch im deutschen Fachblatt „Die Bühne“ wird „der klare Sopran“ Claude Jades neben dem dunklen Mezzo Luce Garcia-Villes besprochen. Ihr Name ist nun auf Plakaten zu lesen, die an den Pariser Litfaßsäulen prangen.

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Autogrammkarte für "Henri IV"

Autogrammkarte für „Henri IV“

Dennoch ist sie eingeschüchtert, wenn sie im Café neben dem Theater andere Schauspielschüler bemerkt, die vertraut diskutieren und tuscheln. Einer von ihnen, Jacques Weber, wird ihr einige Jahre später verraten, was die Schüler damals flüsternd besprachen: „Schau nur, da drüben ist das Mädchen, das von den Pitoëffs engagiert wurde!“ Zwei Absolventinnen des Dijoner Konservatoriums machen gleichzeitig Karriere an Pariser Bühnen: Marlène Jobert mit Peter Shaffers „Komödie im Dunkeln“, Claude Jade mit Pirandellos „Heinrich IV“.

Und nach dem 14. September sitzt wiederholt ein Mann im Saal des Théâtre Moderne, der Claude Jade kurz darauf eine Rolle in seinem neuen Film anbietet. Es ist François Truffaut. „Er holt gern Schauspieler vom Theater“, wird sie 1969 in einem Interview mit Kevin Thomas von der „Los Angeles Times“ sagen: „Und er liebt es, wenn sie nicht wissen, dass er anwesend ist.“

Warten auf das Floß 1987 bis 1998

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Claude_Jade_dans_Le_Radeau_de_la_MeduseDie längsten Dreharbeiten zu einem Film beginnen für Claude Jade im Sommer 1987. Mit Jean Yanne, Daniel Mesguich, Rufus und Philippe Laudenbach geht sie an Bord des Nachbaus der „Méduse“ im Film von Iradj Azimi, „Le radeau de la Méduse“ (Das Floß der Medusa). Ein Hurrikan zerstört das Schiff und die Dreharbeiten zu dem Historiendrama ziehen sich über einen Zeitraum von drei Jahren.  Erst 1998 kommt der Film in die Kinos. Mehr zum Film in der Filmographie unter „Le Radeau de la Méduse“.

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Link zu LE RADEAU DE LA MÉDUSE

die Jahre in Moskau

Золотой приз МКФ в Москве 1981: Александр Алов, Наталия Белохвостикова, Клод Жад, Игорь Костолевский, Армен Джигарханян

Triumph der Festival-Gewinner Moskau 1981: Regisseur Alexandr Alov mit den „Teheran 43“-Stars Natalia Belochwostikowa, Claude Jade, Igor Kostolewski und Armen Dshigarchanian

Links zu zwei sowjetischen Filmen mit Claude Jade: „Teheran 43“ und „Lenin in Paris“

Claude_Jade_Bernard_CosteBernard Coste muss 1979 als Generalsekretär des Kulturministeriums der Französischen Botschaft Moskau in die Sowjetunion übersiedeln. Seine Frau Claude  kennt Moskau bereits von einem viertägigen Aufenthalt bei den Filmfestspielen 1971. Nun wird sie ab dem Frühjahr 1979 für drei Jahre dort leben, in zwei sowjetischen Filmen spielen und zum Drehen für zwei weitere Kino- und sieben TV-Filme immer wieder nach Frankreich fliegen. Oder in der Tschechei den deutschen Film „Rendezvous in Paris“ drehen.  Sie behalten die Wohnung in Boulogne, denn ein Hotelleben in Frankreich kann sie sich nicht vorstellen.
In Moskau, wo die Menschen in den Magasins Schlange stehen, an manchen Tagen kästenweise Bananen einheimsen und an anderen Tagen Rasierschaum-Rationen, bemerkt sie einen Soldaten, der massenweise Toilettenpapier mit sich trägt, weil es endlich welches zu kaufen gibt. Sie ist privilegiert und kann in den Berioskas mit Devisen einkaufen, in denen fast alles erhältlich ist. Doch Tomaten, Kosmetik, Papiertaschentücher, Käse, Olivenöl oder Videokassetten muss sie in Paris besorgen.

Claude_Jade_Moscou_1981Zu jener Zeit ist sie nicht die einzige französische Künstlerin, die zwischen Moskau und Paris pendelt. Sie begegnet – ausgerechnet am Flughafen – Marina Vlady, die ebenfalls in Paris arbeitet und in Moskau mit ihrem Mann, dem Dichter, Schauspieler und Sänger Wladimir Wyssotzki, lebt. Vlady hatte bereits zehn Jahre zuvor in einem sowjetischen Film des Regisseurs Sergej Jutkewitsch gespielt. Jutkewitsch engagiert nun Claude Jade für sein letztes Werk „LENIN IN PARIS“ , in dem sie die Revolutionärin Inessa Armand spielt. Ein weiterer russischer Film, den Claude Jade in jener Zeit dreht, ist die sowjetisch-französische Großproduktion „TEHERAN 43“.

Truffaut sendet ihr zu jenem Zeitpunkt ein Buch über sich aus der Reihe „L’Age d’homme“ mit einer amüsanten und treffenden Widmung: „Für die köstliche Madame Doinel, Botschafterin des Charmes im Land des Messers zwischen den Zähnen. Mit all meiner Zuneigung, françois.“  Später wird ihr auch Jutkewitsch ein ihm gewidmetes Buch aus der selben Reihe senden und ihr schreiben: „Für eine sehr große Schauspielerin, Claude Jade, mit Bewunderung, sehr freundschaftlich Sergej Jutkewitsch. Paris-Moskau 1980“.

Vladimir Antonik, Sergej Jutkewitsch, Claude Jade Ленин в Париже Сергей Иосифович Юткевич Sergei Yutkevich Sergueï Ioutkevitch Клод Жад — Инесса Арманд Владимир Антоник — Александр Трофимов

Vladimir Antonik, Sergej Jutkewitsch und Claude Jade

Lenin_in_Paris_film_Yutkevich_Claude_JadeClaude Jade, die noch vor Beginn ihrer russischen Filme das kyrillische Alphabet lernt, um sich in der Stadt – speziell beim Einkauf auf dem Markt der Kolchosen – zurechtzufinden, freundet sich mit der französischen Pianistin Brigitte Engerer an.
Sie besuchen Engerers Meister Stanislav Neuhaus, den Stiefsohn Boris Pasternaks, und Claude besichtigt das winzige Arbeitszimmer des Schöpfers von „Doktor Schiwago“, das gleichzeitig sein Schlafraum war und sie an eine Mönchszelle erinnert. An seinem Grab steht wie vor vielen anderen eine Bank, auf der Angehörige in unmittelbarer Nähe der Toten picknicken oder ihrer mit Wodka gedenken können.

Im Juni 1981 wird „Télé 7 jours“ in seinem Bericht „Claude Jade: double carrière à Paris et à Moscou“ sie als die Gastgeberin der französischen Moskau-Besucher preisen: „An ihrem Tisch, wo die Bifteck-frites mit Borschtsch und Blinis alternieren, empfängt sie französische Künstler, die sie dann in die Museen und Theater Moskaus steuert. Micheline Presle, eingeladen zur Woche des französischen Films, war bereits ihr Gast.“

Claude Jade mit ihrem Sohn Pierre Coste

Claude Jade mit ihrem Sohn Pierre Coste

Клод Жад (Claude Jade)

Als neben Jean-Jacques Beneix, Alain Bonnot und Evelyne Dress die platinblonde russisch-französische Schauspielerin Katia Tchenko, zu jener Zeit ein begehrtes Pin-up, die Costes besucht, versucht sich der kleine Pierre als Connaisseur en russe: „Du weißt schon, Maman, dass Katia schöner ist als du.“

Leonid Eidin, Claude Jade, Sergej Jutkewitsch und Elena Korenewa

Alexander Alov, Vladimir Naumov und Claude Jade bei der Aufführung von „Teheran 43“

 

Natalia Belochwostikowa, Vladimir Naumov, Claude Jade

Auf die armenisch-französische Freundschaft - hier mit Armen Dshigarchanian im Film "Teheran 43"

Auf die armenisch-französische Freundschaft – hier mit Armen Dshigarchanian im Film „Teheran 43“

Dem russischen Winter kann Claude bei einer Armenienreise entfliehen: Sie lassen Pierre bei Bernards Eltern in Moskau und treffen in Jerewan den Schriftsteller Georges Conchon, den Claude 1970 als Jurymitglied in Hyères kennengelernt hatte, und den Politiker Georges Gorse. Als in einer Kolchose die französisch-armenische Freundschaft begossen wird, nehmen die Toasts kein Ende; auf jede neue Ansprache muss ein Glas erhoben und geleert werden. Claude Jade erinnert sich in ihren Memoiren: „Es gelang mir, eine Flasche Wasser zu verstecken;   ich behielt sie unter der Tafel und füllte aus ihr diskret nach. Bald wurde jenen sehr übel, die nicht diese Vorsichtsmaßnahme ergriffen hatten. Als sie sich zum Schluss der Mahlzeit von der Tafel zu erheben und auf ihren Beinen zu halten versuchten, war ihnen ein torkelnder Zickzackgang sicher… Am nächsten Tag wurde das Frühstück auf Geheiß unserer Gastgeber verschoben zugunsten der Bekanntmachung mit dem lokalen Cognac! Für mich war es undenkbar, diesen heftigen Alkohol so früh am Morgen zu trinken. Ich ersetzte ihn durch Pflaumensaft, der die gleiche Farbe hatte und umging so das Risiko, ihre Empfindlichkeit zu verletzen noch eine Migräne zu bekommen und ich erwies ihnen dennoch meine Ehre an ihre Gastfreundschaft.“

Auf dem XII. Moskauer Internationalen Filmfestival, das ihre beiden Filme „Teheran 43“ und „Lenin in Paris“ präsentiert, steht Claude Jade gemeinsam mit den sowjetischen Schauspielern und Regisseuren auf der Bühne. Die französischen Gäste des Festivals begrüßt sie weiterhin als Gastgeberin.  Noch zehn Jahre später sind Kollegen überrascht, als sie erfahren, dass sie wieder in Paris lebt. Trotz der kontinuierlichen Arbeit in Frankreich wähnten sie Claude Jade weiterhin in Moskau.

Bericht über Claude Jade in ihren sowjetischen Filmen "Teheran 43" und "Lenin in Paris" - Клод Жад («Тегеран-43»; «Ленин в Париже»)
Kurzinterview Sowjetskij Ecran:

— Я дебютировала в фильме Франсуа Трюффо «Украденные поцелуи» и с тех пор много снималась у французских режиссеров, были контракты и в Италии, США, Бельгии. Японии.

И вот теперь оба советских фильма, в которых я участвовала—«Ленин в Париже», открывший фестиваль, и получивший Золотой приз «Тегеран-43»,— демонстрировались во время моего пребывания в Москве. Я могла видеть реакцию зрителей, а это очень важно для меня.

Мне очень понравился зритель. Доброжелательный, взыскательный, серьезный и при этом чутко реагирующий на шутку. Таковы москвичи не только в кинозале, но и в жизни. Я убедилась в этом не только сейчас, но и раньше, во время съемок.

Я очень удивилась, когда Сергей Юткевич предложил мне роль Инессы Арманд—известной революционерки, соратницы великого Ленина. Однако после долгой беседы с режиссером поняла все значение этой работы. Познакомившись со сценарием, не раз еще поговорив с постановщиком ленты и драматургом Евгением Габриловичем, я, кажется, стала ближе к этой мужественной, умной и волевой женщине.

В «Тегеране-43» мне довелось создать образ противоположного звучания. Актерам иногда свойственно отказываться от ролей, подобных этой. Ведь любовница Макса—пренеприятная особа. В душе артиста в таких случаях возникает опасение: а вдруг зрители начнут ассоциировать данный образ с твоей личностью?

Однако мне понравились методы работы советских коллег. Я не хотела упустить очередной шанс встречи с ними на съемочной площадке. С несимпатичностью моей героини меня примиряло еще и то, что Макса играл блестящий советский актер Армен Джигарханян. Вообще должна заметить, что творческое общение с вашими актерами—Юрием Каюровым, Натальей Белохвостиковой, Альбертом Филозовым, Игорем Костолевским и другими—далось мне столь же легко, как и с французскими партнерами.

О режиссерах обоих фильмов могу сказать, что они схожи между собой одержимостью в работе, высокими требованиями, которые всегда мотивированы стремлением к совершенству» (Клод Жад // Советский экран. 1981.

– Ich habe mein Debüt in François Truffauts Film „Gestohlene Küsse“ gegeben und seitdem viele Filme mit französischen Regisseuren gedreht, es gab Verträge in Italien, den USA, Belgien, Japan.

Und nun wurden beide sowjetischen Filme, an denen ich beteiligt war – „Lenin in Paris“, der das Festival eröffnete, und der mit dem Goldpreis ausgezeichnete „Teheran-43“ – während meines Aufenthalts in Moskau gezeigt. Ich konnte die Reaktion des Publikums sehen, was für mich sehr wichtig ist.

Das Publikum hat mir sehr gut gefallen. Freundlich, anspruchsvoll, ernsthaft und doch für einen Witz empfänglich. So sind die Moskauer nicht nur im Kino, sondern auch im Leben. Davon war ich nicht nur jetzt überzeugt, sondern auch schon früher, während der Dreharbeiten.

Ich war sehr überrascht, als Sergej Jutkewitsch mir die Rolle der Inessa Armand anbot, einer berühmten Revolutionärin, einer Mitarbeiterin des großen Lenin. Doch nach einem langen Gespräch mit dem Regisseur wurde mir die ganze Bedeutung dieses Werks klar. Nachdem ich mich mit dem Drehbuch vertraut gemacht und nicht noch einmal mit dem Regisseur des Bandes und dem Dramatiker Eugene Gabrilovich gesprochen hatte, schien ich dieser mutigen, intelligenten und willensstarken Frau näher gekommen zu sein.

In „Teheran-43“ hatte ich die Gelegenheit, ein Bild des anderen Tons zu schaffen. Schauspieler neigen manchmal dazu, solche Rollen abzulehnen. Schließlich ist die Geliebte von Max – eine unangenehme Person. In der Seele des Künstlers gibt es in solchen Fällen eine Angst: Was, wenn das Publikum beginnt, dieses Bild mit deiner Persönlichkeit zu assoziieren?

Die Arbeitsmethoden meiner sowjetischen Kollegen gefielen mir jedoch. Ich wollte keine weitere Gelegenheit verpassen, sie am Filmset zu treffen. Auch die Tatsache, dass Max von dem brillanten sowjetischen Schauspieler Armen Dshigarchanian gespielt wurde, versöhnte mich mit dem unsympathischen Charakter meiner Heldin. Generell muss ich feststellen, dass mir der kreative Dialog mit Ihren Schauspielern – Juri Kajurow, Natalia Belochwostikowa, Albert Filosow, Igor Kostolewski und anderen – ebenso leicht fiel wie mit den französischen Partnern.

Über die Regisseure beider Filme kann ich sagen, dass sie sich in ihrer Arbeitsbesessenheit, ihren hohen Ansprüchen, die immer vom Wunsch nach Perfektion motiviert sind, ähnlich sind“ (Claude Jade // Sovietskij Ekran. 1981)

 

Клод Жад – Claude Jade

Topaz (1968/69)

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Ihr 20. Geburtstag am 8. Oktober 1968 ist zugleich ihr erster Drehtag für Alfred Hitchcocks „Topas“. Claude Jade spielt die Rolle einer Agententochter, die in die Enttarnung eines französischen Spionagerings involviert ist. Gegenüber „Look“ erklärt Hitchcock:  „Claude Jade is a rather quiet young lady, but I wouldn’t guarantee about her behavior in a taxi“.  Ein ausführlicher und reichlich illustrierter Bericht über Claude Jade in Hitchcocks Thriller ist unter diesem LINK zu finden: Claude Jade in Alfred Hitchcocks „Topaz“

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Artikel unter Filmographie → Alfred Hitchcock – TOPAZ

Le temoin (1969)

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Seit über 40 Jahren lief „Le témoin“ (Der Zeuge) nicht mehr im deutschen Fernsehen. Am 24. August 1973 hatte der romantische Thriller seine Erstausstrahlung im Ersten Programm des DDR-Fernsehens.

Im Bereich Filmographie heute eine Erinnerung an den belgisch-französischen Film, in dem Claude Jade als Mordzeugin dem zwielichtigen Gérard Barray verfällt:  Le témoin – Der Zeuge 

Home sweet Home

„Protest ist nicht das Privileg der Jugend“ (Jo Röpcke, Filmkritiker, 1928-2007)

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Trautes Heim (Home sweet Home / La fête à Jules)
Belgien/Frankreich 1973, R: Benoît Lamy
D: Claude Jade (Claire, Pflegerin), Jacques Perrin (Jacques, Sozialhelfer), Marcel Josz (Jules), Ann Petersen (Yvonne, Direktorin), Jacques Lippe (Polizeichef), Jane Meuris (Flore), Elise Mertens (Anna), Dynma Apelmans (Marguerite) u.v.a.

inzwischen in der Filmographie: Home sweet Home (Trautes Heim)

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Einer ihrer noch immer im Kino aufgeführten Filme ist „Home sweet Home“, der zuletzt im Januar 2014 in Brüssel lief; davor 2007 in Paris („Hommage à Claude Jade“) und in Deutschland im selben Jahr auf dem Filmfest Hamburg. Das deutsche Fernsehen vernachlässigt das Werk dafür seit mehr als zwanzig Jahren:  In der Reihe „der besondere Film“ hatte es 1975 als „Trautes Heim“ seine Erstausstrahlung im ZDF und lief zuletzt 1991 auf Pro Sieben.

Claude Jade, Marcel Josz "Home sweet Home"

Claude Jade, Marcel Josz „Home sweet Home“

Eine flamboyante Ohrfeige ins Gesicht zahlreicher filmische Versuche, alte Menschen in ihrem sozialen Dilemma zu zeigen, ist diese Komödie um einen Aufstand der Bewohner eines Pflegeheims, zu dessen Personal Claude Jade und Jacques Perrin gehören.

Claude Jade, Jacques Perrin, Jane Meuris, Marcel Josz, Home sweet Home, La fete à Jules, Trautes Heim, Benoît Lamy, 1973, film belgeGefeiert auf den Filmfestivals in Budepest (Preis für beste Regie), Moskau (Spezialpreis der Jury), Cannes, Montreal und Teheran, heimste „Home sweet Home“ weltweit stolze 14 Auszeichnungen ein.
Das Lexikon des Internationalen Films resümiert: „Alte Leute inszenieren eine Revolution gegen ihre autoritäre und pedantische Heimleiterin. Ein Unterhaltung und Sozialkritik geschickt verbindendes Erstlingswerk, ebenso ironisch und heiter im Stil wie originell im Stoff.“

„Traité de savoir-vivre à l’usage des vieilles générations“ lautet der Arbeitstitel des Werks, das Philippe Monnier Claude Jade 1972 überreicht. Monnier war Regieassistent bei „Mon oncle Benjamin“ und hatte bereits einen Film mit ihr als Vampir Clarimonde, „La mort amoureuse“, geplant, der leider nie realisiert wurde. Monnier berichtet, dass Jacques Perrin produzieren wird. Claude Jade sagt zu und wohnt im Herbst 1972 in Brüssel. Neben ihr und Perrin als einzige Stars des Films agieren Ann Petersen als Heimleiterin und Marcel Josz als Heiminsasse Jules. Das Gros seiner betagten Darsteller, allesamt Laien, findet der 27jährige Regiedebütant Lamy beim Tanztee. Deren Freude und Begeisterung bezeichnet Claude Jade später als inspirierend und ansteckend.

Jacques Perrin, Claude Jade "Home sweet Home"

Jacques Perrin, Claude Jade „Home sweet Home“

Jacques_Perrin_Claude_Jade_Home_sweet_Home„Ich bin froh, in meinem neuen Film ein gehässiges Mädchen spielen zu dürfen“, erklärt Claude Jade damals. So einfach ist das nicht, denn ab der Hälfte des Films wandelt sich Pflegerin Claire. Doch zuvor darf sie sich tatsächlich unbeliebt machen. „Ich hasse diese Pflegerin“, grummelt Heimbewohner Jules, gespielt von Marcel Josz, Jahrgang 1899. Da legt sie gern nach: Im Zuge eines Hungerstreiks für den vom Dessert ausgeschlossenen Jules durchschreitet Claire den Speisesaal wie ein Wachsoldat und droht den renitenten Heiminsassen: „Wenn Sie Ihr Mousse nicht essen, verbiete ich Ihnen, die Plätze zu verlassen!“ Hernach denunziert sie den von Jacques Perrin gespielten Sozialhelfer, der daraufhin gefeuert wird. Geübt im Anschwärzen anderer, legt sie letztendlich mit eben dieser Methode der üblen Heimleiterin das Handwerk und kann nun Jacques, für den sie ein wenig entflammt ist, zurückholen.

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Claire weiß um die Mechanismen im Altersheim und hat sich ihnen bisher untergeordnet. Claude Jade spielt die Reaktionen auf die absurden Forderungen der Heimleiterin subtil – in einer diskreten Mischung aus Skepsis und gewisser Bewunderung für dieses Durchsetzungsvermögen. Dass auch Verachtung für die herrische Direktorin mitschwingt, deutet sie dabei ebenso an wie das Unvermögen, gegen diese Regel aufzubegehren.

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Claude Jades Rolle, die den Film eröffnet und ihn auch als Erzählerin beendet, ist in ihrer Ambivalenz die einzige Figur, die sich verändert; nicht so sehr durch ihr Handeln, das sich immer aus ihrem jeweiligen Standpunkt, ihrer Entwicklung, erklärt. Vielmehr ist ihre Claire Beobachterin der Vorkommnisse in diesem so obskuren wie dokumentarisch anmutenden „St. Marguerite“.

Claude Jade in "Home sweet Home"

Claude Jade in „Home sweet Home“

2005 ist der Film in Belgien bei melimedias als DVD mit reichlich Bonusmaterial, u.a. Interviews mit Benoît Lamy, Claude Jade und Jacques Perrin, erschienen. Sprache: Französisch, UT: flämisch.

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Links:
Home sweet Home (Trautes Heim)
Jacques Perrin

Kita no misaki

Claude Jade, Go Kato 北の岬

Claude Jade, Go Kato 北の岬

Einer ihrer am seltensten gezeigte Filme ist „Kita no misaki“ ( 北の岬 / Le cap du nord / Das Nordkap ) von Kei Kumai ( 熊井 啓 ), den Claude Jade 1975 gedreht hat. Er lief zuletzt 2007 in Tokio und ist bisher noch nicht auf DVD erschienen.
Im Entwurf die Filmseite zu „Kita no misaki“

Go Kato und Claude Jade

Go Kato und Claude Jade

Kita_no_misaki_Cap_du_nord_Claude_Jade_Go_KatoDa sie in Japan keine Unbekannte ist, fällt die Wahl der Produktionsfirma Toho bei der Suche nach einer französischen Schauspielerin in einem japanischen Film auf Claude Jade. Sie wird eine Schweizer Missionarin spielen und der Film die Geschichte ihrer Reise und einer unmöglichen Liebe erzählen. Am 25. August 1975 reist Claude Jade nach Japan. So europäisch ihr Tokio vorkommt – an den Fassaden prangen Poster von Alain Delon und die Japanerinnen kleiden sich nach der neuesten westlichen Mode – so überraschender ist die erste Lüge, zu der ihr die Produktionsfirma auf der ersten Pressekonferenz zum Film rät. Claude Jade, die eine Nonne spielt, muss behaupten, sie sei ledig. Kumai überlässt nichts dem Zufall. Dennoch verursacht Claude Jade bei der Konferenz einen winzigen Skandal. In eine Robe von Yves Saint-Laurent gekleidet, trägt sie passende Sandalen desselben Machers. Doch in Japan ist es 1975 unerhört, als Frau einen Blick auf nackte Füße zu gewähren – schon gar nicht bei einer Pressekonferenz!

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Kita_No_Misaki_Le_Cap_du_Nord_Claude_JadeClaude  Jade dreht in Tokio, Yokohama, Kyoto, Singapur, Bangkok, in Wakkanai auf Hokkaido und in Skri Lanka.  Für die Arbeit dort wohnt sie in Colombo und wird mit einem Militärflugzeug nach Anuradhapura geflogen. Dort dreht Kei Kumai eine Traumsequenz – die einzige Szene, in der Marie-Thérèse nicht ihre Nonnentracht trägt. In diesem Traum in einer Kulisse von Ruinen fliegt ihr offenes Haar im Wind und die Liebe zum japanischen Ingenieur Mitsuo (Go Kato) scheint möglich.
Die einzigen Zuschauer am Set sind die zahlreichen Affen, die die Geisterstadt bevölkern.

Parallel zu „Kita no misaki“ dreht sie zwei Filme in Frankreich. Als die Arbeit in Japan fortgesetzt wird, ist Claude Jade schwanger. Davon darf die Presse, der sie als „unverheiratet“ vorgestellt wurde, nichts erfahren.  Als ihr Ehemann Bernard Coste sie für einige Wochen in Tokio besucht, muss sie ihn als ihren Privatsekretär ausgeben. Ganz zu schweigen davon, dass eine als ledig geltende Schwangere eine Nonne spielt! Claude Jade muss im Japan der 70er ihre „glücklichen Umstände“ kaschieren. Die Kostümbildnerin schneidert die schwarze Robe so um, dass die Veränderung der Silhouette nicht wahrnehmbar ist.

Françoise Guernier, Claude Jade, Go Kato

Françoise Guernier, Claude Jade, Go Kato

北の岬 熊井 啓 加藤 剛 クロード・ジャド Kita no misaki Claude Jade Go Kato Kei Kumai

Claude Jade und Go Kato „Kita no misaki“

Claude Jade in Japan

Claude Jade in Japan

Aus den sonnigen Gefilden des ersten Teils geht es in den verschneiten Norden Japans. Die frostigen Temperaturen auf der weißen Insel setzten der Crew zu, einige Mitglieder erkranken. Und Claude fröstelt es ein wenig in jener Robe, unter der sie in Sri Lanka schwitzte. Als Schwangere will sie sich keinem Risiko aussetzen und folgt einer Idee Bernards. Sie trägt unter ihrem Kleid Lagen von Zeitungspapier, so dass die Kälte nicht eindringen kann. Und über dem Ganzen kreist ein Helikopter, der den Schnee aufwirbelt. Dennoch bereitet der Papierpanzer Probleme beim Ton. Als Go Kato auf sie zuläuft und sie in seine Arme presst, rascheln die Zeitungen so stark über dem Dialog, dass die Szene nachsynchronisiert werden muss.

北の岬 熊井 啓 クロード・ジャド 加藤 剛 Kita No Misaki Kei Kumai Claude Jade Go Kato

北の岬 熊井 啓 クロード・ジャド 加藤 剛
Kita No Misaki Kei Kumai Claude Jade Go Kato

Als Claude Jade im Sommer 1976 zur Premiere von „Kita no misaki“ nach Tokio reisen will, verbietet es die Produktion Toho. Ihre Schwangerschaft lässt sich nun nicht mehr leugnen – und das sei ein unmöglicher Zustand, wo doch die Presse Japans seit dem ersten Interview zu Drehbeginn im Glauben ist, sie sei unverheiratet!

In Frankreich keine Zensur der Schwangerschaft: Claude Jade im Sommer 1976

In Frankreich keine Zensur der Schwangerschaft: Claude Jade im Sommer 1976

Claire Duhamel 1925-2014

Claude Jade, Daniel Ceccaldi, Claire Duhamel: Baisers volés

Claude Jade, Daniel Ceccaldi, Claire Duhamel: Baisers volés

Am 7. Februar 2014 verstarb die Schauspielerin Claire Duhamel, Filmliebhabern in aller Welt vertraut als die Maman von Claude Jade – und Schwiegermutter von Antoine Doinel – in François Truffauts „Baisers volés“ und „Domicile conjugal“.

Duhamel, Ceccaldi, Jade: Domicile conjugal

Duhamel, Ceccaldi, Jade: Domicile conjugal

Als 1968 die Eltern Christine Darbons in „Baisers volés“ besetzt werden müssen, wählt Truffaut Daniel Ceccaldi und Claire Duhamel. Claude Jade: „François sagte, daß er Mädchen mit netten Eltern gern mochte. Aus diesem Grund sind Antoine Doinels Schwiegereltern so sympathisch.“

Claire Duhamel wird 1951 mit „Un grand patron“ (Chefarzt Dr. Delius) an der Seite von Pierre Fresnay bekannt, dreht danach unter anderem bei Resnais in „Der Krieg ist vorbei“. Doch Truffauts Filme werden ihre bekanntesten.

Claire Duhamel wird zu Beginn von „Baisers volés“ zur Botschafterin eines politischen Truffaut in einem unpolitischen und aus der Zeit gefallenen Film. Fast beiläufig spricht sie aus, was Truffaut zu jener Zeit in erster Linie beschäftigt und einen erheblichen Einfluss auf die Entstehung des Films hat: seinen Kampf gegen die Entlassung Henri Langlois‘ als Direktor der Cinémathèque Française. Während sie ihm das Abendessen serviert, erklärt sie Antoine (Jean-Pierre Léaud), Christine habe den Unterricht am Konservatorium aus Protest gegen den neuen Direktor boykottiert, weil sie lieber den alten behalten hätte.

Claire Duhamel, Claude Jades Maman in „Baisers volés“

Madame Darbon (Claire Duhamel) berichtet Antoine (Jean-Pierre Léaud) von Christine (Claude Jade vorerst auf einem Foto)

Den zweiten ihrer Auftritte  hat die Theaterschauspielerin in einer echten Bühnenvorstellung. Madame Darbon sitzt am Schreibtisch im Büro ihrer Autowerkstatt. Den Raum durchschreitend, berichtet Jean-Pierre Léaud ihr von seiner Beschattung eines Kindermädchens, Christine und ihr Vater kommen hinzu und der Raum wird endgültig zur Theaterbühne: Jede der Figuren weicht nun Monsieur Darbon aus, der aufgeregt die Adresse eines Kunden sucht. So bleibt Duhamel auf Zelluloid auch als Dame des Theaters in Erinnerung.

Claude Jade, Claire Duhamel, Jean-Pierre Léaud, Daniel Ceccaldi

Claude Jade, Daniel Ceccaldi und Claire Duhamel in "Baisers volés"

Claude Jade, Daniel Ceccaldi und Claire Duhamel in „Baisers volés“

 

Claude Jade, Claire Duhamel, Daniel Ceccaldi, Jean-Pierre Léaud

Eine ihrer Szenen in „Baisers volés“ verdankt Claire Duhamel dem Improvisationstalent Truffauts: „Ich erinnere mich daran, dass ich eine Szene nach Maßgabe der Filmkulisse improvisiert habe. Das Haus von Christines Eltern besaß zwei Ausgänge. Ich war sehr glücklich darüber, da ich hier etwas tun konnte, was ich vorher nicht gewagt hätte. Die Situation stellte sich tatsächlich der Psychologie der Figuren entgegen. Man sah Antoine, wie er bei Christines Eltern ankam; die Mutter sagte an der Tür, dass Christine weggegangen sei, bestand jedoch darauf, dass er hereinkam. Als sie ihn überredet hat, wirft Claire Duhamel einen Blick zur Seite. Plötzlich sah man auf der rechten Seite des Bildes, wie sich die Kellertüre öffnete und Claude Jade herauskam, die sich unter den Fenstern vorbeischlich. Diese rätselhafte Szene sollte zu verstehen geben, dass es zwischen Mutter und Tochter eine Komplizenschaft gab und Claude Jade ein Doppelleben führte.“

Claude Jade, Claire Duhamel, Daniel Ceccaldi, Jean-Pierre Léaud: Domicile conjugal

Claude Jade, Claire Duhamel, Daniel Ceccaldi, Jean-Pierre Léaud: Domicile conjugal

Als Claire Duhamel – inzwischen brünett – zwei Jahre später ihren Part in „Domicile conjugal“ wiederholt, hat sie sich bereits von ihrem Beruf als Schauspielerin verabschiedet und wurde Administratorin des Théâtre des Nations und bald darauf Kulturattachée in Chile. Ihr strahlendes Lächeln im Universum Truffauts bleibt im Gedächtnis des Kinos bestehen.

Christine (Claude Jade) entschuldigt sich bei Maman (Claire Duhamel). Sie hat vergessen, dass letzte Woche Muttertag war. Antoine weiß: "Also von allem anderen abgesehen; der Muttertag ist eine Erfindung der Nazis." Jean-Pierre Léaud, Claude Jade, Daniel Ceccaldi und Claire Duhamel in "Domicile conjugal".

Christine (Claude Jade) entschuldigt sich bei Maman (Claire Duhamel). Sie hat vergessen, dass letzte Woche Muttertag war. Antoine weiß: „Also von allem anderen abgesehen; der Muttertag ist eine Erfindung der Nazis.“ Jean-Pierre Léaud, Claude Jade, Daniel Ceccaldi und Claire Duhamel in „Domicile conjugal“.